Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung

Alexander Bantz untersucht, ob Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung für die Gestaltung wertorientierter Kennzahlen bei einer Konvergenz im Allgemeinen und im Speziellen bei Fair Value-Bilanzierung geeignet sind. Er zeigt Möglichkeiten und Grenzen Fair Value-basierter wertorientierter Kennzahlen auf und entkräftet wesentliche bei Konvergenzüberlegungen geäußerte Kritikpunkte. Dazu analysiert er, ob hinsichtlich der mit wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung verfolgten Rechnungszwecke und der daran anknüpfenden Anforderungen Konvergenzpotenzial zu erkennen ist. Zudem wird anhand verschiedener Szenarien das Konvergenzpotenzial der Fair Value-Bilanzierung unter besonderer Berücksichtigung der Regelungen des IFRS 13 im Hinblick auf die Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen untersucht.

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Alexander Bantz

Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung

Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung

Alexander Bantz

Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRSFinanzberichterstattung Mit einem Geleitwort von Univ.-Prof. Dr. Louis Velthuis

Alexander Bantz Mainz, Deutschland Dissertation Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Johannes ­Gutenberg-Universität Mainz, 2017, u.d.T.: Alexander Bantz: „Konvergenz von wert­ orientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung. Unter besonderer Berücksichtigung der Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13.“ D077

ISBN 978-3-658-24498-9 ISBN 978-3-658-24499-6  (eBook) https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6 Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National­ bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Springer Gabler © Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Die Wiedergabe von allgemein beschreibenden Bezeichnungen, Marken, Unternehmensnamen etc. in diesem Werk bedeutet nicht, dass diese frei durch jedermann benutzt werden dürfen. Die Berechtigung zur Benutzung unterliegt, auch ohne gesonderten Hinweis hierzu, den Regeln des Markenrechts. Die Rechte des jeweiligen Zeicheninhabers sind zu beachten. Der Verlag, die Autoren und die Herausgeber gehen davon aus, dass die Angaben und Informa­ tionen in diesem Werk zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vollständig und korrekt sind. Weder der Verlag, noch die Autoren oder die Herausgeber übernehmen, ausdrücklich oder implizit, Gewähr für den Inhalt des Werkes, etwaige Fehler oder Äußerungen. Der Verlag bleibt im Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutionsadressen neutral. Springer Gabler ist ein Imprint der eingetragenen Gesellschaft Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH und ist ein Teil von Springer Nature Die Anschrift der Gesellschaft ist: Abraham-Lincoln-Str. 46, 65189 Wiesbaden, Germany

Geleitwort In Deutschland findet man traditionsgemäß vielfach eine grundsätzliche Trennung des Rechnungswesens in internes Rechnungswesen einerseits und externes Rechnungs-wesen andererseits. Diese Trennung wurde insbesondere mit divergierenden Adressaten bzw. einhergehenden Zielsetzungen der beiden Rechnungswesensysteme begründet. Insbesondere haben sich allerding das interne Rechnungswesen, und zwar im Zuge des wertorientierten Rechnungswesens, und das externe Rechnungswesen, und zwar im Zuge der Einführung der IFRS-Finanzberichterstattung, stärker zueinander entwickelt. Vor diesem Hintergrund findet spätestens seit den 1990er Jahren unablässig eine wissenschaftliche und praktische Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Konvergenz der beiden Rechnungswesensysteme statt. Insbesondere wird hierbei diskutiert, inwieweit für die Bestimmung von wertorientierten Kennzahlen in Form von Residualgewinnen auf die Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung zurückgegriffen werden kann bzw. sollte. Besonders kritisch und kontrovers wird hierbei die Fair Value-Bilanzierung debattiert. Die Arbeit von Herrn Bantz stellt einen aus wissenschaftlicher wie auch praktischer Sicht hervorragenden eigenständigen Beitrag zu diesem sehr anspruchsvollen und komplexen Thema des Konvergenzpotenzials von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung dar. Es werden eindrucksvoll die entsprechenden Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt. Insbesondere behandelt die Arbeit drei wis-senschaftliche Forschungsfragen mit Bravour.

VI

Geleitwort

Bei der ersten Forschungsfrage wird das grundsätzliche Konvergenzpotenzial anhand der mit Informationen der IFRSFinanzberichterstattung im aktuellen Framework kon-kretisierten Rechnungszwecke und der konkret mit wertorientierten Kennzahlen verfolgten Rechnungszwecke überzeugend aufgezeigt. Im Rahmen der zweiten Forschungsfrage wird unter Zugrundelegung einer formal-theoretischen Analyse, die Bedeutung von Fair Value-basierten Performancemaßen im Rahmen der Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen detailliert untersucht. Bei der letzten Forschungsfrage wird dann vertiefend analysiert, inwiefern sich Fair Value-basierte Performancemaße für die wertorientierte Verhaltenssteuerung im Rahmen von Investitionsentscheidungen bei der Existenz unbekannter Zeitpräferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des mit einer Investitionsentscheidung betrauten Managers eigen, und zudem, welche Bedeutung dies für das betrachtete Konvergenzpotenzial hat.

Univ.-Prof. Dr. Louis Velthuis

Vorwort Die vorliegende Arbeit wurde im Juli 2017 vom Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Johannes GutenbergUniversität Mainz als Dissertation angenommen. Sie ist während meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Controlling meines Doktorvaters Univ.-Prof. Dr. Louis Velthuis entstanden. Besonderer Dank gilt meinem Doktorvater Univ.-Prof. Dr .Louis Velthuis, der mein Dissertationsprojekt in hervorragender Weise betreute. Seinem Verständnis und seiner wertvollen Unterstützung konnte ich mir nicht nur bei fachlichen Fragestellungen stets sicher sein. Herrm Univ.-Prof. Dr. Stefan Rammert danke ich herzlich für die Übernahme des Zweitgutachtens. Dank gilt auch meinen ehemaligen Kollegen am Lehrstuhl und im Fachbereich für die freundschaftliche und konstruktive Zusammenarbeit, die viele unvergessliche Erlebnisse mit sich brachte. Die wunderbare gemeinsame Zeit wird mir immer in Errinerung bleiben. Mein besonderer Dank gilt Frau Dr. Julia Ortner für Ihre unermüdliche Disskussionsbereitschaft und die wertvollen Hinweise und Anregungen insbesondere in der Endphase der Dissertation. Abschließend danke ich meiner Familie für ihre bedingungslose Unterstützung. Meiner lieben Partnerin Frau Dipl.-Psych. Theresa Müller danke ich für die Durchsicht des Manuskipts und ihre große moralische Unterstützung während der gesamten Promotionszeit. Meinen Geschwistern danke ich ebenso für ihren Rückhalt. Ohne meine lieben Eltern Bernd und Barabara Bantz würde ich heute

VIII

Vorwort

nicht „auf eignen Beinen“ stehen. Ihnen bin ich für alles unendlich dankbar.

Alexander Bantz

Abstract Die Annäherung von Informationen der externen Finanzberichterstattung und von für interne Zwecke verwendete Informationen i. S. e. Konvergenz ist seit über 25 Jahren Gegenstand von Diskussionen und stellt darüber hinaus ein in der Praxis übliches Vorgehen dar. Forcierende Rahmenbedingungen für eine solche Konvergenz sind zum einen die Verwendung internationaler Rechnungslegungsnormen und zum anderen die wertorientierte Unternehmensführung. Zur Umsetzung der wertorientierten Unternehmensführung kommen regelmäßig wertorientierte Kennzahlen zum Einsatz, welche vor dem Hintergrund der Konvergenzbestrebungen häufig auf Informationen der externen Finanzberichterstattung aufbauen. Ziel dieser Arbeit ist es zu prüfen, ob Informationen der IFRSFinanzberichterstattung im Rahmen einer Konvergenz im Allgemeinen und im Speziellen bei Fair Value-Bilanzierung eine geeignete Grundlage für die Ausgestaltung wertorientierter Kennzahlen bilden. Im Rahmen der Analyse wird zunächst untersucht, ob vor dem Hintergrund der jeweils mit wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung verfolgten Rechnungszwecke ein Konvergenzpotenzial zu erkennen ist. Daran anknüpfend wird auch untersucht, ob die an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen bei Verfolgung der angesprochenen Konvergenz erreicht werden können. Letztlich wird anhand einer formalen Analyse anhand verschiedener Szenarien das Konvergenzpotenzial der Fair Value-Bilanzierung unter besonderer Berücksichtigung der Regelungen des IFRS 13 im Hinblick auf die Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen aufgezeigt.

X

Abstract

Im Ergebnis kann sowohl vor dem Hintergrund der Rechnungszwecke, als auch vor dem Hintergrund der an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen Konvergenzpotenzial zwischen wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRSFinanzberichterstattung identifiziert werden. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen lassen sich wesentliche im Zusammenhang mit Konvergenzüberlegungen geäußerte Kritikpunkte entkräften. Im Hinblick auf die Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen besteht bei Fair Value-Bilanzierung hingegen nicht per se Konvergenzpotenzial. Insb. zeigt sich, dass die Güte der Konvergenz maßgeblich von spezifischen Eigenschaften der betrachteten Projekte abhängt und ggf. Anpassungen an Fair Value-basierten Kennzahlen vorzunehmen sind.

Inhaltsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis ............................................................ XIX Variablenverzeichnis ................................................................ XXI Abbildungsverzeichnis ........................................................... XXIII Anhangsverzeichnis ................................................................ XXV 1 Problemstellung ...................................................................... 1 2 Theoretische Grundlagen zu wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung ...... 15 2.1 Shareholder Value-Maximierung als unternehmerische Zielsetzung........................................................................ 15 2.2 Wertorientierte Kennzahlen ............................................ 23 2.2.1 Grundprobleme bei delegierter Unternehmensführung im Lichte der Agency-Theorie.................... 23 2.2.2 Wertorientierte Kennzahlen als Bestandteil von Lösungsansätzen ....................................................... 26 2.2.3 Zwecke wertorientierter Kennzahlen ....................... 32 2.2.4 Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen ....... 35 2.2.4.1 Vorbemerkungen .................................................. 35 2.2.4.2 Zentrale Anforderungen ....................................... 36 2.2.4.3 Ergänzende Anforderungen .................................. 42

XII

Inhaltsverzeichnis

2.3 Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung ......... 50 2.3.1 Grundprobleme bei Kapitalmarktfinanzierung im Lichte der Agency-Theorie ....................................... 50 2.3.2 Informationen der externen Finanzberichterstattung als Lösungsansatz .................................... 52 2.3.3 Zwecksetzung der Finanzberichterstattung nach IFRS ........................................................................... 56 2.3.4 Anforderungen und Nebenbedingung an Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung .. 60 3 Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung ............. 65 3.1 Grundlagen zur Konvergenz ........................................... 65 3.1.1 Definition und Konvergenzrichtungen ..................... 65 3.1.2 Konvergenzmotive .................................................... 69 3.2 Vereinbarkeit der Rechnungszwecke als Ausgangspunkt des Konvergenzpotenzials ..................................... 74 3.3 Erreichbarkeit der Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen im Rahmen der betrachteten Konvergenz.. 80 3.4 Zwischenfazit ................................................................... 92 4 Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 ............................... 95 4.1 Vorbemerkungen ............................................................. 95

Inhaltsverzeichnis

XIII

4.2 Fair Value-Bilanzierung in der IFRSFinanzberichterstattung .................................................. 98 4.2.1 Definition und Abgrenzung des Fair Value nach IFRS 13 als spezifische Zeitwertkonzeption ............. 98 4.2.2 Ermittlung des Fair Value nach IFRS 13 ............... 102 4.2.3 Anwendungsbereich der Fair Value-Bilanzierung 106 4.3 Umsetzungsmöglichkeiten in der Unternehmenspraxis ...................................................... 111 5 Modellrahmen .................................................................... 117 5.1 Grundmodell .................................................................. 117 5.2 Bedeutung der Annahme unbekannter Zeitpräferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts ............ 126 6 Eignung der Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 im Rahmen der wertorientierten Investitionssteuerung im Ein-Projekt-Fall ............................................................ 131 6.1 Herleitung wertorientierter Performancemaße ............ 131 6.1.1 Ermittlung des geeigneten erwarteten Erfolgsausweises ...................................................... 131 6.1.2 Gestaltung geeigneter Allokationsregeln ................ 136 6.2 Eignung Fair Value-basierter Performancemaße......... 141 6.2.1 Einleitung ................................................................ 141

XIV

Inhaltsverzeichnis 6.2.2 Konkretisierung der Performancemaße und Anpassung des Modellrahmens .............................. 142 6.2.3 Übereinstimmende Cashflow-Erwartungen ........... 144 6.2.3.1 Einleitung und Ergänzung des Modellrahmens ... 144 6.2.3.2 Zugangsbewertung zum Fair Value .................... 145 6.2.3.2.1 Erwarteter Erfolgsausweis ........................... 145 6.2.3.2.2 Anreizwirkung............................................. 150 6.2.3.3 Zugangsbewertung zu Anschaffungskosten ........ 153 6.2.3.3.1 Erwarteter Erfolgsausweis ........................... 153 6.2.3.3.2 Anreizwirkung............................................. 157 6.2.4 Abweichende Cashflow-Erwartungen .................... 160 6.2.4.1 Einleitung und Anpassung des Modellrahmens ... 160 6.2.4.2 Zugangsbewertung zum Fair Value .................... 162 6.2.4.2.1 Erwarteter Erfolgsausweis ........................... 162 6.2.4.2.2 Anreizwirkung............................................. 166 6.2.4.3 Zugangsbewertung zu Anschaffungskosten ........ 169 6.2.4.3.1 Erwarteter Erfolgsausweis ........................... 169 6.2.4.3.2 Anreizwirkung............................................. 174

Inhaltsverzeichnis

XV

7 Eignung der Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 im Rahmen der wertorientierten Investitionssteuerung bei Existenz einer zeitpunktbezogenen Investitionsrestriktion ........................................................ 179 7.1 Einleitung und Anpassung des Modellrahmens ............ 179 7.2 Herleitung wertorientierter Performancemaße ............ 181 7.2.1 Ermittlung des geeigneten erwarteten Erfolgsausweises ...................................................... 181 7.2.2 Gestaltung geeigneter Allokationsregeln ................ 186 7.3 Eignung Fair Value-basierter Performancemaße......... 192 7.3.1 Einleitung und Konkretisierung der Performancemaße ................................................... 192 7.3.2 Übereinstimmende Cashflow-Erwartungen ........... 193 7.3.2.1 Konkretisierung des Fair Value und erwarteter Erfolgsausweis ................................................... 193 7.3.2.2 Anreizwirkung ................................................... 195 7.3.2.2.1 Zugangsbewertung zum Fair Value ............. 195 7.3.2.2.2 Zugangsbewertung zu Anschaffungskosten . 198 7.3.3 Abweichende Cashflow-Erwartungen .................... 200 7.3.3.1 Konkretisierung des Fair Value und erwarteter Erfolgsausweis ................................................... 200 7.3.3.2 Anreizwirkung ................................................... 203 7.3.3.2.1 Zugangsbewertung zum Fair Value ............. 203 7.3.3.2.2 Zugangsbewertung zu Anschaffungskosten . 205

XVI

Inhaltsverzeichnis

8 Eignung der Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 im Rahmen der wertorientierten Investitionssteuerung bei Existenz einer intertemporalen Investitionsrestriktion..... 209 8.1 Vorbemerkungen und Anpassung des Modellrahmens 209 8.2 Wertneutrale Veräußerungsoption ............................... 218 8.2.1 Konkretisierung des Verkaufspreises..................... 218 8.2.2 Herleitung wertorientierter Performancemaße ..... 219 8.2.2.1 Ermittlung des geeigneten erwarteten Erfolgsausweises ................................................ 219 8.2.2.2 Gestaltung geeigneter Allokationsregeln............. 227 8.2.3 Eignung Fair Value-basierter Performancemaße .. 235 8.2.3.1 Einleitung und Anpassung des Modellrahmens ... 235 8.2.3.2 Erwarteter Erfolgsausweis .................................. 239 8.2.3.3 Anreizwirkung ................................................... 244 8.3 Wertmindernde Veräußerungsoption ........................... 250 8.3.1 Konkretisierung des Verkaufspreises..................... 250 8.3.2 Herleitung wertorientierter Performancemaße ..... 251 8.3.2.1 Ermittlung des geeigneten erwarteten Erfolgsausweises ................................................ 251 8.2.3.2 Gestaltung geeigneter Allokationsregeln............. 262 8.3.3 Eignung Fair Value-basierter Performancemaße .. 270 8.3.3.1 Einleitung und Anpassung des Modellrahmens ... 270 8.3.3.2 Erwarteter Erfolgsausweis .................................. 273

Inhaltsverzeichnis

XVII

8.3.3.3 Anreizwirkung ................................................... 276 9 Kritische Würdigung.......................................................... 283 9.1 Spezifische Modellannahmen ........................................ 283 9.2 Konvergenzpotenzial ..................................................... 286 9.2.1 Konvergenzpotenzial vor dem Hintergrund der Rechnungszwecke und Anforderungen .................. 286 9.2.2 Konvergenzpotenzial bei Fair Value-Bilanzierung 297 10 Fazit..................................................................................... 305 Anhang ..................................................................................... 313 Literaturverzeichnis .................................................................. 327

Abkürzungsverzeichnis Abs. AG Anm. d. Verf. Aufl. BASF BB BC BFuP BilMOG bspw. bzw. DAX DBW DPR DStR ERIC et al. EVA gem. ggf. GuV Fn. HGB Hrsg. IAS IASB IFRS

Absatz Aktiengesellschaft Anmerkung des Verfassers Auflage Badische Anilin- und Sodafabrik Betriebs-Berater Basis for Conclusions Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz beispielsweise beziehungsweise Deutscher Aktienindex Die Betriebswirtschaft Deutsche Prüfstelle für Rechnungsprüfung Deutsches Steuerrecht Earnings less Riskfree Interest Charge et alii Economic Value Added gemäß gegebenenfalls Gewinn- und Verlustrechnung Fußnote Handelsgesetzbuch Herausgeber International Accounting Standards International Accounting Standards Boards International Financial Reporting Standards

XX insb. i.S. i. S. d. i. S. e. i. S. v. Jg. KoR krp Nr. OB OCI QC S. sog. Sp. US-GAAP vgl. vs. WiSt WPg z. B. zfbf ZfCM ZGR z. T.

Abkürzungsverzeichnis insbesondere im Sinne im Sinne der/des im Sinne einer/eines im Sinne von Jahrgang Kapitalmarktorientierte Rechnungslegung Kostenrechnugspraxis Nummer Objective Other Comprehensive Income Qualitative Characteristics Seite sogenannt Spalte United States Generally Accepted Accounting Principles vergleiche versus Wirtschaftswissenschaftliches Studium Die Wirtschaftsprüfung zum Beispiel Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung Zeitschrift für Controlling & Management Zeitschrift für Unternehmens- und Gesellschaftsrecht zum Teil

V a ri a bl e n v e r z ei c h nis B c

B u c h w ert C as hfl o w

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C as hfl o w ei n e s r e pr äs e nt ati v e n M ar ktt eil n e hm ers u nt er n e h m e nss p e zifis c h e C as hfl o w k o m p o n e nte ( v err e c h n et e) W ert ä n d er u n g F air V al u e Pr oj e kti n d e x I n v estiti o ns a u s z a hl u n g Pr oj e kti n d e x K a pit al w ert K a pit al w ert ei n es r e pr äs e nt ati v e n M ar ktt eiln e h m ers m o difi zi ert er K a pit al w ert

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Pr oj e kti n d e x Pr oj e kti n d e x A n z a hl d er r e alisi ert e n I n v estiti o ns pr oj e kt e Z eit pr äf er e n zr at e Z eiti n d e x b z w. Z eit p u n kt E n d e d er Pr oj e ktl a uf z eit N ut z e nf u n kti o n d es M a n a g er s N ut z e nf u n kti o n d es S h ar e h ol d ers V er k a ufs pr eis Str u kt ur p ar a m et er Ni v e a u p ar a m et er All o k ati o nsr e g el d es C as hfl o ws b z w. d es V er-

XXII

VP

KW

IFRS

ˆ

()

Variablenverzeichnis kaufspreises Allokationsregel der Investitionsauszahlung Anteilsfaktor Abschlagsfaktor auf den Verkaufspreis kapitalwertspezifischer Abschlagsfaktor Störterm Allokationsregel der Investitionsauszahlung Anteilsfaktor Performancemaß IFRS-basiertes Performancemaß Performancemaß bei Projektwechsel Zeitindex bzw. Zeitpunkt Störterm (transaktionsspezifisch) Entlohnungsfunktion

Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Zentrale Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen .......................................................... 41 Abbildung 2: Ergänzende Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen .......................................................... 49 Abbildung 3: Anforderungen und Nebenbedingung an IFRSInformationen ....................................................... 64 Abbildung 4: Abfolge der Ereignisse im Grundmodell ............. 125 Abbildung 5: Abfolge der Ereignisse bei intermporaler Investitionsrestriktion ......................................... 212

Anhangsverzeichnis Anhang 1:

Herleitung der Allokationsregel

Anhang 2:

Herleitung der Allokationsregeln

Anhang 3: Anhang 4:

Anhang 6:

Herleitung der verrechneten Wertänderung ........... 314 Herleitung des erwarteten Erfolgsausweises zum Zeitpunkt t=1 bei übereinstimmenden CashflowErwartungen ......................................................... 315 Herleitung des erwarteten Erfolgsausweises zum Zeitpunkt t=1 bei abweichenden CashflowErwartungen ......................................................... 318 Herleitung der Allokationsregel k ...................... 319

Anhang 7:

Herleitung der Allokationsregeln

tk

Anhang 8:

Herleitung der Allokationsregeln

tj

Anhang 9:

wertneutraler Veräußerungsoption ........................ 321 Herleitung der Allokationsregeln j und j bei

Anhang 5:

...................... 313

0 t

und

t

und und

......... 313

tk tj

....... 320

bei

wertmindernder Ver-äußerungsoption ................... 322 Anhang 10: Herleitung der Allokationsregeln tj und tj bei wertmindernder Ver-äußerungsoption ................... 324

1 Problemstellung Spätestens seit Mitte der 1990er-Jahre findet sich in der deutschen betriebswirtschaftlichen Literatur eine Diskussion zur Vereinheitlichung von Informationen der externen Finanzberichterstattung 1 und den für interne Zwecke verwendeten Informationen. 2 Als Ausgangspunkt der Diskussion wird vielfach der Beitrag von Ziegler genannt,3 welcher entsprechende Vereinheitlichungsbestrebungen bei der Siemens AG beschreibt. 4 Das Erscheinen dieses „provokanten“5 Beitrags, der die bis dahin übliche Trennung in internes und externes Rechnungswesen in Frage stellt, 6 wird von Trapp als „Wendepunkt in der Ausgestaltung des betrieblichen Rechnungswesens“7 bezeichnet. Trotz ihrer beachtlichen Dauer lässt sich in der Diskussion um die Vereinheitlichung des Rechnungswesens im 1

Der Begriff der Finanzberichterstattung wird in dieser Arbeit als Gesamtheit der gesetzlich vorgeschriebenen und freiwilligen, auf festgelegten Normen basierenden externen Unternehmenspublizität verstanden. Sie ist Bestandteil des externen Rechnungswesens (der externen Unternehmensrechnung) als Gesamtheit aller an externe Adressaten gerichteten Informationen bzw. Informationssysteme. Zu einer ähnlichen Abgrenzung siehe Wagenhofer/Ewert (2015), S. 4. 2 Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 147; Kajüter (2008), S. 341. Diese Diskussion ist jedoch nicht auf die theoretische Sphäre beschränkt. Seit Beginn der 1990erJahre wird die Diskussion um eine Vereinheitlichung des internen und externen Rechnungswesens bspw. auch bei der Lufthansa AG geführt. Vgl. Beißel/Steinke (2004), S. 63. 3 Vgl. bspw. Simons/Weißenberger (2008), S. 138; Pelger (2008), S. 565; Kajüter (2008), S. 341; Bruns (1999), S. 586. 4 Vgl. Ziegler (1994). 5 Haring/Prantner (2005), S. 147. 6 Vgl. Trapp (2012a), S. 970. Begründet wird die Entwicklung eines separaten internen Rechnungswesens mit Unzulänglichkeiten des externen Rechnungswesens bspw. im Hinblick auf die Führung von Unternehmen. Vgl. Wagenhofer (2006), S. 19. 7 Trapp (2012a), S. 970. © Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 A. Bantz, Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6_1

2

Problemstellung

Zeitablauf keine einheitliche Richtung erkennen. 8 Befürworter einer Vereinheitlichung sehen etwa die Möglichkeit einer Komplexitätsreduktion im Rechnungswesen.9 Entgegen steht dieser Position die Befürchtung, dass eine substanzielle Reduktion der Komplexität tatsächlich nicht realisiert werden kann. 10 Begleitet wird die Diskussion durch die aus zahlreichen empirischen Studien gewonnene Erkenntnis, dass Vereinheitlichungsbestrebungen in praxi kein singuläres Phänomen darstellen, sondern vielmehr weitreichende Verbreitung erfahren.11 Konstatiert wird folgerichtig auch in weiteren Beiträgen, dass zahlreiche Unternehmen in der Praxis die Vereinheitlichung im Rechnungswesen forcieren.12 Maßgeblich vorangetrieben wird diese Vereinheitlichung durch die Verwendung internationaler Rechnungslegungsnormen wie bspw. der International Financial Reporting Standards (IFRS).13 Diesen wird im Vergleich zu nationalen Rechnungslegungsvorschriften, bspw. in Form der Regelungen des Handelsgesetzbuches (HGB), eine stärkere Ausrichtung an der ökonomischen Realität zugeschrieben.14 Ihnen wird deshalb eine verstärkte Eignung bei der Verwendung von Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung für interne Zwecke, z. B. die Verhal-

8

Vgl. Küting/Lorson (1998c), S. 483; Ruhwedel/Schultze (2004), S. 489. Vgl. Klein (1999a), S. 68. 10 Vgl. Kirsch/Steinhauer (2003), S. 432; Fleischer (2005), S. 195-196. 11 Vgl. Angelkort (2010), S. 121; Haring/Prantner (2005), S. 151; Hoke (2001), S. 161; Pellens/Tomaszewski/Weber (2000), S. 1830; Horváth/Arnaout (1997), S. 265 und 268. 12 Vgl. Wala/Knoll/Messner (2007), S. 1834; Pelger (2008), S. 565. 13 Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 148. 14 Vgl. Wagenhofer (2006), S. 2. 9

Problemstellung

3

tenssteuerung, zugesprochen. 15 Die Verwendung der IFRS als internationale Rechnungslegungsnormen treibt jedoch nicht nur Vereinheitlichungsbestrebungen in der Praxis voran, sondern belebt auch die vor diesem Hintergrund bestehende wissenschaftliche Diskussion. 16 Als eine maßgebliche Triebfeder von Vereinheitlichungstendenzen gilt die zunehmende Ausrichtung der unternehmerischen Tätigkeit an den Interessen der Eigenkapitalgeber,17 welche als wertorientierte Unternehmensführung oder Wertorientierung bezeichnet wird und auf das (im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch zu begründende) Ziel der Maximierung des Marktwerts des Eigenkapitals gerichtet ist.18 Vor dem Hintergrund der Wertorientierung ist der Ausweis unterschiedlicher Ergebnisgrößen aus Sicht der Praxis problematisch, 19 da unterschiedliche Ergebnisgrößen zu Kommunikationsproblemen führen können. 20 So betrifft die angesprochene Vereinheitlichung insb. die verwendeten Ergebnisgrößen: Eine zunehmende Anzahl von Unternehmen greift bei der Ermittlung interner Ergebnisgrößen auf Informationen aus der 21 IFRS-Finanzberichterstattung zurück. Bedeutsam ist die ange15 16 17

18 19 20 21

Vgl. Kerkhoff/Thun (2007), S. 456; Busse von Colbe (2002), S. 160. Vgl. Schaier (2007), S. 3. Vgl. Trapp (2012b), S. 156. Ähnlich bereits Menn und Bruns. Vgl. Menn (1999), S. 632; Bruns (1999), S. 586. Zu weiteren Motiven siehe Abschnitt 3.1.2 der vorliegenden Arbeit. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 11; Klein (1999b), S. 39. Vgl. Kley (2006), S. 151. Vgl. Küting/Lorson (1999b), S. 220. Vgl. Wala/Knoll/Messner (2007), S. 1834. Der Rückgriff auf Informationen aus dem externen Rechnungswesen zur Ermittlung intern verwendeter Ergebnisgrößen wird auch empirisch belegt: So Zeigen Haring/Prantner, dass ledig-

4

Problemstellung

sprochene Vereinheitlichung insb. deshalb, da im Rahmen der Annäherung von Informationen der externen Finanzberichterstattung und von für interne Zwecke verwendeten Größen durch eine einheitliche Datenbasis Kommunikationsprobleme zwischen Eigenkapitalgebern und Managern abgebaut werden können. 22 Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird diese Annäherung von Informationen der (externen) IFRS-Finanzberichterstattung und wertorientierten Kennzahlen als Phänomen einer Konvergenz, welche allgemein als Annäherung von Informationen der externen Finanzberichterstattung und von intern verwendeten Informationen verstanden wird,23 betrachtet. Im Rahmen der wertorientierten Unternehmensführung kommt wertorientierten Kennzahlen besondere Bedeutung zu, da insb. sie zur Umsetzung der Wertorientierung in der Praxis eingesetzt werden. Konkret werden in der Praxis regelmäßig wertorientierte Kennzahlen in Form von Residualgewinnen (Wertbeitragskennzahlen) verwendet, die nicht nur Fremd- sondern explizit auch Eigen-

22

23

lich 3 % der Unternehmen in der untersuchten Stichprobe ein (separates) kalkulatorisches Betriebsergebnis ermitteln, während 47 % das externe Periodenergebnis auch als internes Periodenergebnis verwenden bzw. 50 % zur Ermittlung des internen Periodenergebnisses Modifikationen am externen Periodenergebnis vornehmen. Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 152. Vgl. Wagenhofer (2006), S. 13; Hasselmeyer/Reichertz/Dohrn (2005), S. 450; Klein (1999a), S. 68. Diese Einschätzung steht im Einklang mit der empirischen Untersuchung von Haring/Prantner, welche aufzeigen, dass 70 % der Unternehmen innerhalb der untersuchten Stichprobe die Verringerung von Kommunikationsschwierigkeiten als tatsächlich eingetretenen Vorteil im Rahmen der angesprochenen Vereinheitlichung nennen. Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 152. Zur Definition des Konvergenzbegriffs im Rahmen der vorliegenden Arbeit siehe Abschnitt 3.1.1.

Problemstellung

5

kapitalkosten berücksichtigen.24 Bei der Ermittlung dieser wertorientierten Kennzahlen wird – im Einklang mit den dargelegten Konvergenzbestrebungen – regelmäßig auf Informationen aus der externen Finanzberichterstattung zurückgegriffen. Jedoch werden letztere, bspw. zur Berücksichtigung kalkulatorischer Kapitalkosten als geforderte Verzinsung der Eigenkapitalgeber, regelmäßig angepasst.25 Einhergehend mit einer Basierung von wertorientierten Kennzahlen auf Informationen der Finanzberichterstattung, gewinnen auch die für Informationen der Finanzberichterstattung geltenden Regelungen an Bedeutung für die Ausgestaltung wertorientierter Kennzahlen. Da insb. die IFRS als „Katalysator“26 der Vereinheitlichungstendenzen gelten, haben die konkreten Regelungen zur Finanzberichterstattung nach IFRS zentrale Bedeutung für die resultierenden Kennzahlen. Vor dem Hintergrund der in der IFRS-Finanzberichterstattung zu verzeichnenden zunehmenden Verbreitung der Fair Value-Bilanzierung,27 welche auch als Paradigmenwechsel bezeichnet wird,28 gewinnt auch der Fair Value als Wertansatz hinsichtlich der Ausgestaltung wertorientierter Kennzahlen an Bedeutung. Vor dem Hintergrund der aufgezeigten Relevanz einer Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRSFinanzberichterstattung besteht das Ziel der vorliegenden Arbeit 24 25 26 27 28

Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 17. Vgl. Kajüter (2008), S. 341; Velthuis/Wesner/Schabel (2006a), S. 875. Haring/Prantner (2005), S. 148. Vgl. Hitz (2007), S. 323–324; Gleich/Kieninger/Kämmler (2005), S. 663. Vgl. Hitz (2006), S. 109; Gleich/Kieninger/Kämmler (2005), S. 649.

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darin, zu überprüfen, ob Informationen der IFRSFinanzberichterstattung eine geeignete Grundlage für die Ausgestaltung wertorientierter Kennzahlen bilden. Besondere Berücksichtigung erfährt dabei aufgrund ihrer zunehmenden Bedeutung die Fair Value-Bilanzierung unter Einbezug zentraler Regelungen des IFRS 13. Diese übergeordnete Zielsetzung wird anhand von drei Forschungsfragen konkretisiert. Zunächst gilt es vor dem Hintergrund des Grundsatzes der „Rechnungszweck bestimmt [...] den Rechnungsinhalt“29, anhand einer logisch-deduktiven Analyse das Konvergenzpotenzial zwischen wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung zu prüfen. In bestehenden Untersuchungen erfolgt die Analyse des Konvergenzpotenzials vor dem Hintergrund der Rechnungszwecke regelmäßig undifferenziert anhand der Rechnungszwecke des internen Rechnungswesens bzw. der Kostenrechnung und des externen Rechnungswesens.30 Eine differenziertere Beurteilung des Konvergenzpotenzials vor dem Hintergrund des Rechnungszwecks der IFRS und der Rechnungszwecke der internen Unternehmensrechnung nimmt Stute vor.31 Er 29 30

31

Schneider (1997), S. 45. Vgl. Coenenberg (1995), S. 2078–2079; Klein (1999a), S. 69; Günther/Zurwehme (2008), S. 114. Betrachtet werden in den genannten Untersuchungen als Zwecke des externen Rechnungswesens die Zahlungsbemessungs- und die Informationsfunktion. Als Zwecke des internen Rechnungswesens werden jeweils Planung und Kontrolle betrachtet, welche Günther/Zurwehme und Coenenberg durch die Dokumentation ergänzen. Vgl. ebenda. Stute bezeichnet die durch die interne Unternehmensrechnung verfolgten Rechnungszwecke als Funktionen und legt diese als Informationsfunktion, Dokumentationsfunktion, Planungsfunktion, Entscheidungsfunktion, Steue-

Problemstellung

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betrachtet dabei aber nicht ausdrücklich die Zielsetzung der Wertorientierung. Auch sei darauf hingewiesen, dass seine Auslegung des Rechnungszwecks der IFRS gem. dem Framework von 1989 erfolgt. Als Forschungslücke lässt sich somit die Untersuchung des Konvergenzpotenzials anhand des mit Informationen der IFRSFinanzberichterstattung im aktuellen Framework konkretisierten Rechnungszwecks und der konkret mit wertorientierten Kennzahlen verfolgten Rechnungszwecke identifizieren. Diese Forschungslücke soll in der vorliegenden Arbeit geschlossen werden. Darüber hinaus gilt es, auch das Konvergenzpotenzials anhand von Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen, welche zur Operationalisierung der Rechnungszwecke dienen, zu überprüfen. Verschiedene Autoren bestehender Beiträge untersuchen anhand spezifischer Anforderungen die Eignung von Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung für die Unternehmenssteuerung (Steuerungsrechnung) bzw. eine steuerungsorientierte Kontrollrechnung und greifen bei ihren Analysen auf unterschiedliche Anforderungen zurück.32 Keine Berücksichtigung finden bisher Anforderungen an

32

rungsfunktion und Kontrollfunktion fest. Er prüft deren Erfüllbarkeit (unter anderem) vor dem Hintergrund des im Framework (1989) festgelegten Begriffs der Entscheidungsnützlichkeit. Vgl. Stute (2007), S. 228-229;234235;238;243;248;254. Verbreitet ist dabei die Verwendung der Anforderungen der Analysefähigkeit, Anreizverträglichkeit, Kommunikationsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit. Vgl. Klein (1999b), S. 63–71; Haaker (2005), S. 354–357; Heyd (2001), S. 204; Nobach/Zirkler (2006), S. 738–740; Brösel/Müller (2007), S. 39–42; Vanini/Beyer (2009), S. 130. Dieser Anforderungskatalog ähnelt dem von Coenenberg vor dem Hintergrund einer steuerungsorientierten Kontrollrechnung etablierten Anforderungskatalog. Vgl. zu ebendiesem Coenenberg (1995), S. 2080-2081. Abweichend hiervon betrachtet Pelger die Anforderungen der Entscheidungsnützlichkeit, Anreiznützlichkeit, Verständlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Vgl. Pelger (2008), S. 566-567. Franz/Winkler berücksichtigen

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Problemstellung

wertorientierte Kennzahlen, welche zur Operationalisierung aller mit ihnen verfolgten Rechnungszwecke dienen. Um diese Forschungslücke zu schließen, wird in der vorliegenden Arbeit ein geeigneter Anforderungskatalog erarbeitet und anhand dessen die Erfüllbarkeit der Anforderungen vor dem Hintergrund der in der vorliegenden Arbeit betrachteten Konvergenz analysiert. Aus den beiden aufgezeigten Forschungslücken wird folgende (erste) Forschungsfrage abgeleitet, die im Rahmen der vorliegenden Arbeit beantwortet werden soll: 1. Besteht vor dem Hintergrund der mit wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung jeweils verfolgten Rechnungszwecke und der zur Operationalisierung der Rechnungszwecke gestellten Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen ein Konvergenzpotenzial? In Anbetracht der dargelegten zunehmenden Bedeutung der Fair Value-Bilanzierung verdient die Untersuchung ihres Beitrags unter besonderer Berücksichtigung der Regelungen des IFRS 13 zu einer möglichen Konvergenz zwischen wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung besondere Beachtung. Aufgrund der Bedeutung, die Investitionsentscheidungen und somit auch der Verhaltenssteuerung von Managern bei diesen Investitionsentscheidungen innerhalb der wertorientierten Unternehmensführung zukommt, wird dabei die Verhaltenssteuerung bei die Anforderungen der Entscheidungsnützlichkeit, Entscheidungsverbundenheit, Anreizverträglichkeit, Unempfindlichkeit gegenüber Manipulationen, Kommunikationsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit. Vgl. Franz/Winkler (2006), S. 64-76.

Problemstellung

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Investitionsentscheidungen fokussiert. Die Untersuchung erfolgt in Form einer formal-theoretischen Analyse. In bisherigen Beiträgen zur Bedeutung von Fair Values im Rahmen der Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen wurde dargelegt, dass die Berücksichtigung des Fair Value (als allgemeiner Zeitwert) im Rahmen der Folgebewertung bei Abwesenheit von theoretischen Idealbedingungen in Form von identischen Zeitpräferenzen und -horizonten an Bedeutung gewinnt. 33 Dennoch wurde in bisherigen formal-theoretischen Analysen nicht die Bedeutung der Fair ValueBilanzierung vor dem Hintergrund unbekannter (ggf. extremer) Zeitpräferenzen und Zeithorizonte betrachtet. Folglich wurde in bisherigen Beiträgen auch die spezifische Ausgestaltung der Fair Value-Bilanzierung innerhalb der IFRS unter besonderer Berücksichtigung der Regelungen des IFRS 13 und deren Bedeutung für das Konvergenzpotenzial noch nicht analysiert. Zum Schließen dieser Forschungslücke wird ein zweistufiges Vorgehen gewählt: Im ersten Schritt wird folgende, zweite Forschungsfrage fokussiert:

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Vgl. Velthuis/Wesner/Schabel (2006a), S. 877; Velthuis/Wesner/Schabel (2006b), S. 461–465; Ewert (2006a), S. 186 und 189. Betrachtet wird in einigen Veröffentlichungen der Beitrag von Fair Values zur Motivation von Managern i. S. d. Incentivierung eines bestimmten Anstrengungsniveaus bei der Durchführung von (gegebenen) Investitionsprojekten. Vgl. bspw. Ewert (2006b), S. 31–43; Moitzi (2007), S. 87-175. In der vorliegenden Arbeit wird eine solche Incentivierung eines Anstrengungsniveaus nicht betrachtet. Stattdessen soll der Manager eine Investitionsentscheidung i. S. e. Auswahl aus Investitionsprojekten (bzw. über die Durchführung eines Investitionsprojekts) treffen.

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Problemstellung

2. Wie müssen Kennzahlen als Performancemaße gestaltet sein, damit sich diese für eine wertorientierte Verhaltenssteuerung im Rahmen von Investitionsentscheidungen bei Existenz unbekannter (ggf. extremer) Zeitpräferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des mit einer Investitionsentscheidung betrauten Managers eignen? Zur Beantwortung dieser Frage erfolgt i. S. e. normativen Analyse die Herleitung von Performancemaßen, die im allgemeinen Fall unbekannter (ggf. extremer) Zeitpräferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts eines Managers eine aus Sicht des Shareholders vorteilhafte (wertorientierte) Investitionsentscheidung incentivieren. Die vorliegende Arbeit liefert damit – losgelöst von der übergeordneten Konvergenzthematik – auch einen Beitrag zur Literatur bezüglich der Verhaltenssteuerung im Rahmen von Investitionsentscheidungen vor dem Hintergrund unbekannter Zeitpräferenzen und Zeithorizonte.34 In bestehenden Analysen erfolgt zumindest implizit die Annahme, dass ein mit einer Investitionsentscheidung betrauter Manager nicht ausschließlich den Zeitpunkt der Durchführung eines Investitionsprojekts in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt.35 Im Gegensatz dazu wird in der vorliegenden Analyse durch die Betrachtung des allgemeinen Falls unbekannter beliebiger (ggf. extremer) Präferenzen und eines unbekannten belie34

35

Zur Verhaltenssteuerung im Rahmen von Investitionsentscheidungen bei unbekannten Präferenzen siehe insb. Rogerson (1997); Reichelstein (1997); Mohnen/Bareket (2007); Mohnen (2002). Diese implizite Annahme kommt darin zum Ausdruck, dass bestehende Analysen erst in allen der Implementierung eines Investitionsprojekts nachfolgenden Zeitpunkten einen Erfolgsausweis berücksichtigen. Vgl. bspw. Mohnen/Bareket (2007), S. 6-7.

Problemstellung

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bigen Zeithorizonts diese implizite Annahme nicht getroffen. Zudem erfolgt in der vorliegenden Analyse unter anderem die Berücksichtigung des in bisherigen Untersuchungen noch nicht betrachteten Falls einer intertemporalen Investitionsrestriktion, welche zur Nutzung einer während der Laufzeit eines implementierten Investitionsprojekts durchführbaren Investitionsalternative die Veräußerung des bereits durchgeführten Investitionsprojekts erfordert. Zur Analyse des Konvergenzpotenzials der in den IFRS etablierten Fair Value-Bilanzierung ist im zweiten Schritt die Überprüfung der Eignung Fair Value-basierter Performancemaße im Rahmen der wertorientierten Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen erforderlich. Forschungsfrage drei lautet daher: 3. Inwiefern eignen sich Fair Value-basierte Performancemaße für die wertorientierte Verhaltenssteuerung im Rahmen von Investitionsentscheidungen bei der Existenz unbekannter (ggf. extremer) Zeitpräferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des mit einer Investitionsentscheidung betrauten Managers und welche Bedeutung hat dies für das betrachtete Konvergenzpotenzial? Zur Beantwortung der drei Forschungsfragen ist die vorliegende Arbeit wie folgt aufgebaut: Zunächst werden in Kapitel zwei die relevanten theoretischen Grundlagen zu der Shareholder ValueMaximierung als Unternehmensziel (2.1), wertorientierten Kennzahlen (2.2) und Informationen derIFRS-Finanzberichterstattung (2.3) gelegt. In Kapitel drei erfolgt die Betrachtung der Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und von Informationen der

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Problemstellung

IFRS-Finanzberichterstattung vor dem Hintergrund der Rechnungszwecke und Anforderungen. Dazu werden zunächst der Konvergenzbegriff und die Konvergenzrichtungen (3.1.1) sowie wesentliche Konvergenzmotive (3.1.2) dargelegt. Anschließend erfolgt die Überprüfung des Konvergenzpotenzials vor dem Hintergrund der Vereinbarkeit der jeweiligen Rechnungszwecke (3.2) und der Erreichbarkeit der Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen (3.3). Kapitel drei schließt mit einem Zwischenfazit zu den Erkenntnissen hinsichtlich des Konvergenzpotenzials. In Kapitel vier erfolgt die Darstellung der Grundlagen der Fair Value-Bilanzierung, indem die Definition und Abgrenzung des Fair Value nach IFRS 13 vorgenommen wird (4.2.1) und seine Ermittlung nach IFRS 13 (4.2.2) sowie letztlich sein Anwendungsbereich (4.2.3) aufgezeigt werden. Ferner werden in Abschnitt 4.3 die Umsetzungsmöglichkeiten der Fair Value-Bilanzierung im Hinblick auf die Praxis dargelegt. In Kapitel fünf wird das Grundmodell für die folgende modelltheoretische Analyse eingeführt (5.1) sowie der Bedeutung der Annahme unbekannter Präferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des Managers (5.2) dargelegt. In Kapitel sechs erfolgt die formale Analyse der Eignung der Fair ValueBilanzierung nach IFRS 13 im Rahmen der wertorientierten Investitionssteuerung im Ein-Projekt-Fall. Zunächst werden geeignete wertorientierte Performancemaße hergeleitet (6.1), bevor die Eignung Fair Value-basierter Performancemaße überprüft wird (6.2). Darauf aufbauend erfolgt in Kapitel sieben die Überprüfung der Eignung der Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 im Rahmen der wertorientierten Investitionssteuerung bei Existenz einer zeitpunkbezogenen Investitionsrestriktion. Dazu wird zunächst das Grundmodell angepasst (7.1). Anschließend werden geeignete wertorien-

Problemstellung

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tierte Performancemaße hergeleitet (7.2). Sodann erfolgt die Überprüfung der Eignung Fair Value-basierter Performancemaße (7.3). In Kapitel acht wird eine intertemporale Investitionsrestriktion berücksichtigt. Nach der Anpassung des Grundmodells (8.1) erfolgt zunächst die Betrachtung einer intertemporalen Investitionsrestriktion unter der Annahme, dass der erwartete Verkaufspreis eines bestehenden Investitionsprojekts gerade dem Barwert der bei seiner Nutzung durch das berichtende Unternehmen erwarteten künftigen Cashflows entspricht (8.2). Nach einer Konkretisierung des Verkaufspreises (8.2.1) erfolgt zunächst die Herleitung geeigneter wertorientierter Performancemaße (8.2.2) und dann die Überprüfung der Eignung Fair Value-basierter Performancemaße zur Investitionssteuerung (8.2.3). Anschließend wird die Betrachtung einer intertemporalen Investitionsrestriktion unter der Annahme vorgenommen, dass der erwartete Verkaufspreis unter dem Barwert der durch das berichtende Unternehmen erwarteten künftigen Cashflows liegt (8.3). Zunächst wird der Modellrahmen angepasst (8.3.1). Dann werden geeignete wertorientierte Performancemaße hergeleitet (8.3.2) und die Eignung Fair Value-basierter Performancemaße zur Investitionssteuerung überprüft (8.3.3). In Kapitel neun erfolgt eine kritische Würdigung spezifischer Modellannahmen (9.1) sowie eine kritische Würdigung des Konvergenzpotenzials vor dem Hintergrund der Rechnungszwecke und der Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen (9.2.1) und des Konvergenzpotenzials vor dem Hintergrund der Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 (9.2.2). Die Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse der Arbeit im Rahmen des Fazits sowie ein Ausblick auf weitere Forschungsfragen erfolgen in Kapitel zehn. Der Anhang enthält wesentliche Herleitungen.

2 Theoretische Grundlagen zu wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRSFinanzberichterstattung 2.1 Shareholder Value-Maximierung als unternehmerische Zielsetzung Den Ausgangspunkt der Analyse stellt zunächst die Festlegung des Formalziels des Unternehmens dar. Weitgehender Konsens herrscht dabei sowohl in Wissenschaft als auch in Praxis, dass dieses ausgehend von der Zielsetzung der Eigenkapitalgeber eines Unternehmens, die in der vorliegenden Arbeit als Shareholder bezeichnet werden,36 zu bestimmen ist.37 Diese Zielsetzung und die mit ihrer Verfolgung einhergehende Ausrichtung der unternehmerischen Tätigkeit an den Interessen der Shareholder wird auch als Shareholder Value-Ansatz oder Shareholder Value-Orientierung bezeichnet.38 In der unternehmerischen Praxis erfährt sie insb. seit der Veröffentlichung von Rappaport39 weitreichende Verbrei-

36

37 38 39

Der im Rahmen der vorliegenden Arbeit verwendete Terminus Shareholder entspricht nicht der häufig verwendeten Übersetzung i.S.v. Aktionär, sondern ist als Eigentümer bzw. Anteilseigner unabhängig von der spezifischen Rechtsform der betrachteten Unternehmung zu verstehen. Vgl. hierzu auch Günther (1997), S. 3. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 1-2; Wilhelm (1983), S. 516; Laux (2006a), S. 4-5. Vgl. Bühner (1992), S. 418; Velthuis/Wesner (2005), S. 1. Siehe Rappaport (1986).

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 A. Bantz, Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6_2

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Shareholder Value-Maximierung als unternehm. Zielsetzung

tung.40 Nachfolgend soll diese auch vor dem Hintergrund praktischer Entwicklungen theoretisch begründet werden. 41 Eine Begründung zur Fokussierung der Interessen der Shareholder liefert die Vertragstheorie. Kern der Überlegungen ist die Charakterisierung des Unternehmens als „nexus for contracting relationships“42 und die Annahme, dass mit Ausnahme der Shareholder alle übrigen Stakeholder ihre Ansprüche bspw. in Verträgen geltend machen können. 43 So werden in der unternehmerischen Praxis unter anderem Lohnzahlungen an Arbeitnehmer vertraglich fixiert.44 Weiterhin bestehen zahlreiche Vorschriften zum Schutz von bestimmten Stakeholdern, bspw. im Arbeitsrecht, welche die Wahrung der Interessen bestimmter Stakeholder unterstützen.45 Die Ansprüche der Shareholder an ein Unternehmen sind hingegen in ihrer Höhe nicht geschützt. Die Shareholder haben lediglich einen Residualanspruch,46 d. h. sie erhalten gerade jenen Teil des Unternehmenserfolgs, der nach der Erfüllung der Ansprüche der übrigen

40

41

42 43 44 45 46

Vgl. Mohnen (2002), S. 5; Weißenberger (2003), S. 234. Zur empirischen Evidenz der Verbreitung der Shareholder Value-Orientierung. Vgl. Aders/Hebertinger/Schaffer/Wiedemann (2003), S. 720; Droste/Herrmann/Nieberl/Schmidt/Weiß (2006), S. 26. Abzugrenzen ist der Shareholder Value-Ansatz vom Stakeholder ValueAnsatz, dessen Vertreter die Berücksichtigung der Interessen mehrerer Interessengruppen, sog. Stakeholder, propagieren. Vgl. grundlegend zum Stakeholder Value-Ansatz bspw. Speckbacher (1997), S. 633-634. Jensen/Meckling (1976), S. 311. Vgl. Fama/Jensen (1983), S. 302-303; Busse von Colbe (1995), S. 713; Speckbacher (1997), S. 643. Vgl. Mohnen (2002), S. 6. Vgl. Busse von Colbe (1995), S. 713. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 49; Busse von Colbe (1995), S. 713.

Grundlagen zu wertorient. Kennzahlen & IFRS-Informationen

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Stakeholder verbleibt.47 Die Shareholder, welche als „residual claimants“48 des Unternehmens bezeichnet werden, tragen letztlich ein besonderes Risiko.49 Folglich scheint es gerechtfertigt, ihre Ansprüche in besonderem Maße zu berücksichtigen.50 Zur Konkretisierung der Ansprüche der Shareholder wird angenommen, dass alle Shareholder ausschließlich die Maximierung des Erwartungsnutzens aus ihrem jeweiligen Konsumeinkommensstrom anstreben.51 In diesem Fall entspricht der Barwert des Zahlungsstroms, der von einem Unternehmen an einen Shareholder erfolgt, gerade dem Wert dieses Unternehmens (bzw. des entsprechenden Anteils an diesem Unternehmen) aus Sicht des jeweiligen Shareholders.52 Aufgrund (ggf. unterschiedlicher) individueller Präferenzen der an einem Unternehmen beteiligten Shareholder kann nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass diese den Wert des Unternehmens(anteils) bzw. alternativer aus der Unternehmung erzielbarer Konsumeinkommensströme identisch einschätzen. 53 Trotz ggf. abweichender Präferenzen kann jedoch unter bestimmten Bedingungen gezeigt werden, dass durch Kapitalmarkttransaktionen ein Ausgleich zwischen den individuellen Präferenzen der Shareholder erreicht werden kann, sodass diese einmütig die Maximierung der selben Zielgröße anstreben. 54 So be47 48 49 50 51 52 53 54

Vgl. Mohnen (2002), S. 6; Kuhner (2004), S. 259. Fama/Jensen (1983), S. 302. Vgl. ebenda. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 49. Vgl. Speckbacher (1997), S. 631; Busse von Colbe (1995), S. 713; Laux (2006b), S. 70. Vgl. Busse von Colbe (1997), S. 274; Ballwieser (1994), S. 1383. Vgl. Speckbacher (1997), S. 631; Busse von Colbe (1997), S. 272. Vgl. Velthuis (2004a), S. 213; Speckbacher (1997), S. 631.

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Shareholder Value-Maximierung als unternehm. Zielsetzung

steht bspw. unter den Annahmen eines vollkommenen und vollständigen Kapitalmarktes sowie proportionaler Teilung der Cashflows Einmütigkeit zwischen den Shareholdern hinsichtlich der Marktwertmaximierung des Unternehmens als angestrebte Zielsetzung, d. h. die Maximierung des (intrinsischen) Marktwerts des Eigenkapitals steht dann jeweils im Einklang mit der Maximierung des individuellen Erwartungsnutzens aus dem Konsumeinkommensstrom.55 Wie gezeigt ist die Maximierung des (intrinsischen) Marktwerts des Eigenkapitals, der Shareholder Value, 56 als Unternehmensziel aus theoretischer Sicht unter bestimmten Annahmen begründbar. Neben den bereits genannten Gründen sprechen jedoch auch Entwicklungen in der Praxis für die besondere Beachtung der Interessen der Shareholder bei der Durchführung unternehmerischer Aktivitäten. So ergibt sich einhergehend mit der Globalisierung und der Deregulierung auf Kapitalmärkten unter anderem eine erhöhte Kapitalmobilität und in der Folge eine Shareholder ValueOrientierung von Unternehmen.57 Diese ist erforderlich, da als Shareholder agierende professionalisierte Privatanleger sowie eine zunehmende Anzahl institutioneller Anleger auf globalisierten Kapitalmärkten zahlreichen Investitionsalternativen gegenüberstehen. 58 Es ist anzunehmen, dass sie ihr Kapital in der Regel in sol55

56 57 58

Vgl. Velthuis (2004a), S. 206, 213-216; DeAngelo (1981), S. 20-24; Speckbacher (1997), S. 631. Zu den Bedingungen eines vollkommenen bzw. vollständigen Kapitalmarkts siehe z. B. Laux (2006b), S. 119; 126. Vgl. Schabel (2004), S. 9. Vgl. Young/O'Byrne (2001), S. 6; Hahn (1998), S. 567; Bühner/Weinberger (1991), S. 206. Vgl. Young/O'Byrne (2001), S. 6-8; Koslowski (1999), S. 3-4.

Grundlagen zu wertorient. Kennzahlen & IFRS-Informationen

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che Unternehmen investieren, die die Interessen der Shareholder als Handlungsmaxime etablieren. Erfolgt hingegen eine Vernachlässigung der Interessen der Shareholder, besteht die Gefahr, dass diese ihr Kapital zu Gunsten alternativer Investitionsmöglichkeiten abziehen.59 Zudem ist davon auszugehen, dass dann auch die Gewinnung neuer Shareholder zumindest erschwert wird.60 Wird die Maximierung des Shareholder Value als Zielsetzung des Unternehmens etabliert, stellt sich die Frage nach einer geeigneten Operationalisierung im Hinblick auf im Unternehmen zu treffende Entscheidungen. Besondere Bedeutung kommt dabei der Festlegung eines Entscheidungskriteriums für die Durchführung von Investitionsprojekten zu, da diese wesentlichen Einfluss auf die (künftigen) Cashflows eines Unternehmens haben und somit letztlich die an die Shareholder erfolgenden Zahlungen maßgeblich beeinflussen.61 Eine Shareholder Value-Maximierung kann bei der Durchführung von Investitionsprojekten dann erreicht werden, wenn in Unternehmen ohne Existenz von Investitionsrestriktionen sämtliche kapitalwertpositiven Investitionsprojekte durchgeführt werden bzw. bei Existenz von Investitionsrestriktionen jene Investitionsprojekte mit dem höchsten Gesamtkapitalwert, d. h. das kapitalwertmaximale Investitionsprogramm, unternommen werden.62

59 60 61 62

Vgl. Busse von Colbe (1997), S. 290; Pfaff/Bärtl (1999), S. 87. Vgl. Arbeitskreis "Finanzierung" der Schmalenbach-Gesellschaft (1996), S. 545. Vgl. Rogerson (1997), S. 770; Demmer/Weinmiller/Pieroth (2004), S. 6; Schabel (2004), S. 8. Vgl. Mohnen (2002), S. 7; Hachmeister (1997), S. 824.

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Shareholder Value-Maximierung als unternehm. Zielsetzung

Kurzum basiert das Entscheidungskriterium im Hinblick auf die Durchführung von Investitionsprojekten auf deren Kapitalwert.63 Trotz seiner theoretischen Fundierung und Operationalisierbarkeit im Hinblick auf Investitionsentscheidungen steht der Shareholder Value-Ansatz immer wieder in der Kritik. Bemängelt wird insb. die Konzentration auf die Interessen der Shareholder und die damit vermeintlich einhergehende Vernachlässigung der Interessen der übrigen Stakeholder.64 Dem kann entgegen gehalten werden, dass die Maximierung des intrinsischen Marktwertes des Eigenkapitals nur erreicht werden kann, wenn auch jene Stakeholder, die nicht Shareholder sind, mit dem Unternehmen kooperieren. 65 Eine Maximierung des Shareholder Value geht deshalb letztlich mit einer Berücksichtigung der Ansprüche der übrigen Stakeholder als Nebenbedingung im Maximierungskalkül der Shareholder einher.66 Überdies scheitert eine Ausrichtung der unternehmerischen Tätigkeit an den Interessen aller Stakeholder letztlich an einer mangelnden Operationalisierbarkeit ihrer Zielsetzungen als Entscheidungsgrundlage für unternehmerische Dispositionen.67 Ein weiterer im Hinblick auf den Shareholder Value-Ansatz geäußerter Kritikpunkt betrifft die Erreichbarkeit der zur Erzielung von Einmütigkeit zwischen den Shareholdern unterstellten Kapitalmarktbedingungen auf 63 64

65 66 67

Vgl. Hachmeister (1997), S. 824. Vgl. Weißenberger (2003), S. 237; Hachmeister (1997), S. 824. Teilweise wird sogar propagiert, dass bei einer Ausrichtung der Unternehmensführung an den Interessen der Shareholder eine Ausbeutung der weiteren Stakeholder erfolge. Vgl. bspw. Lutz (1999), S. 188-194. Vgl. Busse von Colbe (1997), S. 272; Young/O'Byrne (2001), S. 13. Vgl. Jensen (1991), S. 21. Vgl. Ballwieser (1994), S. 1389-1390.

Grundlagen zu wertorient. Kennzahlen & IFRS-Informationen

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realen Kapitalmärkten. 68 Diesem Kritikpunkt steht entgegen, dass zumindest in Teilen der Literatur auf realen Kapitalmärkten eine hinreichende Erfüllung der getroffenen Annahmen erkannt wird.69 Obwohl die Fokussierung auf die Interessen der Shareholder und die Existenz einer von diesen einmütig akzeptierten Zielsetzung umstritten ist, wird hinsichtlich des Formalziels der Shareholder und letztlich der Unternehmung explizit die Maximierung des (intrinsischen) Marktwerts des Eigenkapitals angenommen. Es sei an dieser Stelle auf die Bedeutung der Maximierung des (intrinsischen) Marktwerts des Eigenkapitals hingewiesen. Dessen bloße Steigerung als Formalziel, wie sie stellenweise in der einschlägigen Literatur angenommen wird, 70 ist aus Sicht des Verfassers hingegen nicht adäquat. Dies liegt nahe, da insb. in globalisierten Kapitalmärkten Shareholder ihr Kapital vorzugsweise in jene Unternehmen investieren werden, die ihre Interessen bestmöglich berücksichtigen. Gelingt dies den Unternehmen nicht, sind – wie voranstehend dargelegt – negative Implikationen nicht auszuschließen.71 Ferner ist die reine Steigerung des (intrinsischen) Marktwerts des Eigenkapitals als Formalziel oftmals nicht eindeutig bei der Lösung von Entscheidungsproblemen wie bspw. hinsichtlich der Durchführung mehrerer aufgrund der Existenz einer Investiti-

68 69 70 71

Vgl. Speckbacher (1997), S. 632; Rudolph (2006), S. 46-47; Hax (2004), S. 81. Vgl. Brealey/Myers (2003), S. 21; Schörner (1991), S. 201. Diese findet sich bspw. bei Dahlhaus. Vgl. Dahlhaus (2009), S. 71 und 76. Vgl. Busse von Colbe (1997), S. 290. Insofern geht eine Shareholder ValueOrientierung regelmäßig auch mit der Zielsetzung der Maximierung des intrinsischen Marktwerts des Eigenkapitals einher.

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Shareholder Value-Maximierung als unternehm. Zielsetzung

onsrestriktion nicht gleichzeitig realisierbarer Investitionsalternativen. Das für den weiteren Verlauf dieser Arbeit angenommene Formalziel der Maximierung des (intrinsischen) Marktwerts des Eigenkapitals erfordert eine mit dieser konsistenten – sprich wertorientierte – Ausrichtung der unternehmerischen Tätigkeit und der verwendeten Instrumente.72 In diesem Zusammenhang finden in der unternehmerischen Praxis insb. wertorientierte Kennzahlen Anwendung im Rahmen der Planung, Verhaltenssteuerung und Kontrolle.73 Diese stehen auch in der vorliegenden Arbeit im Fokus der Betrachtungen.

72 73

Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 49; Schabel (2004), S. 9. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 11.

Grundlagen zu wertorient. Kennzahlen & IFRS-Informationen

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2.2 Wertorientierte Kennzahlen 2.2.1 Grundprobleme bei delegierter Unternehmensführung im Lichte der Agency-Theorie Zur Erreichung der im vorangegangenen Abschnitt etablierten Zielsetzung sind alle Entscheidungen im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit konsistent mit ebendieser zu treffen. Insb. in Unternehmen mit mehreren Shareholdern werden solche Entscheidungen, bspw. über die Durchführung von Investitionsprojekten, 74 tendenziell nicht von den Shareholdern selbst getroffen, sondern von diesen an einen Manager, der dann als Entscheidungsträger agiert, delegiert.75 Es kommt dabei zu einem Auseinanderfallen von Eigentum am Unternehmen und unternehmerischer Entscheidungskompetenz. 76 Begründet wird eine solche Delegation der Entscheidungskompetenz unter anderem mit der Tatsache, dass der Manager über einen Informationsvorsprung bezüglich der zu treffenden Entscheidung verfügt.77 Delegieren die Shareholder (mindestens) eine Aufgabe an einen besser informierten Manager und besitzt dieser einen Handlungsspielraum bei der Ausführung der Aufgabe(n), dessen Ausnutzung den Nutzen beider Akteure beeinflusst, besteht zwischen Shareholdern und Manager eine sog. PrinzipalAgenten-Beziehung.78 Wird in einer solchen Prinzipal-Agenten74 75

76 77 78

Vgl. Mohnen (2002), S. 16. Vgl. Laux (2006b), S. 491; Riegler (2000b), S. 27; Pfaff/Bärtl (1999), S. 88. Regelmäßig erfolgt auch eine weitergehende Delegation der von den Shareholdern delegierten Entscheidungskompetenz an nachgeordnete Hierarchieebenen. Vgl. Weißenberger (2003), S. 30. Eine solche findet in der vorliegenden Arbeit keine explizite Berücksichtigung. Vgl. Shleifer/Vishny (1997), S. 740-741. Vgl. Elschen (1991), S. 1004; Shleifer/Vishny (1997), S. 741. Vgl. Jensen/Meckling (1976), S. 308-309; Arrow (1985), S. 37; Ross (1973), S. 134; Breid (1995), S. 821. Es sei darauf verwiesen, dass Prinzipal-Agenten-

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Beziehung unterstellt, dass sich die beteiligten Akteure eigennutzenmaximierend verhalten und über abweichende Zielsetzungen verfügen, kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich der Manager als Agent per se i. S. d. Shareholder als Prinzipal(e) verhält. Stattdessen besteht insb. unter Unsicherheit die Gefahr, dass der Manager seinen Informationsvorsprung nutzt, um seinen eigenen Nutzen zu Lasten der Shareholder zu maximieren.79 In Folge des Informationsvorsprungs und der abweichenden Interessen der beteiligten Akteure entstehen mithin Agency-Probleme. 80 Diese werden in der Literatur häufig anhand der dem Agency-Problem zu Grunde liegenden Informationsasymmetrie gruppiert. Unterschieden wird dabei insb. zwischen drei Formen der Informationsasymmetrie: hidden characteristics, hidden information und hidden action.81 Informationsasymmetrie in Form von hidden charcteristics liegt dann vor, wenn der Prinzipal bedeutsame feststehende Eigenschaften von Auswahlmöglichkeiten, bspw. das Qualifikationsniveau eines Managers, vor dem Eingehen einer Vertragsbeziehung nicht

79 80 81

Beziehungen nicht auf den Kontext des Unternehmens beschränkt sind, sondern in weiteren Bereichen auftreten können. Weitere Beispiele finden sich unter anderem bei Dietl und Neus. Vgl. Dietl (1993), S. 133-134; Neus (1989), S. 19. Vgl. Jensen/Meckling (1976), S. 308; Elschen (1991), S. 1004; Ross (1973), S. 134. Vgl. Breid (1995), S. 823. Vgl. bspw. Picot (1991), S. 151. Als weitere Form der Informationsasymmetrie z. T. auch hidden intention genannt. Vgl. grundlegend bspw. Heyd/Beyer (2011), S. 25-37, insb. S. 26-27. In agency-theoretischen Untersuchungen findet hidden intention jedoch meist keinen Eingang. Vgl. Breid (1995), S. 825.

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kennt.82 Die daraus resultierende Gefahr wird als adverse selection bezeichnet. Im konkreten Fall der Auswahl eines Managers besteht die Gefahr, dass geeignete Bewerber den Markt verlassen, da die angebotenen Vertragskonditionen für diese unattraktiv sind. 83 Begegnet werden kann ihr durch signalling, screening oder selfselection. Legt ein Manager durch eigene Handlungen seine Eigenschaften offen, bspw. in Form von Zeugnissen, wird dies als signalling bezeichnet.84 Ferner kommen als Lösungsansätze die Informationsgewinnungsmaßnahmen durch den Prinzipal (screening), wie bspw. Assessment-Center, oder die Gestaltung von unterschiedlichen Verträgen, die eine Bewerbung besonders geeigneter Kandidaten fördern, (self selection) in Betracht.85 Hidden information und hidden action führen zu Problemen bei der Beurteilung der Handlungsergebnisse des Agenten durch den Prinzipal.86 Diese beiden Formen der Informationsasymmetrie entstehen nach Vertragsabschluss zwischen den beteiligten Akteuren. 87 Im Fall von hidden information kennt der Prinzipal den Informationsstand des Agenten nicht und kann deshalb die Güte der vom Agenten getroffenen Entscheidungen (bspw. die Auswahl von In-

82

83 84 85 86 87

Vgl. Picot (1991), S. 152; Dietl (1993), S. 137. Spremann spricht von Qualitätsunsicherheit an Stelle von hidden characteristics. Vgl. Spremann (1990), S. 567-577. Vgl. Spremann (1990), S. 574; Neus (1989), S. 18. Vgl. Dietl (1993), S. 145-146. Vgl. vertiefend zu signaling im Arbeitsmarkt insb. Spence (1973). Vgl. Dietl (1993), S. 145-146 und S. 147-148; Spremann (1990), S. 568 und 578. Vgl. zu screening im Arbeitsmarkt insb. Stiglitz (1975). Vgl. Elschen (1991), S. 1004-1005. Vgl. Dietl (1993), S. 138; Mensch (1999), S. 687.

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vestitionsprojekten) nicht beurteilen. 88 Im Fall von hidden action sind die tatsächlich vom Agenten durchgeführten Handlungen für den Prinzipal nicht beobachtbar. Unter Unsicherheit kann der Prinzipal nicht vom Ergebnis der getroffenen Entscheidung auf diese schließen, da die vom Agenten erzielten Ergebnisse auch durch die Umweltentwicklung beeinflusst werden.89 Sowohl bei hidden information als auch bei hidden action besteht die Gefahr, dass der Agent seinen Informationsvorsprung zu Lasten des Prinzipals nutzt (moral hazard).90 Zur Lösung der resultierenden Probleme kommen Anreiz- und Kontrollsysteme in Betracht.91 Durch sie können abweichende Interessen angeglichen und opportunistische Aktivitäten des Agenten verringert werden.92 Im weiteren Verlauf dieser Arbeit steht die Lösung von Agency-Problemen vor dem Hintergrund von hidden information durch den Einsatz wertorientierter Kennzahlen im Fokus. 2.2.2 Wertorientierte Kennzahlen als Bestandteil von Lösungsansätzen Wie vorangehend dargelegt können Anreiz- und Kontrollsysteme als grundsätzliche Lösungsansätze bei Agency-Problemen im Zusammenhang mit hidden information dienen. Zwischen beiden bestehen enge Beziehungen, 93 die nicht nur substitutiv, sondern auch

88 89 90 91 92 93

Vgl. Picot (1991), S. 152. Vgl. Elschen (1991), S. 1005; Picot (1991), S. 151-152. Vgl. Alchian/Woodward (1988), S. 68; Elschen (1991), S. 1005; Arrow (1985), S. 38-39. Vgl. Elschen (1991), S. 1005; Jensen/Meckling (1976), S. 308. Vgl. Jensen/Meckling (1976), S. 308. Vgl. Laux (2006a), S. 21.

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komplementär ausgeprägt sein können. 94 Trotz einer möglichen komplementären Beziehung liegt der Fokus der vorliegenden Arbeit auf Anreizsystemen und wertorientierten Kennzahlen als ein möglicher Bestandteil von ebendiesen. 95 Dies liegt darin begründet, dass der Manager bei der alleinigen Durchführung von Kontrollen und einer Antizipation daraus resultierender Sanktionen lediglich veranlasst sein könnte, die delegierte Aufgabe so zu erfüllen, dass die Shareholder die Erfüllung nicht beanstanden. 96 Ferner wird die Durchführung von Kontrollen bei dem Vorliegen von Informationsasymmetrien erheblich erschwert, wenn die Shareholder aufgrund eines Informationsdefizits, welches die Delegation der Entscheidung häufig begründet, die Güte der delegierten Entscheidung regelmäßig nicht beurteilen können.97 Letztlich sind vollkommene Kontrollen in der Praxis nicht durchführbar.98 Aufgrund der aufgezeigten Defizite bietet sich in Delegationsbeziehungen der Einsatz von Anreizsystemen an, 99 die das Verhalten von Managern auf das Erreichen des Unternehmensziels ausrichten sollen.100

94

Vgl. Eisenhardt (1989), S. 61; Gedenk (1998), S. 23; Rutherford/Buchholtz/Brown (2007), S. 415 und S. 427. 95 Aufgrund der engen Beziehung zwischen beiden wird Kontrolle im weiteren Verlauf dieser Arbeit jedoch an geeigneten Stellen berücksichtigt. 96 Vgl. Laux (2006a), S. 10. Die Beeinflussung des Verhaltens des Managers aufgrund der erwarteten Kontrolle wird auch als Verhütungswirkung der Kontrolle bezeichnet. Vgl. bspw. Laux/Liermann (2005), S. 458. 97 Vgl. Laux (1990), S. 5; Breid (1995), S. 844. 98 Vgl. Laux (1990), S. 5. 99 Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Durchführung von Kontrollen gänzlich überflüssig ist. Vgl. Laux (1990), S. 7. Zur Bedeutung der Kontrolle siehe auch Abschnitt 2.2.3 der vorliegenden Arbeit. 100 Vgl. Winter (1997), S. 615; Hungenberg (2006), S. 353.

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Der Begriff des Anreizsystems als Instrument zur Verhaltenssteuerung von Entscheidungsträgern wird in der Literatur unterschiedlich definiert.101 Obwohl sich eine einheitliche Begriffsbestimmung nicht herausgebildet hat, findet eine Systematisierung von Anreizsystemen regelmäßig anhand der verwendeten Anreizarten (bspw. finanzielle oder nicht-finanzielle Anreize) statt.102 Weiterhin erfolgt mitunter eine Unterteilung in den nicht vertraglich geregelten (bzw. nicht explizit vereinbarten) Teil sowie den vertraglich geregelten Teil von Anreizsystemen. Letztgenannter wird als Beoder Entlohnungssystem bezeichnet.103 Solche Entlohnungssysteme bestehen aus drei konstitutiven Komponenten: den gewährten Anreizen, der Bemessungsgrundlage, welche im Rahmen der vorliegenden Arbeit fokussiert wird, und der Entlohnungsfunktion. 104 Die dem Manager als Entscheidungsträger gewährten Anreize, welche als Stimulus zu dessen Motivation bzw. Entscheidungssteuerung dienen, 105 können unterschiedlicher Art sein. Differenziert wird insb. zwischen materiellen und immateriellen Anreizen.106 Materielle Anreize können finanzieller und nicht-finanzieller Natur 101

102 103 104 105 106

Die unterschiedlichen Begriffsdefinitionen des Terminus Anreizsystem werden unter anderem von Kossbiel anhand von Beispielen aufgezeigt. Vgl. Kossbiel (1994), S. 77. Vgl. Kossbiel (1994), S. 78. Vgl. Laux (2006a), S. 11; Laux (2003), S. 422. Vgl. Laux (2006a), S. 24 Vgl. Weißenberger (2003), S. 54. Vgl. Pellens/Crasselt/Rockholtz (1998), S. 13; Laux (2006a), S. 24. Beispiele für materielle Anreize sind die gewährte variable Vergütung oder ein bereitgestellter Dienstwagen. Immaterielle Anreize umfassen z. B. flexible Arbeitszeiten oder Entwicklungsmöglichkeiten. Vgl. Hungenberg (2006), S. 358; Pellens/Crasselt/Rockholtz (1998), S. 13.

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sein. 107 Finanzielle Anreize werden häufig als vorteilhaft erachtet, da diese flexibel einsetzbar sind und sich zur Befriedigung verschiedener Bedürfnisse des Managers eignen. 108 Ihnen kommt zum einen in der unternehmerischen Praxis besondere Bedeutung zu.109 Zum anderen fokussieren theoretische Betrachtungen – so auch diese Arbeit – regelmäßig ausschließlich die Gewährung finanzieller Anreize.110 In einem auf finanzielle Anreize beschränkten finanziellen Entlohnungssystem verbleiben als Gestaltungsdeterminanten die Bemessungsgrundlage und die Entlohnungsfunktion. Die Bemessungsgrundlage dient als Größe zur Beurteilung des Managers der Messung der Zielerreichung aus Sicht der Shareholder.111 Sie ermöglicht die Verknüpfung des Entscheidungskalküls des Managers mit jenem des Shareholders, 112 da durch sie determiniert wird, von welcher Größe die einem Manager gewährten (finanziellen) Anreize abhängen,113 sodass ein Manager, der seine Entscheidung eigennutzenmaximierend an den gewährten (finanziellen) Anreizen ausrichtet, bestrebt sein wird, die Bemessungsgrundlage in seinem Sinne bestmöglich zu beeinflussen.114 Ihr kommt große Bedeutung zu, da die falsche Auswahl von Bemessungsgrundlagen zu Entscheidungen des Managers führen kann, die

107 108 109 110 111 112 113 114

Vgl. Hebertinger (2002), S. 25-26. Vgl. Winter (1997), S. 624; Kossbiel (1994), S. 85. Vgl. Fischer/Rödl (2007), S. 10-11. Vgl. Eimuth (2015), S. 28-29; Ortner (2017), S. 31. Vgl. Hungenberg (2006), S. 359; Weber/Bramsemann/Heineke/Hirsch (2004), S. 199. Vgl. Riegler (2000a), S. 152. Vgl. Weber/Bramsemann/Heineke/Hirsch (2004), S. 199. Vgl. Riegler (2000a), S. 152.

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nicht im Einklang mit dem Unternehmensziel stehen. 115 Grundsätzlich sind als Bemessungsgrundlagen sowohl input- als auch outputorientierte Größen denkbar.116 Da die Verwendung inputorientierter Bemessungsgrundlagen an einen hohen Informationsstand des Prinzipals geknüpft ist, sind deren Verwendung in Delegationsbeziehungen enge Grenzen gesetzt.117 Outputorientierten Bemessungsgrundlagen kommt vor allem in durch Informationsasymmetrien gekennzeichneten Delegationsbeziehungen besondere Bedeutung zu.118 Nachfolgend werden solche am Ergebnis der durch den Manager erbrachten Aktivität anknüpfende Bemessungsgrundlagen als Performancemaß bezeichnet.119 Die Entlohnungsfunktion als zweiter Bestandteil von finanziellen Entlohnungssystemen dient der Verknüpfung von Bemessungsgrundlage und gewährten Anreizen, indem zwischen beiden ein funktionaler Zusammenhang etabliert wird.120 Grundsätzlich kann dieser funktionale Zusammenhang unterschiedlich ausgestaltet werden. 121 Berücksichtigt wird dabei zumindest in der unternehmerischen Praxis neben variabler Entlohnung als finanzieller Anreiz in 115 116

117 118 119

120 121

Vgl. Mohnen (2002), S. 20. Vgl. Riegler (2000a), S. 152; Kossbiel (1994), S. 79. Inputorientierte Bemessungsgrundlagen reflektieren die vom Manager erbrachte Aktivität, outputorientierte Bemessungsgrundlagen hingegen das Ergebnis der erbrachten Aktivität. Vgl. Riegler (2000a), S. 152. Vgl. Riegler (2000a), S. 152. Vgl. Laux (2006a), S. 26. Im Gegensatz dazu findet im Schrifttum häufig undifferenziert eine synonyme Verendung der Begriffe Bemessungsgrundlage, Beurteilungsgröße oder Performancemaß statt. Vgl. Riegler (2000b), S. 32. Vgl. Hungenberg (2006), S. 360; Riegler (2000a), S. 153; Laux (2006a), S. 24. Vgl. Riegler (2000a), S. 153.

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Abhängigkeit der Ausprägung der Bemessungsgrundlage auch die Höhe einer zusätzlich gewährten fixen Entlohnung. 122 Ferner finden in der Praxis regelmäßig Entlohnungsfunktionen mit oberen und unteren Beschränkungen der variablen Entlohnung, sog. Caps und Floors, Anwendung.123 Bei solchen Entlohnungsfunktionen erhält der Manager keine variable Entlohnung, wenn die Bemessungsgrundlage einen unteren Schwellenwert unterschreitet. Überschreitet die Bemessungsgrundlage einen oberen Schwellenwert, wird dem Agenten lediglich die maximale variable Entlohnung in Höhe des Cap gewährt. Derart gestaltete Entlohnungsfunktionen sind kritisch zu betrachten, da sie unter anderem einerseits keinen Anreiz bieten, die maximale Wertsteigerung zu realisieren, und andererseits keinen Malus bei der Durchführung wertvernichtender Projekte berücksichtigen.124 Der Einsatz von Anreizsystemen und ihrer vorangehend dargestellten Komponenten dient – wie dargelegt – der Abmilderung von Interessenkonflikten und damit einhergehenden Agency-Problemen zwischen Shareholdern und Managern. 125 Primäre Aufgabe eines wertorientierten Anreizsystems ist somit, die finanziellen Interes122

123

124 125

Vgl. Riegler (2000b), S. 39; Pellens/Crasselt/Rockholtz (1998), S. 7. In theoretischen Untersuchungen zur Ausgestaltung von Entlohnungssystemen findet die fixe Entlohnung regelmäßig hingegen keine explizite Berücksichtigung. Vgl. bspw. Ortner (2017), S. 32. Vgl. Velthuis (2011), S. 121; Velthuis/Wesner (2005), S. 93. Fischer/Rödl weisen anhand ihrer empirischen Erhebung nach, dass die überwiegende Mehrheit der in ihrer Stichprobe enthaltenen Unternehmen solche Entlohnungsfunktionen verwendet. Vgl. Fischer/Rödl (2007), S. 11-12. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 93-94. Ausführlich zu solchen Fehlanreizen siehe Stewart (1991), S. 233-235. Vgl. Pellens/Crasselt/Rockholtz (1998), S. 13-14.

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sen von Shareholdern und Managern anzugleichen. Sowohl in der Theorie als auch in der Unternehmenspraxis wird dazu vor dem Hintergrund der Shareholder Value-Orientierung gefordert, für einen Manager im Rahmen der Anreizsetzung spezifische wertorientierte Kennzahlen als Performancemaß zu nutzen, 126 da die falsche Auswahl von Performancemaßen unter anderem einer Verknüpfung der Entscheidungskalküle von Managern und Shareholdern entgegen steht. Solche wertorientierten Kennzahlen als Performancemaße finden in der vorliegenden Arbeit besondere Berücksichtigung. Vor dem Hintergrund der Shareholder ValueOrientierung werden diese vielfach zur Befriedigung verschiedener Rechnungszwecke eingesetzt.127 Diese Rechnungszwecke und deren Verknüpfungen werden im nachfolgenden Abschnitt beschrieben. 2.2.3 Zwecke wertorientierter Kennzahlen Wie im vorangehenden Abschnitt dargelegt, können im Rahmen von Entlohnungssystemen geeignete ex-post ermittelte Performancemaße dazu verwendet werden, die Entscheidungen eines Mangers ex ante, d. h. bevor der eigentliche Entscheidungsvollzug erfolgt, an der Zielsetzung der Shareholder auszurichten. 128 Die im Rahmen von wertorientierten Entlohnungssystemen verwendeten Performancemaße dienen dann der Managemententlohnung, welche letztlich auf die wertorientierte Verhaltenssteuerung von Ma-

126 127 128

Vgl. Hebertinger/Schabel/Velthuis (2005), S. 165. Vgl. Schabel (2004), S. 10 und 13. Vgl. Pfaff/Bärtl (1999), S. 89; Riegler (2000b), S. 28; Hungenberg (2006), S. 353.

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nagern i. S. d. Shareholder ausgerichtet ist.129 Der Verhaltenssteuerung von Managern ist somit ein Zweck wertorientierter Kennzahlen. Obschon durch die Gewährung finanzieller Anreize im Rahmen der Managemententlohnung eine Verhaltensbeeinflussung i. S. d. Shareholder möglich ist, besteht dennoch auch bei dem Einsatz von (finanziellen) Anreizsystemen nach wie vor der Bedarf der Durchführung von Kontrollen. Bspw. bedarf es zumindest der Kontrolle der im Anreizsystem verwendeten Performancemaße, da an diese letztlich die gewährten Anreize geknüpft sind. 130 Es gilt, in diesem Zusammenhang ex-post auch zu messen und zu beurteilen, inwiefern die Entscheidungen eines Managers aus Sicht der Shareholder tatsächlich vorteilhaft waren.131 Dies ermöglicht einerseits bei (bspw. aufgrund einer mangelnden Qualifikation eines Managers) getroffenen Fehlentscheidungen die Durchführung geeigneter Gegensteuerungsmaßnahmen. 132 Andererseits können an die Ergebnisse der ex-post Beurteilung der Vorteilhaftigkeit aus Sicht der Shareholder auch weitergehende Konsequenzen für einen Manager, bspw. in Form einer Entlassung oder Beförderung, geknüpft werden. 133 Kontrolle ist deshalb ein weiterer mit wertorientierten Kennzahlen verfolgter Rechnungszweck. 129 130 131

132

133

Vgl. Velthuis (2011), S. 121; Velthuis/Wesner (2005), S. 84. Vgl. Laux (1990), S. 6-7. Sowohl Messung als auch Beurteilung der Vorteilhaftigkeit aus Sicht der Shareholder werden stellenweise auch unter dem Begriff ex-post Performancemessung subsumiert. Vgl. bspw. Velthuis/Wesner (2005), S. 21. Vgl. Laux (1990), S. 7; Hebertinger/Schabel/Velthuis (2005), S. 166; Arbeitskreis "Internes Rechnungswesen" der Schmalenbach-Gesellschaft (2010), S. 800. Vgl. Hebertinger/Schabel/Velthuis (2005), S. 166.

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Im Rahmen von Delegationsbeziehungen zwischen Shareholdern und Managern kommt es einhergehend mit der Delegation von Entscheidungskompetenz regelmäßig auch zur Delegation der Planung,134 d. h. der Beurteilung der Vorteilhaftigkeit zu treffender Entscheidungen. 135 Werden geeignete Anreize für einen Manager im Rahmen einer Delegationsbeziehung an ex-post kontrollierte Performancemaße geknüpft, kann davon ausgegangen werden, dass dieser seine Handlungen an den Performancemaßen ausrichtet und diese zur Fundierung der von ihm zu treffenden Entscheidungen heranzieht.136 Vor dem Hintergrund der wertorientierten Planung gilt es entsprechend, geeignete Performancemaße bereitzustellen,137 sodass das Bewertungskalkül eines Managers im Einklang mit der Zielsetzung aus Sicht der Shareholder steht,138 sprich die künftigen Auswirkungen von Entscheidungen eines Managers auf den Wert des Unternehmens aus Sicht der Shareholder reflektiert werden.139 Wertorientierte Kennzahlen dienen somit auch dem Rechnungszweck der Planung. Vor dem Hintergrund der Shareholder ValueOrientierung kommt der Durchführung aus Sicht der Shareholder vorteilhafter Investitionsprojekte maßgebliche Bedeutung zu.140 Dennoch bezieht sich wertorientierte Planung nicht nur auf einzel-

134 135 136 137 138

139 140

Vgl. Riegler (2000b), S. 27. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 12. Vgl. Hax (1989), S. 156. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 19; Arbeitskreis "Internes Rechnungswesen" der Schmalenbach-Gesellschaft (2010), S. 800. Insb. bedarf es dazu einer adäquaten Berücksichtigung der zeitlichen Struktur der erwarteten Cashflows und des Risikos im Bewertungskalkül. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 56. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 12. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 19.

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ne Investitionsprojekte, sondern auch auf ganze Unternehmen bzw. deren einzelne Bereiche.141 Wie vorangehend erläutert, kommen wertorientierten Kennzahlen vor dem Hintergrund der Shareholder Value-Orientierung die Rechnungszwecke der Planung, Verhaltenssteuerung und Kontrolle zu, welche untereinander enge Verknüpfungen aufweisen, sodass die Verwendung einer einheitlichen Kennzahl für die jeweiligen Rechnungszwecke sinnvoll erscheint. Darüber hinaus bietet sich dies vor allem vor dem Hintergrund der etablierten unternehmerischen Zielsetzung der Shareholder Value-Maximierung aus Wirtschaftlichkeitsgründen an.142 Konkrete der Spezifizierung der Rechnungszwecke dienende Anforderungen an eine im Rahmen der wertorientierten Planung, Verhaltenssteuerung und Kontrolle verwendeten Kennzahl sind Inhalt der nachfolgenden Ausführungen. 2.2.4 Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen 2.2.4.1 Vorbemerkungen In einschlägigen Beiträgen des Schrifttums existieren zahlreiche Anforderungskataloge an wertorientierte Kennzahlen, 143 die sowohl hinsichtlich der explizit adressierten Rechnungszwecke als auch der Anzahl der verwendeten Anforderungen mitunter ein hohes Maß an Heterogenität aufweisen. Gemein ist dem Gros der Anforderungskataloge jedoch, dass den etablierten Anforderungen eine 141 142 143

Vgl. Schabel (2004), S. 9. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 50. Vgl. bspw. Coenenberg (1995), S. 2080-2081; Siefke (1999), S. 53-69; Klein (1999b), S. 63-71; Franz/Winkler (2006), S. 64-73.

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gleichrangige Bedeutung beigemessen wird. 144 Vernachlässigt wird hingegen, dass bestimmte Anforderungen an Kennzahlen im Rahmen der wertorientierten Unternehmensführung für die Erfüllung der etablierten Rechnungszwecke von besonderer Bedeutung sind und deshalb besonderer Berücksichtigung bedürfen. Andere Anforderungen gewinnen vornehmlich in Abhängigkeit der jeweiligen Entscheidungssituation und der Eigenschaften eines Managers an Bedeutung. Diesem Umstand soll im Folgenden Rechnung getragen werden, indem eine Differenzierung der zu betrachtenden Anforderungen in zentrale und ergänzende Anforderungen erfolgt. Ersteren kommt vor dem Hintergrund der Shareholder ValueOrientierung für die Rechnungszwecke der Planung, Verhaltenssteuerung und Kontrolle stets zentrale Bedeutung zu. Ergänzende Anforderungen gewinnen hingegen in spezifischen Entscheidungssituationen und in Abhängigkeit der Eigenschaften eines Managers an Gewicht. 2.2.4.2 Zentrale Anforderungen Als zentrale Anforderungen in der vorliegenden Untersuchung dienen die Anforderung der Barwertidentität, der Manipulationsfreiheit und der Vergleichbarkeit, da diesen, wie noch zu zeigen ist, für die vorangehend dargestellten Rechnungszwecke der Planung, Verhaltenssteuerung und Kontrolle wesentliche Bedeutung zukommt.

144

Eine Ausnahme stellt der von Velthuis/Wesner etablierte Anforderungskatalog dar, in welchem explizit zwischen zentralen und spezifischen Anforderungen sowie ergänzenden Prinzipien unterschieden wird. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 49-55.

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Die Anforderung der Barwertidentität ist genau dann erfüllt, wenn für alle möglichen Umweltentwicklungen der Barwert der erwarteten Performancemaße dem erwarteten Kapitalwert entspricht.145 Sie ist insb. vor dem Hintergrund der wertorientierten Planung bedeutsam, da bei Erfüllung von Barwertidentität eine Bewertung auf Basis von Performancemaßen und Cashflows zum gleichen Ergebnis führt. Dies impliziert, dass das potenzielle Bewertungskalkül aus Sicht eines Managers im Einklang mit dem Bewertungskalkül aus Sicht der Shareholder steht.146 Die Kompatibilität der Bewertungskalküle auf Basis von Cashflows und Performancemaßen wurde von Preinreich und Lücke in ihren jeweiligen Arbeiten nachgewiesen. 147 Im deutschsprachigen Raum ist diese bzw. insb. ihr Beweis unter dem Terminus Lücke-Theorem bekannt.148 Barwertidentität wird immer dann erreicht, wenn Kosten auf den Restbuchwert verrechnet werden, der zur Berechnung dieser Kosten verwendete Zinssatz zur Diskontierung der Performancemaße verwendet wird und die sog. Clean Surplus-Bedingung eingehalten wird,149 d. h. jede Veränderung des Eigenkapitals, die nicht aus 145

146

147 148 149

Vgl. Laux (2006a), S. 89; Mohnen (2002), S. 26. Diese Eigenschaft wird auch als Werterhaltungseigenschaft oder Conservation Property bezeichnet. Vgl. Baldenius/Fuhrmann/Reichelstein (1999), S. 54; Pfaff (2011), S. 302. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 56-57. Das Vorliegen von Barwertidentität gewährleistet jedoch nicht, dass von einem Manager als attraktiv eingeschätzte Maßnahmen von diesem auch durchgeführt werden. Dies hängt von weiteren Faktoren ab. Vgl. ebenda. Vgl. Preinreich (1937), insb. S. 220-224; Preinreich (1938), insb. 239-241; Lücke (1955), insb. S. 310-316. Vgl. Mohnen (2002), S. 99. Vgl. Pfaff (2011), S. 302. Wie Velthuis zeigt, ist die Clean SurplusBedingung in diesem Zusammenhang lediglich hinreichend für das Vorliegen von Barwertidentität. Vgl. Velthuis (2004a), S. 180-181.

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Transaktionen mit den Shareholdern in ihrer Eigenschaft als Kapitalgeber resultiert, in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) erfasst wird. 150 Die Verrechnung von Zinsen auf das investierte Kapital dient als „Ausgleichsventil“151 einer intertemporalen Transformation von Zahlungsströmen, sodass unabhängig vom Wertansatz der Vermögenswerte (und mithin auch unabhängig vom verwendeten Abschreibungsverfahren) Barwertidentität erreicht wird, sofern die Clean Surplus-Bedingung erfüllt ist und die Diskontierung der Performancemaße auf Grundlage des Zinssatzes erfolgt, der zur Berechnung der Kosten auf das investierte Kapital herangezogen wird.152 Der Höhe des zur Verrechnung von kalkulatorischen Zinsen und zur Diskontierung der Performancemaße ist im Hinblick auf die Erreichbarkeit von Barwertidentität grundsätzlich irrelevant.153 Da sich der Unterschied zwischen Cashflows und Performancemaßen als Erfolgsgrößen aufgrund sicheren Transformationen im Rechnungswesen ergibt, ist jedoch aus theoretischer Sicht der risikofreie Zinssatz zur Bestimmung der Kapitalkosten heranzuziehen.154 Die Anforderung der Manipulationsfreiheit ist immer dann erfüllt, wenn ein Manager den Erfolgsausweis nicht verzerren kann, indem er bspw. die Zurechnung von Erfolgen auf die einzelnen Perioden 150

151 152 153 154

Vgl. bspw. Feltham/Ohlson (1995), S. 694. Ist die Clean Surplus-Bedingung erfüllt, so ist auch gleichzeitig das Kongruenzprinzip erfüllt, da erstere eine hinreichende Bedingung für das Kongruenzprinzip darstellt. Vgl. Schabel (2004), S. 22. Vgl. Lücke (1955), S. 314. Vgl. Baldenius/Fuhrmann/Reichelstein (1999), S. 54. Vgl. Hebertinger/Schabel/Velthuis (2005), S. 161. Vgl. Velthuis (2004b), S. 309.

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entsprechend seiner eignen Interessen gestaltet,155 um so einen eigenen Vorteil zu erzielen, der zu Lasten der Shareholder gehen kann.156 Sie ist vor allem für den Rechnungszweck der Verhaltenssteuerung bedeutsam, da bei Möglichkeiten zur Verzerrung des Erfolgsausweises durch einen Manager nicht damit gerechnet werden kann, dass dieser seine Entscheidungen und Handlungen an der Zielesetzung der Shareholder ausrichtet.157 Des Weiteren bedarf es auch im Rahmen der Beurteilung von durchgeführten Maßnahmen unverzerrter Kennzahlen,158 somit hat Manipulationsfreiheit auch Bedeutung im Rahmen der Kontrolle.159 Insb. die Möglichkeit zur Ausnutzung von Wahlrechten oder Ermessensspielräumen durch einen Manager eröffnet Manipulationsmöglichkeiten und steht der Manipulationsfreiheit entgegen. 160 Diese gilt es deshalb durch möglichst eindeutige und bindende Ansatz- und Bewertungsregelungen zu beschränken, um Manipulationsfreiheit bestmöglich zu erreichen. 161 Des Weiteren kann Manipulationsfreiheit gefördert wer155

156 157 158 159

160 161

Vgl. Hax (1989), S. 163; Weißenberger (2004), S. 74. Die Anforderung der Manipulationsfreiheit wird in einigen Beiträgen auch als Objektivität bezeichnet. Vgl. bspw. Kahle (2003), S. 775. Vgl. Schabel (2004), S. 59. Vgl. Hebertinger (2002), S. 39; Franz/Winkler (2006), S. 70. Vgl. Franz/Winkler (2006), S. 70. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 55. Neben der aufgezeigten Bedeutung im Hinblick auf die Rechnungszwecke kann Manipulationsfreiheit auch eine Rolle für die Erreichbarkeit der weiteren in diesem Anforderungskatalog etablierten Anforderungen spielen, da diese bei Manipulationsmöglichkeiten des Erfolgsausweises durch einen Manger zumindest eingeschränkt sein kann. Vgl. Mohnen (2002), S. 21. Vgl. Hoke (2001), S. 102; Schulte-Nölke (2001), S. 78. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 55; Coenenberg (1995), S. 2080. Grundsätzlich ist zur Prävention der angesprochenen Manipulationen durch einen Manager auch der Einsatz einer zusätzlichen Kontrollinstanz vorstellbar, deren nachträgliche Kontrollen ein Manager antizipiert. Zu beachten ist dabei je-

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den, indem bei der Existenz von Wahlrechten- und Ermessensspielräumen zusätzliche Angaben über deren Ausübung gefordert werden, sodass deren Ausübung für die Shareholder erkennbar wird. Die Anforderung der Vergleichbarkeit ist vor allem für den Rechnungszweck der Kontrolle essenziell, da die alleinige Ausprägung einer Erfolgsgröße ohne Kenntnis einer geeigneten Vergleichsgröße regelmäßig keine Beurteilung der Vorteilhaftigkeit unternehmerischer Dispositionen zulässt.162 Differenziert wird Vergleichbarkeit typischerweise in intertemporaler und sachlicher Hinsicht.163 Sachliche Vergleichbarkeit kommt im Rahmen der Beurteilung der Managementleistung besondere Bedeutung zu. Sie ist in diesem Kontext dann erfüllt, wenn das verwendete Performancemaß die ex-post im Unternehmen realisierte Zielerreichung aus Sicht der Shareholder und die Vergleichsgröße deren ex-post realisierbare Zielerreichung bei Durchführung einer alternativen Investitionsmöglichkeit mit gleichem Risiko angibt. 164 Neben ihrer zentralen Bedeutung für den Rechnungszweck der Kontrolle gewinnt die Anforderung der Vergleichbarkeit im Rahmen der Planung an Gewicht, sofern ein Manager eine Auswahl aus mehreren Handlungsalternativen treffen soll. Vergleichbarkeit ist in diesem Kontext immer dann erfüllt, wenn in den erwarteten Performancemaßen der

162 163

164

doch die Möglichkeit der Existenz von Interessenskonflikten zwischen Shareholdern und Kontrollinstanz, die dann ebenfalls adäquat adressiert werden müssten, um das Verhalten der Kontrollinstanz an den Zielen der Shareholder auszurichten. Vgl. Mohnen (2002), S. 22. Vgl. Moxter (1982), S. 220. Vgl. Klein (1999b), S. 65. Während sich sachliche Vergleichbarkeit auf verschiedene Betrachtungseinheiten bezieht, fokussiert intertemporale Vergleichbarkeit mehrere Perioden als Bezugsobjekt. Vgl. ebenda. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 51-52.

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jeweiligen Handlungsalternativen deren Vorziehenswürdigkeit aus Sicht der Shareholder zum Ausdruck kommt. 165 Vergleichbarkeit impliziert somit, dass das Bewertungskalkül aus Sicht eines Managers, der seine Entscheidungen an den künftig erwarteten Performancemaßen ausrichtet, im Einklang mit dem Bewertungskalkül aus Sicht der Shareholder steht.166 Gefördert wird Vergleichbarkeit von Kennzahlen maßgeblich durch konsistente Regelungen zu deren Ermittlung.167 Als Nachteilig sind in diesem Zusammenhang insb. Wahlrechte und Ermessensspielräume zu erachten. Abbildung eins fasst die zentralen Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen zusammen.

Zentrale Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen Barwertidentität Manipulationsfreiheit Vergleichbarkeit Abbildung 1: Zentrale Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen

165 166

167

Ähnlich Mohnen/Bareket (2007), S. 9. Orientiert sich ein Manager am Barwert aller erwarteten Performancemaße während der Laufzeit der Handlungsalternativen, so gewährleistet Barwertidentität grundsätzlich Vergleichbarkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit aus Sicht der Shareholder. Orientiert sich der Manager hingegen nicht an allen erwarteten Performancemaßen der Handlungsalternativen, bspw. da er das Unternehmen frühzeitig verlässt, ist auch beim Vorliegen von Barwertidentität Vergleichbarkeit nicht per se erfüllt. Vgl. Klein (1999b), S. 65; Schulte-Nölke (2001), S. 80; Laux (2006a), S. 90.

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Wertorientierte Kennzahlen

2.2.4.3 Ergänzende Anforderungen Nachdem vorangehend die für die Rechnungszwecke der Planung, Verhaltenssteuerung und Kontrolle zentralen Anforderungen behandelt wurden, erfolgt im nächsten Abschnitt die Betrachtung der ergänzenden Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen. Diese sind der Erfüllung der Rechnungszwecke und letztlich der Erreichbarkeit des Formalziels der Unternehmung zuträglich und stellen deshalb wünschenswerte Eigenschaften dar, die wertorientierte Kennzahlen bestmöglich erfüllen sollten. Als ergänzende Anforderungen werden im Rahmen der vorliegenden Arbeit zeitliche Entscheidungsverbundenheit, Glättung, sachliche Entscheidungsverbundenheit, Transparenz, Verständlichkeit und Wirtschaftlichkeit festgelegt. Die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit ist genau dann erfüllt, wenn zwischen dem mit der Entscheidung eines Managers verbundenen Erfolgsausweis und der Entscheidung selbst ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang besteht.168 Ihr kommt unter anderem im Hinblick auf den Rechnungszweck der Verhaltenssteuerung besondere Bedeutung zu, da ein frühzeitiger Erfolgsausweis dazu beitragen kann, dass ein Manager auch dann, wenn er frühzeitig ausgewiesene Erfolge präferiert, sein Verhalten auch an den langfristigen Auswirkungen der von ihm getroffenen Entscheidungen ausrichtet.169 Zeitliche Entscheidungsverbundenheit erübrigt sich hingegen im Allgemeinen, wenn ein Manager alle künftigen Erfolge zum Zeitpunkt seiner Entscheidung bereits anti-

168 169

Vgl. Hax (1989), S. 162. Vgl. Franz/Winkler (2006), S. 66-67; Hax (1989), S. 162.

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zipiert und in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt.170 Ferner ist zeitliche Entscheidungsverbundenheit vor dem Hintergrund der Kontrolle von Bedeutung, da ein frühzeitiger Erfolgsausweis die frühzeitige Durchführung von potenziellen Anpassungsmaßnahmen an den von einem Manager getroffenen Entscheidungen ermöglichen kann. 171 Erreichbar ist zeitliche Entscheidungsverbundenheit in idealer Form, wenn die Auswirkungen der durch einen Manager getroffenen Entscheidung unmittelbar in der Erfolgsrechnung reflektiert werden. Vor dem Hintergrund der Shareholder Value-Orientierung bedeutet dies, dass der erwartete Kapitalwert einer implementierten Maßnahme unmittelbar im Zeitpunkt ihrer Implementierung im Performancemaß berücksichtigt wird.172 Die Anforderung der Glättung wird dann erfüllt, wenn die Performancemaße ein und derselben Entscheidung so gestaltet sind, dass der Erfolgsausweis möglichst geringe Schwankung im Zeitablauf aufweist. Ein solcher Erfolgsstrom ist unter anderem bedeutsam für die Kontrolle, da die Beurteilung von durch einen Manager getroffenen Entscheidungen bei dem Vorliegen geringer Schwankungen des Erfolgsausweises im Zeitablauf erleichtert wird. 173 Neben der Bedeutung im Rahmen der Kontrolle gewinnt die Glättung des Erfolgsausweises auch im Rahmen der Verhaltenssteuerung an Bedeutung. Ein geglätteter Erfolgsausweis kann dazu beitragen, dass ein Manager sein Verhalten unabhängig davon, welche Performancemaße er zur Fundierung seiner Entscheidung heranzieht, 170 171 172 173

Vgl. Laux (2006a), S. 89-90. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 54; Laux (2006a), S. 89. Vgl. Hax (1989), S. 162 u. 164; Schabel (2004), S. 59; Kremer (2008), S. 88. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 54.

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Wertorientierte Kennzahlen

und unabhängig von dem im Rahmen der Entscheidungsfindung verwendeten Diskontfaktor seine Entscheidungen an der Zielsetzung der Shareholder ausrichtet.174 Erreichbar ist Glättung insb. durch die Aktivierung von bei der Implementierung von Investitionsprojekten angefallenen Investitionsauszahlungen und durch deren intertemporale Zuordnung zu korrespondierenden Einzahlungen. 175 Ferner kann Glättung durch eine zusätzliche Konkretisierung der Regelungen zur Erfolgswirksamkeit der nach der Implementierung einer Maßnahme anfallenden Cashflows begünstigt werden. 176 Die Anforderung der sachlichen Entscheidungsverbundenheit ist genau dann erfüllt, wenn im Performancemaß eines Managers nur jene Erfolgskomponenten erfasst werden, die in unmittelbarer Verbindung mit den von ihm getroffenen Entscheidungen stehen, 177 d. h. insb. bei mehreren Entscheidungsträgern nicht durch die Entscheidungen anderer Manager, sondern durch die Entscheidungen des Managers selbst beeinflusst werden. 178 Dies ist vor dem Hintergrund der Verhaltenssteuerung nicht unerheblich, da ein Perfor174 175 176

177

178

Ähnlich Mohnen (2002), S. 27-28 und 124. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 54. Dieses Vorgehen entspricht dem sog. matching-principle. Vgl. bspw. Rogerson (1997), S. 773. Der Ausgestaltung von Allokationsregeln für Investitionsauszahlung und später anfallenden Cashflows im Rahmen von Investitionsprojekten widmen sich bspw. Mohnen/Bareket. Vgl. Mohnen/Bareket (2007). Vgl. Baetge/Siefke (1999), S. 682; Siefke (1999), S. 56; Weber/Bramsemann/Heineke/Hirsch (2004), S. 97. Mohnen bezeichnet diese Anforderung als Controllability, wenngleich Controllability regelmäßig enger definiert wird, und fordert, dass ausschließlich von einem Manager tatsächlich kontrollierbare Größen Eingang in ein Performancemaß finden sollen. Vgl. Mohnen (2002), S. 32-33; Göx/Wunsch (2003), S. 293. Vgl. Göx/Wunsch (2003), S. 292.

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mancemaß, dessen Ausprägung nicht vornehmlich von den eigenen Handlungen, sondern von Dritten beeinflusst wird, dem Manager keinen Anreiz bietet, sein Verhalten an ebendiesem auszurichten.179 Die Anforderung der sachlichen Entscheidungsverbundenheit impliziert im Rahmen der Verhaltenssteuerung vor dem Hintergrund einer Shareholder Value-Orientierung nicht, dass sämtliche Umwelteinflüsse, die nach der Entscheidung eines Managers auftreten, aus den Performancemaßen herausgerechnet werden sollen. Um ein Verhalten i. S. d. Shareholder zu incentivieren, gilt es vielmehr zu gewährleisten, dass ein Manager künftige zu erwartende Umweltentwicklungen bei seinen Entscheidungen berücksichtigt, da die realisierte Umweltentwicklung letztlich den Zielerreichungsgrad der Shareholder determiniert. Dies wird nur dann erreicht, wenn die tatsächlich eingetretene Umweltentwicklung im zur Verhaltenssteuerung verwendeten Performancemaß erfasst wird.180 Würde diese im Rahmen der Verhaltenssteuerung hingegen aus dem Performancemaß eines Managers herausgerechnet, hätte er keinen Anreiz, die Umweltentwicklung im Rahmen seiner Entscheidungen zu berücksichtigen.181 Sachliche Entscheidungsverbundenheit ist neben der Verhaltenssteuerung auch im Rahmen der Kontrolle von Bedeutung, da die Beurteilung eines Managers erschwert wird, wenn das verwendete Performancemaß von den Entscheidungen anderer Manager beeinflusst wird. 182 Gefördert wird sachliche Entscheidungsverbundenheit insb. durch eine an den Kompetenzberei-

179 180 181 182

Vgl. Kossbiel (1994), S. 81; Riegler (2000b), S. 36. Vgl. Hebertinger/Schabel/Velthuis (2005), S. 165; Riegler (2000b), S. 36-37; Siefke (1999), S. 60. Vgl. Laux (2006a), S. 11. Vgl. Siefke (1999), S. 57-59.

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Wertorientierte Kennzahlen

chen der jeweiligen Manager ausgerichtete Ermittlung der Performancemaße. Die Anforderung der Transparenz ist genau dann erfüllt, wenn die Ausprägung des Performancemaßes für Manager und Shareholder beobachtbar und die Regelungen zu dessen Ermittlung überprüfbar sind.183 Ist die Anforderung der Transparenz nicht gewährleistet, ist nicht sichergestellt, dass ein Manager die Auswirkungen seines Verhaltens auf ein Performancemaß antizipieren kann. Folglich wird eine Verhaltenssteuerung i. S. d. Shareholder durch den Einsatz eines intransparenten Performancemaßes zumindest erschwert.184 Weiterhin erschwert eine eingeschränkte Transparenz die Verifizierbarkeit eines Performancemaßes durch die Shareholder und letztlich die Kontrolle. 185 Begünstigt wird die Erreichbarkeit von Transparenz durch eindeutige Regelungen zur Bestimmung des Performancemaßes sowie dessen Basierung auf durch die beteiligten Akteure beobachtbaren Größen.186 Verständlichkeit als weitere Anforderung an wertorientierte Kennzahlen ist im Allgemeinen genau dann gewährleistet, wenn deren Bestimmung von dem beteiligten Akteuren leicht nachvollzogen werden kann. Daher sollte die Bestimmung der Performancemaße

183

184 185 186

Vgl. Bleicher (1992), S. 19; Pellens/Crasselt/Rockholtz (1998), S. 14. Bezeichnet wird diese Anforderung in einigen Publikationen bspw. auch als intersubjektive Überprüfbarkeit, intersubjektive Verifizierbarkeit oder Beobachtbarkeit. Vgl. bspw. Riegler (2000b), S. 37; Laux (2006a), S. 27-28. Vgl. Kossbiel (1994), S. 82. Vgl. Laux (2006a), S. 27. Vgl. Dahlhaus (2009), S. 147.

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mit einer möglichst geringen Komplexität einhergehen. 187 Im Kontext der Verhaltenssteuerung ist die Anforderung der Verständlichkeit zu beachten, da diese dazu beitragen kann, dass ein Manager die Auswirkungen seiner Handlungen auf das Performancemaß antizipieren kann. 188 Für den Rechnungszweck der Kontrolle kann Verständlichkeit bedeutsam sein, da mangelnde Eingängigkeit zu Interpretationsproblemen und mithin zu einer Reduktion der Aussagekraft einer Kennzahl führen kann. 189 Erreichbar ist Verständlichkeit durch die Verwendung gebräuchlicher Begrifflichkeiten, insb. international unübliche sprachliche Begriffsabgrenzungen können der Verständlichkeit entgegenstehen. 190 Zudem wird Verständlichkeit durch einheitliche Regelungen bei der Ermittlung der verwendeten Kennzahlen unterstützt.191 Vor dem Hintergrund der Shareholder Value-Orientierung sollten sämtliche unternehmerische Aktivitäten, auch die Einführung von Kennzahlen, unter Berücksichtigung des damit verbundenen Kosten-Nutzen-Verhältnisses erfolgen,192 da deren Verwendung keinen Selbstzweck darstellt,193 sondern durch die Erfüllung der in Ab187 188

189 190 191 192 193

Vgl. Coenenberg (1995), S. 2080. Vgl. Siefke (1999), S. 62; Franz/Winkler (2006), S. 72. Relevanz entfaltet Verständlichkeit, wenn von vollständiger Rationalität von Managern und Shareholdern abstrahiert wird und ist somit vornehmlich in der praktischen Anwendung, nicht jedoch in modelltheoretischen Untersuchungen von Bedeutung, da in letzteren regelmäßig von vollständiger Rationalität der beteiligten Akteure ausgegangen wird. Vgl. Mohnen (2002), S. 34. Vgl. Küpper (1998), S. 156. Vgl. Coenenberg (1995), S. 2080-2081; Schulte-Nölke (2001), S. 79-80; Pelger (2008), S. 567. Vgl. Weber/Bramsemann/Heineke/Hirsch (2004), S. 87. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 50. Vgl. Kremer (2008), S. 82.

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Wertorientierte Kennzahlen

schnitt 2.2.3 festgelegten Rechnungszwecke auf das Formalziel der Maximierung des Shareholder Value ausgerichtet ist. Die Abwägung von Kosten und Nutzen manifestiert sich in der Anforderung der Wirtschaftlichkeit.194 Sie ist dann erfüllt, wenn der Nutzen verwendeter Kennzahlen die zu deren Ermittlung entstehenden Kosten übersteigt.195 Während die entstehenden Kosten regelmäßig zumindest teilweise quantifizierbar sind, ist jedoch vor allem die Bestimmung des mit der Verwendung von Kennzahlen einhergehenden Nutzens häufig nicht unproblematisch.196 Unterstützt werden kann Wirtschaftlichkeit unter bestimmten Bedingungen durch eine Zweitverwendung von Informationen der externen Finanzberichterstattung und den damit einhergehenden Kostensenkungspotenzialen. 197

194 195 196 197

Vgl. bspw. Hoke (2001), S. 103; Pelger (2008), S. 567. Hebertinger spricht in diesem von Effizienz. Vgl. Hebertinger (2002), S. 29. Vgl. bspw. Heyd (2001), S. 204. Vgl. Siefke (1999), S. 63-64; Weber/Bramsemann/Heineke/Hirsch (2004), S. 87; Franz/Winkler (2006), S. 72-73. Vgl. Pelger (2008), S. 567.

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Abbildung zwei fasst die ergänzenden Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen zusammen.

Ergänzende Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen Zeitliche Entscheidungsverbundenheit Glättung Sachliche Entscheidungsverbundenheit Transparenz Verständlichkeit Wirtschaftlichkeit Abbildung 2: Ergänzende Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen

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Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung

2.3 Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung 2.3.1 Grundprobleme bei Kapitalmarktfinanzierung im Lichte der Agency-Theorie Als wesentliche Triebfedern der in der vorliegenden Arbeit als unternehmerische Zielsetzung etablierten Shareholder ValueMaximierung gelten die Globalisierung und die Deregulierung auf Kapitalmärkten.198 Einhergehend mit diesen Entwicklungen kann eine verstärkte Inanspruchnahme (internationaler) Kapitalmärkte durch Unternehmen konstatiert werden, 199 welche unter anderem mit dem im Vergleich zu nationalen Kapitalmärkten größeren Finanzierungspotenzial und den damit einhergehenden besseren Möglichkeiten zur Aufnahme von Kapital begründbar ist. 200 Es kann bei einer solchen unternehmensexternen Kapitalbeschaffung – analog zu Abschnitt 2.2.1 – zu einem Auseinanderfallen von Eigentum am Unternehmen und unternehmerischer Entscheidungskompetenz kommen. 201 Zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern können in der Folge – analog zum bereits ohne expliziten Bezug zum Kapitalmarkt beschriebenen Fall zwischen Eigentümer und Manager – Prinzipal-Agenten-Beziehungen bestehen. 202 Der Kapi198 199 200

201 202

Vgl. Young/O'Byrne (2001), S. 6 Vgl. Kahle (2002), S. 96 Kajüter (2008), S. 342, Küpper (1998), S. 152; Haller (1997), S. 270-271. Vgl. Wagenhofer (2005), S. 6; Kahle (2002), S. 96. Als weiterer Grund für die zunehmende Beanspruchung internationaler Kapitalmärkte durch Unternehmen wird bspw. die Möglichkeit zur Ausgabe eigener Aktien im Rahmen von Unternehmenskäufen angeführt. Vgl. ebenda. Vgl. Shleifer/Vishny (1997), S. 740-741. Vgl. Watts/Zimmerman (1979), S. 276; Hartmann-Wendels (1991), S. 3. Prinzipal-Agenten-Beziehungen sind in Unternehmen nicht nur auf die Beziehung zwischen Eigentümern und Managern beschränkt, sondern lassen sich bspw. auch auf die Beziehung zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern übertragen. Vgl. Watts/Zimmerman (1979), S. 276.

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talnehmer stellt dabei den Agenten dar, der bei der Ausführung unternehmerischer Dispositionen sowohl seinen eigenen Nutzen als auch den Nutzen der Kapitalgeber als Prinzipal(e) beeinflusst.203 Auch in dieser Beziehung ist mit eigennutzenmaximierendem Verhalten der beteiligten Akteure zu rechnen. Existieren zwischen ihnen Zielkonflikte, so muss beim Vorliegen von Informationsasymmetrien mit spezifischen Agency-Problemen gerechnet werden. 204 Im konkret betrachteten Fall einer Prinzipal-Agenten-Beziehung zwischen Kapitalgeber und Kapitalnehmer bestehen zum einen vorvertragliche Informationsasymmetrien in Bezug auf den Wert von Anlagealternativen als Auswahlmöglichkeiten. 205 Auf dem Kapitalmarkt besteht dann die Gefahr, dass die (potenziellen) Kapitalgeber bei der Beurteilung der Güte von Investitionsalternativen lediglich deren durchschnittliche Qualität berücksichtigen und diese in ihrer Zahlungsbereitschaft reflektieren. In der Folge kommt es zur adversen Selektion, 206 d. h. aufgrund der pauschalierenden Bewertung benachteiligte Kapitalnehmer verlassen den Kapitalmarkt.207 Zur Linderung dieser Problematik kommt grundsätzlich eine Abschwächung der Informationsasymmetrien in Betracht,

203 204 205 206 207

Vgl. Arrow (1985), S. 37. Vgl. Watts/Zimmerman (1979), S. 276. Vgl. Healy/Palepu (2001), S. 407. Vgl. Beaver (1998), S. 31; Healy/Palepu (2001), S. 408. Vgl. Spremann (1990), S. 574. Der einsetzende Selektionsprozess kann im Extremfall letztlich dazu führen, dass der gesamte Kapitalmarkt zusammen bricht. Vgl. Beaver (1998), S. 31.

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Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung

bspw. durch die Veröffentlichung glaubwürdiger Informationen durch Kapitalnachfrager.208 Für bestehende Kapitalgeber ergibt sich nach Vertragsabschluss in – Analogie zu den Ausführungen in Abschnitt 2.2.1 der vorliegenden Arbeit – bei Existenz nachvertraglicher Informationsasymmetrien in Form von hidden information und hidden action und opportunistischem Verhalten der beteiligten Akteure die Gefahr des moral hazard, d. h. der eigennutzenmaximierenden Ausnutzung eines Informationsvorsprungs zu Lasten der Kapitalgeber.209 So besteht bspw. im Hinblick auf Eigenkapitalgeber im Rahmen der betrachteten Prinzipal-Agenten-Beziehung insb. das Problem der Beurteilung des wertmaximierenden Einsatzes der durch sie zur Verfügung gestellten Mittel.210 Als Lösungsansätze kommen grundsätzlich auch in diesem Kontext – in Analogie zu den Ausführungen in Abschnitt 2.2. – Anreiz- und Kontrollsysteme in Betracht, 211 da diese, wie bereits dargelegt, dazu beitragen können, die Interessen von Kapitalgebern und Kapitalnehmern anzugleichen.212 2.3.2 Informationen der externen Finanzberichterstattung als Lösungsansatz Um Agency-Problemen zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern als Akteuren auf Kapitalmärkten zu begegnen, kommt Infor208

209 210 211 212

Vgl. Beaver (1998), S. 30; Wagenhofer/Ewert (2015), S. 5. Erfolgt die Bereitstellung der Informationen auf Initiative des kapitalnachfragenden Unternehmens, spricht man von signalling. Vgl. Beaver (1998), S. 30. Vgl. Healy/Palepu (2001), S. 409; Hitz (2005b), S. 7. Vgl. Shleifer/Vishny (1997), S. 741. Vgl. Elschen (1991), S. 1005; Jensen/Meckling (1976), S. 308. Vgl. Jensen/Meckling (1976), S. 308.

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mationen der Finanzberichterstattung zentrale Bedeutung zu. Sie können zum einen dazu dienen, (potenziellen) Kapitalgebern verlässliche Informationen zur Fundierung ihrer Anlageentscheidungen zur Verfügung zu stellen. 213 Informationen der Finanzberichterstattung tragen dann zur unmittelbaren Reduktion von Informationsasymmetrien zwischen Kapitalnehmern und Kapitalgebern bei. 214 Sie sind dabei darauf gerichtet, Kapitalgebern Informationen im Hinblick auf den Wert ihrer Anlagemöglichkeiten, d. h. bspw. Informationen zur Abschätzung künftig zu erwartender Cashflows, zur Verfügung zu stellen.215 Bedeutung gewinnt in diesem Kontext, insb. vor dem Hintergrund der Globalisierung, die Bereitstellung von international verständlichen Informationen an (potenzielle) Kapitalgeber.216 Zum anderen können Informationen der Finanzberichterstattung auch verwendet werden, um nachvertragliche Agency-Probleme zu adressieren: Dazu können sie prinzipiell in Kontrollsysteme Eingang finden, indem bestimmte Rechtsfolgen, bspw. Kompetenzverschiebungen oder die (frühzeitige) Beendigung von Finanzierungsbeziehungen, an sie geknüpft werden. 217 Des Weiteren können Informationen der Finanzberichterstattung auch in Anreizsystemen218 verwendet werden, wenn sie bspw. bei der Ermittlung von Performancemaßen einfließen und letztlich finanzielle Anreize an sie

213 214 215 216 217 218

Vgl. Hax (1988), S. 190; Wagenhofer/Ewert (2015), S. 5. Vgl. Beaver (1998), S. 30. Vgl. Wagenhofer/Ewert (2015), S. 6. Vgl. Menn (1999), S. 632. Vgl. Hax (1988), S. 190-191; Wagenhofer/Ewert (2015), S. 7. Zur Beschreibung von Anreizsystemen siehe Abschnitt 2.2.2.

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Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung

geknüpft werden.219 In beiden Fällen, sprich sowohl bei ihrer Verwendung im Rahmen von Kontrollsystemen als auch von Anreizsystemen, sind Informationen der Finanzberichterstattung darauf gerichtet, die Interessen von Kapitalnehmern an jene von Kapitalgebern anzunähern.220 Im Rahmen der vorangehend skizzierten Prinzipal-AgentenBeziehung zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern können letztere aus Eigeninteresse prinzipiell einen Anreiz haben, (potenziellen) Kapitalgebern Informationen der Finanzberichterstattung zur Verfügung zu stellen. 221 In praxi findet im Zuge von Regulierungsmaßnahmen regelmäßig eine Normierung bzw. Standardisierung der zu vermittelnden Informationen statt.222 Mit dieser Normierung wird unter anderem eine Erhöhung der Verlässlichkeit der vermittelten Informationen assoziiert,223 welche der Fundierung von Anlageentscheidungen und der Beurteilung unternehmerischer Dispositionen durch Kapitalgeber zuträglich ist. 224 Zudem können standardisierte Informationen die Vergleichbarkeit und letztlich die Beurteilung verschiedener Auswahlmöglichkeiten durch (potenziel-

219 220

221 222 223

224

Vgl. Wagenhofer/Ewert (2015), S. 7-8. Vgl. Healy/Palepu (2001), S. 409-410. Wie bereits in Abschnitt 2.2.2. dargelegt, sind dem Einsatz von Kontrollsystemen zur Annäherung von Interessen in Delegationsbeziehungen jedoch enge Grenzen gesetzt. Vgl. Wagenhofer/Ewert (2015), S. 29; Hax (1988), S. 198. Vgl. Healy/Palepu (2001), S. 410. Vgl. Wagenhofer/Ewert (2015), S. 31. So werden Regulierungsbemühungen bspw. als Reaktion auf Betrugsfälle oder Bilanzierungsdelikte unternommen. Vgl. Wagenofer/Ewert (2015), S. 28-29. Vgl. Hax (1988), S. 190; Wagenhofer/Ewert (2015), S. 6; Kahle (2002), S. 96.

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le) Kapitalgeber erleichtern.225 Letztlich besteht ein weiterer (möglicher) Vorteil normierter Informationen in (möglichen) Effizienzvorteilen bei der Ausgestaltung von Vertragsbeziehungen zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern, da standardisierte Informationen an Stelle individuell ausgehandelter Vertragsbestandteile treten können. 226 Die Standardisierung (von Teilen) der Finanzberichterstattung manifestiert sich in Deutschland unter anderem in der für kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen verpflichtenden Anwendung der IFRS im Konzernabschluss. Damit einher geht gleichzeitigt die Befreiung von der verpflichtenden Aufstellung eines Konzernabschlusses nach den Regelungen des HGB (§315a Abs. 1 HGB). Neben kapitalmarktorientierten Mutterunternehmen sind auch jene Mutterunternehmen verpflichtet, ihren Konzernabschluss nach IFRS aufzustellen, die bis zum Bilanzstichtag die Zulassung eines Wertpapiers an einem organisierten Kapitalmarkt beantragt haben (§315a Abs. 2 HGB). Für alle weiteren Mutterunternehmen besteht gem. §315a Abs. 3 HGB ein Wahlrecht, ihren Konzernabschluss nach IFRS aufzustellen. Die Anwendung der IFRS ist jedoch nicht ausschließlich auf den Konzernabschluss beschränkt. Statt dessen

225 226

Vgl. Hax (1988), S. 198. Vgl. Hax (1988), S. 198; Wagenhofer/Ewert (2015), S. 32. Als weiterer Grund der Regulierung von Informationen der Finanzberichterstattung wird auch der Schutz bestimmter „schwacher“ Kapitalgebergruppen gegenüber der Ausbeutung durch besser informierte Kapitalgebergruppen identifiziert. Vgl. bspw. Wagenhofer/Ewert (2015), S. 30-31. Da im Rahmen der vorliegenden Arbeit die Beziehung zwischen Kapitalgeber und Kapitalnehmer und nicht zwischen verschiedenen Kapitalgebern betrachtet wird, findet dieser Grund an dieser Stelle jedoch keine explizite Berücksichtigung.

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Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung

besteht gem. §325 Abs. IIa HGB für Offenlegungszwecke auch die Möglichkeit die IFRS im Einzelabschluss anzuwenden. Die Verwendung von IFRS wird unter anderem vor dem Hintergrund der internationalen Vergleichbarkeit verschiedener Anlagemöglichkeiten am Kapitalmarkt als vorteilhaft erachtet.227 Zudem wird ihnen zentrale Bedeutung bei der im Rahmen der vorliegenden Arbeit betrachteten Konvergenz zugesprochen.228 Bevor das Konvergenzpotenzial der IFRS beurteilt werden kann, erfolgt zunächst eine Beschreibung ihrer Zwecksetzung und der Anforderungen an Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung. 2.3.3 Zwecksetzung der Finanzberichterstattung nach IFRS Im Fokus des vorliegenden Abschnitts steht eine deskriptive Abhandlung der Rechnungszwecke der IFRS. Als Grundlage dazu dient das 2010 veröffentlichte und derzeit gültige Conceptual Framework des International Accounting Standards Board (IASB).229 Eine Betrachtung der Entwicklung der Rechnungszwecke der IFRS im Zeitablauf, d. h. insb. der Veränderung der Rechnungszwecke durch die Änderung des Framework vom IASB Framework (1989) auf das derzeit gültige Framework, unterbleibt zur Wahrung der inhaltlichen Konsistenz der vorliegenden Arbeit.230

227 228 229 230

Vgl. Wagenhofer/Ewert (2015), S. 32. Vgl. bspw. Kley (2006), S. 151. Wird in den nachfolgenden Ausführungen von Framework gesprochen, erfolgt stets ein Bezug auf diese Version des Frameworks. Eine solche Betrachtung wird von Pelger unternommen. Vgl. Pelger (2012), S. 63-70.

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Die kodifizierte Zwecksetzung der externen Finanzberichterstattung nach IFRS besteht in der Vermittlung von Informationen über die berichtende Einheit (bspw. das berichtende Unternehmen) an gegenwärtige oder potenzielle Investoren, Kreditgeber und andere Gläubiger. Diese Adressaten sollen durch die bereitgestellten Informationen bei Entscheidungen bezüglich der Gewährung von Ressourcen unterstützt werden (OB2).231 Um die jeweiligen Ressourcenallokationsentscheidungen treffen zu können, sollen den Adressaten Informationen zur Verfügung gestellt werden, mit deren Hilfe sie die Höhe, die zeitliche Struktur und die Unsicherheit künftiger Netto-Cashflows an die betrachtete Einheit abschätzen können (OB3). Konkretisiert werden die zur Abschätzung der künftigen Netto-Cashflows benötigten Informationen durch die der betrachteten Einheit zur Verfügung stehenden Ressourcen, Forderungen gegenüber der betrachteten Einheit, aber auch die Effizienz und Effektivität der Pflichterfüllung durch ihre Leitungsorgane (OB4). Einschränkend wird im aktuellen Framework vermerkt, dass die Finanzberichterstattung nach IFRS nicht den Wert der berichtenden Einheit wiedergeben soll. Die vermittelten Informationen sollen jedoch hilfreich bei dessen Schätzung sein (OB7). Dabei sind jedoch weitere geeignete Informationsquellen zu berücksichtigen (OB6). Entsprechend der unmittelbaren Ausführungen im Framework liegt der Fokus der vermittelten Informationen auf der Entscheidungsunterstützung der Adressaten bei Ressourcenallokationsentscheidungen (OB2). Dieser Rechnungszweck, der auch als decision useful231

Solche Entscheidungen umfassen bspw. Kauf-, Verkaufs- oder Haltentscheidungen bezüglich Eigen- und Fremdkapitaltiteln (OB2).

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Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung

ness bezeichnet wird,232 soll unter anderem durch die Vermittlung von Informationen im Hinblick auf erwartete künftige NettoCashflows an die berichtende Einheit unterstützt werden (OB3). Die Abschätzung dieser erwarteten künftigen Netto-Cashflows soll durch die Vermittlung von Informationen hinsichtlich der Effizienz und Effektivität der Pflichterfüllung durch die Leitungsorgane der berichtenden Einheit bei der Nutzung der Ressourcen der Einheit unterstützt werden (OB4). Der Vermittlung solcher Informationen wird der Rechnungszweck stewardship zugeordnet.233 Entsprechend der unmittelbaren Ausführungen im Framework dienen somit im Hinblick auf den Rechnungszweck des stewardship verwendbare Informationen der Abschätzung künftig zu erwartender Netto-Cashflows, die wiederum als Entscheidungsgrundlage für Ressourcenallokationsentscheidungen dienen (OB2-OB4). Eine explizite separate Betrachtung von stewardship als Rechnungszweck findet hingegen nicht statt. Wenngleich durch das IASB festgestellt wird, dass durch die Bereitstellung von Informationen über die Effizienz und Effektivität der Pflichterfüllung durch die Leitungsorgane die Abschätzung künftiger Netto-Cashflows an die berichtende Einheit unterstützt wird (OB4), ist eine hierarchische Beziehung zwischen stewardship und der Abschätzung künftiger Netto-Cashflows ausdrücklich nicht intendiert. Vielmehr weisen die Standardsetter explizit darauf hin, dass beide von Bedeutung für die Adressaten sein können (BC 1.27). Somit kann konstatiert werden, dass durch Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung einerseits die Möglichkeit zur Abschätzung künftiger NettoCashflows, anderseits gleichermaßen aber auch die Beurteilung der 232 233

Vgl. bspw. Wagenhofer/Ewert (2015), S. 5. Vgl. bspw. Wagenhofer/Ewert (2015), S. 7-9.

Grundlagen zu wertorient. Kennzahlen & IFRS-Informationen

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Pflichterfüllung durch die Leitungsorgane der berichtenden Einheit erreicht werden soll. In der seit der Veröffentlichung des derzeit gültigen Frameworks unternommenen Vorschlägen zu dessen Weiterentwicklung kommt diese Haltung ebenfalls zum Ausdruck. So hält das IASB im Exposure Draft zum Conceptual Framework for Financial Reporting (ED/2015/3) fest, dass zur Unterstützung von Ressourcenallokationsentscheidungen gegenwärtiger oder potenzieller Investoren, Kreditgeber und anderer Gläubiger an ebendiese Informationen über die Höhe, die zeitliche Struktur und die Unsicherheit künftiger Netto-Cashflows und Informationen zur Beurteilung „of management’s stewardship of the entity’s resources“ bereitgestellt werden sollen (ED 1.3). Stewardship findet somit explizite Erwähnung im Exposure Draft. Das IASB stellt in der Basis for Conclusions zum ED/2015/3 fest, dass durch die Erwähnung von stewardship dessen Bedeutung betont werden soll (ED BC1.9). Jedoch wird ebenso vermerkt, dass die Breitstellung von Informationen zur Beurteilung von stewardship keinen separaten Rechnungszweck der IFRS darstellt, sondern dass Informationen über „management’s stewardship“ Teil der Informationen sind, die Adressaten für ihre Ressourcenallokationsentscheidungen nutzen (ED BC1.10). Adressiert werden durch die Ausführungen zur Zwecksetzung der IFRS somit die Informationsbedürfnisse unter anderem aktueller und potenzieller Kapitalgeber. Ausdrücklich vermerkt wird, dass die Unternehmensleitung nicht auf Informationen der Finanzberichterstattung angewiesen ist, wenngleich ihr Interesse an der Finanzberichterstattung erkannt wird. Diese Einschätzung wird vor-

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Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung

genommen, da die Unternehmensleitung finanzielle Informationen intern beschaffen kann (OB9). Zur Operationalisierung der Rechnungszwecke definiert das IASB unter anderem Anforderungen an die verwendeten Informationen. Diese stehen im Fokus des nachfolgenden Abschnitts. 2.3.4 Anforderungen und Nebenbedingung an Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung Im Framework identifiziert und beschreibt das IASB sog. „Qualitative Charactersitics“, welche Anforderungen an Informationen im Rahmen der IFRS-Finanzberichterstattung darstellen (QC3), und „Cost“ als Nebenbedingung an letztere (QC35).234 In diesem Abschnitt sollen sowohl die im Framework enthaltenen „Qualitative Characteristics“ als auch „Cost“ dargestellt werden. Die Qualitative Characteristics konkretisieren die Eigenschaften, die Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung erfüllen sollten, um der im vorangegangenen Abschnitt dargelegten Zwecksetzung gerecht zu werden (BC3.6). Das IASB unterscheidet dabei zwischen fundamentalen Anforderungen (fundamental Qualitative Characteristics) und verstärkenden Anforderungen (enhancing Qualitative Characteristics). Während erstere als essentiell für die Zweckdienlichkeit von IFRS-Informationen gesehen werden, wird darauf hingewiesen, dass die Erfüllung von letzteren vor dem Hin-

234

„Cost“ als Nebenbedingung ist nicht ausschließlich auf Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung gerichtet, sondern bspw. auch auf die Erstellung neuer Standards (QC38 und BC3.47).

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tergrund der Zwecksetzung zwar nicht als notwendig, jedoch immerhin als wünschenswert erachtet wird (BC3.8 und BC3.10). Im Framework sind zwei fundamentale Qualitative Characteristics etabliert: Relevanz und glaubwürdige Darstellung (QC5). Informationen der externen Finanzberichterstattung gelten immer dann als relevant, wenn sie die Entscheidungen der Abschlussadressaten beeinflussen können (QC6). Dies wird nach Ansicht des IASB dann erreicht, wenn die Informationen entweder zur Vorhersage von Ergebnissen vergangener oder gegenwärtiger Ereignisse verwendet werden können (BC3.16) oder die Beurteilung früherer Einschätzungen ermöglichen (QC7 und QC9). Entsprechend der Ausführungen des IASB ist Wesentlichkeit ein Aspekt der Relevanz (BC3.18). Erstere ist dann gegeben, wenn ihre NichtBerücksichtigung oder falsche Darstellung die Entscheidung der Adressaten beeinflussen könnte (QC11).235 Die Anforderung der glaubwürdigen Darstellung besagt, dass dargestellte Sachverhalte auf Grundlage ihres ökonomischen Gehalts abgebildet werden sollen. (BC3.26). Er wird anhand der drei Anforderungen Vollständigkeit, Neutralität und Fehlerfreiheit konkretisiert (QC12). Um ersterer gerecht zu werden, müssen entsprechend der Ausführungen des IASB alle Informationen enthalten sein, die die Adressaten benötigen, um einen in der Finanzberichterstattung dargestellten Sachverhalt verstehen zu können (QC13). Neutralität wird dann erreicht, wenn die Informationen nicht (einseitig) verzerrt sind (QC14). In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass 235

Vom IASB wird Wesentlichkeit als unternehmensspezifischer Aspekt der Relevanz definiert, sodass für diese keine einheitlichen quantitativen Schwellenwerte vorgegeben werden können (QC11).

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Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung

eine vorsichtige Finanzberichterstattung nicht vereinbar mit Neutralität ist (BC3.27). Fehlerfreiheit wird dann erreicht, wenn keine Unrichtigkeiten oder Weglassungen in der Abbildung darzustellender Sachverhalte erfolgen und der Prozess zur Generierung der abgebildeten Information ohne Unrichtigkeiten verläuft (QC15).236 Die etablierten verstärkenden Qualitative Characteristics umfassen Vergleichbarkeit, Nachprüfbarkeit, Zeitnähe und Verständlichkeit (QC19). Informationen werden der Anforderung der Vergleichbarkeit dann gerecht, wenn sie sowohl in sachlicher als auch in zeitlicher Hinsicht die Identifikation und Beurteilung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Vergleichsobjekten gewährleisten können (QC20 und QC21). Dabei bezieht sich Vergleichbarkeit jeweils nur auf gleiche Sachverhalte und soll nicht gewährleisten, dass ungleiche Sachverhalte so dargestellt werden, als ob sie gleich wären (QC23). Die verstärkende Anforderung der Nachprüfbarkeit wird erfüllt, wenn unterschiedliche sachverständige Betrachter eine Einigung darüber erzielen können, ob ein bestimmter Sachverhalt glaubwürdig dargestellt wurde. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Darstellung vollständig übereinstimmen müssen (QC26). Angemerkt wird explizit, dass zahlreiche zukunftsbezogene Schätzungen nicht direkt nachprüfbar sind, jedoch aufgrund ihrer Nützlichkeit im Hinblick auf die Zweckset236

Fehlerfreiheit bedeutet dabei explizit nicht gänzliche Exaktheit der dargestellten Informationen. Bspw. kann eine Schätzung auch dann glaubwürdig sein, wenn diese als Schätzung gekennzeichnet ist, Art und Beschränkung des Schätzprozesses erläutert und Fehlerfreiheit bei der Auswahl und Anwendung des Schätzprozesses gewährleistet werden (QC15).

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zung trotzdem in der Finanzberichterstattung Berücksichtigung finden sollten. (BC3.36). Die Anforderung der Zeitnähe soll gewährleisten, dass Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung den Adressaten rechtzeitig zur Verfügung stehen, um ihre Entscheidungen beeinflussen zu können. Nach Ansicht des IASB wird dies prinzipiell schlechter ermöglicht, je älter die Informationen sind (QC29). Verständlichkeit besteht entsprechend der Ausführungen des IASB bei klarer und präziser Klassifikation, Charakterisierung und Darstellung von Informationen (QC30). Durch sie soll gewährleistet werden, dass schwierig zu verstehende Informationen so klar wie möglich dargestellt und erklärt werden (BC3.42). Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass relevante Informationen aufgrund ihrer Komplexität nicht berichtet werden (QC31). Verständlichkeit soll für fachlich kompetente Adressaten gewährleistet sein, die sich tatsächlich gewissenhaft mit den bereitgestellten Informationen befassen (QC32 und BC3.43). Zusätzlich zu den genannten Qualitative Characteristics definiert das IASB „Cost“ als leitende Nebenbedingung in Bezug auf die Informationen, welche im Rahmen der Finanzberichterstattung bereitgestellt werden können. Diese Nebenbedingung ist darauf ausgerichtet, dass die im Rahmen der Finanzberichterstattung entstehenden Kosten durch den Nutzen der Informationen gerechtfertigt werden (QC35). Sowohl die entstehenden Kosten, als auch der entstehende Nutzen sind dabei aus der Perspektive der Adressaten

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Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung

der IFRS-Finanzberichterstattung zu berücksichtigen (QC36 und QC37). Abbildung drei stellt die Qualitative Characteristics als Anforderungen sowie die Nebenbedingung an Informationen der IFRSFinanzberichterstattung.

Fundamentale Qualitative Characteristics Relevanz Glaubwürdige Darstellung (Vollständigkeit, Neutralität, Fehlerfreiheit) Verstärkende Qualitative Characteristics Vergleichbarkeit Nachprüfbarkeit Zeitnähe Verständlichkeit Nebenbedingung: „Cost“ 237

Abbildung 3: Anforderungen und Nebenbedingung an IFRS-Informationen

237

Eigene Darstellung in Anlehnung an Pelger (2011), S. 915.

3 Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung 3.1 Grundlagen zur Konvergenz 3.1.1 Definition und Konvergenzrichtungen In diesem Kapitel soll eine Untersuchung des Konvergenzpotenzials von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRSFinanzberichterstattung vorgenommen werden. Bevor das Konvergenzpotenzial geprüft wird, erfolgt in diesem Abschnitt jedoch zur Gewährleistung sprachlicher Eindeutigkeit zum einen die Definition des Konvergenzbegriffs. Zum anderen soll durch die Darstellung der Konvergenzrichtungen aufgezeigt werden, wie eine Konvergenz erreicht werden kann. Im Fokus der Überlegungen steht dabei nicht die Etablierung konkreter Handlungsvorschläge, sondern die Beschreibung der inhaltlichen Anpassungsrichtungen. Für die Zusammenführung von für interne Zwecke verwendete Informationen und Informationen der externen Finanzberichterstattung wurden in einschlägigen Veröffentlichungen zahlreiche unterschiedliche Begrifflichkeiten etabliert,238 bspw. Konvergenz,239 Harmonisierung,240 aber auch Integration. 241 Deren Verwendung erfolgt regelmäßig synonym. 242 Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll dieser Vorgehensweise nicht gefolgt werden. Stattdessen 238 239 240 241 242

Eine Auflistung verschiedener Termini findet sich bspw. bei Haaker. Vgl. Haaker (2008), S. 146-147. Vgl. bspw. Simons/Weißenberger (2008); Schaier (2007); Kahle (2003); Küting/Lorson (1998c). Vgl. bspw. Hebeler (2003); Heyd (2001); Bruns (1999). Vgl. bspw. Pelger (2012); Weißenberger (2006b); Burger/Buchart (2001). Vgl. Küting/Lorson (1999a), S. 47; Haaker (2008), S. 147; Müller (2006), S. 8.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 A. Bantz, Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6_3

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Grundlagen zur Konvergenz

findet der Begriff der Konvergenz i. S. e. Annäherung von intern verwendeten Informationen und Informationen der externen Finanzberichterstattung Anwendung. Im Rahmen der Konvergenz soll also „eine (gewisse) Einheit der Unternehmensrechnung“243 hergestellt werden. Keine Berücksichtigung finden hingegen die Termini Integration und Harmonisierung, da keine (Wieder-) Herstellung einer (einzigen) Einheit i. S. e. Integration angestrebt wird und der Begriff der Harmonisierung Anwendung im Kontext der Vereinheitlichung der Normen externer Finanzberichterstattung findet.244 Die inhaltliche Umsetzung der Konvergenz kann grundsätzlich in zwei unterschiedliche Richtungen erfolgen: Zum einen besteht die Möglichkeit, dass die Übernahme von Informationen der externen Finanzberichterstattung für interne Zwecke erfolgt. Zum anderen können für interne Zwecke generierte Informationen Berücksichtigung in der externen Finanzberichterstattung finden. 245 Unter Beachtung dieser beiden Stoßrichtungen sind zur Erlangung der Konvergenz drei Vorgehensweisen möglich. Erstens können für externe Zwecke generierte Informationen den Ausgangspunkt für eine Konvergenz darstellen und für interne Zwecke übernommen werden. 246 Da bei der Bestimmung von wertorientierten Kennzahlen regelmäßig ein Rückgriff auf die Daten der externen Finanzberichterstattung erfolgt,247 kann deren Ermittlung als Beispiel für eine 243 244 245 246 247

Küting/Lorson (1999a), S. 47. Vgl. zu dieser Begriffsabgrenzung Melcher (2002), S. 15-16; mons/Weißenberger (2008), Fn. 2. Vgl. Wagenhofer (2006), S. 3. Vgl. Burger/Buchart (2001), S. 549; Kümpel (2002b), S. 906. Vgl. Kajüter (2008), S. 341.

Si-

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solche Konvergenzrichtung genannt werden. Zweitens kann Konvergenz auch durch eine Ausrichtung der externen Finanzberichterstattung an für interne Zwecke generierten Informationen erfolgen. 248 Diese Konvergenzrichtung manifestiert sich unter anderem im Management Approach, welcher die Verwendung von für interne Zwecke generierten Informationen in ausgewählten IFRS vorsieht.249 Des Weiteren kann eine Konvergenz in dieser Richtung erreicht werden, wenn bestehende Wahlrechte und Ermessensspielräume der externen Finanzberichterstattung derart genutzt werden, dass eine Angleichung dieser an intern verwendete Informationen erfolgt.250 Drittens kann eine Konvergenz auch erfolgen, wenn eine wechselseitige Annäherung von Informationen der externen Finanzberichterstattung und für interne Zwecke generierter Informationen erfolgt,251 indem bspw. in Teilen der externen Finanzberichterstattung der Management Approach Anwendung findet, aber auch Informationen der externen Finanzberichterstattung, die nicht auf dem Management Approach aufbauen, für interne Zwecke Berücksichtigung finden. Zu Beginn der Konvergenzdiskussion stand die Verwendung von Informationen der externen Finanzberichterstattung für die Zwecke des internen Rechnungswesens im Zentrum der Überlegungen. 252 248 249 250 251 252

Vgl. Burger/Buchart (2001), S. 549-550; Kümpel (2002b), S. 906. Vgl. Ruhwedel/Schultze (2004), S. 494; Wagenhofer (2006), S. 4. Vgl. Dais/Watterott (2006), S. 467. Vgl. Burger/Buchart (2001), S. 549; Kümpel (2002b), S. 906. Bspw. vermerkt Haller im Jahr 1997, dass eine Anpassung des internen Rechnungswesens an das externe Rechnungswesen der in der Konvergenzdiskussion enthaltenen Grundhaltung entspricht. Ähnlich äußert sich auch Wagenhofer. Vgl. Haller (1997), S. 271; Wagenhofer (2006), S. 18.

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Grundlagen zur Konvergenz

Begründet wurde diese „externe Dominanz“253 damit, dass die externe Finanzberichterstattung aufgrund ihrer gesetzlichen Fixierung einerseits unabdingbar und anderseits nicht modifizierbar ist.254 Die Existenz einer Vorherrschaft solcher einseitiger Anpassungen im Kontext der Konvergenz wird vor allem in jüngeren Publikationen negiert.255 Vielmehr wird darauf verwiesen, dass für interne Zwecke generierten Informationen eine elementare Bedeutung für die Bilanzierung nach IFRS zukommt. Bspw. hält Fleischer fest, dass „[e]ine korrekte Bilanzierung nach IFRS […] bereits heute ohne Controlling Informationen unmöglich [ist]“256. Maßgeblich für diese Entwicklung ist die Einführung des Management Approach und somit die Zweitverwendung von für interne Zwecke generierten Informationen in der externen Finanzberichterstattung.257 Mit der Einführung des Management Approach wird die Übernahme von Daten der externen Finanzberichterstattung für interne Zwecke jedoch keinesfalls obsolet. Ersichtlich ist stattdessen, dass eine wechselseitige Anpassung der Größen der externen Finanzberichterstattung nach IFRS und der intern verwendeten Größen erfolgt.258 Dais/Watterott konstatieren folgerichtig, dass eine Konvergenz keine „Einbahnstraße“259 darstellt, wenngleich beachtet werden muss, dass eine Anpassung der externen Finanzberichterstattung an

253 254 255 256 257 258 259

Klein (1999b), S. 23. Vgl. Küting/Lorson (1998c), S. 488; Heyd (2001), S. 202. Vgl. bspw. Schumann (2008), S. 290. Vgl. Fleischer (2005), S. 192. Vgl. Ruhwedel/Schultze (2004), S. 494. Vgl. Günther/Zurwehme (2008), S. 104; Wagenhofer (2006), S. 18. Dais/Watterott (2006), S. 467.

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für interne Zwecke verwendete Informationen nur innerhalb enger Grenzen erfolgen kann. 260 Aufgrund der gesetzlichen Fixierung der Regelungen der externen Finanzberichterstattung kommt der Konvergenz i. S. e. Annäherung von für interne Zwecke verwendeten Informationen an Informationen der externen Finanzberichterstattung – trotz zumindest stellenweise bestehender Anpassungsmöglichkeiten letzterer an intern verwendete Informationen – besondere Bedeutung zu. 261 Diese Konvergenzrichtung steht daher im Fokus der vorliegenden Betrachtung. 3.1.2 Konvergenzmotive Motiviert wurde die Idee der Konvergenz in den 1990er-Jahren vornehmlich durch Vertreter der Unternehmenspraxis.262 Im deutschsprachigen Raum wird als Ausgangspunkt für die bis heute anhaltende Diskussion über eine Konvergenz vielfach der Beitrag von Ziegler genannt,263 welcher die Konvergenzbestrebungen bei der Siemens AG darstellt.264 Als Beweggründe für die Durchbrechung der vornehmlich im deutschen Sprachraum üblichen Trennung von internem und externem Rechnungswesen werden regel260 261

262 263 264

Vgl. Dais/Watterott (2006), S. 467. Vgl. Müller/Ordemann/Pampel (2005), S. 2121. Haring/Prantner zeigen im Rahmen ihrer empirischen Untersuchung für die betrachtete Stichprobe ebenfalls, dass dieser Konvergenzrichtung die größte Bedeutung beigemessen wird. Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 151. Vgl. Haller (1997), S. 270. Vgl. bspw. Simons/Weißenberger (2008), S. 138; Kajüter (2008), S. 341; Bruns (1999), S. 586. Vgl. Ziegler (1994). In wissenschaftlichen Kreisen wurde diese Entwicklung zunächst skeptisch beurteilt. Vgl. bspw. Pfaff (1994), insb. S. 1081.

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Grundlagen zur Konvergenz

mäßig unternehmensexterne Entwicklungen und insb. deren Konsequenzen ausgemacht.265 Wesentliche Konvergenzmotive sollen im Folgenden skizziert werden. Besondere Relevanz für Konvergenzbestrebungen wird unter anderem der gesteigerten Bedeutung von Kapitalmärkten für Unternehmen zugesprochen, 266 welche in einer verstärkten Berücksichtigung der Interessen der Shareholder bei der Durchführung aller unternehmerischer Aktivitäten resultiert.267 Zur Umsetzung der Orientierung an den Interessen der Shareholder werden intern vielfach wertorientierte Kennzahlen etabliert, die einer Konvergenz insofern zuträglich sind, als dass sie regelmäßig auf Informationen der externen Finanzberichterstattung basieren. 268 Der Rückgriff auf Informationen der externen Finanzberichterstattung ist in diesem Zusammenhang der Verständlichkeit zuträglich, da die in Deutschland übliche Zweiteilung des Rechnungswesens international nicht gebräuchlich und nicht-deutschen Kapitalgebern schwer vermittelbar ist.269 Die Ermittlung wertorientierter Kennzahlen auf Grundlage von verständlichen und nachvollziehbaren Größen kann letztlich Kommunikationsbarrieren zwischen Unternehmen und Kapitalgebern abbauen. 270 Zudem verlieren die verwendeten Kennzahlen an Manipulationsmöglichkeiten, wenn sie auf geprüften Informationen

265 266 267 268 269 270

Ähnlich Kley (2006), S. 151. Vgl. Kajüter (2008), S. 342; Küpper (1998), S. 152; Haller (1997), S. 270271. Vgl. Kahle (2003), S. 773. Vgl. Kajüter (2008), S. 342. Vgl. Kley (2006), S. 151. Vgl. Kajüter (2008), S. 342; Bruns (1999), S. 586.

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der externen Finanzberichterstattung basieren. 271 Die stringente Ausrichtung aller unternehmerischen Tätigkeiten an der Zielsetzung der Maximierung des Shareholder Value fordert auch eine möglichst effiziente Ausgestaltung des Rechnungswesens und mithin eine Berücksichtigung der in diesem Zusammenhang entstehenden Kosten.272 Letztere sind somit auch von Bedeutung bei der Begründung einer Konvergenz,273 da durch die Zusammenlegung redundanter Aktivitäten Kostensenkungen erreicht und mithin ein Beitrag zu einer effizienten Ausgestaltung des Rechnungswesens geleistet werden kann.274 Ergänzend zur verstärkten Kapitalmarktorientierung gelten auch eine zunehmende Globalisierung und eine damit einhergehende Internationalisierung der Geschäftstätigkeit von Unternehmen als Auslöser von Konvergenzbemühungen.275 Da nicht-deutschen Mitarbeitern die in Deutschland tradierte Zweiteilung des Rechnungswesens regelmäßig nicht geläufig ist, birgt eine solche Internationalisierung unter anderem auch Probleme im Hinblick auf die Verständlichkeit und Akzeptanz von Informationen des Rechnungswesens bei nicht-deutschen Mitarbeitern.276 Eine Beibehaltung dieser Zweiteilung kann deshalb bspw. zusätzlichen Aufwand für Schulungen verursachen. 277 Zudem kann die Existenz mehrerer Ergeb271 272 273 274 275 276 277

Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 127; Siefke (1999), S. 148. Vgl. Pelger (2012), S. 16. Vgl. Kahle (2003), S. 784. Vgl. Menn (1999), S. 642; Deleker (1997), S. 632. Vgl. Hebeler (2003), S. 33; Kajüter (2008), S. 341; Küpper (1998), S. 152; Haller (1997), S. 270. Vgl. Küting/Lorson (1999b), S. 220; Kajüter (2008), S. 341-342. Vgl. Kahle (2003), S. 784.

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Grundlagen zur Konvergenz

nisgrößen zu Unstimmigkeiten bezüglich der Richtigkeit der zur Auswahl stehenden Ergebnisgrößen führen. 278 Eine Konvergenz kann vor diesem Hintergrund Effizienzsteigerungen ermöglichen. 279 Im Einklang mit dieser Einschätzung deuten empirische Ergebnisse darauf hin, dass die internationale Verständlichkeit in praxi bei der Verfolgung einer Konvergenz nicht nur erwartet wird, sondern auch tatsächlich eintritt.280 Über die genannten Motive hinaus begünstigt auch die Einführung internationaler Rechnungslegungsstandards wie bspw. der IFRS die Konvergenzentwicklung. 281 Deren Verbreitung resultiert aus der verstärkten Internationalisierung der Geschäftstätigkeit und letztlich der zunehmenden Kapitalmarktorientierung vieler Unternehmen. 282 Internationalen Rechnungslegungsvorschriften wird im Hinblick auf die Konvergenz aufgrund ihrer ökonomisch geprägten Abbildung der darzustellenden Sachverhalte Bedeutung zugesprochen. 283 Sie weichen deutlich von der in Deutschland geprägten Rechnungslegung ab, da sie keine Betonung des Vorsichtsprinzips und der daraus abgeleiteten Rechnungslegungsgrundsätze kennen. 284 Internationalen Rechnungslegungsvorschriften wird deshalb, zumindest tendenziell, ein höheres Konvergenzpotenzial at278 279 280 281 282 283 284

Vgl. Kley (2006), S. 151; Müller/Ordemann/Pampel (2005), S. 2120-2121; Siefke (1999), S. 147. Vgl. Hebeler (2003), S. 34. Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 152. Vgl. Küting/Lorson (1998a), S. 469; Küting/Lorson (1998c), S. 491; Kajüter (2008), S. 341; Kley (2006), S. 151. Vgl. Wagenhofer (2005), S. 6; Kahle (2002), S. 96; Busse von Colbe (2002), S. 160. Vgl. Haller (1997), S. 271; Menn (1999), S. 637. Vgl. Menn (2000), S. 205; Kley (2006), S. 151.

Konvergenz wertorient. Kennzahlen & IFRS-Informationen

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testiert als den korrespondierenden deutschen Regelungen.285 Haller sieht in der Anwendung internationaler Rechnungslegungsvorschriften sogar eine „zentrale Voraussetzung […] für eine stärkere Verzahnung von internem und externem Rechnungswesen in deutschen Unternehmen.“286 Sie gilt letztlich als wesentlicher Impuls im Rahmen von Konvergenzbetrachtungen und auch damit einhergehender Effizienzüberlegungen.287 Wenngleich die aufgezeigten Entwicklungen in der unternehmerischen Umwelt und deren Konsequenzen eine Konvergenz externer Finanzberichterstattung und für interne Zwecke verwendeter Informationen forcieren, darf die Übernahme von Informationen der externen Finanzberichterstattung für interne Zwecke nicht undifferenziert erfolgen. Stattdessen kommt der Überprüfung des Konvergenzpotenzials besondere Bedeutung zu. Diese wird im folgenden Abschnitt zunächst anhand der Rechnungszwecke vorgenommen.

285 286 287

Vgl. Busse von Colbe (2002), S. 160. Haller (1997), S. 271. Vgl. Hebeler (2003), S. 34; Schaier (2008), S. 122-123.

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Vereinbarkeit der Rechnungszwecke

3.2 Vereinbarkeit der Rechnungszwecke als Ausgangspunkt des Konvergenzpotenzials Die vorherrschende Trennung von externem und internem Rechnungswesen wird regelmäßig mit unterschiedlichen Zwecken der beiden Rechnungskreise begründet.288 Ausgangspunkt für die Konvergenzüberlegungen zahlreicher Beiträge ist deshalb der Rechnungszweck. 289 Dieser determiniert sowohl Rechnungsziel als auch Rechnungsinhalt. 290 Da die Ausgestaltung des Rechnungswesens letztlich abhängig vom Rechnungszweck ist, ist davon auszugehen, dass gleiche oder wenigstens ähnliche Rechnungszwecke die betrachtete Konvergenz begünstigen. 291 Unterschiedliche Rechnungszwecke können hingegen einer Konvergenz entgegenstehen.292 Im Rahmen der in der vorliegenden Arbeit betrachteten Konvergenz gilt es somit zunächst zu prüfen, ob die in Kapitel zwei jeweils vorgestellten Rechnungszwecke miteinander vereinbar sind.293

288 289 290

291 292 293

Vgl. bspw. Küting/Lorson (1998a), S. 469; Kümpel (2002b), S. 905; Haring/Prantner (2005), S. 147. Vgl. bspw. Pfaff (1994); Coenenberg (1995); Jahke/Wielenberg/Schumacher (2007). Vgl. Schneider (1997), S. 45. Das Rechnungsziel entspricht der abzubildenden Ergebnisgröße, der Rechnungsinhalt den Abbildungsregeln zur Erreichung des Rechnungsziels. Vgl. Schneider (1995), S. 205; Wielenberg (2002), Sp. 1670. Vgl. Ballwieser/Hettich (2004), S. 85. Vgl. Altenburger/Busse von Colbe/Küpper/Loitlsberger/Siegwart (2001), S. 72. Betrachtet wird in den folgenden Ausführungen der im Rahmenkonzept der IFRS festgeschriebene Rechnungszweck. Einige Autoren fokussieren statt dessen die Informationsfunktion des Konzernabschlusses und nehmen somit zumindest implizit eine hierarchische Einschränkung der Untersuchung vor, der hier nicht gefolgt werden soll, da das Konvergenzpotenzial der IFRS und nicht ausgewählter Teile der externen Finanzberichterstattung im Fokus

Konvergenz wertorient. Kennzahlen & IFRS-Informationen

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Klein hingegen beginnt die Überlegungen zur Konvergenzeignung mit der Analyse des Adressatenkreises und hält fest, dass im Rahmen der Überprüfung des Konvergenzpotenzials „zu fragen [ist], inwieweit die Unternehmensleitung und andere Verantwortliche des Unternehmens […] explizit oder implizit als Adressaten [internationaler Bilanzierungsrichtlinien, Anm. d. Verf.] berücksichtigt werden.“294 Vernachlässigt wird dabei, dass nicht die Identität des Adressatenkreises ausschlaggebend für die Ausgestaltung der im Fokus der Konvergenzbetrachtungen stehenden Informationen ist, sondern vielmehr – wie vorangehend gezeigt – die jeweils betrachteten Rechnungszwecke.295 Folglich ist auch die vom IASB im aktuellen Framework vorgenommene Ausklammerung des Managements eines Unternehmens aus dem Adressatenkreis der IFRS einer Konvergenzeignung nicht abträglich und führt nicht per se zu einer Negierung des Konvergenzpotenzials von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung. Wie bereits in Abschnitt 2.3.3 der vorliegenden Arbeit gezeigt, besteht der im Framework etablierte Rechnungszweck der IFRSFinanzberichterstattung in der Vermittlung von im Hinblick auf Ressourcenallokationsentscheidungen entscheidungsnützlichen Informationen an die Adressaten (OB2). Die mit wertorientierten Kennzahlen verfolgten Rechnungszwecke entsprechen der Planung, der Verhaltenssteuerung und der Kontrolle.296 Aus sprachlicher

294 295 296

steht. Vgl. für eine solche Einschränkung bspw. Günther/Zurwehme (2008), S. 115; Kümpel (2002a), S. 344. Klein (1999b), S. 73. Zur Bedeutung der Rechnungszwecke im Rahmen der Konvergenzbetrachtung: Vgl. Ballwieser/Hettich (2004), S. 85. Zu diesen Rechnungszwecken siehe Abschnitt 2.2.3 der vorliegenden Arbeit.

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Vereinbarkeit der Rechnungszwecke

Sicht lässt sich somit keine Kongruenz zwischen den jeweils verfolgten Rechnungszwecken erkennen. Zur Fundierung der von den Adressaten der IFRSFinanzberichterstattung zu treffenden Ressourcenallokationsentscheidungen sollen diesen Informationen bereitgestellt werden, die als Grundlage eines Bewertungskalküls eine Beurteilung der Höhe, des Risikos und der zeitlichen Struktur künftiger Cashflows an das Betrachtungsobjekt ermöglichen (OB3 und OB7). Hier zeigt sich eine unmittelbare Analogie zu dem mit wertorientierten Kennzahlen verfolgten Rechnungszweck der Planung. Im Rahmen der an einen Manager delegierten Planung soll durch die Bereitstellung geeigneter Kennzahlen ebenfalls die Höhe, die zeitliche Struktur und das Risiko künftig erwarteter Cashflows einer zur Disposition stehenden Handlungsalternative Berücksichtigung im Bewertungskalkül des Managers finden, sodass dieses im Einklang mit der Bewertung aus Sicht der Shareholder steht.297 Den Adressaten der IFRS sollen auch Informationen über die Pflichterfüllung der Leitungsorgane bei der Nutzung der zur Verfügung gestellten Ressourcen aus Perspektive der Adressaten vermittelt werden (OB4). Da im Rahmen der mit wertorientierten Kennzahlen vorgenommen Kontrolle die Messung und Beurteilung der Vorteilhaftigkeit der von einem Manager durchgeführten Maßnahmen aus Sicht der Shareholder erfolgt und somit auch die erzielte Leistung des Managements betrachtet wird,298 zeigt sich hier ebenfalls eine Ähnlichkeit zwischen den Ausführungen zum Rechnungszweck im Framework und dem Rechnungszweck der Kontrolle. 297 298

Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 12-13; 19; 56. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 21.

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Im Gegensatz zu den Rechnungszwecken der Planung und Kontrolle findet sich für die Verhaltenssteuerung als dritter mit wertorientierten Kennzahlen verfolgter Rechnungszweck keine Analogie im Framework des IASB. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Verhaltenssteuerung als Rechnungszweck nicht mit den Ausführungen im Framework vereinbar ist. Wird die Leistung eines Managers anhand von Kennzahlen kontrolliert, kann davon ausgegangen werden, dass dieser seine Entscheidungen an jenen Kennzahlen ausrichtet.299 Dies gilt insb., wenn diese Kennzahlen adäquat in ein Anreizsystem eingebunden werden. 300 Aufgrund der engen Verknüpfung mit dem Rechnungszweck der Kontrolle steht die Verhaltenssteuerung somit nicht im Widerspruch zu den Ausführungen des IASB, sondern ist prinzipiell mit diesen vereinbar. Folgerichtig konstatiert das IASB, dass Informationen über die Pflichterfüllung des Managements nützlich für Entscheidungen von Adressaten sein können, die das Verhalten des Managements beeinflussen können (OB4 und BC1.27). Hinsichtlich der betrachteten Rechnungszwecke können also trotz einer nicht vorhanden sprachlichen Kongruenz enge Verknüpfungen festgehalten werden. Ersichtlich ist vor allem – entgegen der teilweise in der Literatur vertretenen Überzeugung301 –, dass nicht nur die Kontrolle und Beurteilung der durch das Management erbrachten Leistung den Anknüpfungspunkt von Konvergenzüberle299 300 301

Vgl. Hax (1989), S. 156. Vgl. Riegler (2000a), S. 153; Pfaff/Bärtl (1999), S. 89. So bspw. Pelger, der diese Aussage allgemein für die Annäherung von interner und externer Unternehmensrechnung trifft. Vgl. Pelger (2012), S. 61.

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Vereinbarkeit der Rechnungszwecke

gungen darstellt. Vielmehr zeigt sich, dass auch der mit wertorientierten Kennzahlen verfolgte Rechnungszweck der Planung einen Anknüpfungspunkt im Framework findet und der Rechnungszweck der Verhaltenssteuerung ebenfalls nicht im Widerspruch zu den Ausführungen des IASB steht. Neben der Vereinbarkeit der betrachteten Rechnungszwecke ist ferner zu beachten, dass im Rahmen der vorliegenden Arbeit ausdrücklich keine Gewichtung der mit wertorientierten Kennzahlen verfolgten Rechnungszwecken der Planung, Kontrolle und Verhaltenssteuerung vorgenommen wird und ebenfalls keine hierarchische Beziehung zwischen diesen etabliert wird. Damit einhergehend kommt den verwendeten Kennzahlen gleichermaßen Bedeutung bei der Bewertung von zur Disposition stehenden Handlungsalternativen und der Messung und Beurteilung von durchgeführten Maßnahmen zu. In Analogie vermerkt das IASB im Framework die Gleichwertigkeit der Bedeutung der vermittelten Informationen bei der Beurteilung künftig erwarteter Cashflows und der Beurteilung der Pflichterfüllung durch das Management (BC1.27). Es existiert somit keinerlei Gewichtung oder gar hierarchische Beziehung der konkreten Informationsinteressen, die einer Konvergenz entgegenstehen könnte. Im Ergebnis kann entsprechend des von Schneider formulierten Grundsatzes der „Rechnungszweck bestimmt [...] den Rechnungsinhalt“302 vor dem Hintergrund der Vereinbarkeit der Rechnungszwecke also prinzipiell davon ausgegangen werden, dass eine Konvergenz i. S. d. betrachten Annäherung von wertorientierten Kenn302

Schneider (1997), S. 45.

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zahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung möglich ist. Das Konvergenzpotenzial vor dem Hintergrund der jeweils der Operationalisierung der Rechnungszwecke dienenden Anforderungen steht im Fokus des nachfolgenden Abschnitts.

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Erreichbarkeit der Anforderungen an wertorient. Kennzahlen

3.3 Erreichbarkeit der Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen im Rahmen der betrachteten Konvergenz Im Folgenden gilt es zu analysieren, ob die etablierten Anforderungen, die zur Operationalisierung der Rechnungszwecke an die verwendeten Informationen gestellt werden und mithin Einfluss auf die Rechnungsinhalte nehmen, erfüllt werden können. Dies erfolgt vor dem Hintergrund der in dieser Arbeit fokussierten Konvergenzrichtung i. S. e. möglichen Verwendung von Informationen der IFRS-Finanz-berichterstattung als Grundlage für wertorientierte Kennzahlen. Ausgangspunkt der Überlegungen dieses Abschnitts stellen deshalb die an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen dar. Konkret soll deren Erfüllbarkeit bei der Verfolgung einer Konvergenz zwischen wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung überprüft werden. Zentrale Bedeutung kommt bei der Überprüfung der Erfüllbarkeit der an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen dem Beitrag der durch das IASB etablierten qualitativen Anforderungen zu. Jedoch ist die Analyse nicht auf diese beschränkt, da im Rahmen der vorliegenden Arbeit das Potenzial einer Konvergenz, welche als Annäherung von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung verstanden wird, nicht jedoch die Identität der jeweiligen Größen geprüft werden soll. Die aufgrund ihrer Bedeutung im Rahmen der Planung zentrale Anforderung der Barwertidentität, die genau dann erfüllt ist, wenn für alle möglichen Umweltentwicklungen der Barwert der Performancemaße dem Barwert der Cashflows entspricht,303 findet keine explizite Berücksichtigung in den Qualitative Characteristics. Trotz 303

Vgl. Laux (2006a), S. 89; Mohnen (2002), S. 26.

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einer fehlenden expliziten Berücksichtigung kann Barwertidentität erreicht werden, wenn bei der Berechnung IFRS-basierter wertorientierter Kennzahlen die hinreichenden Bedingungen des Lücke-Theorems erfüllt sind, d. h. wenn kalkulatorische Zinsen in geeigneter Weise erfasst werden und kein Verstoß gegen die Clean Surplus-Bedingung erfolgt.304 Obschon im Rahmen der IFRS keine Verrechnung kalkulatorischer Elemente und somit auch keine Verrechnung kalkulatorischer Zinsen vorgesehen ist,305 können im Rahmen der Konvergenz Informationen der externen Finanzberichterstattung um geeignete kalkulatorische Zinsen ergänzt werden. 306 Im Hinblick auf die Anforderungen des Lücke-Theorems wird im Zusammenhang mit Konvergenzüberlegungen jedoch regelmäßig die (vermeintlich) erfolgsneutrale Verrechnung von Erfolgskomponenten mit dem Eigenkapital kritisch betrachtet.307 Ausgangspunkt ist in diesem Zusammenhang das vom IASB etablierte Erfolgsspaltungskonzept, welches die Aufspaltung des Gesamtergebnisses (Comprehensive Income) in Gewinn oder Verlust (Profit or Loss) sowie sonstiges Ergebnis (Other Comprehensive Income (OCI)) vorsieht (IAS 1.7). Auf dessen Grundlage kommt es zur Verrechnung von Eigenkapitalveränderungen im OCI, d. h.

304 305

306 307

Einführend zum Lücke-Theorem siehe Abschnitt 2.2.4.2 der vorliegenden Arbeit. Vgl. Weißenberger (2005), S. 198. Weißenberger begründet diese Aussage mit der im Framework (1989) festgelegten accrual basis der IFRS. Vgl. ebenda. Diese kommt im aktuellen Framework in OB17 zum Ausdruck. Vgl. Velthuis/Wesner/Schabel (2006a), S. 876. Vgl. bspw. Krotter (2007), S. 693; Weißenberger (2006a), S. 56-59; Kahle (2003), S. 780.

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Erreichbarkeit der Anforderungen an wertorient. Kennzahlen

außerhalb des in der GuV ausgewiesenen Periodenergebnisses.308 Sofern diese Ergebniskomponenten nicht erfolgswirksam berücksichtigt werden, resultiert ein Verstoß gegen die Clean SurplusBedingung. 309 Erfolgt hingegen eine erfolgswirksame Berücksichtigung der im OCI erfassten Erfolgskomponenten zusätzlich zu dem in Profit or Loss erfassten Ergebnis und somit eine Orientierung am Comprehensive Income, erfolgt eine Berücksichtigung der Clean Surplus-Bedingung.310 Dies liegt daran, dass im Comprehensive Income sämtliche Veränderungen des Eigenkapitals einer Periode erfasst werden, die nicht aus Transaktionen mit den Eigenkapitalgebern in ihrer Funktion als Kapitalgeber resultieren (IAS 1.7). Somit wird eine Verrechnung von Erfolgskomponenten außerhalb des (Gesamt-)Ergebnisses vermieden.311 Die Einhaltung der Clean Surplus-Bedingung ist grundsätzlich unabhängig davon, ob Erfolgskomponenten zunächst im OCI berücksichtigt und zu einem späteren Zeitpunkt in Profit or Loss umgegliedert werden,312 da eine Erfassung von zuvor im OCI erfassten Erfolgskomponenten in 308

309

310 311

312

Vgl. Krotter (2007), S. 697. Krotter spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer ergebnisneutralen Berücksichtigung von Erfolgskomponenten. Vgl. ebenda. Vgl. Weißenberger (2006a), S. 57. Werden die nicht erfolgswirksam erfassten Eigenkapitalveränderungen dauerhaft außerhalb der GuV erfasst, erfolgt auf Basis der GuV zudem ein Verstoß gegen das Kongruenzprinzip, da die Summe der Cashflows nicht mit der Summe der Periodenerfolge übereinstimmt. Kommt es lediglich zu einer temporären Umgehung der GuV, kann das Kongruenzprinzip erfüllt werden. Vgl. Busse von Colbe (1992), S. 127128. Vgl. Velthuis/Wesner/Schabel (2006b), S. 460-461. Eine Ausnahme stellt die retrospektive Anpassung von Rechnungslegungsmethoden dar. Diese ist erfolgsneutral mit dem betroffenen (Vortrag des) Eigenkapitalposten(s) zu verrechnen (IAS 8.22). Ein solches Vorgehen wird auch als (Income) Recycling bezeichnet. Vgl. bspw. Kahle (2003), S. 779.

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Profit or Loss erfordert, dass der umgegliederte Betrag in der jeweiligen Periode im OCI subtrahiert wird (IAS 1.93). Eine Doppelzählung von Erfolgskomponenten auf Basis des Comprehensive Income wird somit vermieden (IAS 1.93), sodass letzteres die Eigenkapitalveränderungen einer Periode maßgeblich erklären kann. Letztlich kann also festgehalten werden, dass die Anforderung der Barwertidentität auf Grundlage von IFRS-basierten Residualgewinnen als Kennzahlen erreicht werden kann, da die hinreichenden Bedingungen des Lücke-Theorems erfüllt werden können. Die insb. für die Kontrolle und Verhaltenssteuerung zentrale Anforderung der Manipulationsfreiheit ist dann erfüllt, wenn ein Manager den Erfolgsausweis nicht verzerren kann,313 um so zum Nachteil der Shareholder einen eigenen Vorteil zu erzielen. 314 Ihr Pendant findet sich im Rahmenkonzept des IASB in der Anforderung der glaubwürdigen Darstellung. Die Klassifikation dieser Anforderung durch das IASB als fundamentale qualitative Anforderung entspricht dem Bedeutungsgewicht, das der Manipulationsfreiheit innerhalb der Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen zukommt. Die Anforderung der glaubwürdigen Darstellung wird anhand der Kriterien Neutralität, Fehlerfreiheit und Vollständigkeit konkretisiert (QC5 und QC12). Neutralität, welche besagt, dass die vermittelten Informationen nicht einseitig gewichtet sein sollen (QC14), ist Manipulationsfreiheit zuträglich, da beide darauf ausgerichtet sind, einseitige Verzerrungen der dargestellten Informationen zu vermeiden. Fehlerfreiheit ist der Anforderung der Manipulationsfreiheit ebenfalls zuträglich, da beide darauf abzielen im 313 314

Vgl. Hax (1989), S. 163; Weißenberger (2004), S. 74. Vgl. Schabel (2004), S. 59.

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Erreichbarkeit der Anforderungen an wertorient. Kennzahlen

Rahmen der Erstellung und Darstellung der Informationen bewusste Fehler i. S. v. beeinflussender Gestaltung zu vermeiden. 315 Letztlich wird Manipulationsfreiheit auch durch das konkretisierende Kriterium der Vollständigkeit gestützt, da eine unvollständige Darstellung zu einer Verzerrung des Erfolgsausweises führen würde. Hinsichtlich der an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderung der Manipulationsfreiheit lässt sich somit in der Anforderung der glaubwürdigen Darstellung eine inhaltliche Entsprechung, welche durch das IASB mit gleichem Bedeutungsgewicht klassifiziert wird, erkennen. Gefördert wird Manipulationsfreiheit darüber hinaus durch die unterstützende qualitative Anforderung der Nachprüfbarkeit, welche fordert, dass unabhängige Sachverständige Konsens darüber erreichen können, dass eine bestimmte Darstellung eines Sachverhalts einer glaubwürdigen Darstellung entspricht (QC26). Die Anforderung der Vergleichbarkeit, welcher als sachliche Vergleichbarkeit vor allem bei der Beurteilung der Managementleistung,316 aber auch bei mehreren zur Auswahl stehenden Handlungsalternativen im Rahmen der Planung Bedeutung zukommt, findet direkte Erwähnung im Framework. Trotz ihrer zentralen Bedeutung im Rahmen der Beurteilung unternehmerischer Dispositionen, 317 klassifiziert das IASB die Anforderung der Vergleichbarkeit jedoch lediglich als unterstützende Anforderung (QC19). Explizite Berücksichtigung findet bei der Konkretisierung der Anforderung 315 316 317

Die Vermeidung bewusster Fehler im Rahmen der Erstellung und Darstellung von Informationen kommt im Framework in QC15 zum Ausdruck. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 51-52. Vgl. Moxter (1982), S. 220.

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durch das IASB neben der intertemporalen Vergleichbarkeit auch die sachliche Vergleichbarkeit (QC20), sodass für die an wertorientierte Kennzahlen gestellte Anforderung der Vergleichbarkeit eine inhaltliche Entsprechung im Framework besteht. Jedoch wird ihr aufgrund der Klassifikation als ergänzende Anforderung im Framework ein geringeres Bedeutungsgewicht beigemessen als im Rahmen der Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen. Auch die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit, welche einen zur jeweiligen Entscheidung zeitnahen Ausweis von Erfolgsgrößen fordert,318 findet unmittelbare Berücksichtigung im Framework. In Übereinstimmung zu den an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen klassifiziert das IASB Zeitnähe als unterstützende Anforderung (QC19). In inhaltlicher Entsprechung zu den an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen fordert das IASB einen zeitnahen Ausweis von Informationen im Rahmen der Finanzberichterstattung (QC29). Somit zeigt sich für die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit sowohl eine inhaltliche Entsprechung als auch eine Übereinstimmung hinsichtlich des Bedeutungsgewichts der Anforderung im Framework. Sachliche Entscheidungsverbundenheit, welche gegeben ist, sofern nur die in unmittelbarer Verbindung mit der von einem Manager getroffenen Entscheidung stehenden Erfolgskomponenten in dessen Performancemaß erfasst werden, 319 findet hingegen keine explizite 318 319

Vgl. Hax (1989), S. 162. Vgl. Baetge/Siefke (1999), S. 682; Siefke (1999), S. 56; Weber/Bramsemann/Heineke/Hirsch (2004), S. 97.

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Erreichbarkeit der Anforderungen an wertorient. Kennzahlen

Berücksichtigung im Framework des IASB. Vermerkt wird in diesem Zusammenhang in der Literatur, dass die wirtschaftliche Betrachtungsweise der IFRS, welche entsprechend der Ausführungen des IASB durch die Anforderung der glaubwürdigen Darstellung zum Ausdruck kommt (BC3.26), eine Zurechnung der durch einen Manager verursachten Erfolgskomponenten zumindest teilweise unterstützt.320 Zwar begünstigt die wirtschaftliche Betrachtungsweise die Orientierung an den ökonomischen Konsequenzen von Handlungen eines Managers, dennoch ist dies nicht ausreichend, um – wie bei den an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen gefordert – zu gewährleisten, dass im Performancemaß eines Managers nur die Erfolgskomponenten berücksichtigt werden, die in einer unmittelbaren Verbindung mit seinen Entscheidungen stehen und insb. nicht von den Entscheidungen anderer Manager beeinflusst werden.321 Wenngleich aus den Ausführungen im Framework keine adäquate Berücksichtigung der Anforderung der sachlichen Entscheidungsverbundenheit abgeleitet werden kann, ist diese dennoch im Rahmen einer Konvergenz erreichbar. Grundlage ist eine geeignete organisatorische Abgrenzung der verwendeten Kennzahlen, die sich an den Kompetenzbereichen der jeweiligen Manager orientiert.322 Die an wertorientierte Kennzahlen gestellte Anforderung der Verständlichkeit findet unmittelbare Erwähnung bei den an Informationen im Rahmen der IFRS-Finanzberichterstattung gestellten An320 321 322

Vgl. Pelger (2008), S. 567 und 568. Vgl. zu dieser Auslegung bspw. Siefke (1999), S. 55; Weber/Bramsemann/Heineke/Hirsch (2004), S. 86. Ähnlich auch Pelger (2008), S. 567.

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forderungen. Analog zu den Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen klassifiziert das IASB Verständlichkeit als unterstützende Anforderung (QC19). Einschränkend vermerkt das IASB im Zusammenhang mit Verständlichkeit jedoch, dass komplexe Sachverhalte nicht zu Gunsten der Verständlichkeit unerwähnt bleiben dürfen (QC31 und BC3.42). Obgleich das IASB somit die Bedeutung der Verständlichkeit für die IFRS-Finanzberichterstattung einschränkt, steht dies nicht im Widerspruch zu der an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderung, da diese zwar eine möglichst einfache Ausgestaltung der Kennzahlen fordert,323 jedoch keine Vereinfachung der verwendeten Kennzahlen derart, dass eine Verzerrung der Darstellung erfolgt. Konstatiert werden kann deshalb, dass die Anforderung der Verständlichkeit zum einen eine inhaltliche Entsprechung im Framework des IASB findet und zum anderen in letzterem mit gleichem Bedeutungsgewicht berücksichtigt wird. Zudem kann eine Konvergenz der Verständlichkeit zuträglich sein, da eine einheitliche Begriffsverwendung gefördert wird.324 Auch die Anforderung der Wirtschaftlichkeit, die das KostenNutzen-Verhältnis der verwendeten Kennzahlen adressiert und besondere Bedeutung vor dem Hintergrund der Wertorientierung erlangt,325 wird nicht nur an wertorientierte Kennzahlen gestellt, sondern ebenfalls im Framework reflektiert. Ihre Entsprechung findet sie in der Nebenbedingung „Cost“, die ebenfalls auf das Kosten323 324

325

Vgl. Coenenberg (1995), S. 2080. Vgl. Kirsch/Steinhauer (2003), S. 432. Kritisch betrachtet wird jedoch die den Regelungen der IFRS inhärente Komplexität, die einer Verständlichkeit entgegen stehen kann. Vgl. ebenda. Vgl. Hoke (2001), S. 103; Pelger (2008), S. 567; Pelger (2012), S. 16.

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Erreichbarkeit der Anforderungen an wertorient. Kennzahlen

Nutzen-Verhältnis der vermittelbaren Informationen gerichtet ist (QC35), welches durch die von den Adressaten zu tragenden Kosten (QC36), aber auch durch deren Nutzen determiniert wird (QC37). Somit wird letztlich im Rahmen der IFRSFinanzberichterstattung eine Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit der vermittelbaren Informationen auch vor dem Hintergrund der Interessen der Shareholder gefordert. Hier zeigt sich eine inhaltliche Vereinbarkeit mit der an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderung der Wirtschaftlichkeit. Weiterhin kann die Wirtschaftlichkeit prinzipiell im Rahmen der Konvergenz positiv beeinflusst werden, da potenziell Kosteneinsparungen durch eine Zweitverwendung der Informationen der IFRS326 Finanzberichterstattung realisiert werden können. Die Anforderung der Glättung, die dann erfüllt ist, wenn die verwendeten Erfolgsgrößen eine möglichst geringe Schwankung im Zeitablauf aufweisen,327 findet keine unmittelbare Berücksichtigung in den im Rahmen der Qualitative Characteristics gestellten Anforderungen an Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung. Wenngleich eine explizite Erwähnung in den Qualitative Characteristics unterbleibt, wird eine Glättung des Erfolgsstroms jedoch zumindest durch den im Framework separat von den Qualitative Characteristics etablierten Grundsatz der periodengerechten Erfolgsermittlung (accrual accounting) gestützt. Dieser fordert, dass nicht die aus unternehmerischen Dispositionen (unmittelbar) resultierenden Cashflows an die berichtende Einheit die Grundlage für die Darstellung ihrer finanziellen Leistung in den 326 327

Vgl. Pelger (2008), S. 567; Siefke (1999), S. 226-227. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 54.

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IFRS bilden, sondern deren ökonomischen Auswirkungen (OB17). Die Aussage des IASB impliziert letztlich unter anderem, dass Auszahlungen mit Investitionscharakter zu aktivieren sind. Dieses Vorgehen ist der Glättung im Allgemeinen zuträglich. 328 Somit wird die Anforderung der Glättung durch die Ausrichtung der IFRS am Grundsatz der periodengerechten Erfolgsermittlung zumindest gestützt, wenngleich sie nicht unmittelbar als Anforderung an Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung formuliert wird. Nicht in den Qualitative Characteristics berücksichtigt wird die Anforderung der Transparenz, welche an wertorientierte Kennzahlen gestellt wird. Sie ist dann erfüllt ist, wenn einerseits die Ausprägung der Erfolgsgröße beobachtbar und anderseits die Regelungen zu deren Ermittlung überprüfbar sind.329 Die Nennung der Transparenz unterbleibt explizit, da diese nach Auffassung des IASB durch die etablierten Qualitative Characteristics erfüllt wird (BC3.44). Jedoch bleibt unerwähnt, welchen Beitrag die formulierten Qualitative Characteristics jeweils zur Erfüllung von Transparenz leisten. Obschon Transparenz weder ausdrücklich als qualitative Anforderung etabliert wird, noch ihr Bezug zu den verwendeten qualitativen Anforderungen erläutert wird, kann diese durch IFRS-basierte Informationen zumindest insoweit als erfüllt angesehen werden, als deren Ermittlung durch den Rückgriff auf kodifizierte Regelungen erfolgt, d. h. die Regelungen zur Ermittlung der Informationen einsehbar und mithin überprüfbar sind. Eingeschränkt wird dieser Aspekt der Transparenz allerdings dadurch, dass innerhalb der IFRS zahlreiche Ermessensspielräume existie328 329

Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 54. Vgl. Bleicher (1992), S. 19; Pellens/Crasselt/Rockholtz (1998), S. 14.

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Erreichbarkeit der Anforderungen an wertorient. Kennzahlen

ren. Diese können jedoch durch unternehmensinterne Vorgaben zumindest beschränkt werden, 330 sodass die Überprüfbarkeit hinsichtlich der verwendeten Ermittlungsregeln begünstigt wird. Hinsichtlich der Transparenz i. S. d. Überprüfbarkeit der Ermittlungsregeln können die IFRS letztlich positiv beurteilt werden. Sie gewährleisten jedoch nicht zwingend Transparenz i. S. e. beobachtbaren Ausprägung der verwendeten Erfolgsgröße.331 Diese ist aber grundsätzlich dann gegeben, wenn die Informationen der IFRSFinanzberichterstattung veröffentlicht werden. Zusammenfassend lässt sich an dieser Stelle festhalten, dass alle an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen bei einer Konvergenz auf Basis von Informationen der IFRSFinanzberichterstattung prinzipiell erfüllt werden können. Dies zeigt sich darin, dass die an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen zum einen vielfach eine inhaltliche und weitgehend gleichwertige Entsprechung in den in Form von Qualitative Characteristics an Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung gestellten Anforderungen finden bzw. durch die seitens des IASB im Framework etablierten Grundsätze gestützt werden. Zum andern konnte gezeigt werden, dass auch jene Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen, die nicht durch die Ausführungen im Frame330 331

Vgl. Altenburger/Busse von Colbe/Küpper/Loitlsberger/Siegwart (2001), S. 68. Zwar fordert das IASB im Framework explizit die Nachprüfbarkeit von Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung als verstärkende qualitative Anforderung (QC19), jedoch ist diese auf die glaubwürdige Darstellung (nicht jedoch Beobachtbarkeit der Ausprägung der Erfolgsgröße) gerichtet und fordert, dass unabhängige und sachverständige Beobachter Konsens bezüglich der glaubwürdigen Darstellung eines Sachverhalts erreichen können (QC26).

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work adressiert werden, im Rahmen einer Annäherung von Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung und wertorientierten Kennzahlen erfüllt werden können. Letztlich kann deshalb festgehalten werden, dass eine den Anforderungen entsprechende Ausgestaltung der wertorientierten Kennzahlen bei einer Konvergenz letzterer mit Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung prinzipiell möglich ist. Somit besteht nicht nur im Hinblick auf die Rechnungszwecke, sondern auch vor dem Hintergrund der etablierten Anforderungen Konvergenzpotenzial zwischen wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung.

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Zwischenfazit

3.4 Zwischenfazit Die Analyse des Potenzials der betrachteten Konvergenz, welche als Annäherung von wertorientierten Kennzahlen an die Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung verstanden wird und wesentlich durch unternehmensexterne Entwicklungen motiviert ist, hat ergeben, dass sowohl auf Grundlage der betrachteten Rechnungszwecke als auch auf Grundlage der an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen eine entsprechende Annäherung möglich erscheint. Wie vorangehend gezeigt, besteht zwischen den jeweils mit wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRSFinanzberichterstattung verfolgten und als Ausgangspunkt der Konvergenzüberlegungen dienenden Rechnungszwecken zwar keine sprachliche Übereinstimmung, jedoch zeigen sich zwischen ihnen wesentliche Analogien bzw. enge Verknüpfungen, die darauf schließen lassen, dass sich die betrachteten Rechnungszwecke nicht entgegen stehen. Letztlich konnten deshalb keine Unterschiedlichkeiten der Rechnungszwecke erkannt werden, die derart wären, dass von einer Unvereinbarkeit der Rechnungsinhalte und einer Negierung des Konvergenzpotenzials ausgegangen werden müsste. Vor dem Hintergrund der an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen kam die Analyse im Hinblick auf das Konvergenzpotenzial zwischen wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung ebenfalls zu einer positiven Einschätzung. Für diese Anforderungen existieren zum einen größtenteils analoge Anforderungen in den Qualitative Characteristics, welche an Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung gestellt

Konvergenz wertorient. Kennzahlen & IFRS-Informationen

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werden. Zum anderen wird die Erfüllung von Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen ohne direktes Pendant in den Qualitative Characteristics durch die Grundsätze der IFRSFinanzberichterstattung gefördert oder sogar durch die Konvergenz selbst erleichtert. Letztlich kann deshalb nicht davon ausgegangen werden, dass die an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen eine Spezifizierung der Rechnungsinhalte fordern, die nicht durch eine Konvergenz auf Basis von IFRS-basierten Informationen erreicht werden könnte. Nach der Identifikation des allgemeinen Potenzials einer Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung vor dem Hintergrund der Rechnungszwecke und der gestellten Anforderungen wird im Folgenden untersucht, ob dieses Potenzial im Speziellen auch für die Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 besteht.

4 Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 4.1 Vorbemerkungen Trotz des Konvergenzpotenzials, welches vorangehend vor dem Hintergrund sowohl der Rechnungszwecke als auch der etablierten Anforderungen identifiziert wurde, ist die Überprüfung der Eignung IFRS-basierter Informationen als Grundlage für die Ermittlung wertorientierter Kennzahlen an dieser Stelle noch nicht abgeschlossen. Dies liegt maßgeblich darin begründet, dass die vom IASB festgelegten Anforderungen im Rahmen der IFRS nicht alle im gleichen Ausmaß berücksichtigt werden, da zwischen ihnen teilweise Konflikte bestehen. 332 Um zu beurteilen, ob sich die Regelungen der IFRS tatsächlich als Ausgangspunkt für die Ermittlung wertorientierter Kennzahlen eignen, gilt es deshalb, das Konvergenzpotenzial auf Grundlage einzelner Standards zu prüfen. Fokussiert wird in der nachfolgenden Analyse die Fair ValueBilanzierung nach IFRS 13, da ihr im Kontext der IFRSFinanzberichterstattung und somit auch in der Konvergenzfrage besondere Bedeutung zukommt.333 Diese Bedeutung manifestiert sich unter anderem in einer sukzessiven Ausweitung des Anwendungsbereichs der Fair Value-Bilanzierung.334 Diese häufig mit einer Abkehr von (fortgeführten) Anschaffungskosten als Bewertungsmaßstab verbundene Entwicklung wird regelmäßig auch als 332

333 334

So vermerkt das IASB ausdrücklich, dass unterstützende qualitative Anforderungen in manchen Fällen nachrangig berücksichtigt werden müssen, um die Erfüllung anderer qualitativer Anforderungen zu erreichen (QC34). Vgl. Winkler (2011), S. 354. Vgl. Hitz (2007), S. 323-324; Gleich/Kieninger/Kämmler (2005), S. 663. Für einen kurzen historischen Überblick über die Entwicklung des Anwendungsbereichs siehe ebenda.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 A. Bantz, Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6_4

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Vorbemerkungen

Paradigmenwechsel innerhalb der IFRS bezeichnet,335 dessen künftige Forcierung aufgrund der Etablierung eines separaten Standards zur Ermittlung des Fair Value von zahlreichen Anwendern erwartet wird.336 Einhergehend mit dieser Ausbreitung innerhalb der IFRS erlangt der Fair Value auch zunehmende Bedeutung im Rahmen der Konvergenzüberlegungen zwischen wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, da sich die Fair Value-Bewertung nach IFRS auch in IFRS-basierten wertorientierten Kennzahlen niederschlagen kann.337 Vor dem Hintergrund allgemeiner Konvergenzüberlegungen werden die Auswirkungen der Ausbreitung der Fair Value-Bilanzierung in den IFRS insb. von Vertretern der Unternehmenspraxis kritisch betrachtet.338 Vertreter der Wissenschaft kommen hingegen im Rahmen ihrer Untersuchungen hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit der Auswirkungen der Fair Value-Bilanzierung im Hinblick auf eine Konvergenz zu differenzierten Ergebnissen.339 Welchen Beitrag die Regelungen zur Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 im Rahmen der in der vorliegenden Arbeit betrachteten Konvergenz liefern können und insb. die Frage, ob die derzeitige Fair Value-Bilanzierung – wie von Kley im Jahre 2006 auf Basis des damaligen Rechtsstandes propagiert – eine „Gefahr“340 für eine 335 336 337 338 339

340

Vgl. Hitz (2006), S. 109; Gleich/Kieninger/Kämmler (2005), S. 649. Vgl. Berndt/Eberli (2009), S. 897. Vgl. Gleich/Kieninger/Kämmler (2005), S. 664. Vgl. bspw. Beißel/Steinke (2004), S. 70. Vgl. bspw. zur Bedeutung des Fair Value als allgemeiner Zeitwert vor dem Hintergrund der Verhaltenssteuerung unter verschiedenen Annahmen Velthuis/Wesner/Schabel (2006b). Kley (2006), S. 156-157.

Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13

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Konvergenz darstellt,341 soll im Folgenden untersucht werden. Betrachtet wird in der nachfolgenden Analyse die Eignung der Regelungen zur Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 als Grundlage für wertorientierte Kennzahlen. Fokussiert wird dabei die Bedeutung des IFRS 13 im Rahmen der Verhaltenssteuerung bei der Delegation von Investitionsentscheidungen. Aufgrund der in Abschnitt 2.2.3 dargestellten engen Verknüpfung zwischen den Rechnungszwecken im Kontext der wertorientierten Unternehmensführung bleiben die Zwecke der (wertorientierten) Planung und Kontrolle jedoch nicht gänzlich unberücksichtigt. Die Analyse wird anhand eines formal-theoretischen Modells vorgenommen. Die darin einfließenden Aspekte der Fair Value-Bilanzierung unter Berücksichtigung des IFRS 13 sollen nachfolgend skizziert werden.342

341

342

Eine ähnliche Ansicht vertritt Pelger, der in der zunehmenden Ausbreitung der Fair Value-Bilanzierung einen möglichen Grund für die Abkehr von Konvergenzüberlegungen in der Praxis zu erkennen glaubt. Vgl. Pelger (2008), S. 574. Im Rahmen der Erläuterungen erfolgt zu Gunsten einer inhaltlichen Konsistenz im Wesentlichen eine Beschränkung auf die für die nachfolgende modelltheoretische Analyse relevanten Aspekte des IFRS 13. Eine vollumfängliche Darstellung wird somit nicht intendiert. Weiterführende Erläuterungen zur Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 finden sich bspw. bei Hitz/Zachow und Große. Vgl. Hitz/Zachow (2011); Große (2011).

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Fair Value-Bilanzierung in der IFRS-Finanzberichterstattung

4.2 Fair Value-Bilanzierung in der IFRS-Finanzberichterstattung 4.2.1 Definition und Abgrenzung des Fair Value nach IFRS 13 als spezifische Zeitwertkonzeption Entsprechend der im Rahmen der IFRS-Finanzberichterstattung verpflichtend anzuwendenden Regelungen des IFRS 13 ist der Wertmaßstab Fair Value definiert als „Preis, den man in einer gewöhnlichen Transaktion zwischen Marktteilnehmern am Bewertungsstichtag für den Verkauf eines Vermögenswerts erhalten würde oder bei der Übertragung einer Schuld zu zahlen hätte“ (IFRS 13.9). Somit dient als Grundlage der Ermittlung des Fair Value in der IFRS-Finanzberichterstattung explizit ein exit price (IFRS 13.24),343 dem die Perspektive von in ihrem besten wirtschaftlichen Interesse handelnden, über das Bewertungsobjekt sachverständigen, voneinander unabhängigen, vertragswilligen und transaktionsfähigen Marktteilnehmern bei der Preisfestlegung für das Bewertungsobjekt zu Grunde liegt (IFRS 13.22 und IFRS 13.B56). Dabei ist davon auszugehen, dass zwischen ebendiesen Marktteilnehmern eine gewöhnliche Transaktion am Bewertungsstichtag unter aktuellen Marktbedingungen stattfindet (IFRS 13.15), d. h. insb. keine erzwungene Transaktion erfolgt (IFRS 13 Apendix A). Der Fair Value gem. IFRS 13 stellt somit explizit einen marktbasierten Wertmaßstab dar. Im Rahmen der Bewertung zum Fair Value hingegen nicht zu berücksichtigen ist ein unternehmensspezifischer Wertansatz aus Sicht des bewertenden Unternehmens (IFRS 13.2). 343

Der von Dritten für einen Vermögenswert bezahlte Betrag wird in der Literatur auch als exit value bezeichnet. Vgl. bspw. Barth/Landsman (1995), Fn. 6. Diesem Vorgehen wird in der vorliegenden Arbeit gefolgt, indem eine synonyme Verwendung von exit price und exit value vorgenommen wird.

Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13

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Der Fair Value nach der in IFRS 13 festgelegten Definition ist als spezifischer Zeitwert festgelegt, welcher von weiteren Zeitwertkonzeptionen abzugrenzen ist. Unterschieden wird in diesem Zusammenhang regelmäßig zwischen drei grundlegenden Ausprägungen des Zeitwerts: exit value, entry value und value in use.344 Bei der Bewertung von Vermögenswerten zum value in use erfolgt die Berücksichtigung der tatsächlich durch das Unternehmen intendierten Nutzungsabsicht unter Einbezug unternehmensspezifischer Faktoren wie bspw. (erwarteter) unternehmensspezifischer Wettbewerbsvorteile aufgrund von Fähigkeiten des Managements.345 Im Gegensatz dazu erfolgt bei der Bewertung zum entry oder exit value die Bewertung aus Markt- und nicht aus Unternehmenssicht.346 Der entry value eines Vermögenswerts entspricht jenem Betrag, den ein Unternehmen für die (Wieder-)Beschaffung eines Vermögenswertes entrichten muss.347 Als exit value wird hingegen jener Betrag bezeichnet, den ein (potenzieller) Käufer für einen Vermögenswert zu zahlen bereit ist.348 Im Fall von unvollkommenen Märkten fallen die vorangehend dargestellten Zeitwertkonzeptionen in Form des exit value, entry value und value in use regelmäßig auseinander.349 Unter solchen im Vergleich zu vollkommenen Märkten realitätsnähren Bedingungen 344 345

346 347 348 349

Vgl. Barth/Landsman (1995), S. 101-102; Searfoss/Weiss (1990), S. 74. Vgl. Barth/Landsman (1995), S. 101; Hitz (2006), S. 110; Hitz/Zachow (2011), S. 966. Anwendung findet ein solcher unternehmensspezifischer value in use bspw. im Rahmen des Impairment Tests nach IAS 36 (IAS 36.6). Vgl. Hitz (2006), S. 109-110. Vgl. Searfoss/Weiss (1990), S. 74. Vgl. Barth/Landsman (1995), S. 101. Vgl. Barth/Landsman (1995), S. 100; Küting/Dawo (2003), S. 229; Hitz (2006), S. 110.

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kann also unter anderem davon ausgegangen werden, dass der durch das IASB als exit price etablierte Fair Value nicht mit dem unternehmensspezifischen value in use übereinstimmt.350 Abweichungen zwischen beiden Zeitwertkonzepten liegen in der Fähigkeit zur Durchführung unternehmensspezifischer Dispositionen begründet.351 Diese Fähigkeit kann einerseits durch private Informationen entstehen, welche in einem Unternehmen vor dem Hintergrund der unternehmerischen Zielsetzung vorteilhaft ausgenutzt werden können. Andererseits können auch idiosynkratische Faktoren i. S. spezifischer Eigenschaften des Unternehmens zu Dispositionen führen, die von anderen Marktteilnehmern nicht realisierbar sind. So können bspw. im Unternehmen anderen Marktteilnehmern nicht zur Verfügung stehende spezifische (immaterielle) wirtschaftliche Vorteile im Einklang mit dem Gesamt-unternehmensziel eingesetzt werden. Letztlich führen sowohl private Informationen als auch idiosynkratische Faktoren zu Wettbewerbsvorteilen, die die Realisierung positiver Nettokapitalwerte ermöglichen. 352 Der Unterschied zwischen entry value und exit value liegt unter anderem in der Berücksichtigung der Transaktionskosten des bewertenden Unternehmens begründet. Diese finden bei der Bestimmung von exit values keinen Eingang, bei der Ermittlung von entry values werden Transaktionskosten hingegen berücksichtigt.353 Des Weiteren kann der Unterschied zwischen entry und exit value auch aus der Berücksichtigung weiterer Faktoren wie bspw. eines Teils 350 351 352 353

Vgl. Hitz (2007), S. 337. Vgl. Barth/Landsman (1995), S. 101. Vgl. Hitz (2005b), S. 63-64. Vgl. Edwards/Bell (1961), S. 76; Küting/Dawo (2003), S. 229.

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der (unternehmens-)spezifischen Wettbewerbsvorteile des Käufers im entry value resultieren. 354 Neben der Festlegung des Fair Value als exit price ist im Hinblick auf die in IFRS 13 etablierte Definition weiterhin maßgeblich, dass keine tatsächliche Transaktion der zu bewertenden Einheit erfolgen muss. Klarstellend hält das IASB in diesem Zusammenhang fest, dass bei einer Bewertung zum Fair Value eine Transaktion angenommen werden soll (IFRS 13.15). Somit liegt der Fair ValueBewertung nach IFRS 13 lediglich eine hypothetische Transaktion für das jeweilige Bewertungsobjekt, nicht jedoch dessen tatsächlicher Verkauf (bzw. dessen tatsächliche Übertragung) zu Grunde.355 Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass der Fair Value in IFRS 13 durch das IASB als spezifischer Zeitwert definiert wird, der von weiteren Zeitwertkonzeptionen regelmäßig abweicht, sofern keine vollkommenen Märkte vorliegen. Deren Existenz ist in praxi charakteristisch insb. für zahlreiche nicht-finanzielle Vermögenswerte,356 sodass der expliziten Festlegung des Fair Value als exit price vor allem in diesem Kontext weitreichende Bedeutung zukommt. Letztlich begründen Marktunvollkommenheiten die Möglichkeit zur Durchführung kapitalwertpositiver unternehmerischer Dispositionen und führen zu unternehmerischer Tätigkeit, 357 die in der vorliegenden Arbeit der Shareholder Value-Orientierung entsprechend an den Interessen der Eigenkapitalgeber auszurichten ist. Marktun354 355 356 357

Vgl. Berndt/Eberli (2009), S. 897; Barth/Landsman (1995), Fn. 6. Vgl. Hitz (2006), S. 110. Vgl. Küting/Dawo (2003), S. 229. Vgl. Brealey/Myers (2003), S. 292-293.

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vollkommenheiten und damit einhergehend die Spezifizität des Fair Value nach IFRS 13 als exit price sind somit auch vor dem Hintergrund der Shareholder Value-Orientierung zu beachten und finden deshalb in der nachfolgenden Analyse besondere Berücksichtigung. Da der Fair Value zudem als Ergebnis einer hypothetischen Transaktion für das jeweilige Bewertungsobjekt konkretisiert wird, muss letztlich eine Ableitung des relevanten Wertansatzes erfolgen. Dafür sind in IFRS 13 unterschiedliche Vorgehensweisen enthalten, welche im Folgenden in ihren Grundzügen dargestellt werden sollen. 4.2.2 Ermittlung des Fair Value nach IFRS 13 Die Ableitung des Fair Value nach IFRS 13 erfolgt durch den Rückgriff auf Bewertungsparameter, welche Eingang in verschiedene Bewertungsansätze finden können. Zur Priorisierung dieser unterschiedlichen Bewertungsparameter hat das IASB eine hierarchische Anordnung ebendieser etabliert, welche drei Ebenen umfasst und gleichzeitig, unter anderem zur Gewährleistung von Vergleichbarkeit, eine Hierarchie möglicher Fair Values determiniert. Höchste Priorität wird beobachtbaren Marktpreisen auf aktiven Märkten für identische Vermögenswerte und Schulden zugesprochen (IFRS 13.72).358 Auf Ebene zwei der Hierarchie für Bewertungsparameter werden jene Bewertungsparameter eingeordnet, die 358

Märkte gelten entsprechend der Ausführungen in IFRS 13 dann als aktiv, wenn das Bewertungsobjekt mit ausreichender Häufigkeit und in ausreichendem Umfang gehandelt wird, um einen Preis laufend ermitteln zu können (IFRS 13 Apendix A). Dies bedeutet jedoch nicht, dass das tägliche Handelsvolumen auf dem betrachteten Markt hoch genug sein muss, um die durch das bewertende Unternehmen gehaltene Position tatsächlich zu absorbieren (IFRS 13.80).

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zwar beobachtbar sind, jedoch keine Marktpreise für identische Vermögenswerte und Schulden auf aktiven Märkten darstellen (IFRS 13.81). Beispielhaft angeführt werden in diesem Zusammenhang unter anderem beobachtbare Preise auf aktiven Märkten für ähnliche Vermögenswerte und Schulden oder beobachtbare Preise für ähnliche Vermögenswerte und Schulden auf nicht aktiven Märkten (IFRS 13.82). Diese sind jeweils anzupassen, um die spezifischen Eigenschaften des tatsächlich betrachteten Bewertungsobjekts zu berücksichtigen (IAS 13.83). Niedrigste Priorität wird nicht beobachtbaren Bewertungsparametern beigemessen, die sich folglich auf Ebene drei der Bewertungshierarchie befinden (IFRS 13.72). Solche nicht beobachtbaren Bewertungsparameter können bspw. unternehmensinterne Daten umfassen (IFRS 13.89), welche jedoch in Übereinstimmung mit der Ausrichtung am exit price an die Perspektive hypothetischer Marktteilnehmer angepasst werden müssen (IFRS 13.87 und IFRS 13.89). Zur Ermittlung des Fair Value finden die genannten Bewertungsparameter Eingang in Bewertungsansätze. Der Prämisse einer marktorientierten Bewertung folgend, sind dabei jene Bewertungsansätze zu favorisieren, welche die Verwendung am Markt beobachtbarer Bewertungsparameter maximieren (IFRS 13.61 und IFRS 13.67). Das IASB unterscheidet mit dem marktbasierten, dem kostenbasierten und dem einkommensbasierten Ansatz drei unterschiedliche Ausprägungen (IFRS 13.62). Im Rahmen des marktbasierten Ansatzes finden Preise oder andere relevante, durch Transaktionen am Markt generierte Informationen über identische oder ähnliche Vermögenswerte Berücksichtigung (IFRS 13.B5). Bei der Anwendung des kostenbasierten Ansatzes werden aktuelle Wiederbeschaf-

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Fair Value-Bilanzierung in der IFRS-Finanzberichterstattung

fungskosten zur Bestimmung des Fair Value herangezogen (IFRS 13.B8). Der einkommensbasierte Ansatz geht mit der Berechnung eines auf den Erwartungen der Marktteilnehmer basierenden diskontierten Betrags aus künftig anfallenden Beträgen, bspw. in der Form von Cashflows, Erträgen und Aufwendungen, einher. (IFRS 13.B10). Zur Berechnung dieses diskontierten Betrags können bspw. Cashflow-basierte Barwerttechniken, aber auch mehrperiodige Übergewinnmethoden Anwendung finden (IFRS 13.B11). Bei der Bestimmung des Fair Value als Marktpreis einer hypothetischen Transaktion für den zu bewertenden Vermögenswert ist entweder der Hauptmarkt oder der vorteilhafteste Markt für das Bewertungsobjekt zu berücksichtigen (IFRS 13.16).359 In diesem Zusammenhang gilt die widerlegbare Vermutung, dass der Markt, den das Unternehmen im Allgemeinen zur Veräußerung oder Übertragung des Bewertungsobjekts beanspruchen würde, den Hauptmarkt bzw. den vorteilhaftesten Markt darstellt (IFRS 13.17). Sofern ein Hauptmarkt existiert, ist der Fair Value als jener Preis zu bestimmen, der auf diesem Markt erzielt werden könnte. Der Fair Value ist auch dann ausgehend vom Hauptmarkt zu bestimmen, wenn ein vermeintlich vorteilhafterer Markt besteht (IFRS 13.18). Der Hauptmarkt oder vorteilhafteste Markt ist bei der Fair Value-Bewertung aus Sicht des bewertenden Unternehmens zu bestimmen. Maßgeblich ist, dass dieses am Bewertungsstichtag Zugang zu dem herangezogenen Markt hat (IFRS 13.19). 359

Der Hauptmarkt wird durch das IASB definiert als jener Markt mit dem größten Handelsvolumen und der höchsten Aktivität für den zu bewertenden Vermögenswert. Der vorteilhafteste Markt wird festgelegt als jener Markt, auf dem der erzielte Verkaufspreis nach Transaktions- und Transportkosten maximiert wird (IFRS 13 Apendix A).

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Wird eine Fair Value-Bewertung für die in der vorliegenden Untersuchung fokussierten nicht-finanziellen Vermögenswerte durchgeführt, sind die wirtschaftlichen Vorteile, die ein Marktteilnehmer erzielen würde, zu berücksichtigen. Zu unterstellen ist dabei, dass der Marktteilnehmer den Vermögenswert bestmöglich nutzt (IFRS 13.27). Von der bestmöglichen Nutzung durch einen Marktteilnehmer ist auch dann auszugehen, wenn durch das bewertende Unternehmen tatsächlich eine andere Nutzung angestrebt wird (IFRS 13.29).360 Wird die bestmögliche Nutzung des Vermögenswerts aus der Perspektive des Marktteilnehmers durch die kombinierte Nutzung mit anderen Vermögenswerten erreicht, ist bei der Bestimmung des Fair Value die Verfügbarkeit dieser anderen Vermögenswerte und die kombinierte Nutzung des zu bewertenden Vermögenswerts anzunehmen. (IFRS 13.31). Sofern durch die Nutzung des Vermögenswerts in Kombination mit anderen Vermögenswerten Synergieeffekte entstehen können, sollten diese bei der Bewertung des Vermögenswerts berücksichtigt werden, wenn sie dem Marktteilnehmer zur Verfügung stehen (IFRS 13.B3). Wird die bestmögliche Nutzung hingegen erreicht, wenn der zu bewertende Vermögenswert isoliert verwendet wird, ist von seiner isolierten Nutzung auszugehen (IFRS 13.31). Wie dargelegt, enthält IFRS 13 unter anderem die Definition des Wertmaßstabs Fair Value und Regelungen zu dessen Ermittlung. Wenngleich somit auf Basis des IFRS 13 unter anderem geregelt wird, wie der Fair Value zu ermitteln ist, wird der Anwendungsbe360

In diesem Zusammenhang gilt jedoch die widerlegbare Vermutung, dass die derzeitige Nutzung durch das bewertende Unternehmen der bestmöglichen Nutzung durch einen Marktteilnehmer entspricht (IFRS 13.29).

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Fair Value-Bilanzierung in der IFRS-Finanzberichterstattung

reich der Fair Value-Bilanzierung durch die in IFRS 13 enthaltenen Ausführungen nicht abschließend festgelegt. Dieser wird hingegen durch andere Standards determiniert, welche die Fair ValueBilanzierung entweder zwingend vorschreiben oder in Form von Wahlrechten erlauben (IAS 13.5).361 Nachfolgend soll der sowohl durch das Ausmaß der zum Fair Value zu bewertenden Positionen als auch durch die Verbreitung des Wertmaßstabs im Rahmen der Zugangs- und Folgebewertung festgelegte Anwendungsbereich der Fair Value-Bilanzierung in den IFRS skizziert werden. 4.2.3 Anwendungsbereich der Fair Value-Bilanzierung Während die Anwendung des Fair Value als Wertmaßstab zunächst ausschließlich auf bestimmte finanzielle Vermögenswerte beschränkt war, wurde die Anzahl der mit dem Fair Value zu bewertenden Bewertungsobjekte seit dessen erstmaliger Einführung sukzessive erweitert.362 Trotz dieser Entwicklung ist die Anwendung des Fair Value derzeit in den IFRS nicht vollumfänglich vorgeschrieben, sondern erfolgt zum einen selektiv für ausgewählte Bilanzpositionen und zum anderen für diese uneinheitlich im Rahmen der Zugangs- und Folgebewertung. Der damit einhergehende Anwendungsbereich i. S. d. Verbreitung des Fair Value gem. IFRS 13 als Wertmaßstab für Bewertungsobjekte innerhalb der IFRS soll 361

362

Bezüglich des Anwendungsbereichs der Fair Value-Bewertung enthält IFRS 13 lediglich eine Negativabgrenzung. Dort wird vermerkt, dass die Regelungen zur Ermittlung des Fair Value nicht auf anteilsbasierte Vergütungstransaktionen gem. IFRS 2, Leasingtransaktionen gem. IAS 17, den Nettoveräußerungswert in IAS 2 und den Nutzungswert in IAS 36 anzuwenden sind (IFRS 13.6). Vgl. Wagenhofer (2008), S. 186; Hitz (2007), S. 324; Schildbach (2006), S. 9; Altenburger/Busse von Colbe/Küpper/Loitlsberger/Siegwart (2001), S. 72.

Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13

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nachfolgend anhand wesentlicher Anwendungsfälle charakterisiert werden. Im Rahmen der Zugangsbewertung findet der Fair Value gem. IFRS 13 neben seiner Anwendung bei der Bewertung von Finanzinstrumenten (IAS 39.46363) Berücksichtigung bei biologischen Vermögenswerten (IAS 41.12 und IAS 41.30),364 landwirtschaftlichen Erzeugnissen (IAS 41.13) sowie bei der Bewertung von im Rahmen von Unternehmenszusammenschlüssen erworbenen identifizierbaren Vermögenswerten und Schulden (IFRS 3.18).365 In den Anwendungsfällen der Bewertung zum Fair Value im Zeitpunkt des erstmaligen Ansatzes ist dessen Berücksichtigung als auf den Regelungen des IFRS 13 basierender Wertmaßstab verpflichtend vorgeschrieben. (IFRS 39.46, IAS 41.12, IAS 41.13, IFRS 3.18 und IFRS 13.5). Zu beachten ist dabei, dass es im Rahmen des erstmaligen Ansatzes einer zum Fair Value zu bewertenden Position zu einer Abweichung zwischen dem als exit price konkretisierten Fair Value und dem Transaktionspreis, der aus Sicht des bewertenden Unternehmens einen entry price darstellt, kommen kann (IFRS 363

364

365

Die verpflichtende Zugangsbewertung von Finanzinstrumenten zum Fair Value ist ebenso in dem für ab dem 01.01.2018 beginnende Geschäftsjahre anzuwendenden IFRS 9 vorgesehen (IFRS 9.5.1.1). Die Anwendung des Fair Value als Wertmaßstab erfolgt für biologische Vermögenswerte nur dann, wenn dieser entweder auf Grundlage von Marktpreisnotierungen oder aber von alternativen Bemessungen des Fair Value verlässlich ermittelt werden kann. Es gilt die beim erstmaligen Ansatz wiederlegbare Vermutung, dass dies für biologische Vermögenswerte gewährleistet ist (IAS 41.12 und IAS 41.30). IFRS 3 sieht für die Anwendung des Fair Value als Wertmaßstab lediglich begrenzte Ausnahmen vor (IFRS 3.21), bspw. Leistungen an Arbeitnehmer, die nach IAS 19 abzubilden sind (IFRS 3.26).

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Fair Value-Bilanzierung in der IFRS-Finanzberichterstattung

13.57).366 In diesem Fall sind Unterschiede zwischen Fair Value und Transaktionspreis erfolgswirksam in der GuV zu erfassen, sofern der die Anwendung des Fair Value begründende Standard keine abweichende Behandlung vorsieht (IFRS 13.60). Es kommt in solchen Fällen somit zu einem sog. „day one gain or loss“367. Neben der Anwendung im Rahmen der Zugangsbewertung sehen die IFRS auch die Berücksichtigung des Fair Value nach IFRS 13 als Wertmaßstab bei der Folgebewertung von bestimmten Vermögenswerten vor. Verpflichtend vorgeschrieben ist die Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz im Rahmen der Bewertung von biologischen Vermögenswerten (IAS 41.12).368 Ein Wahlrecht zur Folgebewertung zum Fair Value besteht für Sachanlagen (IAS 16.29 und IAS 16.31),369 für als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien (IAS 40.30 und IAS 40.33),370 für immaterielle Vermögenswerte (IAS 38.72 und IAS 38.75)371 und für Vermögenswerte zur Exploration und Evaluierung mineralischer Ressourcen (IFRS 366

367 368 369 370

371

Dies ist, wie vorangehend ausgeführt, bspw. dann der Fall, wenn der Transaktionspreis einen Teil der (erwarteten) unternehmensspezifischen Wettbewerbsvorteile enthält. Vgl. Berndt/Eberli (2009), S. 897; Barth/Landsman (1995), Fn. 6. Hitz/Zachow (2011), S. 968. Dies gilt, sofern der Fair Value eines biologischen Vermögenswerts verlässlich ermittelt werden kann (IAS 41.30). Die Neubewertung von Sachanlagen zum Fair Value ist nur dann möglich, wenn dieser verlässlich bestimmt werden kann (IAS 16.31). Wird von dem Wahlrecht zur Bewertung einer als Finanzinvestition gehaltenen Immobilie mit dem Fair Value kein Gebrauch gemacht und stattdessen die Folgebewertung zu fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten vorgenommen, ist der Fair Value dennoch für Angabezwecke zu ermitteln (IAS 40.32). Das Wahlrecht zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte zum Fair Value besteht lediglich, sofern für diese ein aktiver Markt vorliegt (IAS 38.72).

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6.12).372 Sofern die Berücksichtigung des Fair Value ausschließlich im Rahmen der Folgebewertung erfolgt, entspricht der Wertansatz im Zugangszeitpunkt regelmäßig den Anschaffungs- oder Herstellungskosten (IAS 16.15, IAS 38.24, IAS 40.20, IFRS 6.8). Die erstmalige Berücksichtigung der Regelungen des IFRS 13 erfolgt dann nach dem erstmaligen Ansatz des betrachteten Bewertungsobjekts. Die derzeit in der IFRS-Finanzberichterstattung auf ausgewählte Positionen beschränkte und mithin selektive Verwendung des Fair Value gem. IFRS 13 als Bewertungsmaßstab wird in der Literatur auch als Mixed Fair Value-Ansatz bezeichnet.373 Abzugrenzen ist dieser von einem in den IFRS (noch) nicht etablierten Full Fair Value-Ansatz, welcher die umfassende Bewertung aller Vermögenswerte und Schulden zum Fair Value vorsieht.374 Ballwieser/Küting/Schildbach begründen die Existenz des Mixed Fair Value-Ansatzes bspw. mit Akzeptanzproblemen bezüglich des Fair Value als Wertmaßstab, welche durch dessen sukzessive Implementierung überwunden werden sollen. Ferner sehen sie aufgrund der hohen, im Rahmen der Fair Value-Bilanzierung gestellten Anforderungen, bspw. im Hinblick auf die heranzuziehenden Märkte, 372

373

374

Weitere Berücksichtigung im Rahmen der Folgebewertung findet der Fair Value bspw. bei der Ableitung des erzielbaren Betrags im Rahmen von Wertminderungstests (IAS 36.18) oder bei Überprüfung des Wertansatzes von zur Veräußerung gehaltenen langfristigen Vermögenswerten (IFRS 5.15). Ähnlich bspw. bereits Winkler, Diedrich/Rohde und Baetge/Zülch. Vgl. Winkler (2011), S. 365; Diedrich/Rohde (2005), S. 706; Baetge/Zülch (2001), S. 552. Vgl. Gleich/Kieninger/Kämmler (2005), S. 662-663; Winkler (2011), S. 364365.

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Fair Value-Bilanzierung in der IFRS-Finanzberichterstattung

Schwierigkeiten bei der vollumfänglichen Anwendung des Fair Value als Wertmaßstab in der Unternehmenspraxis. 375 Die dort vorherrschenden Umsetzungsmöglichkeiten bilden den Kern des nachfolgenden Abschnitts.

375

Vgl. Ballwieser/Küting/Schildbach (2004), S. 530.

Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13

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4.3 Umsetzungsmöglichkeiten in der Unternehmenspraxis Wenngleich die Bewertung zum Fair Value gem. IFRS 13 in den IFRS für mehrere unterschiedliche Bewertungsobjekte Berücksichtigung findet bzw. finden kann, ist deren praktische Umsetzbarkeit umstritten. Kritisiert wird bspw., dass für zahlreiche Bilanzpositionen aktuelle Preise auf aktiven Märkten nicht beobachtbar sind.376 Insb. für nicht-finanzielle Vermögenswerte lassen sich häufig zumindest keine geeigneten (Sekundär-)Märkte feststellen. 377 Somit ist eine Ermittlung des Fair Value auf Basis beobachtbarer Preise auf aktiven Märkten für solche Bewertungsobjekte häufig nicht möglich.378 Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass die Verwendung von Bewertungsparametern auf Stufe eins der durch das IASB etablierten Hierarchie regelmäßig nur eingeschränkt möglich sein wird. Auch die Existenz von Vergleichswerten für ähnliche Vermögenswerte als Bewertungsparameter der Stufe zwei wird kritisch betrachtet. Ballwieser/Küting/Schildbach merken bspw. an, dass die Ermittlung von Vergleichswerten, sofern überhaupt ein Markt für vergleichbare Vermögenswerte existiert, vor allem bei durch ihre Individualität geprägten Vermögenswerten mit Schwierigkeiten verbunden ist, da für diese häufig lediglich Wertspannen ermittelbar sind.379 Insb. für nicht-finanzielle Vermögenswerte ist letztlich regelmäßig eine Bestimmung des Fair Value auf Basis von 376 377 378 379

Vgl. Küting (2006), S. 3; Schildbach (2006), S. 16. Vgl. Castedello/Klingbeil (2012), S. 483. Vgl. Kirchner (2006), S. 68; Schildbach (2009), S. 376. Ballwieser/Küting/Schildbach beziehen sich in ihren Ausführungen auf die Existenz von Vergleichswerten für Grundstücke. Vgl. Ballwieser/Küting/Schildbach (2004), S. 539-540. Kritisch zur Existenz von Vergleichswerten äußern sich auch Castedello/Klingbeil. Vgl. Castedello/Klingbeil (2012), S. 483.

112

Umsetzungsmöglichkeiten in der Unternehmenspraxis

Bewertungsmodellen nötig, welche einer Verwendung künstlicher Marktwerte im Rahmen der Fair Value-Bewertung gleichkommt.380 So erlangen Bewertungsverfahren wie bspw. die Kapitalwertmethode für die Bestimmung des Fair Value in praxi besondere Bedeutung.381 Dieses geht regelmäßig mit der Verwendung von Bewertungsparametern der Ebene drei der Fair Value-Hierarchie einher.382 Während bei Vorliegen von Marktpreisen auf aktiven Märkten für das Bewertungsobjekt die Beeinflussungsmöglichkeiten des Fair Value für den Bilanzierenden zumindest stark eingeschränkt sind, ergeben sich bei der Verwendung aller weiteren Bewertungsparameter und der jeweiligen Bewertungsmethoden Ermessensspielräume.383 Dies gilt bereits, wenn Vergleichswerte für das Bewertungsobjekt, die in IFRS 13 sog. Level 2-Inputs darstellen und an die Spezifika des Bewertungsobjekts anzupassen sind (IFRS 13.82 und IFRS 13.83), bei der Ermittlung des Fair Value herangezogen werden. 384 Sowohl die Auswahl eines Vergleichsobjekts als auch Anpassungen der am Markt für das Vergleichsobjekt tatsächlich beobachtbaren Informationen unterliegen subjektiven ermessensbehafteten Einschätzungen.385 Erfolgt die synthetische Ermittlung des Fair Value bspw. auf Basis des Barwerts künftiger, derzeit nicht beobachtbarer Cashflows, die in IFRS 13 sog. Level 3-Inputs 380 381 382 383 384 385

Vgl. Hitz (2005a), S. 1022; Castedello/Klingbeil (2012), S. 483. Vgl. Schildbach (2009), S. 376. Vgl. Castedello/Klingbeil (2012), S. 486. Vgl. Ballwieser/Küting/Schildbach (2004), S. 539; Kirchner (2006), S. 68. Vgl. Kußmaul/Weiler (2009), S. 170. Vgl. Streim/Bieker/Esser (2003), S. 473; Ballwieser/Küting/Schildbach (2004), S. 539.

Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13

113

darstellen (IFRS 13.86), wird die Subjektivität weiter erhöht und weiterer Ermessensspielraum eröffnet.386 Ursächlich für letzteren sind die anzustellenden subjektiven Prognosen über künftig erwartete unsichere Größen.387 Im Hinblick auf Ermessensspielräume wird – neben den in die Fair Value-Ermittlung eingehenden Bewertungsparametern – auch die bei der Ermittlung des Fair Value einzunehmende Perspektive der Marktteilnehmer kritisch betrachtet, da die nicht vorhandenen Erwartungen des Marktes überhaupt erst eine synthetische Ermittlung des Fair Value bedingen und die Ermittlung dieser nicht vorhandenen Erwartungen in besonderem Maße Gestaltungspotenzial beinhaltet.388 Einhergehend mit bestehenden Ermessensspielräumen im Rahmen der Fair Value-Bewertung ergibt sich grundsätzlich das Problem, dass ein mit der Ermittlung des Fair Value Beauftragter diese (zu seinem Vorteil) missbrauchen kann. 389 Es kommt somit aufgrund der Ermessensspielräume zu Manipulationsmöglichkeiten, welche auch problematisch sind, wenn Informationen der IFRSFinanzberichterstattung als Grundlage für wertorientierte Kennzahlen herangezogen werden. Manipulationsmöglichkeiten sind dabei insb. vor dem Hintergrund der Verhaltenssteuerung, aber auch der Kontrolle, kritisch zu beurteilen,390 da die Bemessung des Fair Value Einfluss auf verwendete wertorientierte Kennzahlen haben

386 387 388 389 390

Vgl. Kley (2001), S. 2259; Streim/Bieker/Esser (2003), S. 473. Vgl. Kirchner (2006), S. 71; Ballwieser/Küting/Schildbach (2004), S. 537; Streim/Bieker/Esser (2003), S. 473. Vgl. Ballwieser/Küting/Schildbach (2004), S. 536; Schildbach (2009), S. 378. Vgl. Schildbach (2009), S. 377. Vgl. Pelger (2008), S. 571.

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Umsetzungsmöglichkeiten in der Unternehmenspraxis

kann.391 Problematisch sind die Ermessensspielräume insb., wenn die Ermittlung des Fair Value als Prognosewert auf den Schätzungen eines zu steuernden, haftungsbeschränkten Managers beruht. Die Anforderung der Manipulationsfreiheit ist dann von besonderer Bedeutung.392 Um die Qualität der Fair Value-Bewertungen zu gewährleisten und einer Verzerrung der Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung entgegen zu wirken, kann eine Prüfung vor allem der synthetisch ermittelten Fair Values durch unabhängige Dritte wie bspw. Wirtschaftsprüfer durchgeführt werden. 393 Zu begrüßen ist in diesem Zusammenhang die besondere Beachtung der Bemessung des Fair Value als Wertansatz durch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR 394) und weiteren nationalen Prüfstellen im Rahmen der Festlegung von Prüfungsschwerpunkten als präventive Maßnahme zur Vermeidung von Fehlern in der Finanzberichterstattung.395 Trotz bestehender Ermessensspielräume zeigt sich somit zumindest eine Begrenzung des Gestaltungsspielraums im Rahmen der Ermittlung des Fair Value, sodass in diesem Zusammenhang nicht grundsätzlich von einer manipulativen Ausnutzung bestehender Ermessensspielräume durch den Bilanzersteller ausgegangen werden muss. Letztlich kann deshalb auch für wertorientierte Kennzahlen, die unter Verwendung von nicht unmittelbar auf beobachtbaren Marktpreisen 391

Vgl. Gleich/Kieninger/Kämmler (2005), S. 664. Vgl. Velthuis/Wesner/Schabel (2006b), S. 466. 393 Vgl. Fülbier/Hirsch/Meyer (2006), S. 236 und 238. 394 Die DPR prüft anlassbezogen und stichprobenartig die Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unternehmen auf inhaltliche Fehler. Grundlegend zu den Aufgaben und Kompetenzen der DPR siehe Wagenhofer/Ewert (2015), S. 21. 395 Vgl. Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (2016), S. 14 und 16. 392

Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13

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basierenden Fair Values ermittelt werden, kein grundsätzlicher Verstoß gegen die zentrale Anforderung der Manipulationsfreiheit erkannt werden, der das Konvergenzpotenzial des Fair Value per se einschränken würde. Bisher wurde sowohl die Bedeutung als auch die inhaltliche Ausgestaltung der Fair Value-Bilanzierung im Rahmen der IFRSFinanzberichterstattung unter Berücksichtigung der Regelungen des IFRS 13 skizziert. Nachfolgend soll anhand einer normativen modelltheoretischen Analyse unter anderem überprüft werden, inwiefern sich ein nach den dargestellten Regelungen ermittelter Fair Value als Ausgangsbasis für wertorientierte Kennzahlen im Rahmen der Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen eignet.

5 Modellrahmen 5.1 Grundmodell Die nachfolgende Analyse fokussiert die Anreizgestaltung zur Investitionssteuerung im Rahmen einer Prinzipal-Agenten-Beziehung zwischen Shareholder und Manager. Dabei wird folgendes Grundmodell angenommen: Ein repräsentativer Shareholder delegiert als Prinzipal Entscheidungen über die Durchführung (oder Unterlassung) von Investitionsprojekten an einen besser informierten Manager, welcher als Agent agiert.396 Die vom Manager zu treffenden Investitionsentscheidungen entsprechen Ja-Nein-Entscheidungen, d. h. er entscheidet darüber, ob zur Disposition stehende Investitionsprojekte durchgeführt werden sollen. Diese Projekte weisen eine endliche Projektlaufzeit und einen bekannten Endzeitpunkt T auf. Vor der Implementierung zur Disposition stehender Investitionsprojekte im Zeitpunkt t=0 wurden keine weiteren Investitionsprojekte durchgeführt. Ein Zugang zum Kapitalmarkt wird dem Manager in der betrachteten Analyse nicht eingeräumt. Die Entscheidung über die Durchführung (oder Unterlassung) von Investitionsprojekten erfolgt vor deren Implementierung. Entscheidet sich der Manager im Zeitpunkt t=-1 für die Durchführung eines Investitionsprojekts i, wird dieses im darauffolgenden Zeitpunkt (t=0) implementiert. Die Implementierung eines Investitionsprojekts i führt zu projektspezifischen Zahlungsströmen cti in allen Zeitpunkten 0 396

t

T . Mit der Implementierung ist zeitgleich eine

Für beide Ebenen innerhalb der Prinzipal-Agenten-Beziehung wird die Existenz eines einzelnen Akteurs angenommen, um von potenziellen Interessenkonflikten zwischen Akteuren auf einer Ebene abstrahieren zu können.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 A. Bantz, Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6_5

118

Grundmodell

projektspezifische Investitionsauszahlung397 I 0i zu leisten. Die Höhe der projetspezifischen Investitionsauszahlung I 0i ist modellexogen und wird festgelegt als: I 0i Die in allen Zeitpunkten 0

t

c0i .

(1)

T anfallenden Zahlungsströme cti

werden festgelegt als Produkt eines Strukturparameters xti und eines Niveauparameters y i zuzüglich eines (additiven) Störterms t

:398

cti

xti yi

t

mit xti

0 0 t T.

(2)

Bezüglich der mit einem Investitionsprojekt verbundenen Zahlungsströme herrscht zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung Unsicherheit. Beide Akteure kennen die tatsächliche Ausprägung der jeweiligen Störterme t nicht, sondern lediglich deren Erwartungswert, der festgelegt wird als E

t

0 . Die bei Durchführung

eines Investitionsprojekts i erwartete Investitionsauszahlung bzw. die erwarteten positiven oder negativen Cashflows399 entsprechen somit

397

398

399

Diese Bezeichnung dient alleine der sprachlichen Konkretisierung. Sie ist jedoch nicht i. S. e. Einschränkung des Vorzeichens des in t=0 anfallenden Zahlungsstroms zu verstehen. Die Modellierung der in allen Zeitpunkten anfallenden Zahlungsströme erfolgt analog zu der Modellierung der bei Mohnen/Bareket (2007) in den Zeitpunkten T anfallenden Zahlungsströme. Vgl. Mohnen/Bareket (2007), S. 4–5. Im Folgenden werden alle nach der Implementierung eines Investitionsprojekts anfallenden Zahlungsströme als Cashflows bezeichnet. Erfolgt eine Be-

Modellrahmen

119 E I 0i bzw. E cti

(3)

x0 i y i xti yi

1 t

T.

Im Hinblick auf die erwartete Investitionsauszahlung E I 0i die erwarteten Cashflows E cti

1 t

(4) und

Ti eines Projekts herrscht

Informationsasymmetrie zwischen Shareholder und Manager. Beide kennen zwar bereits vor der Entscheidung über die Durchführung eines Investitionsprojekts i die Strukturparameter xti der jeweiligen Cashflows und den Strukturparameter x0i der Investitionsauszahlung. Der Niveauparameter y i ist hingegen während der gesamten Projektlaufzeit lediglich dem besser informierten und mit der Entscheidung betrauten Manager bekannt.400 Mithin stellt die Höhe sowohl der erwarteten Investitionsauszahlung als auch der erwarteten Cashflows eine private Information des Managers dar. Tatsächlich realisierte Zahlungsströme, d. h. sowohl der im Zeitpunkt der Implementierung eines Projekts realisierte Zahlungsstrom als auch die im Rahmen eines Investitionsprojekts generierten Cashflows, sind hingegen für beide beteiligten Akteure beobachtbar. Sie können somit als Anknüpfungspunkt für die Ausgestaltung von Performancemaßen dienen.

400

rücksichtigung der Investitionsauszahlung I0i, wird diese explizit separat erwähnt. Könnte der Shareholder Kenntnis über den Niveauparameter eines Investitionsprojekts erlangen, so bestünde die Möglichkeit, den Agenten schlicht am erwarten Kapitalwert des jeweiligen Investitionsprojekts, welchen der Shareholder dann auf Grundlage der ihm bekannten Strukturparameter und des Niveauparameters bestimmen könnte, zu beteiligen. Eine solche triviale Lösung ist aufgrund bestehender Informationsasymmetrie in der vorliegenden Analyse nicht möglich.

120

Grundmodell

Es wird weiterhin angenommen, dass der Shareholder bestrebt ist, den Manager in seinem Interesse zu steuern. Der Manager selbst möchte seinen eigenen Nutzen maximieren. Annahmegemäß bestehen sowohl nicht-finanzielle als auch finanzielle Interessenkonflikte zwischen Shareholder und Manager. Letztere können bspw. darin zum Ausdruck kommen, dass der Manager früheren Zahlungen eine höhere Bedeutung beimisst als der Shareholder und/oder einen kürzeren Planungshorizont hat, d. h. das Unternehmen vor Erreichen des Endzeitpunkts T eines Projekts verlässt.401 Aufgrund bestehender Interessenkonflikte kann auch bei einer ausschließlichen fixen Entlohnung des Managers nicht davon ausgegangen werden, dass er sich bei Investitionsentscheidungen i. S. d. Shareholders verhält. Um die finanziellen Interessen beider Akteure in Einklang zu bringen und somit Interessenkonflikten entgegen zu wirken, wird ein finanzielles Entlohnungssystem für den Mat nager verwendet. Dieses finanzielle Entlohnungssystem besteht in jeder Periode aus einem Performancemaß t und einer periodeneinheitlichen Entlohnungsfunktion . Das Performancemaß einer Periode setzt sich additiv aus den projektspezifischen Performancemaßen der n zum Zeitpunkt t laufenden Projekte zusammen, d. h.

n t

ti

.

i 1

Die Performancemaße der einzelnen Projekte sind rechnungswesenbasiert, sie können (direkt oder indirekt) von den Zahlungsströ-

401

In diesem Fall wird in einschlägigen Beiträgen auch davon gesprochen, dass der Manager ungeduldig ist. Vgl. bspw. Reichelstein (1997), S. 166.

Modellrahmen

121

men der einzelnen Projekte abhängen:

ti

ti

( I 0 , c1 , c2 ,....cT ) . In

allen Zeitpunkten 0 t T während der Projektlaufzeit findet ein allgemeiner Residualgewinn Anwendung. In allen Zeitpunkten nach der Implementierung eines Investitionsprojekts während dessen Projektlaufzeit, d. h. 1 t T , nimmt dieser – in Analogie zur gängigen Literatur402 – folgende Form an: 1 t T. (5) ti ti cti ti I 0i Die Cashflow-Allokationsregel

ti

bestimmt die Erfolgswirksam-

keit der jeweils anfallenden Cashflows. Die Allokationsregel

ti

bestimmt den Anteil der einer Periode zugeordneten Investitionsauszahlung. Im Unterschied zur Literatur wird in der vorliegenden Analyse in t=0 ein allgemeiner Residualgewinn als Performancemaß eingeführt. Da in t=0 für ein Projekt ausschließlich dessen Investitionsauszahlung anfällt, vereinfacht sich dieser zu: (6) 0i 0i I 0i . Die Allokationsregel

0i

determiniert den im Zeitpunkt t=0 er-

folgswirksam erfassten Anteil der Investitionsauszahlung I 0i . Die Entlohnungsfunktion sei perioden- und projekteinheitlich. Sie sei eine streng monoton steigende Funktion des Performancemaßes der aktuellen Periode. Letzteres impliziert, dass die Performancemaße, ohne Einschränkung der Allgemeingültigkeit der Ergebnisse, nicht von Performancemaßen früherer Perioden abhängen.403 Es gilt: 402 403

Vgl. bspw. Mohnen/Bareket (2007), S. 6. Pfeiffer/Velthuis (2009) zeigen, dass für jede Entlohnungsfunktion, die die Performancemaße vergangener Perioden berücksichtigt, eine nur auf dem

122

Grundmodell t

t

.404

(7)

Der Nutzen des Managers ist ausschließlich abhängig von der gewährten Entlohnung, seine Nutzenfunktion ergibt sich somit als: V V ( 0 , 1,... T ) . Angenommen wird ein konstanter nichtnegativer Grenznutzen in der Entlohnung, d. h.

V

Vt '

0 und

t

2

V

2

Vt ''

0 . Die Zeitpräferenzen des Managers können aus dem

t

Verhältnis der Grenznutzenwerte zweier Zeitpunkte, d. h.

Vt ' , V'

ermittelt werden.405 Für die Spezialfälle, dass der Grenznutzen des Managers in einem Zeitpunkt gleich null ist, gilt für die entsprechenden Zeitpräferenzen: Für Vt ' 0 und V ' 0 konvergiert die Zeitpräferenz des Managers gegen unendlich. Für Vt ' 0 und

V '

0 ist die Zeitpräferenz gerade null. In die Analyse werden

somit explizit extreme Präferenzen mit einbezogen. Hinsichtlich der Risikoneigung des Managers besteht Risikoneutralität, da V '' 0 .

404 405

Performancemaß der aktuellen Periode basierende Entlohnungsfunktionen bestimmt werden kann, welche zur gleichen Entlohnung wie die erstgenannte führt. Vgl. Pfeiffer/Velthuis (2009), S. 40-41. Es erfolgt keine Berücksichtigung einer fixen Entlohnungskomponente, d. h. (0)=0. Vgl. Pfeiffer/Velthuis (2009), S. 23.

Modellrahmen

123

Der Nutzen des Shareholders ist abhängig von den aus durchgeführten Investitionsprojekten resultierenden Zahlungen, d. h. U U (c0 , c1 ,...cT ) . Es wird ferner angenommen, dass sich der Shareholder am Barwert der erwarteten Zahlungsströme aus den Investitionsprojekten orientiert. Es liegen mithin konstante Zeitpräferenzen des Shareholders vor,406 die sich ebenfalls als Verhältnis der Grenznutzenwerte ermitteln lassen.407 Die Zeitpräferenzrate des Shareholders wird mit r bezeichnet. Hinsichtlich der Risikoneigung des Shareholders wird Risikoneutralität unterstellt. Bei der Beurteilung der Vorteilhaftigkeit eines Investitionsprojekts orientiert sich der Shareholder an dessen erwartetem Kapitalwert: T

E KWi

E I 0i t 1

E cti (1 r)t

.

(8)

Dem Shareholder sind die Zeitpräferenzen des Managers nicht bekannt und letzterer ist nicht in der Lage, die Zeitpräferenzen glaubhaft an den Shareholder zu kommunizieren. Der Shareholder weiß lediglich, dass die Nutzenfunktion des Managers, sofern keine extremen Zeitpräferenzen vorliegen, monoton in der gewährten Entlohnung steigt. Weiterhin ist dem Shareholder der Zeithorizont des Managers verborgen. Die Risikoeinstellung des Managers ist dem Shareholder hingegen annahmegemäß zur Komplexitätsreduktion bekannt.408 406 407 408

Vgl. Velthuis (2004a), S. 74-75. Vgl. Pfeiffer/Velthuis (2009), S. 23. Die Kenntnis der Risikoeinstellung eines Agenten bei gleichzeitiger Unkenntnis über dessen Zeitpräferenzen stellt in agency-theoretischen Untersuchungen zumindest eine implizite Standardannahme dar, da in einschlägigen Untersuchungen unter Unsicherheit regelmäßig lediglich unbekannte Zeitprä-

124

Grundmodell

Der eigentlichen Investitionsentscheidung vorgelagert, delegiert der Shareholder zunächst die Entscheidung über die Durchführung von Investitionsprojekten an den Manager. Um eine Incentivierung des Managers in seinem Sinne zu erreichen, legt er dann das finanzielle Entlohnungssystem für diesen und mithin auch die Allokationsregeln für die jeweiligen Cashflows und die Investitionsauszahlung fest. Im Anschluss an die Festlegung des Entlohnungssystems entscheidet der Manager im Zeitpunkt t=-1 unter Kenntnis des Entlohnungssystems über die Investitionsdurchführung. Sofern ein Investitionsprojekt durchgeführt wird, erfolgt die Investitionsauszahlung für das jeweilige Projekt in der darauffolgenden Periode, d. h. im Zeitpunkt t=0. In allen weiteren Zeitpunkten der Projektlaufzeit werden Cashflows durch das Investitionsprojekt generiert.

ferenzen, nicht jedoch unbekannte Risikopräferenzen adressiert werden. Vgl. bspw. Mohnen/Bareket (2007). Kritisch zu dieser Annahme äußern sich Pfeiffer/Velthuis. Vgl. Pfeiffer/Velthuis (2009), S. 40.

Modellrahmen

125

Die Abfolge der Ereignisse im vorliegenden Modell wird in Abbildung vier zusammenfassend dargestellt. -I0 Festlegung Entlohnungssystem durch Shareholder

Investitionsentscheidung durch Manager

Implementierung Investitionsprojekt

t = -2

t = -1

t=0

c1

cT

t=1

t=T

Abbildung 4: Abfolge der Ereignisse im Grundmodell

126

Bedeutung unbekannter Zeitpräferenzen & Zeithorizont

5.2 Bedeutung der Annahme unbekannter Zeitpräferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts Wie im vorangehenden Abschnitt festgehalten, kennt der Shareholder die Zeitpräferenzen – welche im Folgenden schlicht als Präferenzen bezeichnet werden – sowie den Zeithorizont des Managers im vorliegenden Modell nicht. Dies hat unmittelbare Implikationen für die Gestaltung des Anreizsystems und der zu verwendenden Performancemaße. Sofern dem Shareholder seine eigene Nutzenfunktion sowie jene des Managers und mithin die entsprechenden Präferenzen beider Akteure bekannt wären, könnte er Unterschiede zwischen den jeweiligen Nutzenfunktionen und somit zwischen der jeweiligen originären Bewertung der Vorteilhaftigkeit von Investitionsprojekten durch eine geeignete Gestaltung der Entlohnungsfunktion ausgleichen. 409 Ein solcher Ausgleich ist grundsätzlich bei Verwendung jedes beliebigen (vollständigen) Residualgewinns als Performancemaß möglich,410 d. h. unabhängig von dessen zeitlicher Struktur i. S. d. Verteilung des Gesamterfolgs auf die einzelnen Perioden der Projektlaufzeit. Da im vorangehend dargestellten Modellrahmen unterstellt wurde, dass der Shareholder die Präferenzen des Managers nicht kennt (und diese auch nicht in Erfahrung bringen kann), ist deren Angleichung durch eine geeignete Gestaltung der Entlohnungsfunktion ausgeschlossen. Beim Vorliegen unbe409 410

Vgl. Gillenkirch/Schabel (2001), S. 224-225, 228; Velthuis (2004a), S. 114116; Pfeiffer/Velthuis (2009), S. 25-27. Vgl. Pfeiffer/Velthuis (2009), S. 25-26. Das Ergebnis ist jedoch nicht auf Residualgewinne beschränkt, sondern gilt vielmehr für sämtliche Performancemaße, die auf für die Zeitpräferenzrate des Shareholders vollständigen (intertemporalen) Allokationsregeln basieren. Vgl. ebenda.

Modellrahmen

127

kannter Präferenzen und/oder eines unbekannten Zeithorizonts des Managers gewinnt die Gestaltung des die Entlohnung beeinflussenden Erfolgsausweis und mithin der verwendeten Performancemaße an Bedeutung. 411 Kennt der Shareholder die Präferenzen und den Zeithorizont des Managers nicht, kann er nicht ausschließen, dass der Manager nur der in einem Zeitpunkt gewährten Entlohnung Bedeutung beimisst. Um dem Manager auch dann zu incentivieren, eine an ihn delegierte Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen, wenn er – aufgrund extremer Zeitpräferenzen oder eines kurzen Planungshorizonts – ausschließlich die in einem einzigen Zeitpunkt gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt und dem Shareholder dieser Zeitpunkt nicht bekannt ist, gilt es, in jedem Zeitpunkt der Projektlaufzeit den gewünschten Investitionsanreiz zu gewähren.412 Konkret gilt es, dem Manager in jedem Zeitpunkt der Projektlaufzeit einen Anreiz zur Durchführung [Unterlassung] eines aus Sicht des Shareholders vorteilhaften [nachteiligen] Investitionsprojekts zu gewähren. Dies kann im betrachteten Modellrahmen unter Berücksichtigung der angenommenen Entlohnungsfunktion gewährleistet werden, wenn zu jedem Zeitpunkt ein geeigneter geglätteter Erfolgsausweis erfolgt. Es bedarf dazu keiner vollständigen Glättung derart, dass zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit im Erwartungswert der identische Erfolgsausweis reflektiert wird. Jedoch bedarf es eines derart geglätteten Erfolgsausweises, dass im erwarteten Erfolgsausweis zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit die Vorteilhaftigkeit eines Inves411 412

Vgl. Mohnen (2002), S. 124. Ähnlich Rogerson. Vgl. Rogerson (1997), S. 773-774.

128

Bedeutung unbekannter Zeitpräferenzen & Zeithorizont

titionsprojekts aus Sicht des Shareholders reflektiert wird. Die Anforderung der Glättung des Erfolgsausweises ist somit von besonderer Bedeutung im betrachteten Kontext. Da bei Unkenntnis des Zeithorizonts und der Präferenzen des Managers ebenfalls nicht ausgeschlossen werden kann, dass dieser aufgrund eines kurzen Zeithorizonts oder extremer Präferenzen ausschließlich frühzeitig gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt, gewinnt ebenfalls der Zeitpunkt ihrer erstmaligen Gewährung an Bedeutung. Um den Manager auch dann zu incentivieren, eine an ihn übertragene Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen, wenn er ausschließlich einer frühzeitig gewährten Entlohnung Bedeutung beimisst, gilt es, bereits unmittelbar zu Beginn der Laufzeit eines Investitionsprojekts und nicht erst in den nachfolgenden Zeitpunkten einen geeigneten Investitionsanreiz zu gewähren.413 Im betrachteten Modellrahmen kann dies erreicht werden, wenn zum frühestmöglichen Zeitpunkt der Projektlaufzeit, d. h. im Zeitpunkt der Implementierung eines Investitionsprojekts (t=0), ein geeigneter Erfolg ausgewiesen wird. Die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit gewinnt somit an Bedeutung bei der Ausgestaltung des verwendeten Performancemaßes, sofern dem Shareholder die Präferenzen und/oder der Zeithorizont des Managers verborgen sind. In den vorangehenden Abschnitten wurden sowohl das Grundmodell als auch wesentliche Implikationen unbekannter Präferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des Managers sowie die damit einhergehende Bedeutung der Ausgestaltung von Performancema413

Ähnlich bereits Mohnen. Vgl. Mohnen (2002), S. 27 und 124.

Modellrahmen

129

ßen gezeigt. Nachfolgend soll zunächst für den Fall, dass der Manager ausschließlich über die Durchführung eines zur Disposition stehenden Investitionsprojekts entscheidet, gezeigt werden, wie wertorientierte Kennzahlen als Performancemaße beschaffen sein müssen, um im vorliegenden Kontext geeignete Investitionsanreize zu gewährleisten.

6 Eignung der Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 im Rahmen der wertorientierten Investitionssteuerung im Ein-Projekt-Fall 6.1 Herleitung wertorientierter Performancemaße 6.1.1 Ermittlung des geeigneten erwarteten Erfolgsausweises Im Folgenden wird zunächst angenommen, dass an den Manager die Entscheidung über die Durchführung (oder Unterlassung) eines einzelnen zur Disposition stehenden Investitionsprojekts delegiert wird.414 Gem. den Annahmen des Grundmodells kann dieses im Zeitpunkt t=0 implementiert werden und weist einen gegebenen Endzeitpunkt T auf. Damit der Manager die Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders trifft, bedarf es – wie im vorherigen Kapitel beschrieben – eines geeigneten erwarteten Erfolgsausweises zu jedem Zeitpunkt 0 t T während der Laufzeit des Projekts. Somit kommt der zeitlichen Struktur des erwarteten Erfolgsausweises eine zentrale Rolle zu. Diese steht im Fokus dieses Abschnitts und dient anschließend als Grundlage zur Konkretisierung der allgemeinen Performancemaße gem. (5) und (6). Da sich der Shareholder annahmegemäß am Barwert der erwarteten Zahlungsströme aus zur Disposition stehenden Investitionsprojekten orientiert, ist aus seiner Perspektive die Durchführung des Investitionsprojekts genau dann vorteilhaft, wenn dessen erwarteter Kapitalwert positiv ist. Hingegen ist die Durchführung des Investi-

414

Eine Auswahlentscheidung aus mehreren im Zeitpunkt t=0 nicht gleichzeitig durchführbaren Investitionsprojekten wird in Abschnitt Kapitel sieben der vorliegenden Arbeit betrachtet.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 A. Bantz, Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6_6

132

Herleitung wertorientierter Performancemaße

tionsprojekts aus Sicht des Shareholders nachteilig, wenn es im Erwartungswert einen negativen Kapitalwert aufweist. Der Manager hat im betrachteten Fall genau dann einen finanziellen Anreiz, die an ihn delegierte Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen, wenn die in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigte erwartete Entlohnung für ein im Erwartungswert kapitalwertpositives [kapitalwertnegatives] Investitionsprojekt positiv [negativ] ist. Dies wird unter Berücksichtigung der streng monoton steigenden Entlohnungsfunktion gerade dann erreicht, wenn in den vom Manager in seinem Entscheidungskalkül beachteten Zeitpunkten jeweils ein (beliebiger) positiver Anteil des erwarteten Kapitalwerts des Investitionsprojekts im erwarteten Erfolgsausweis ausgewiesen wird. Aufgrund der Möglichkeit, dass der Manager ausschließlich einen Zeitpunkt in seinem Entscheidungskalkül beachtet, gilt es in allen Zeitpunkten während der Projektlaufzeit im Erwartungswert einen positiven Anteil des erwarteten Kapitalwerts des Investitionsprojekts im Erfolgsausweis zu reflektieren. Um den Manager auch dann zu incentivieren, ein aus Sicht des Shareholders vorteilhaftes [nachteiliges] Investitionsprojekt durchzuführen [zu unterlassen], falls er ausschließlich die erwartete Entlohnung im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts, d. h. im Zeitpunkt t=0, berücksichtigt, gilt es, im Erwartungswert bereits in diesem Zeitpunkt einen positiven Anteil 0 des erwarteten Kapitalwerts auszuweisen, d. h. E

0

0

E KW mit 0

0

1 . Um ferner für

beliebige im Entscheidungskalkül des Managers beachtete Zeit-

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

133

punkte und somit für beliebige Zeithorizonte und beliebige (ggf. extreme) Präferenzen des Managers die Vorteilhaftigkeit des Investitionsprojekts aus Sicht des Shareholders im erwarteten Erfolgsausweis zu reflektieren, gilt es ebenso, zu jedem Zeitpunkt nach der Implementierung im Erwartungswert einen positiven Anteil t des erwarteten Kapitalwerts im Performancemaß auszuweisen. Lemma 1 fasst die vorangehenden Ausführungen zusammen: Lemma 1 Bei unbekannten Präferenzen und einem unbekannten Zeithorizont des Managers wird die Durchführung [Unterlassung] eines im Erwartungswert kapitalwertpositiven [kapitalwertnegativen] Investitionsprojekts genau dann sichergestellt, wenn zu jedem Zeitpunkt der Projektlaufzeit im Erwartungswert ein beliebiger positiver Anteil t des erwarteten Kapitalwerts im Performancemaß ausgewiesen wird, d. h. E

t

t

E KW mit 0

t

1

0

t

T.

(9)

Wie bereits erläutert, gewinnen die an Performancemaße gestellte Anforderungen der Glättung und der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit bei unbekannten Präferenzen und einem unbekannten Zeithorizont des Managers an Bedeutung. Diese Anforderungen können jedoch grundsätzlich nicht beide gleichermaßen bestmöglich erfüllt werden. Wie bereits dargelegt, fordert erstere eine Reduktion der Schwankungen des Gewinnstroms im Zeitablauf und letztere den unmittelbaren Ausweis des gesamten mit der Entscheidung des Managers einhergehenden (erwarteten) Erfolgs im Perio-

134

Herleitung wertorientierter Performancemaße

denerfolg.415 Eine vollständige (ex ante) Glättung kann erreicht werden, wenn in jedem Zeitpunkt identische Anteilsfaktoren, d. h. 0 t T , verwendet werden. Hinreichend für die Incentit vierung des Managers i. S. d. Shareholders ist die Verwendung beliebiger positiver Anteilsfaktoren. Erfolgt im Erwartungswert der Ausweis eines beliebigen positiven Anteils des erwarteten Kapitalwerts des Investitionsprojekts im Erfolgsausweis, wird der Anforderung der Glättung zumindest teilweise entsprochen, insofern dass der erwartete Erfolgsausweis zu jedem Zeitpunkt das gleiche Vorzeichen aufweist. Der Erfolgsausweis wird in beiden Fällen der Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit jedoch nicht vollumfänglich gerecht. Bei Ausweis eines positiven Anteils 1 , wird lediglich ein Teil, nicht jedoch der ge0 0 , sprich 0 samte erwartete Kapitalwert des Investitionsprojekts sofort ausgewiesen. Wenngleich somit zeitliche Entscheidungsverbundenheit in idealer Form nicht erreicht wird, gewährleistet der erwartete Erfolgsausweis in t=0 zumindest partielle zeitliche Entscheidungsverbundenheit. Die erwarteten Performancemaße weisen die Eigenschaft der partiellen zeitlichen Entscheidungsverbundenheit auf, da bereits zum Zeitpunkt t=0 ein positiver Anteil des erwarteten Kapitalwerts im erwarten Erfolgsausweis reflektiert wird. Trotz des möglichen kürzeren Planungshorizonts und der möglichen extremen Präferenzen des Managers ist dies im betrachteten Kontext notwendig und hinreichend, um dem Manager einen Anreiz zu gewähren, die Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen.

415

Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 54; Hax (1989), S. 162.

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

135

Erfolgt im Erwartungswert in jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit des Investitionsprojekts der Ausweis eines positiven Anteils seines erwarteten Kapitalwerts, steht der Barwert der erwarteten Periodenerfolge insofern im Einklang mit dem Kapitalwertkriterium, als der Barwert der erwarteten Periodenerfolge und der Kapitalwert des Investitionsprojekts das gleiche Vorzeichen aufweisen. Die Anforderung der Barwertidentität wird hingegen nicht zwingend erfüllt.416 Diese wird gerade dann erreicht, wenn die periodischen Anteilsfaktoren t derart gewählt werden, dass der Barwert des erwarteten Erfolgsausweis über sämtliche Zeitpunkte der Projektlaufzeit mit dem Kapitalwert übereinstimmt, d. h. T T 1 1 E KW E KW 1 . (10) t t t t t 0 (1 r ) t 0 (1 r ) Barwertidentität wird also erreicht, wenn der Barwert der periodischen Anteilsfaktoren t über alle Zeitpunkte t der Projektlaufzeit gerade 1 entspricht. Eine Bewertung auf Grundlage des erwarteten Erfolgsausweises ist dann äquivalent zur Bewertung auf Basis erwarteter Cashflows und der erwarteten Investitionsauszahlung. In diesem Abschnitt wurde gezeigt, welche Eigenschaft der erwartete Erfolgsausweis aufweisen muss, um sowohl für beliebige unbekannte Präferenzen als auch für einen beliebigen unbekannten Zeithorizont des Managers im vorliegenden Modellrahmen die gewünschte Investitionsentscheidung zu incentivieren. Im Fokus der nachfolgenden Ausführungen steht die Gestaltung der Allokationsregeln, sodass die verwendeten Performancemaße einen entspre416

Vgl. Mohnen (2002), S. 28.

136

Herleitung wertorientierter Performancemaße

chenden Erfolgsausweis gewährleisten. Neben der Gestalt der Allokationsregeln soll auch der zur Gestaltung benötigte Informationsbedarf aufgezeigt werden. 6.1.2 Gestaltung geeigneter Allokationsregeln Wie in Lemma 1 konstatiert, wird die aus Sicht des Shareholders wünschenswerte Investitionsentscheidung im betrachteten Szenario incentiviert, wenn als erwarteter Erfolgsausweis in jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit ein positiver Anteil dessen erwarteten Kapitalwerts ausgewiesen wird. Dies gilt also auch für den Zeitpunkt t=0, sodass das in diesem Zeitpunkt gem. (6) verwendete Performancemaß nachfolgende Bedingung erfüllen muss: E

0

0

E I0

! 0

E KW mit 0

0

1.

(11)

Dies bedeutet also, dass im Zeitpunkt t=0 ein Anteil der Investitionsauszahlung I 0 des Projekts erfolgswirksam auszuweisen ist. Der Darstellung der erwarteten Cashflows bzw. der erwarteten Investitionsauszahlung als Produkt eines Struktur- und eines Niveauparameters gem. (3) bzw. (4) folgend, kann diese Gleichung unter Berücksichtigung von (8) auch dargestellt werden als: T ! xt ( ) 1. x y y mit 0 (12) 0 0 0 0 t t 0 (1 r ) Durch Umformung von (12) lässt sich die geeignete Allokationsregel ermitteln. 417

417

Zur Herleitung der Allokationsregel siehe Anhang 1 der vorliegenden Arbeit.

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

137

Proposition 1 Um bereits zum Zeitpunkt der Implementierung des Projekts (t=0) im Erwartungswert einen positiven Anteil 0 des erwarteten Kapitalwerts im Performancemaß der Form zuweisen, gilt es, folgende Allokationsregel T

0 0

x0

t

xt t mit 0 0 (1 r )

0

0

0

0

I 0 aus-

zu verwenden:

1.

(13)

Die Etablierung der Allokationsregel gem. (13) obliegt annahmegemäß dem Shareholder. Dieser bedarf dazu eines spezifischen Kenntnisstands. Gem. voranstehender Gleichung ist die zu etablierende Allokationsregel abhängig von den Strukturparametern x t der Cashflows und der Investitionsauszahlung des Investitionsprojekts sowie dem periodischen Anteilsfaktor 0 , nicht jedoch vom Niveauparameter y . Die Strukturparameter x t sind annahmegemäß beiden Akteuren bereits vor Entscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekts bekannt. Der Anteilsfaktor 0 kann vom Shareholder gewählt werden. Somit zeigt sich, dass der Shareholder über alle Informationen verfügt, um bereits vor der Entscheidung des Managers über die Durchführung des Investitionsprojekts eine geeignete Allokationsregel für die Investitionsauszahlung aufstellen zu können, bzw. dass er mit dem Anteilsfaktor 0 einen Teil der benötigten Informationen selbst festlegen kann. Die private Information des Managers in Form des Niveauparameters y benötigt der Shareholder hingegen nicht.

138

Herleitung wertorientierter Performancemaße

Der allgemeine Residualgewinn gem. (5), welcher in allen der Implementierung des Investitionsprojekts nachfolgenden Zeitpunkten während dessen Projektlaufzeit Anwendung findet, determiniert über die verwendeten Allokationsregeln einerseits die Erfolgswirksamkeit der in den jeweiligen Zeitpunkten anfallenden Cashflows, aber auch den Anteil der den einzelnen Zeitpunkten zugerechneten Investitionsauszahlung des Investitionsprojekts. Er muss im Erwartungswert stets einem positiven Anteil des erwarteten Kapitalwerts gem. Lemma 1 entsprechen, also E

t

t

E ct

t

E I0

! t

E KW mit 0

t

1 1 t

T.

(14) Dies lässt sich unter Berücksichtigung der Darstellung der erwarteten Cashflows bzw. der erwarteten Investitionsauszahlung gem. (3) bzw. (4) unter Berücksichtigung von (8) auch wie folgt darstellen: T ! x y x y x y (15) ( ) mit 0 t 1 . 0 t t t t 0 (1 r ) Die hieraus resultierenden Allokationsregeln werden in Proposition 2 festgehalten:418

418

Zur Herleitung der Allokationsregeln in Proposition 2 siehe Anhang 2.

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

139

Proposition 2 Um in allen der Implementierung des Investitionsprojekts nachfolgenden Zeitpunkten ( 1 t T ) im Erwartungswert einen positiven Anteil der Form

t t

des erwarteten Kapitalwerts im Performancemaß t

ct

ten Allokationsregeln

I 0 auszuweisen, gilt es, die verwende-

t t

bzw.

t

t t

t

1

x

T

xt

1 t

jeweils mit 0

so festzulegen, dass gilt: (16)

(1 r )

(17)

t

1 t T.

Die vorangehend ermittelten Allokationsregeln gem. (16) und (17) entsprechen den von Mohnen/Bareket ermittelten Allokationsregeln, 419 d. h. den Allokationsregeln des erweiterten relativen Beitragsverfahrens. Im Unterschied zur Untersuchung von Mohnen/Bareket erfolgt in der vorliegenden Analyse zur Berücksichtigung unbekannter (ggf. extremer) Präferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des Managers gem. (13) jedoch zusätzlich der Ausweis eines spezifischen Anteils der Investitionsauszahlung im Zeitpunkt t=0. Der zur Gestaltung der Allokationsregeln

t

und

t

benötigte

Kenntnisstand des Shareholders ist analog zu jenem bei der Konstruktion der Allokationsregel 0 . Um geeignete Allokationsregeln 419

Für die in der Analyse von Mohnen/Bareket (2007) ermittelten Allokationsregeln siehe Mohnen/Bareket (2007), S. 10.

140

Herleitung wertorientierter Performancemaße

gestalten zu können, bedarf der Shareholder also nicht der privaten Information des Managers über den Niveauparameter y . Ausreichend ist hingegen die Kenntnis über die Strukturparameter x t der Cashflows und der Investitionsauszahlung des Investitionsprojekts, welche annahmegemäß bekannt sind, und die Kenntnis der periodischen Anteilsfaktoren t , welche vom Shareholder selbst festgelegt werden können. Bisher wurde zum einen aufgezeigt, auf Grundlage welcher zeitlichen Struktur des erwarteten Erfolgsausweises für beliebige (ggf. extreme Präferenzen) und Zeithorizonte des Managers eine aus Sicht des Shareholders wünschenswerte Investitionsentscheidung incentiviert werden kann. Zum anderen wurden die verwendeten Performancemaße durch die Konkretisierung der Allokationsregeln spezifiziert, um einen entsprechenden Erfolgsausweis zu erreichen. Nachfolgend soll nun gezeigt werden, welcher erwartete Erfolgsausweis bei der Verwendung Fair Value-basierter Performancemaße resultiert und welche Investitionsanreize damit im betrachteten Szenario verbunden sind. Der Fokus liegt dabei gem. der Zielsetzung der Arbeit auf den Regelungen zur Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13.

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

141

6.2 Eignung Fair Value-basierter Performancemaße 6.2.1 Einleitung In den nachfolgenden Abschnitten soll überprüft werden, welche Anreize dem Manager gewährt werden, die an ihn delegierte Investitionsentscheidung bezüglich der Durchführung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders zu treffen, wenn er mit der im Grundmodell etablierten streng monoton steigenden Entlohnungsfunktion an spezifischen Fair Value-basierten Performancemaßen beteiligt wird. Letztere werden unter Berücksichtigung der Regelungen zur Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 ermittelt und ihre Implikationen für die Verhaltenssteuerung bei der betrachteten Delegation der Investitionsentscheidung aufgezeigt. Unterstellt wird dabei zunächst, dass die im Rahmen der Nutzung des Investitionsprojekts erwarteten Cashflows jenen Cashflows entsprechen, die auch ein repräsentativer Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwarten würde. Idiosynkratische Faktoren oder Informationsasymmetrien, die – wie bereits dargelegt – zu einer Abweichung zwischen Fair Value als marktorientiertem Wertansatz und unternehmensindividuellem Nutzungswert führen können, werden zunächst nicht berücksichtigt. Diese Annahme wird in den darauffolgenden Abschnitten gelockert. Explizit betrachtet wird dann der Fall, dass die bei Durchführung des Investitionsprojekts erwarteten Cashflows von jenen Cashflows abweichen, die ein repräsentativer Marktteilnehmer gem. IFRS 13 im Erwartungswert realisieren wird. Es kommt mithin zu einer Abweichung zwischen dem marktorientiert ermittelten Fair Value und dem unternehmensspezifischen Nutzungswert des betrachteten Investitionsprojekts.

142

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Als Performancemaß dient auch im Rahmen der folgenden Ausführungen ein Residualgewinn. Im Gegensatz zu dem im Grundmodell (Kapitel fünf) unterstellten Performancemaß wird jedoch kein allgemeiner Residualgewinn zu Grunde gelegt. Stattdessen wird nachfolgend ein spezifischer Residualgewinn berücksichtigt, der mit den Regelungen zur Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 vereinbar ist. Die modelltheoretische Konkretisierung dieses spezifischen Residualgewinns erfolgt im nachfolgenden Abschnitt. 6.2.2 Konkretisierung der Performancemaße und Anpassung des Modellrahmens Während in den vorangehenden Ausführungen ein allgemeiner Residualgewinn als Performancemaß unterstellt wurde, der die Erfolgswirksamkeit der anfallenden Zahlungsströme durch konkrete Allokationsregeln determiniert, bedarf es für die nachfolgende Analyse einer Anpassung des Performancemaßes. Dies liegt darin begründet, dass die Regelungen zur Fair Value-Bilanzierung im Rahmen der IFRS keine Allokationsregeln für die anfallenden Zahlungen vorschreiben. Stattdessen legen sie insb. den für ein Bewertungsobjekt heranzuziehenden Wertansatz fest. An Stelle des vorangehend verwendeten allgemeinen Residualgewinns erfolgt deshalb in allen Zeitpunkten t der Projektlaufzeit, d. h. 0 t T , unter Berücksichtigung des jeweils vorgeschriebenen Wertansatzes die Verwendung eines spezifischen Residualgewinns. Dieser berücksichtigt neben dem in einem Zeitpunkt anfallenden Cashflow ct auch die verrechnete Wertänderung d t und mit dem Kapitalkostensatz r bestimmte Kapitalkosten auf den Buchwert des Bewertungsobjekts am Ende der Vorperiode Bt 1 :

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall) IFRS t

ct

dt

r Bt

1

0

t

T.

143 (18)

Die Berücksichtigung der Regelungen zur Fair Value-Bilanzierung geht im Vergleich zum Grundmodell einher mit einer Einschränkung der Klasse der verwendeten Performancemaße. Im verwendeten Residualgewinn erfolgt die erfolgswirksame Erfassung des im jeweiligen Zeitpunkt anfallenden Cashflows ct ,420 aber auch die Verrechnung der entsprechend der Regelungen der IFRS zu erfassenden Wertänderungen des Bewertungsobjekts.421 Diese im Performancemaß reflektierte Wertänderung d t wird festgelegt als Differenz der Buchwerte im vorangehenden und im betrachteten Zeitpunkt, d. h. dt Bt 1 Bt 0 t T . (19) Für den Buchwert vor der Implementierung des Investitionsprojekts, d. h. im Zeitpunkt t=-1, gilt: B 1 0. (20) Der bei der Anwendung der Fair Value-Bilanzierung im Erwartungswert resultierende Erfolgsausweis und die mit diesem verbundene Anreizwirkung werden in den nachfolgenden Abschnitten 420

421

Die Erfassung von Erlösen wird derzeit in den IFRS durch den Standard IAS 18 (bzw. für ab dem 01.01.2018 beginnende Geschäftsjahre durch IFRS 15) geregelt. Eine erfolgswirksame Erfassung anfallender Cashflows steht nicht im Widerspruch zu den dortigen Regelungen (IAS 18.11) und wird deshalb auch im vorliegenden Modell berücksichtigt. Es erfolgt somit die Berücksichtigung der sowohl im Profit or Loss als auch im OCI verrechneten Wertänderung und mithin eine Orientierung am Comprehensive Income einer Periode.

144

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

analysiert. Betrachtet werden dazu die in den IFRS verbreiteten Anwendungsformen der Fair Value-Bilanzierung, die sich einerseits in der erfolgswirksamen Zugangsbewertung zum Fair Value manifestieren, 422 andererseits in der Zugangsbewertung zu Anschaffungskosten, welche im vorliegenden Modell in Höhe der Investitionsauszahlung bemessen werden, und der ausschließlichen Berücksichtigung des Fair Value im Rahmen der Folgebewertung.423 Unterstellt wird jeweils eine stringente Umsetzung der Fair Value-Bilanzierung i. S. e. periodischen Neubewertung zum Fair Value. 424 6.2.3 Übereinstimmende Cashflow-Erwartungen 6.2.3.1 Einleitung und Ergänzung des Modellrahmens In den nachfolgenden Abschnitten wird zunächst angenommen, dass die aus der Durchführung des Investitionsprojekts aus Sicht des Unternehmens erwarteten Cashflows jenen Cashflows entsprechen, die auch ein repräsentativer Marktteilnehmer bei dessen 422

423

424

Die Zugangsbewertung zum Fair Value findet bspw. Anwendung bei der Bewertung von Vermögenswerten nach IAS 41 (IAS 41.12) und IFRS 3 (IFRS 3.18). Kommt es in diesen Fällen zu Abweichungen zwischen dem Fair Value und einer Investitionsauszahlung als Transaktionspreis, ist die Differenz erfolgswirksam in der GuV zu erfassen (IFRS 13.60). Die ausschließliche Erfassung des Fair Value im Rahmen der Folgebewertung findet bspw. Berücksichtigung bei der Fair Value-Bewertung von Vermögenswerten nach IAS 16 (IAS 16.15 und IAS 16.29) oder IAS 40 (IAS 40.20 und 40.30). Die Zugangsbewertung erfolgt in diesem Fall zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten (IAS 16.15 und IAS 40.20), die in der vorliegenden Untersuchung per Annahme der Investitionsauszahlung entsprechen. Dies ist unabhängig von der Berücksichtigung des Fair Value bereits bei der Zugangsbewertung oder ausschließlich bei der Folgebewertung vereinbar mit den in den IFRS etablierten Regelungen zur Fair Value-Bilanzierung (siehe bspw. IAS 41.12, IAS 40.33, IAS 16.31).

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

145

Durchführung erwarten würde. Von einer Berücksichtigung von idisoynkratischen Faktoren oder Informationsasymmetrien wird an dieser Stelle abstrahiert. Hinsichtlich des Fair Value wird zunächst unterstellt, dass dieser im Zeitpunkt t während der Projektlaufzeit dem Barwert der künftig noch aus dem Investitionsprojekt zu erwartenden Cashflows entspricht. Es gilt somit: T

FVt t 1

Ec (1 r)

t

,

(21)

sofern zur Diskontierung der risikofreie Zinssatz r verwendet wird,425 wovon auch im weiteren Verlauf der Arbeit stets ausgegangen wird. 6.2.3.2 Zugangsbewertung zum Fair Value 6.2.3.2.1 Erwarteter Erfolgsausweis Bei einer Zugangsbewertung zum Fair Value erfolgt dessen Erfassung bereits im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts (t=0). Der Buchwert B0 in diesem Zeitpunkt entspricht dann dem gem. (21) definierten Fair Value des Investitionsprojekts: 425

Bei der synthetischen Ermittlung des Fair Value durch Anwendung eines Barwertkalküls auf Grundlage erwarteter künftiger Cashflows steht die Verwendung der (risikofreien) Zeitpräferenzrate des Shareholders grundsätzlich im Einklang mit den Regelungen des IFRS 13. Die Berücksichtigung der Risikoneigung der Marktteilnehmer kann dann durch eine Anpassung der erwarteten Cashflows erfolgen (IFRS 13.B13a, IFRS 13.B14 und IFRS 13.B25). Per Annahme sind die Marktteilnehmer hier jedoch risikoneutral, sodass eine solche Anpassung unterbleibt. Im Zähler sind die von einem repräsentativen Marktteilnehmer aus dem Bewertungsobjekt erwarteten Cashflows zur Ermittlung des Fair Value zu berücksichtigen (IFRS 13.B13 und IFRS 13.B14a). Diese stimmen im betrachteten Fall mit den erwarteten Cashflows aus Sicht des Unternehmens überein.

146

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

E c

T

B0

FV0 1

(1 r )

.

(22)

Da annahmegemäß der Buchwert gem. (20) im Zeitpunkt t=-1 gerade null beträgt, entspricht die erfasste Wertänderung d 0 im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts gem. (19) dann gerade dem negativen Barwert der erwarteten künftigen Cashflows aus dem Investitionsprojekt:

Ec

T

d0

B 1 B0 0 FV0 1

(1 r)

.

(23)

Dies entspricht einer Zuschreibung zum Fair Value des Investitionsprojekts in t=0. Die Verrechnung dieser Wertänderung im Performancemaß impliziert, dass der Barwert der künftig aus dem Investitionsprojekt zu erwartenden Cashflows bereits im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts erfolgswirksam erfasst wird. So werden sämtliche künftig zu erwartenden Cashflows bereits im Zeitpunkt t=0 barwertneutral antizipiert. Findet die zu verrechnende Wertänderung Berücksichtigung im hier betrachteten spezifischen Residualgewinn gem. (18), entspricht das erwartete Performancemaß (unter Berücksichtigung von B 1 0 ) zum Zeitpunkt der Durchführung des Investitionsprojekts gerade:

E

IFRS 0

E c0

(0 FV0 ) r 0 E KW .

(24)

Das zum Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts erwartete Performancemaß entspricht, bei übereinstimmenden Cashflow-Erwartungen des Unternehmens und eines repräsentativen Marktteilnehmers i. S. d. IFRS 13, bei einer Zugangsbewertung zum Fair Value gerade dem (gesamten) erwarteten Kapitalwert des

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

147

Investitionsprojekts. Dies liegt darin begründet, dass im Erwartungswert im Zeitpunkt t=0 sowohl eine erfolgswirksame Erfassung des in diesem Zeitpunkt zu leistenden Zahlungsstroms c 0 als auch eine erfolgswirksame barwertneutrale Antizipation aller künftig zu erwartenden Cashflows erfolgt. In allen der Zugangsbewertung nachfolgenden Zeitpunkten t während der Projektlaufzeit 1 t T erfolgt bei stringenter Umsetzung der Fair Value-Bilanzierung in jedem Zeitpunkt eine Neubewertung des Investitionsprojekts zum Fair Value. Der Buchwert in jedem Zeitpunkt t entspricht dann analog zu (22) T

Bt

FVt t 1

Ec (1 r)

t

1 t T.

(25)

Die im Performancemaß erfasste Wertänderung gem. (19) entspricht dann im betrachteten Fall in jedem der Zugangsbewertung nachfolgenden Zeitpunkt: T E c 426 dt Bt 1 Bt FVt 1 FVt E ct r 1 t T. ( t 1) r (1 ) t FVt

1

(26) Durch die Verrechnung dieser Wertänderung wird das Performancemaß in jedem der erstmaligen Bewertung zum Fair Value nachfolgenden Zeitpunkt 1 t T in zweierlei Hinsicht beeinflusst: Zum einen wird der im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts (t=0) barwertig erfasste erwartete Cashflow 426

Zur Herleitung dieser Wertänderung siehe Anhang 3.

148

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

der aktuellen Periode in Abzug gebracht, sodass eine unmittelbare Doppelzählung von Cashflows im Zeitablauf vermieden wird. Zum anderen wird durch die Berücksichtigung des verzinsten Fair Value der Vorperiode erfasst, dass im vorangehenden Zeitpunkt erwarteten Cashflows des Investitionsprojekts aufgrund des Voranschreitens der Zeit weniger stark diskontiert werden müssen. Durch die Verrechnung der Wertänderung wird mithin berücksichtigt, dass sich die Bewertungsgrundlage für den Fair Value im Zeitablauf ändert, da in jedem Zeitpunkt lediglich die erwarteten künftigen Cashflows Eingang in den Wertansatz finden. Zudem wird durch die Berücksichtigung des Voranschreitens der Zeit die Änderung der Bewertungsperspektive erfasst, da die erwarteten künftigen Cashflows um eine Periode weniger stark diskontiert werden und somit nicht aus der Perspektive der Vorperiode bewertet werden. Unter Berücksichtigung des Buchwerts gem. (25) und der zu verrechnenden Wertänderung gem. (26) im Performancemaß gem. (18) ergibt sich der erwartete Erfolgsausweis des Investitionsprojekts in jedem der erstmaligen Bewertung zum Fair Value nachfolgenden Zeitpunkt t, d. h. 1 t T , als:

E

IFRS t

E ct

( E ct

r FVt 1 ) r FVt

1

0

1 t T . (27)

Der zum Zeitpunkt t erwartete Cashflow des Investitionsprojekts wird durch die verrechnete Wertänderung kompensiert. Somit hat dieser keinen Einfluss auf die Höhe des erwarteten Erfolgsausweises. Das im Rahmen der Verrechnung der Wertänderung erfasste Voranschreiten der Zeit wird gerade durch die Verrechnung der kalkulatorischen Zinsen auf den Fair Value der Vorperiode elimi-

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

149

niert. Insofern kommt den kalkulatorischen Zinsen eine Ausgleichsfunktion zu, da sie den Einfluss der Veränderung der Bewertungsperspektive im Zeitablauf gerade ausgleichen. Werden bei Durchführung des Investitionsprojekts gerade jene Cashflows erwartet, die auch ein repräsentativer Marktteilnehmer erwarten würde, entspricht der erwartete Erfolgsausweis zu jedem der Implementierung des Investitionsprojekts nachfolgenden Zeitpunkt t während dessen Projektlaufzeit gerade null. Proposition 3 fasst die vorangehenden Erkenntnisse zusammen: Proposition 3 Bei übereinstimmenden Cashflow-Erwartungen zwischen dem berichtenden Unternehmen und einem repräsentativen Marktteilnehmer sowie einer stringenten Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz zu jedem Zeitpunkt der Projektlaufzeit entspricht der erwartete Erfolgsausweis zum Zeitpunkt der Implementierung eines Investitionsprojekts dessen erwartetem Kapitalwert und in allen nachfolgenden Zeitpunkten null. Der vorangehend ermittelte erwartete Erfolgsausweis erfüllt die in Lemma 1 konstatierte Bedingung nicht,427 da im Erwartungswert nicht zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit ein positiver Anteil des erwarteten Kapitalwerts des Investitionsprojekts ausgewiesen wird. Die Beurteilung der mit diesem erwarteten Erfolgsausweis einhergehenden Anreizwirkung bei Verwendung des Per427

Offenkundig besteht ein enger Zusammenhang zwischen diesem erwarteten Erfolgsausweis und dem (erwarteten) Erfolgsausweis bei Anwendung des ökonomischen Gewinns nach Zinsen als Gewinnkonzept, da beide die gleiche zeitliche Struktur aufweisen. Grundlegend zum ökonomischen Gewinn nach Zinsen als Gewinnkonzept siehe Laux (2006a), S. 117-131.

150

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

formancemaßes als Bestandteil des festgelegten Anreizsystems wird im nächsten Abschnitt detailliert vorgenommen. 6.2.3.2.2 Anreizwirkung Analysiert wird, inwiefern der Manager anhand des vorangehend aufgezeigten erwarteten Erfolgsausweises incentiviert wird, die Entscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders zu treffen. Die Erfüllung der Anforderungen der Barwertidentität, der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit und der Glättung findet dabei aufgrund ihrer bereits vorangehend skizzierten Bedeutung besondere Berücksichtigung. Zur Überprüfung der Anforderung der Barwertidentität wird der Barwert der gem. (24) für t=0 bzw. gem. (27) für alle nachfolgenden Zeitpunkte während der Projektlaufzeit ( 1 t T ) erwarteten Performancemaße ermittelt: T

E

IFRS t

E KW . (28) (1 r )t Der Barwert der erwarteten Performancemaße entspricht, wie in (28) ersichtlich, genau dem erwarteten Kapitalwert des Investitionsprojekts. Die zentrale Anforderung der Barwertidentität ist somit erfüllt.428 Aufgrund der Unkenntnis der Präferenzen und des Zeithorizonts des Managers ist die Erfüllung der Barwertidentität t 0

428

Im betrachteten Fall gilt dies grundsätzlich unabhängig von dem für die Diskontierung der erwarteten Performancemaße verwendeten Zinssatz, da der gesamte erwartete Kapitalwert bereits zum Zeitpunkt der Investitionsdurchführung (t=0) gem. (24) im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird und der erwartete Erfolgsausweis zu allen nachfolgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit ( T) gem. (27) gerade null beträgt.

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

151

alleine nicht hinreichend, um den Manager zu incentivieren, die Entscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders zu treffen. Vielmehr gewinnen – wie in Abschnitt 5.2 dargelegt – die Anforderungen der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit und der Glättung an Bedeutung. Der Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit wird im vorliegenden Fall in idealer Weise entsprochen, da der gesamte erwartete Erfolg in Form des erwarteten Kapitalwerts bereits zum Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts (t=0) im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird. Auf diese Weise wird die Vorteilhaftigkeit des Investitionsprojekts aus Sicht des Shareholders bereits zum frühstmöglichen Zeitpunkt während der Projektlaufzeit im erwarteten Erfolgsausweis erfasst. Dies impliziert, dass der Manager auch dann einen Anreiz hat, die Entscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholdes zu treffen, wenn er in seinem Entscheidungskalkül aufgrund extremer Präferenzen oder eines kurzen Zeithorizonts ausschließlich den Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts (t=0) berücksichtigt. Da in dem zu diesem Zeitpunkt erwarteten Erfolgsausweis bereits der gesamte erwartete Erfolg des Investitionsprojekts reflektiert wird, hat der Manager jedoch auch einen Anreiz, die Entscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders zu treffen, wenn er beliebige weitere Zeitpunkte während der Projektlaufzeit in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Somit kann im betrachteten Fall die Durchführung eines aus Sicht des Shareholders vorteilhaften Investitionsprojekts für beliebige Zeithorizonte incentiviert werden.

152

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Da im betrachteten Fall im Erwartungswert im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts dessen gesamter erwarteter Kapitalwert ausgewiesen wird und in allen nachfolgenden Zeitpunkten während dessen Projektlaufzeit der erwartete Erfolgsausweis null beträgt, ist die Anforderung der Glättung nicht derart erfüllt, dass in jedem Zeitpunkt der Projektlaufzeit ein positiver Anteil des erwarteten Kapitalwerts im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird. Folglich hat der Manager im betrachteten Kontext nicht für beliebige extreme Präferenzen einen Anreiz, ein kapitalwertpositives [kapitalwertnegatives] Investitionsprojekt durchzuführen [zu unterlassen]. Die Durchführung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders erfolgt lediglich dann, wenn er (mindestens) die zum Zeitpunkt der Implementierung gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Findet diese jedoch keine Berücksichtigung in seinem Entscheidungskalkül, hat er keinen finanziellen Anreiz, die Entscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders zu treffen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass bei durchgehender Bewertung des zur Disposition stehenden Investitionsprojekts zum Fair Value als Barwert der künftig durch das Unternehmen zu erwartenden Cashflows auf Grundlage des erwarteten Erfolgsausweises prinzipiell für beliebige Zeithorizonte des Managers eine Entscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders erreicht werden kann. Jedoch wird die Durchführung [Unterlassung] eines aus Sicht des Shareholders vorteilhaften [nachteiligen] Investitionsprojekts aufgrund einer fehlenden Glättung im Allgemeinen nicht für beliebige (ggf. extreme) Präferenzen des Managers erreicht.

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

153

6.2.3.3 Zugangsbewertung zu Anschaffungskosten 6.2.3.3.1 Erwarteter Erfolgsausweis Im Folgenden wird angenommen, dass die Zugangsbewertung des Investitionsprojekts zu Anschaffungskosten in Höhe der Investitionsauszahlung I0 und die Folgebewertung zum Fair Value erfolgt. Somit steht die Analyse der mit der exklusiven Berücksichtigung des in (21) festgelegten Fair Value im Rahmen der Folgebewertung einhergehenden erwarteten Ausprägung der Performancemaße im Fokus. Zunächst soll deshalb in diesem Abschnitt der erwartete Erfolgsausweis aufgezeigt werden. Die Zugangsbewertung des Investitionsprojekts im Zeitpunkt seiner Implementierung (t=0) erfolgt zunächst in Höhe der Investitionsauszahlung I 0 als Anschaffungskosten. Der Buchwert des Investitionsprojekts entspricht im Zeitpunkt t=0 somit gerade der Investitionsauszahlung: B0 I 0 . (29) Da der Buchwert im Zeitpunkt t=-1 gem. (20) annahmegemäß null beträgt, ergibt sich die verrechnete Wertänderung im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts als Zuschreibung in Höhe der Investitionsauszahlung: d0 B 1 B0 0 I 0 I 0 . (30) Folglich entspricht der erwartete Erfolgsausweis zum Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts (t=0) bei Anwendung des gem. (18) als Performancemaß festgelegten spezifischen Resi-

154

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

dualgewinns unter Berücksichtigung dieser Zuschreibung und des Buchwerts im Zeitpunkt t=-1 gem. (20)

E

IFRS 0

da gem. (1) gilt: I 0

E c0

(0 E I 0 ) r 0 0 ,

(31)

c0 .

Im Erwartungswert erfolgt somit zum Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts gerade ein Erfolgsausweis in Höhe von null, da die gesamte erwartete Investitionsauszahlung aktiviert wird. Eine Antizipation erwarteter künftiger Cashflows erfolgt somit nicht. Findet der Fair Value gem. (21) durchgehend im Rahmen der Folgebewertung Berücksichtigung als Wertansatz, entspricht der Buchwert des Investitionsprojekts in allen auf die Implementierung folgenden Zeitpunkten ( 1 t T ) gerade dem Barwert der künftig aus der Nutzung des Investitionsprojekts zu erwartenden Cashflows, d. h. T

Bt

FVt t 1

Ec (1 r )

t

1 t T.

(32)

Bei einer ausschließlichen Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz im Rahmen der Folgebewertung und einer Zugangsbewertung in Höhe der Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten entspricht die verrechnete Wertänderung im unmittelbar auf die Implementierung des Investitionsprojekts folgenden Zeitpunkt (t=1) der Differenz zwischen aktivierter Investitionsauszahlung und dem Fair Value im Zeitpunkt t=1:

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

d1

B0 B1

I 0 FV1 .

155 (33)

Durch die Berücksichtigung dieser Wertänderung erfolgt im Zeitpunkt t=1 zum einen die barwertneutrale Antizipation sämtlicher künftig noch zu erwartenden Cashflows aus dem Investitionsprojekt und zum anderen die erfolgswirksame Erfassung der im Zeitpunkt der Implementierung dieses Investitionsprojekts geleisteten Investitionsauszahlung. Das unter Berücksichtigung dieser verrechneten Wertänderung zum Zeitpunkt t=1 erwartete Performancemaß gem. (18) entspricht unter Berücksichtigung von (29):

E

IFRS 1

E c1

(E I0

FV1 ) r E I 0

(1 r ) E KW .429 (34)

Der zum Zeitpunkt t=1 erwartete Erfolgsausweis entspricht dem aufgezinsten erwarteten Kapitalwert. Dies liegt darin begründet, dass zum einen der zum Zeitpunkt t=1 erwartete Cashflow unmittelbar erfolgswirksam erfasst wird und darüber hinaus durch die erfolgswirksame Erfassung des Fair Value als Wertansatz im Zeitpunkt t=1 alle weiteren erwarteten künftigen Cashflows barwertig erfolgswirksam antizipiert werden. Zum anderen erfolgt durch die Abschreibung der in t=0 geleisteten und aktivierten Investitionsauszahlung eine intertemporale Verschiebung ihrer Erfolgswirksamkeit und durch die Berücksichtigung von kalkulatorischen Zinsen auf die Investitionsauszahlung eine Erfassung des Auseinanderfallens von Erfolgswirksamkeit und Anfall der Investitionsauszahlung.

429

Zur Herleitung dieses erwarteten Erfolgsausweises siehe Anhang 4.

156

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Bei stringenter Bewertung des Investitionsprojekts zum Fair Value in allen der erstmaligen Bewertung zum Fair Value nachfolgenden Zeitpunkten entspricht die verrechnete Wertänderung in Analogie zum Fall der Berücksichtigung des Fair Value bereits im Rahmen der Zugangsbewertung gerade der Differenz zwischen dem Fair Value im vorangehenden und im betrachteten Zeitpunkt, d. h. 430 (35) d t FVt 1 FVt E ct r FVt 1 2 t T . Durch die Verrechnung dieser Wertänderung wird – wie bereits im vorangehend betrachteten Fall erläutert – einerseits die unmittelbare Doppelzählung von Cashflows im Zeitablauf vermieden und andererseits das Voranschreiten der Zeit im Erfolgsausweis berücksichtigt. Für die zu allen Zeitpunkten nach der erstmaligen Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz erwarteten Performancemaße gilt unter Berücksichtigung der verrechneten Wertänderung gem. (35) sowie des Buchwerts gem. (32) – in Analogie zum Fall der Berücksichtigung des Fair Value bereits bei der Zugangsbewertung – jeweils:

E

IFRS t

E ct

( E ct

r FVt 1 ) r FVt

1

0

(36)

430

Die Herleitung dieser Wertänderung erfolgt analog zu Anhang 3.

2 t T.

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

157

Proposition 4 fasst die vorangehenden Erkenntnisse zusammen: Proposition 4 Bei übereinstimmenden Cashflow-Erwartungen zwischen dem berichtenden Unternehmen und einem repräsentativen Marktteilnehmer sowie einer exklusiven Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz im Rahmen der Folgebewertung und einer Zugangsbewertung in Höhe der Investitionsauszahlung entspricht der erwartete Erfolgsausweis zum auf die Implementierung eines Investitionsprojekts folgenden Zeitpunkt dessen aufgezinstem erwartetem Kapitalwert und in allen weiteren Zeitpunkten während der Projektlaufzeit null. Die in Lemma 1 festgehaltene Bedingung wird durch den vorangehend ermittelten erwarteten Erfolgsausweis nicht erfüllt. Die Beurteilung der mit diesem Erfolgsausweis einhergehenden Anreizwirkung, sofern das Performancemaß als Bestandteil des angenommenen Anreizsystems verwendet wird, erfolgt detailliert im nächsten Abschnitt. 6.2.3.3.2 Anreizwirkung Analysiert wird in diesem Abschnitt, inwiefern der Manager einen Anreiz hat, bei exklusiver Berücksichtigung des Fair Value als Barwert der bei Durchführung des Investitionsprojekts durch das Unternehmen künftig noch zu erwartenden Cashflows im Rahmen der Folgebewertung die Entscheidung über die Durchführung Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders zu treffen. Dabei wird auch die Erreichbarkeit der Anforderungen der Barwertidentität, der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit und der Glättung untersucht.

158

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Der Barwert der vorangehend ermittelten erwarteten Performancemaße gleicht in Anbetracht der erwarteten Performancemaße entsprechend Proposition 4 im betrachteten Fall gerade dem Kapitalwert des Investitionsprojekts, wie durch Einsetzen der konkreten erwarteten Performancemaße für t=0, t=1 und 2 t T gem. (31) , (34) und (36) gezeigt werden kann: T

E

IFRS t

(1 r ) E KW

E KW . (37) (1 r ) (1 r ) Somit ist die zentrale Anforderung der Barwertidentität zur Zeitpräferenzrate des Shareholders erfüllt. D. h., dass auch bei einer exklusiven Berücksichtigung des festgelegten Fair Value im Rahmen der Folgebewertung der Barwert der erwarteten Performancemaße mit dem erwarteten Kapitalwert des Investitionsprojekts übereinstimmt. t 0

t

Der Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit wird im betrachteten Fall nicht in idealer Weise entsprochen, da sich der gesamte erwartete Erfolg nicht zum frühestmöglichen Zeitpunkt während der Projektlaufzeit des Investitionsprojekts im erwarteten Erfolgsausweis wiederspiegelt. Dennoch wird durch den erwarteten Erfolgsausweis zeitliche Entscheidungsverbundenheit zumindest insoweit erfüllt, als der gesamte (aufgezinste) erwartete Kapitalwert des Investitionsprojekts im unmittelbar auf dessen Implementierung nachfolgenden Zeitpunkt im erwarteten Erfolgsausweis erfasst wird. Die Vorteilhaftigkeit des Investitionsprojekts aus Sicht des Shareholders kommt somit im zum Zeitpunkt t=1 erwarteten Performancemaß zum Ausdruck. Im betrachteten Fall hat der Manager mithin keinen Anreiz die Entscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders zu treffen, sofern er ledig-

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

159

lich die zum Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Da der gesamte erwartete Erfolg im zum Zeitpunkt t=1 erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird, hat der Manager einen Anreiz, die Entscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen, wenn er (mindestens) die im Zeitpunkt t=1 gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Somit kann der Manager im betrachteten Fall für nahezu beliebige Zeithorizonte, die mindestens den Zeitpunkt t=1 umfassen, incentiviert werden, die an ihn delegierte Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholdes zu treffen. Da im betrachteten Fall der gesamte erwartete Kapitalwert des Investitionsprojekts und somit auch seine Vorteilhaftigkeit aus Sicht des Shareholders lediglich zu einem einzigen Zeitpunkt im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird, während der erwartete Erfolgsausweis zu allen anderen Zeitpunkten gerade null ist, wird die Anforderung der Glättung nicht derart erfüllt, dass das erwartete Performancemaß zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit einem positiven Anteil des erwarteten Kapitalwerts entspricht. Der Manager hat mithin nicht für beliebige extreme Präferenzen einen Anreiz, die Entscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders zu treffen. Dies ist lediglich für den Spezialfall gewährleistet, dass er (mindestens) die im Zeitpunkt t=1 gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass bei einer exklusiven Berücksichtigung des festgelegten Fair Value im Rahmen der Folgebewertung weder für beliebige Zeithorizonte noch für belie-

160

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

bige extreme Präferenzen eine Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders gewährleistet ist. Nur für den Spezialfall, dass der Zeithorizont des Managers (mindestens) den Zeitpunkt t=1 umfasst und der Manager die in diesem Zeitpunkt gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt, hat er einen finanziellen Anreiz, die Entscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekt i. S. d. Shareholders zu treffen, sofern er anhand des festgelegten Performancemaßes entlohnt wird. 6.2.4 Abweichende Cashflow-Erwartungen 6.2.4.1 Einleitung und Anpassung des Modellrahmens Im Gegensatz zu den vorangehenden Betrachtungen wird nun angenommen, dass die bei der Durchführung des Investitionsprojekts aus Sicht des Unternehmens erwarteten Cashflows von jenen Cashflows abweichen, die ein repräsentativer Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwartet. In der Realität scheint diese Annahme plausibel: Wie in Abschnitt 4.2.1 der vorliegenden Arbeit dargelegt, können verschiedene Faktoren dazu führen, dass es zu einem Auseinanderfallen der von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten und der erwarteten unternehmensspezifischen Cashflows aus dem Investitionsprojekt kommt. In den nachfolgenden Abschnitten wird diesem Umstand Rechnung getragen. Dazu wird die Notation der erwarteten Cashflows aus dem Investitionsprojekt wie folgt angepasst:

E ct

E ctM

E

ctU

1 t T mit E

ctU

0 t.

(38) Der bei Durchführung des Investitionsprojekts erwartete Cashflow E ct zu allen der Implementierung nachfolgenden Zeitpunkten

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

161

während der Projektlaufzeit setzt sich somit jeweils additiv zusammen aus dem von einem repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwarteten Cashflow E ctM

und einer erwarteten

unternehmensspezifischen Cashflowkomponente E

ctU , die im

Erwartungswert nicht von dem repräsentativen Marktteilnehmer realisiert wird. Hinsichtlich der im Zeitpunkt t=0 zu entrichtenden Investitionsauszahlung I 0 als Anschaffungskosten wird angenommenen, dass sie im Erwartungswert gerade jener Investitionsauszahlung entspricht, die auch ein repräsentativer Marktteilnehmer im Erwartungswert zahlen muss. Der von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwartete Kapitalwert sei:

E KW

M

E ctM

T

E I0

t 1

(1 r )t

.

(39)

Da die Ermittlung des Fair Value entsprechend der Ausführungen in IFRS 13 aus der Perspektive des repräsentativen Marktteilnehmers erfolgt,431 gilt für diesen nun:

FVt

T t 1

E cM (1 r)

t

.

(40)

Analog zur vorangehenden Analyse erfolgt die Darstellung des mit der Fair Value-Bewertung einhergehenden Erfolgsausweises und der daraus resultierenden Anreizwirkung separat für die Berück431

Erinnert sei an dieser Stelle daran, dass bei synthetischer Ermittlung des Fair Value auf Basis eines Barwertkalküls entsprechend IFRS 13 die von einem repräsentativen Marktteilnehmer aus dem Bewertungsobjekt erwarteten Cashflows zu berücksichtigen sind (IFRS 13.B13 und IFRS 13.B14a).

162

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

sichtigung des Fair Value bereits im Rahmen der Zugangsbewertung und die exklusive Berücksichtigung im Rahmen der Folgebewertung. Im letztgenannten Fall erfolgt die Zugangsbewertung zur Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten. In beiden Fällen wird weiterhin von einer stringenten Bewertung zum Fair Value ausgegangen. 6.2.4.2 Zugangsbewertung zum Fair Value 6.2.4.2.1 Erwarteter Erfolgsausweis Zunächst wird davon angenommen, dass bereits die Zugangsbewertung zu dem in (40) festgelegten Fair Value erfolgt. Da bei der Zugangsbewertung zum Fair Value dessen Berücksichtigung bereits im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts, d. h. im Zeitpunkt t=0, erfolgt, entspricht der Buchwert des Investitionsprojekts in diesem Zeitpunkt gerade:

B0

FV0

E cM

T 1

(1 r )

.

(41)

Da per Annahme gem. (20) der Buchwert des Investitionsprojekts im Zeitpunkt t=-1 null beträgt, entspricht die im Zeitpunkt der Implementierung des zur Disposition stehenden Investitionsprojekts verrechnete Wertänderung im betrachteten Fall gerade dem negativen Barwert der künftig von einem repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwarteten Cashflows:

d0

B 1 B0

0 FV0

E cM

T 1

(1 r )

.

(42)

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

163

Es erfolgt also im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts gerade eine Zuschreibung zum Fair Value als Barwert der durch einen repräsentativen Markteilnehmer künftig zu erwartenden Cashflows. Mit der Verrechnung dieser Wertänderung einher geht eine barwertige Antizipation der bei Durchführung des Investitionsprojekts von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Cashflows im Performancemaß. Nicht antizipiert werden hingegen die unternehmensspezifischen Cashflowkomponenten. Bei Berücksichtigung dieser Wertänderung im Performancemaß gem. (18) gilt für das zum Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts erwartete Performancemaß unter Berücksichtigung von B 1 0 gem. (20):

E

IFRS 0

E c0

(0

E cM

T 1

(1 r )

) r 0

E KW M . (43)

Der zum Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts erwartete Erfolgsausweis entspricht im betrachteten Fall gerade dem von einem repräsentativen Marktteilnehmer bei Durchführung des Investitionsprojekts erwarteten Kapitalwert, der mit E KW M bezeichnet wird. Es erfolgt zum einen die unmittelbare erfolgswirksame Erfassung der zu leistenden Investitionsauszahlung und zum anderen die barwertneutrale Antizipation sämtlicher durch einen repräsentativen Marktteilnehmer bei Durchführung des Investitionsprojekts erwarteten künftigen Cashflows. Es sei an dieser Stelle explizit darauf hingewiesen, dass der erwartete Kapitalwert aus Sicht eines repräsentativen Marktteilnehmers bspw. aufgrund idiosynkratischer Faktoren regelmäßig von jenem des Unternehmens abweicht.

164

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Mit der stringenten Bewertung zum Fair Value einher geht die Neubewertung des Investitionsprojekts in jedem Zeitpunkt während seiner Projektlaufzeit zum in (40) festgelegten Fair Value als Barwert der künftig von einem repräsentativen Marktteilnehmer noch zu erwartenden Cashflows. Für den Buchwert in jedem der Zugangsbewertung folgenden Zeitpunkt, d. h. 1 t T , gilt dann:

Bt

T

FV

t 1

E cM t

(1 r )

1 t T.

(44).

Im betrachteten Fall entspricht die in (19) festgelegte berücksichtigte Wertänderung in jedem der Zugangsbewertung nachfolgenden Zeitpunkt in Analogie zu (26) bei übereinstimmenden CashflowErwartungen:

dt

FVt

1

FVt

M t

E c

E cM

T

r t

(1 r ) FVt

( t 1)

1 t T . (45)

1

Durch die Verrechnung der Wertänderung wird zum einen erfasst, dass der im Zeitpunkt der erstmaligen Antizipation der Cashflows barwertneutral berücksichtigte, von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwartete Cashflow nicht doppelt erfasst wird. Zum anderen erfolgt eine Berücksichtigung der Änderung der Bewertungsperspektive, da erfasst wird, dass die aus Sicht der Vorperiode künftig von einem repräsentativen Marktteilnehmer noch zu erwartenden Cashflows aufgrund des Voranschreitens der Zeit weniger stark diskontiert werden müssen.

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

165

Für das in (18) festgelegte Performancemaß gilt in jedem der Zugangsbewertung nachfolgenden Zeitpunkt unter Berücksichtigung von (38), (44) und (45): E

IFRS t

M t

E ct

(E c

r

E cM

T t

(1 r ) FVt

E

U t

c

1 t

( t 1)

) r

1

E cM

T t

(1 r ) FVt

( t 1)

1

T

(46) Im Erwartungswert kommt es im betrachteten Fall in jedem der Implementierung des Investitionsprojekts nachfolgenden Zeitpunkt während der Projektlaufzeit ( 1 t T ) zum Ausweis der im jeweiligen Zeitpunkt erwarteten unternehmensspezifischen Cashflowkomponente. Der erwartete Cashflow beinhaltet zum einen die erwartete unternehmensspezifische Cashflowkomponente und zum anderen den von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Cashflow. Letzterer wird durch die Verrechnung der aus Sicht des Marktteilnehmers bestimmten Wertänderung gem. (45) eliminiert. Die in der verrechneten Wertänderung erfasste Veränderung der Bewertungsperspektive wird durch die Verrechnung von kalkulatorischen Zinsen gerade ausgeglichen. Nicht im erwarteten Erfolgsausweis eliminiert wird somit lediglich die erwartete unternehmensindividuelle Cashflowkomponente

ctU , welche deshalb letzt-

lich im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird.

166

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Proposition 5 fasst die vorangehenden Erkenntnisse zusammen: Proposition 5 Bei abweichenden Cashflow-Erwartungen zwischen dem berichtenden Unternehmen und einem repräsentativen Marktteilnehmer sowie einer stringenten Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz zu jedem Zeitpunkt der Projektlaufzeit entspricht der erwartete Erfolgsausweis zum Zeitpunkt der Implementierung eines Investitionsprojekts dem von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Kapitalwert und in allen nachfolgenden Zeitpunkten der erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente. Obschon bei abweichenden Cashflow-Erwartungen und einer stringenten Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz in jedem Zeitpunkt der Projektlaufzeit im Erwartungswert in jedem Zeitpunkt ein Erfolgsausweis erreicht werden kann, ist die in Lemma 1 festgehaltene Anforderung nicht per se erfüllt. Im Detail beurteilt wird nachfolgend die mit dem aufgezeigten erwarteten Erfolgsausweis einhergehende Anreizwirkung bei Verwendung des Performancemaßes im festgelegten Anreizsystem. 6.2.4.2.2 Anreizwirkung Untersucht wird in diesem Abschnitt, inwiefern der Manager incentiviert wird, die an ihn delegierte Entscheidung über ein zur Disposition stehendes Investitionsprojekt i S. d. Shareholders zu treffen, unter der Annahme, dass dieses während der Projektlaufzeit stringent zum Fair Value gem. (40) bei abweichenden CashflowErwartungen bewertet wird. Aufgrund ihrer Bedeutung im betrachteten Kontext werden die Erreichbarkeit der Anforderungen der

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

167

Barwertidentität, der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit und der Glättung sowie die damit einhergehenden Implikationen untersucht. Der Barwert der im vorangehenden Abschnitt in (43) und (46) ermittelten erwarteten Performancemaße entspricht gerade dem erwarteten Kapitalwert des Investitionsprojekts: T

E

IFRS t

M

T

E

ctU

E KW E KW . (47) t (1 r )t t 1 (1 r ) Somit ist auch im betrachteten Fall die zentrale Anforderung der Barwertidentität erfüllt. t 0

Per Annahme weichen die bei Durchführung des Investitionsprojekts erwarteten Cashflows von jenen Cashflows ab, die ein repräsentativer Marktteilnehmer erwartet. Daher wird im betrachteten Fall die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit nicht in idealer Weise erfüllt: Im Erwartungswert wird nicht der gesamte erwartete Erfolg des Investitionsprojekts, sprich sein erwarteter Kapitalwert, zum frühstmöglichen Zeitpunkt während der Projektlaufzeit im erwarteten Performancemaß reflektiert. Stattdessen wird lediglich der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwartete Kapitalwert zum Zeitpunkt t=0 im erwarteten Erfolgsausweis erfasst. Partielle zeitliche Entscheidungsverbundenheit kann dennoch erreicht werden, wenn dieser Kapitalwert das gleiche Vorzeichen aufweist wie der erwartete Kapitalwert des Investitionsprojekts aus Sicht des Unternehmens. Die Vorteilhaftigkeit aus Sicht des Shareholders wird dann zum frühstmöglichen Zeitpunkt während der Projektlaufzeit im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert. Der Manager hat in diesem Fall einen Anreiz, ein

168

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

kapitalwertpositives [kapitalwertnegatives] Investitionsprojekt durchzuführen [zu unterlassen], wenn er lediglich die zum Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Da zum Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts nicht dessen gesamter erwarteter Erfolg im erwarteten Erfolgsausweis erfasst wird, kann die Anforderung der Glättung im betrachteten Fall derart erreicht werden, dass zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit ein positiver Anteil des erwarteten Kapitalwerts im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird. Dies ist für den Spezialfall gewährleistet, dass der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwartete Kapitalwert und die zu jedem der Implementierung des Investitionsprojekts nachfolgenden Zeitpunkt während der Projektlaufzeit erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponenten das gleiche Vorzeichen aufweisen. Liegen solche (vorzeichenidentische) positive [negative] unternehmensindividuelle Cashflowkomponenten vor, bestehen im Erwartungswert zeitdominante Wettbewerbsvorteile [-nachteile] gegenüber einem repräsentativen Marktteilnehmer. Im dargelegten Spezialfall wird die Vorteilhaftigkeit des Investitionsprojekts aus Sicht des Shareholders zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert. Der Manager hat dann für beliebige, auch extreme Präferenzen einen Anreiz, die an ihn delegierte Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen. Im Allgemeinen wird eine solche Incentivierung für beliebige Investitionsprojekte jedoch nicht erreicht.

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

169

Festzuhalten ist, dass bei einer stringenten Bewertung des Investitionsprojekts zum Fair Value und abweichenden CashflowErwartungen partielle zeitliche Entscheidungsverbundenheit und Glättung derart erreicht werden können, dass für beliebige (ggf. extreme) Präferenzen und beliebige Zeithorizonte des Managers eine Entscheidung über die Implementierung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders erreicht wird. Dies wird jedoch lediglich für Investitionsprojekte mit spezifischen Eigenschaften erreicht und ist im Allgemeinen für beliebige Investitionsprojekte nicht gewährleistet. Besondere Bedeutung kommt – wie dargelegt – im Erwartungswert zeitdominanten Wettbewerbsvorteilen [-nachteilen] zu. 6.2.4.3 Zugangsbewertung zu Anschaffungskosten 6.2.4.3.1 Erwarteter Erfolgsausweis Per Annahme erfolgt die Zugangsbewertung des Investitionsprojekts im Zeitpunkt seiner Implementierung in Höhe der Investitionsauszahlung I0 als Anschaffungskosten. Der Fair Value findet hingegen exklusive Berücksichtigung im Rahmen der Folgebewertung. Konkret erfolgt zu jedem der Zugangsbewertung nachfolgenden Zeitpunkt (1 t T ) eine stringente Berücksichtigung des in (40) festgelegten Fair Value als Wertansatz. Da der Fair Value und somit die hier betrachteten abweichenden Cashflow-Erwartungen somit erst im Rahmen der Folgebewertung von Bedeutung sind und die Zugangsbewertung analog zu Abschnitt 6.2.3.3.1 erfolgt, entspricht das im Zeitpunkt der Zugangsbewertung erwartete Performancemaß genau dem in diesem Abschnitt im Rahmen der Zugangsbewertung ermittelten Performancemaß gem. (31):

E

IFRS 0

E c0

(0 E I 0 ) r 0 0 .

(48)

170

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Da die gesamte erwartete Investitionsauszahlung annahmegemäß als Anschaffungskosten aktiviert wird, entspricht der erwartete Erfolgsausweis im Zeitpunkt t=0 gerade null. Bei einer exklusiven Berücksichtigung des Fair Value als marktorientierter Wertansatz erst im Rahmen der Folgebewertung entspricht der Buchwert des Investitionsprojekts in allen der Implementierung nachfolgenden Zeitpunkten im betrachteten Szenario dem Barwert der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten künftigen Cashflows:

Bt

FVt

T t 1

E cM t

(1 r )

1 t T.

(49)

Erfolgt die exklusive Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz im Rahmen der Folgebewertung, ergibt sich die gem. (19) verrechnete Wertänderung im Zeitpunkt t=1 als Differenz zwischen der aktivieren Investitionsauszahlung und dem Fair Value zum Zeitpunkt t=1:

d1

B0 B1

I0

E cM

T 2

(1 r )

1

.

(50)

In t=1 kommt es somit zur erfolgswirksamen Berücksichtigung der im Zeitpunkt t=0 geleisteten Investitionsauszahlung, aber auch zur barwertneutralen Antizipation aller durch einen repräsentativen Marktteilnehmer bei Durchführung des Investitionsprojekts noch erwarteten künftigen Cashflows im Performancemaß. Unter Berücksichtigung dieser Wertänderung gilt für das erwartete Performancemaß gem. (18):432 432

Zur Herleitung von (51) siehe Anhang 5.

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

E

IFRS 1

E cM

T

E c1

( E I0 2

(1 r ) E KW M

(1 r ) E

1

) r E I0

171

.

(51)

c1U

Der erwartete Erfolgsausweis im Zeitpunkt t=1 entspricht somit gerade dem aufgezinsten, von einem repräsentativen Marktteilnehmer bei Durchführung des Investitionsprojekts erwarteten Kapitalwert zuzüglich der im Zeitpunkt t=1 erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente. Dies liegt unter anderem darin begründet, dass der gesamte zum Zeitpunkt t=1 erwartete Cashflow, der sich aus dem durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Cashflow und der unternehmensindividuellen Cashflowkomponente zusammensetzt, erfolgswirksam erfasst wird. Zudem erfolgt auch die barwertige Antizipation aller weiteren durch einen repräsentativen Marktteilnehmer noch erwarteten künftigen Cashflows aus dem Investitionsprojekt. Weiterhin erfolgt die erfolgswirksame Erfassung der im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts zu leistenden Investitionsauszahlung und, durch die Berücksichtigung von kalkulatorischen Zinsen auf die aktivierte Investitionsauszahlung, ein Ausgleich zwischen ihrem tatsächlichen Anfall und ihrer Erfolgswirksamkeit im Performancemaß. Die in den der erstmaligen Bewertung zum Fair Value nachfolgenden Zeitpunkten erfasste Wertänderung gem. (19) entspricht in Analogie zu den vorangehend betrachteten Fällen bei stringenter Anwendung des Fair Value als Wertansatz der Differenz zwischen

172

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

dem Fair Value zum betrachteten Zeitpunkt und jenem im unmittelbar vorausgehenden Zeitpunkt:

dt

FVt

FVt

1

E cM

T

M t

E c

r t

(1 r ) FVt

( t 1)

2 t T . (52)

1

Berücksichtigt wird durch die Wertänderung also zum einen eine Veränderung der Bewertungsgrundlage. Diese manifestiert sich darin, dass für die Bestimmung des Fair Value im betrachteten Zeitpunkt ausschließlich die von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten künftigen Cashflows Berücksichtigung finden. Zum anderen wird im Rahmen der Wertänderung eine Veränderung der Bewertungsperspektive erfasst, da berücksichtigt wird, dass die im Erwartungswert künftig durch den repräsentativen Marktteilnehmer realisierten Cashflows aufgrund des Voranschreitens der Zeit um eine Periode weniger stark diskontiert werden müssen. Unter Berücksichtigung der gem. (52) verrechneten Wertänderung ergibt sich der erwartete Erfolgsausweis bei Anwendung des in (18) festgelegten Performancemaßen in allen der erstmaligen Bewertung zum Fair Value gem. (40) nachfolgenden Zeitpunkten – in Analogie zu (46) im vorangehend betrachteten Fall – als: E

IFRS t

M t

E ct

(E c

r

T t 1

E cM (1 r ) FVt

E

U t

c

2 t

( t 1)

) r

T t 1

E cM (1 r ) FVt

1

T.

(53)

1

( t 1)

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

173

Im Erwartungswert kommt es in allen Zeitpunkten t nach der erstmaligen Erfassung des Fair Value, d. h. 1 t T , zum Ausweis der erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente. Dies liegt darin begründet, dass der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwartete Anteil des zu jedem Zeitpunkt erwarteten Cashflows durch die verrechnete Wertänderung exakt ausgeglichen wird. Weiterhin wird die durch die Verrechnung der Wertänderung erfasste Veränderung der Bewertungsperspektive in jeder Periode unmittelbar durch die Berechnung kalkulatorischer Zinsen auf den Fair Value der Vorperiode eliminiert. Somit verbleibt lediglich die erwartete unternehmensspezifische Cashflowkomponente als erwarteter Erfolgsausweis. Proposition 6 fasst die vorangehenden Erkenntnisse zusammen:

174

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Proposition 6 Bei abweichenden Cashflow-Erwartungen zwischen dem berichtenden Unternehmen und einem repräsentativen Marktteilnehmer sowie einer exklusiven Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz im Rahmen der Folgebewertung und einer Zugangsbewertung in Höhe der Investitionsauszahlung entspricht der erwartete Erfolgsausweis zum Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts null. Zum auf die Implementierung eines Investitionsprojekts folgenden Zeitpunkt entspricht der erwartete Erfolgsausweis dem aufgezinsten, von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwartetem Kapitalwert zuzüglich der erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente. Zu allen weiteren Zeitpunkten während der Projektlaufzeit entspricht der erwartete Erfolgsausweis ausschließlich der erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente. Die in Lemma 1 festgehaltene Bedingung wird für den voranstehend aufgezeigten erwarteten Erfolgsausweis aufgrund des zum Zeitpunkt t=0 erwarteten Erfolgsausweises in Höhe von null nicht erfüllt. Eine detaillierte Untersuchung der Anreizwirkung bei Verwendung des Performancemaßes im festgelegten Anreizsystem wird im Folgenden vorgenommen. 6.2.4.3.2 Anreizwirkung Untersucht wird in diesem Abschnitt, inwiefern der Manager bei ausschließlicher Folgebewertung des Investitionsprojekts zum Fair Value gem. (40) einen Anreiz hat, die ihm übertragene Entscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekts i. S. d. Shareholders zu treffen. In Analogie zur bisherigen Analyse wird auch

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

175

die Erreichbarkeit der Anforderungen der Barwertidentität, der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit und der Glättung fokussiert. Die Berechnung des Barwerts der erwarteten Performancemaße gem. (48), (51) und (53) zeigt, dass dieser dem erwarteten Kapitalwert aus Sicht des Unternehmens entspricht: T

E

IFRS t

(1 r ) E KW M

E

c1U

T

E

ctU

E KW (1 r )t . (54) Die Anforderung der Barwertidentität ist somit erfüllt, d. h. die Vorteilhaftigkeit des Investitionsprojekts aus der Perspektive des Shareholders kommt im Barwert der erwarteten Performancemaße zum Ausdruck. t 0

(1 r )t

(1 r )

t 2

Da im betrachteten Fall im Erwartungswert zum Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts das Performancemaß null entspricht, kann die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit nicht in idealer Weise erreicht werden. Jedoch kann dieser zumindest insoweit entsprochen werden, als zum unmittelbar auf den Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts nachfolgenden Zeitpunkt, d. h. zum Zeitpunkt t=1, ein positiver Anteil seines erwarteten Kapitalwerts im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird. Dies wird dann erreicht, wenn zwischen dem erwarteten Erfolgsausweis im Zeitpunkt t=1, d. h. der Summe aus dem aufgezinsten von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Kapitalwert und der erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente, und dem aus Sicht des Unternehmens erwarteten Kapitalwert Vorzeichenidentität besteht. Die Vorteilhaf-

176

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

tigkeit des Investitionsprojekts aus Sicht des Shareholders wird in diesem Spezialfall im zum Zeitpunkt t=1 erwarteten Erfolgsausweis erfasst. Der Manager hat in diesem Fall auch dann einen Anreiz, die ihm übertragene Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen, wenn er bspw. aufgrund eines kurzen Zeithorizonts ausschließlich die in den ersten beiden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Misst er hingegen ausschließlich der im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts gewähren Entlohnung Bedeutung bei, wird die Durchführung eines aus Sicht des Shareholders vorteilhaften Investitionsprojekts nicht incentiviert. Der Anforderung der Glättung kann im betrachteten Fall derart entsprochen werden, dass mit Ausnahme des Zeitpunkts der Implementierung des Investitionsprojekts zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit ein positiver Anteil des aus Sicht des Unternehmens erwarteten Kapitalwerts im erwarteten Erfolgsausweis erfasst wird. Dies wird für den Spezialfall erreicht, dass zum einen der zum Zeitpunkt t=1 erwartete Erfolgsausweis und zum anderen der erwartete Erfolgsausweis in allen nachfolgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit ( 2 t T ) das gleiche Vorzeichen aufweisen wie der bei Durchführung des Investitionsprojekts aus Sicht des Unternehmens erwartete Kapitalwert. Die Vorteilhaftigkeit [Nachteilhaftigkeit] des Investitionsprojekts aus Sicht des Shareholders kommt dann in allen dem Zeitpunkt t=0 nachfolgenden Zeitpunkten im erwarteten Erfolgsausweis zum Ausdruck. Von Bedeutung sind in diesem Fall neben dem im Zeitpunkt t=1 erwarteten Erfolgsausweis somit zu allen nachfolgenden Zeitpunkten

Fair Value zur wertorient. Inv.steuerung (Ein-Projekt-Fall)

177

erwartete zeitdominante Wettbewerbsvorteile [-nachteile] i. S. v. im Erwartungswert positiven [negativen] unternehmensindividuellen Cashflowkomponenten. Der Manager hat in dem dargelegten Spezialfall immer dann einen Anreiz, die Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen, wenn er mindestens einen Zeitpunkt nach der Implementierung des Investitionsprojekts in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Somit wird dann im betrachteten Fall für nahezu beliebige (ggf. extreme) Präferenzen und für nahezu beliebige Zeithorizonte eine Projektdurchführung i. S. d. Shareholders incentiviert. Wie erläutert, kann im betrachteten Szenario im Spezialfall, d. h. für Projekte mit spezifischen Eigenschaften, eine Incentivierung des Managers i. S. d. Shareholders für nahezu beliebige Zeithorizonte und nahezu beliebige Präferenzen erfolgen. Für beliebige Projekte wird eine solche Incentivierung im Allgemeinen jedoch nicht gewährleistet.

7 Eignung der Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 im Rahmen der wertorientierten Investitionssteuerung bei Existenz einer zeitpunktbezogenen Investitionsrestriktion 7.1 Einleitung und Anpassung des Modellrahmens In den vorangehenden Abschnitten der vorliegenden Arbeit wurde stets unterstellt, dass der Manager ausschließlich darüber entscheiden soll, ob ein zur Disposition stehendes Investitionsprojekt durchgeführt werden soll oder nicht. In praxi ist jedoch häufig zu beobachten, dass ein mit Investitionsentscheidungen betrauter Manager nicht ausschließlich über die Durchführung eines einzelnen Investitionsprojekts zu entscheiden hat. Stattdessen soll er aufgrund exogener Restriktionen regelmäßig darüber entscheiden, welche Investitionsprojekte aus einer Menge zur Disposition stehender Investitionsalternativen zu einem gegebenen Zeitpunkt t durchgeführt werden sollen. 433 Die von ihm getroffenen Auswahlentscheidungen sollen dabei im Einklang mit der Zielsetzung des Shareholders stehen, sprich zum höchstmöglichen erwarteten Gesamtkapitalwert über alle realisierten Investitionsprojekte führen. Nachfolgend soll diese veränderte Entscheidungssituation berücksichtigt werden. Angenommen wird also, dass der Manager nicht nur eine Ja-Nein-Investitionsentscheidung bezüglich der Durchführung eines einzelnen Investitionsprojekts treffen soll. Vielmehr wird an ihn die Entscheidung delegiert, (jeweils) eine Ja-Nein433

Solche exogenen Investitionsrestriktionen bestehen in praxi bspw. aufgrund in beschränktem Ausmaß verfügbaren finanziellen Mitteln oder räumlichen Beschränkungen bei der Durchführung von Investitionsprojekten.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 A. Bantz, Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6_7

180

Einleitung und Anpassung des Modellrahmens

Entscheidung über die Durchführung sich gegenseitig ausschließender Investitionsalternativen zu treffen. Der Manager entscheidet in Analogie zum Ein-Projekt-Fall nicht darüber, in welchem Umfang in die jeweiligen Investitionsalternativen investiert wird. Er entscheidet lediglich, welche der zur Disposition stehenden Investitionsalternativen durchgeführt werden soll. Zur Komplexitätsreduktion, jedoch ohne Einschränkung der Allgemeingültigkeit der Ergebnisse, wird angenommen, dass zwei Investitionsprojekte i und j zur Disposition stehen.434 Es besteht eine zeitpunktbezogene exogene Investitionsrestriktion, welche dazu führt, dass nur eine der beiden Investitionsalternativen durchgeführt werden kann. Die beiden Investitionsalternativen i und j schließen sich somit gegenseitig aus. Für die zur Disposition stehenden Projekte wird eine identische Projektlaufzeit unterstellt und somit ein identischer Projektendzeitpunkt Ti T j T angenommen.

434

Es wird angenommen, dass die beiden Investitionsprojekte identisch in den IFRS abzubilden sind.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

181

7.2 Herleitung wertorientierter Performancemaße 7.2.1 Ermittlung des geeigneten erwarteten Erfolgsausweises Unter Berücksichtigung der angenommenen Investitionsrestriktion, welche dazu führt, dass nur eine der beiden Investitionsalternativen i und j durchgeführt werden kann, ist es – im Gegensatz zum EinProjekt-Fall – ggf. nicht möglich, alle Projekte mit einem positiven erwarteten Kapitalwert durchzuführen. Damit der Nutzen des Shareholders, welcher sich bei der Beurteilung von Investitionsprojekten annahmegemäß an deren erwartetem Kapitalwert orientiert, maximiert wird, gilt es, jenes Investitionsprojekt mit dem höchsten positiven erwarteten Kapitalwert durchzuführen. Um den Manager zu incentivieren, die an ihn delegierte Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen, bedarf es – in Analogie zum EinProjekt-Fall – eines geeigneten erwarteten Erfolgsausweises. Dieser steht im Fokus dieses Abschnitts. Der Manager hat im betrachteten Fall genau dann einen finanziellen Anreiz, die Investitionsalternative mit dem im Erwartungswert höchsten positiven Kapitalwert zu implementieren, wenn dadurch die von ihm in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigte erwartete Entlohnung zum einen positiv ist und zum anderen die erwartete Entlohnung bei der Durchführung jener Investitionsalternative mit dem niedrigeren erwarteten Kapitalwert übersteigt. Entsprechend der im Grundmodell in (7) festgelegten streng monoton steigenden Entlohnungsfunktion ist dies für beliebige (ggf. extreme) Präferenzen und für beliebige Zeithorizonte des Managers dann gewährleistet, wenn bei der Auswahl der aus Sicht des Shareholders wünschenswerten Investitionsalternative der zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit erwartete Erfolgsausweis (strikt)

182

Herleitung wertorientierter Performancemaße

höher ist als der zu diesem Zeitpunkt erwartete Erfolgsausweis der anderen Investitionsalternative, d. h.

E

ti

E

tj

für E KWi

E KW j

0 t T .435 (55)

Dies wird genau dann erreicht, wenn die erwarteten Performancemaße der Investitionsalternativen i und j zu jedem Zeitpunkt während ihrer Laufzeit Vergleichbarkeit hinsichtlich der jeweils erwarteten projektindividuellen Kapitalwerte der beiden Investitionsalternativen gewährleisten. Entsprechend gewinnt bei sich ausschließenden Investitionsalternativen die Anforderung der (ex ante) Vergleichbarkeit an Bedeutung, die hinsichtlich der Zielgröße des Shareholders, also hinsichtlich des jeweils erwarteten Kapitalwerts, zu gewährleisten ist. D. h. die Performancemaße sind so zu gestalten, dass eine Orientierung an den erwarteten Performancemaßen zur gleichen Auswahlentscheidung führt, wie eine Orientierung am jeweils erwarteten Kapitalwert. In Analogie zum Ein-Projekt-Fall gilt es aufgrund der unbekannten Präferenzen und des unbekannten Zeithorizonts des Managers, – wie bereits in Lemma 1 konstatiert – in jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit (0 t T ) im Erwartungswert einen positiven Anteil des erwarteten Kapitalwerts auszuweisen, sodass unabhängig von den konkreten Präferenzen und vom Zeithorizont des Ma-

435

Ähnlich bereits Mohnen/Bareket (2007). Diese berücksichtigen jedoch keinen Erfolgsausweis im Zeitpunkt t=0 und fordern lediglich für den Zeitpunkt t=1 einen strikt höheren erwarteten Erfolgsausweis für das Investitionsprojekt mit dem höheren erwarteten Kapitalwert. Vgl. Mohnen/Bareket (2007), S. 8.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

183

nagers ein Investitionsprojekt nur genau dann durchgeführt wird, wenn dessen erwarteter Kapitalwert positiv ist. Lemma 1a Bei unbekannten Präferenzen und einem unbekannten Zeithorizont des Managers wird die Durchführung [Unterlassung] einer im Erwartungswert kapitalwertpositiven [kapitalwertnegativen] Investitionsalternative genau dann sichergestellt, wenn zu jedem Zeitpunkt der Projektlaufzeit im Erwartungswert ein positiver Anteil tm des erwarteten Kapitalwerts im Performancemaß ausgewiesen wird, d. h. E

tm

tm

E KW m mit m

i , j und 0

t

1

0

t

T .

(56) Ein solcher Ausweis eines beliebigen projektspezifischen positiven Anteils am erwarteten Kapitalwert des jeweiligen Investitionsprojekts ist zwar notwendig, aber nicht hinreichend zur Gewährleistung von Vergleichbarkeit hinsichtlich des jeweils erwarteten Kapitalwerts. Anders ausgedrückt gewährleistet die in Lemma 1a konstatierte Bedingung per se nicht die Erfüllung von (55). Aufgrund der Möglichkeit extremer Präferenzen und/oder eines kurzen Zeithorizonts des Managers kann nicht ausgeschlossen werden, dass dieser nur die Entlohnung im Zeitpunkt der Implementierung der ausgewählten Investitionsalternative (t=0) berücksichtigt. Frühzeitige Vergleichbarkeit, d. h. Vergleichbarkeit zum Zeitpunkt t=0, der zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen ist deshalb von Bedeutung. Vergleichbarkeit bereits im Zeitpunkt t=0 impli-

184

Herleitung wertorientierter Performancemaße

ziert, dass die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit für die erwarteten Performancemaße beider Investitionsalternativen gleichermaßen stark erfüllt wird, indem im zum Zeitpunkt t=0 erwarteten Erfolgsausweis der identische Anteil des erwarteten Kapitalwerts reflektiert wird, d. h. 0 i . 0j 0 Darüber hinaus gilt es auch in allen folgenden Zeitpunkten Vergleichbarkeit sicherzustellen. Vergleichbarkeit zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit geht deshalb auch mit einer Vereinheitlichung der Glättung des jeweils erwarteten Erfolgsausweises einher. Letztere gilt es derart zu gewährleisten, dass zu jedem Zeitpunkt im Erwartungswert der Ausweis eines projekteinheitlichen aber (potenziell) zeitpunktspezifischen positiven Anteils t des erwarteten Kapitalwerts erfolgt. Es bedarf hingegen keiner vollständigen projekteinheitlichen Glättung derart, dass zu jedem Zeitpunkt im Erwartungswert jeweils der identische Anteil i. S. e. projekt- und zeitpunkeinheitlichen Anteils des erwarteten Kapitalwerts ausgewiesen wird, d. h. ti 0 t T . Vergleichbarkeit tj wird immer dann und nur dann für beliebige Projekte erreicht, wenn der reflektierte positive Anteil zu jedem Zeitpunkt der Projektlaufzeit projekteinheitlich ist, d. h. ti 0 t T . Dietj t se Erkenntnis wird in Lemma 2 festgehalten.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

185

Lemma 2 Bei unbekannten Präferenzen und einem unbekannten Zeithorizont des Managers wird die Durchführung der Investitionsalternative mit dem höchsten erwarteten positiven Kapitalwert immer dann sichergestellt, wenn zu jedem Zeitpunkt der Projektlaufzeit im Erwartungswert ein positiver projekteinheitlicher Anteil t des erwarteten Kapitalwerts im Performancemaß ausgewiesen wird, d. h. (57) E tm t E KW m

mit m

i, j ,

ti

tj

t

und 0

t

1 0 t T.

In Analogie zum Ein-Projekt-Fall können die Anforderungen der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit und der Glättung auch im betrachteten Fall nicht gleichzeitigt bestmöglich erreicht werden. Durch eine geeignete Wahl der Anteilsfaktoren, konkret 0 t 1 0 t T , lässt sich im Erwartungswert jedoch zumindest partielle zeitliche Entscheidungsverbundenheit bei gleichzeitiger Glättung in Form des Ausweises eines positiven (projekteinheitlichen) Anteils des erwarteten Kapitalwerts im erwarteten Performancemaß zu jedem Zeitpunkt während der Laufzeit erreichen. Wie dargelegt, ist es dabei im Hinblick auf die Vergleichbarkeit von besonderer Bedeutung, dass sowohl die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit als auch die Anforderung der Glättung in gleichem Umfang berücksichtigt werden. Kommt es in jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit im Erwartungswert zum Ausweis eines positiven Anteils des erwarteten Kapitalwerts der implementierten Investitionsalternative, steht –

186

Herleitung wertorientierter Performancemaße

wie auch im Ein-Projekt-Fall – der erwartete Erfolgsausweis insofern im Einklang mit dem Kapitalwertkriterium, als zwischen dem Barwert der erwarteten Performancemaße einer Investitionsalternative und ihrem erwarteten Kapitalwert Vorzeichenidentität besteht. Barwertidentität ist jedoch nicht per se erfüllt.436 Diese wird in Analogie zum Ein-Projekt-Fall auch im betrachteten Szenario erreicht, wenn die hier projekteinheitlichen periodischen Anteilsfaktoren t so gewählt werden, dass ihr Barwert gleich 1 ist, also: T t

t

t 0 (1 r )

1.

(58)

Konkludierend lässt sich an dieser Stelle festhalten, dass im betrachteten Modellrahmen die Auswahl der aus Sicht des Shareholders wünschenswerten Investitionsalternative incentiviert wird, wenn die zur Anreizgestaltung verwendeten projektindividuellen erwarteten Performancemaße Vergleichbarkeit hinsichtlich des jeweils erwarteten Kapitalwerts gewährleisten. Bedeutsam ist dabei, dass die Anforderung der Vergleichbarkeit bereits ab dem Zeitpunkt der Implementierung eines Investitionsprojekts für jeden Zeitpunkt während der Projektlaufzeit gewährleistet wird. 7.2.2 Gestaltung geeigneter Allokationsregeln Im Folgenden soll gezeigt werden, wie die Allokationsregeln der verwendeten Performancemaße zu gestalten sind, um im Erwartungswert einen Erfolgsausweis gem. Lemma 2 zu erreichen. Neben der konkreten Gestalt der jeweiligen Allokationsregeln steht im

436

Vgl. Mohnen (2002), S. 28.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

187

Fokus dieses Abschnitts auch der zu ihrer Etablierung erforderliche Informationsstand. Um für beide Projekte bereits zum Zeitpunkt der Investitionsdurchführung, d. h. im Zeitpunkt t=0, einen geeigneten Erfolgsausweis zu ermöglichen, erfolgt, wie im Grundmodell in (6) dargestellt, in diesem Zeitpunkt der erfolgswirksame Ausweis eines Anteils der geleisteten Investitionsauszahlung. Das entsprechende Performancemaß weist dann einen projekteinheitlichen positiven Anteil des erwarteten Kapitalwerts gem. (57) aus, wenn der die Erfolgswirksamkeit der Investitionsauszahlung determinierende Allokationsparameter 0m derart festgelegt wird, dass gilt: E

0m

0m

E I 0m

! 0

E KWm mit m

i , j und 0

0

1.

(59) Dies lässt sich unter Berücksichtigung von (3), (4) und (8) auch wie folgt darstellen: T ! xtm ym ( x y ) mit m i, j und 0 1. m 0m 0m 0 0 t t 0 (1 r ) (60) Durch Umformung kann die geeignete Allokationsregel stimmt werden, welche in Proposition 7 festgehalten wird:437

437

Die Herleitung der Allokationsregel erfolgt analog zu Anhang 1.

0m

be-

188

Herleitung wertorientierter Performancemaße

Proposition 7 Um bereits zum Zeitpunkt der Implementierung des Projekts (t=0) im Erwartungswert einen projekteinheitlichen positiven Anteil 0 des erwarteten Kapitalwerts im Performancemaß der Form regel

0m 0m

0m

I 0m auszuweisen, gilt es, folgende Allokations-

zu verwenden T

0 0m

x0m

t

xtm mit m t 0 (1 r )

i, j und 0

0

1. (61)

In Analogie zum Ein-Projekt-Fall benötigt der Shareholder zur Festlegung der Allokationsregel lediglich Kenntnis der projektindividuellen Strukturparameter xtm , welche ihm per Annahme bekannt sind, sowie des projekteinheitlichen Anteilsfaktors

0

, den er selbst

festlegen kann. Einer Kenntnis der privaten Informationen des Managers über die jeweiligen Niveauparameter ym bedarf es hingegen nicht. In allen auf die Implementierung folgenden Zeitpunkten während der Laufzeit findet per Annahme ein allgemeiner Residualgewinn gem. (5) als Performancemaß Anwendung. Im Erwartungswert erfolgt bei Anwendung dieses Performancemaßes dann der Ausweis eines projekteinheitlichen positiven Anteils des erwarteten projektindividuellen Kapitalwerts der implementierten Investitionsalternative gem. (57), wenn die Allokationsparameter derart festgelegt werden, dass gilt:

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion) E

mit m

tm

tm

i, j und 0

E ctm t

!

E I 0m

tm

t

189 (62)

E KWm

1 1 t T.

Dies lässt sich unter Berücksichtigung von (3), (4) und (8) darstellen als: T ! xtm ym x y ( x y ) (63) 0m tm tm m tm m t t t 0 (1 r ) mit m

i , j und 0

t

1 1 t

T.

Durch Umformung lassen sich die jeweiligen Allokationsregeln tm und tm ermitteln, welche in Proposition 8 festgehalten werden. 438 Proposition 8 Um in allen der Implementierung des Investitionsprojekts nachfolgenden Zeitpunkten ( 1 t T ) im Erwartungswert einen projekteinheitlichen positiven Anteil im Performancemaß der Form

t

des erwarteten Kapitalwerts

tm

tm

ctm

tm

sen, gilt es, die verwendeten Allokationsregeln

I 0m auszuweitm

und

tm

so

festzulegen, dass gilt: T

t tm

xtm tm

jeweils mit 0

438

t

1 und m

i, j

xm 1 (1 r)

(64) (65)

t

1 t

T.

Die Herleitung der Allokationsregeln erfolgt analog zu Anhang 2.

190

Herleitung wertorientierter Performancemaße

Analog zum Ein-Projekt-Fall entsprechen die Allokationsregeln gem. (64) und (65) den von Mohnen/Bareket ermittelten Allokationsregeln, 439 d. h. jenen Allokationsregeln des erweiterten relativen Beitragsverfahrens. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass auch im betrachteten Fall, im Unterschied zur Untersuchung von Mohnen/Bareket, in der vorliegenden Analyse zur Berücksichtigung unbekannter (ggf. extremer) Präferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des Managers gem. (61) zusätzlich der Ausweis eines spezifischen, hier projektindividuellen, Anteils der Investitionsauszahlung im Zeitpunkt t=0 erfolgt. Hinsichtlich des Informationsbedarfs zur Gestaltung der aufgezeigten Allokationsregeln kann festgestellt werden, dass – ebenfalls in Analogie zum Ein-Projekt-Fall – der Shareholder auf Grundlage der ihm per Annahme bekannten projektindividuellen Strukturparameter xtm und der von ihm festlegbaren periodischen Anteilsfaktoren

t

sowohl

tm

gem. (64) als auch

tm

gem. (65) festlegen

kann. Es bedarf dazu jeweils keiner Kenntnis der nur dem Manager bekannten Niveauparameter ym . Nachdem vorangehend sowohl die erforderliche zeitliche Struktur des (erwarteten) Erfolgsausweises als auch die Gestalt der Allokationsregeln aufgezeigt wurden, mit deren Hilfe geeignete Performancemaße gestaltet werden können, um eine aus Sicht des Shareholders vorteilhafte Investitionsentscheidung durch den Manager zu erreichen, soll nachfolgend überprüft werden, welche Investiti439

Für die in der Analyse von Mohnen/Bareket (2007) ermittelten Allokationsregeln siehe Mohnen/Bareket (2007), S. 10.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

191

onsanreize im konkreten Fall mit der Verwendung von Fair Valuebasierten Performancemaßen als Bestandteil des Anreizsystems einhergehen.

192

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

7.3 Eignung Fair Value-basierter Performancemaße 7.3.1 Einleitung und Konkretisierung der Performancemaße Nachfolgend betrachtet wird die mit der Verwendung Fair Value-basierter Performancemaße einhergehende Anreizwirkung bei Existenz einer exogenen zeitpunktbezogenen Investitionsrestriktion und bei unbekannten Präferenzen sowie einem unbekannten Zeithorizont des Managers. Zunächst wird dabei unterstellt, dass die bei Durchführung der zur Disposition stehenden Investitionsalternativen erwarteten Cashflows jenen Cashflows entsprechen, die auch ein repräsentativer Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwarten würde. In Analogie zum Vorgehen im Ein-Projekt-Fall wird diese Annahme später gelockert. Sowohl das Vorgehen als auch die Annahmen bezüglich der Performancemaße tmIFRS , der jeweils verrechneten Wertänderung dtm und der jeweiligen Buchwerte Btm sind analog zum Ein-ProjektFall. Dies bedeutet für die Performancemaße: IFRS tm

ctm

d tm

r Bt

1m

mit m

i, j

0

t

T.

(66)

Die erfasste Wertänderung entspricht gerade der Differenz der Buchwerte aus dem vorangehenden und dem betrachteten Zeitpunkt: (67) d tm Bt 1m Btm mit m i , j 0 t T . Hinsichtlich des Buchwerts der Investitionsprojekte vor deren Implementierung, d. h. im Zeitpunkt t=-1, wird angenommen: (68) B 1 m 0 mit m i, j .

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

193

Erfolgt die stringente Bewertung einer Investitionsalternative zum Fair Value in jedem Zeitpunkt ihrer Laufzeit, entspricht deren Buchwert in allen Zeitpunkten 0 t T : (69) Btm FVtm mit m i , j 0 t T . Erfolgt hingegen eine exklusive Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz im Rahmen der Folgebewertung, d. h. in allen Zeitpunkten 1 t T , und eine Aktivierung der Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten im Zeitpunkt der Implementierung einer Investitionsalternative (t=0), gilt hinsichtlich der Buchwerte: (70) B0 m I 0 m mit m i , j und Btm

FVtm mit m

i, j

1 t

T.

(71)

7.3.2 Übereinstimmende Cashflow-Erwartungen 7.3.2.1 Konkretisierung des Fair Value und erwarteter Erfolgsausweis Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass die bei Durchführung der Investitionsalternativen erwarteten Cashflows mit den jeweils von einem repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwarteten Cashflows übereinstimmen. Idiosynkratische Faktoren und Informationsasymmetrien finden somit keine Berücksichtigung. Der Fair Value der Investitionsalternativen wird festgelegt als: T

FVtm t 1

E cm (1 r )

t

mit m

i, j

0 t T.

(72)

194

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Da sowohl die Gestalt der Performancemaße als auch die Buchwerte und somit auch die jeweils verrechnete Wertänderung analog zum korrespondierenden Szenario übereinstimmender CashflowErwartungen im Ein-Projekt-Fall sind, ergibt sich der für eine Investitionsalternative erwartete Erfolgsausweis ebenfalls analog zum korrespondierenden Szenario übereinstimmender CashflowErwartungen im Ein-Projekt-Fall. Bei stringenter Bewertung einer Investitionsalternative zum Fair Value gem. (72) in jedem Zeitpunkt ihrer Laufzeit ( 0 t T ) entspricht der zum Zeitpunkt der Implementierung (t=0) erwartete Erfolgsausweis in Analogie zu (24) gerade dem erwarteten Kapitalwert:

E

IFRS 0m

E KWm mit m

i, j .

(73)

In allen anderen Zeitpunkten ( 1 t T ) entspricht der erwartete Erfolgsausweis in Analogie zu (27) gerade null:

E

IFRS tm

0 mit m

i, j

1 t T.

(74)

Erfolgt bei einer exklusiven Berücksichtigung des Fair Value gem. (72) im Rahmen der Folgebewertung zunächst in t=0 die Zugangsbewertung der Investitionsalternativen in Höhe der jeweiligen Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten, gilt im Erwartungswert für das Performancemaß in Analogie zu (31):

E

IFRS 0m

0 mit m

i, j .

(75)

Im Zeitpunkt t=1 entspricht das erwartete Performancemaß in Analogie zu (34) hingegen gerade dem aufgezinsten erwarteten Kapitalwert des Investitionsprojekts:

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion) IFRS 1m

E

(1 r ) E KWm mit m

i, j .

195 (76)

In allen nachfolgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit entspricht der erwartete Erfolgsausweis analog zu (36) gerade null:

E

IFRS tm

0 mit m

i, j

2 t T.

(77)

Die mit dem aufgezeigten erwarteten Erfolgsausweis einhergehende Anreizwirkung bei einer Verwendung der Fair Value-basierten Performancemaße als Bestandteil des festgelegten Anreizsystems findet nachfolgend vor dem Hintergrund einer zeitpunktbezogenen Investitionsrestriktion sowie unbekannter Präferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts Berücksichtigung. Die Analyse der Anreizwirkung erfolgt dabei getrennt für eine Berücksichtigung des Fair Value bereits im Rahmen der Zugangsbewertung und eine exklusive Berücksichtigung des Fair Value im Rahmen der Folgebewertung. In beiden Fällen wird in allen der erstmaligen Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz nachfolgenden Zeitpunkten eine stringente Fair Value-Bewertung angenommen. 7.3.2.2 Anreizwirkung 7.3.2.2.1 Zugangsbewertung zum Fair Value In diesem Abschnitt steht die Anreizwirkung im Fokus der Betrachtungen, die mit dem bei stringenter Bewertung zum Fair Value gem. (72) jeweils erwarteten Erfolgsausweis im betrachteten Kontext einhergeht. Vor dem Hintergrund der Annahme unbekannter, ggf. extremer Präferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des Managers wird untersucht, inwiefern der jeweils erwartete Erfolgsausweis Vergleichbarkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit der zur

196

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Auswahl stehenden Investitionsprojekte aus Sicht des Shareholders gewährleistet. Da im betrachteten Fall im Erwartungswert zum Zeitpunkt der Implementierung eines Investitionsprojekts (t=0) der jeweils gesamte erwartete Erfolg der zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen in Form ihres erwarteten Kapitalwerts im erwarteten Erfolgsausweis erfasst wird, wird für beide zur Auswahl stehenden Investitionsprojekte gleichermaßen die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit in idealer Weise erfüllt. Somit gewährleistet der zum Zeitpunkt der Implementierung einer Investitionsalternative jeweils erwartete Erfolgsausweis Vergleichbarkeit hinsichtlich deren Vorteilhaftigkeit aus Sicht des Shareholders. Der Manager hat deshalb auch dann einen Anreiz, eine aus Sicht des Shareholders beste vorteilhafte Investitionsalternative auszuwählen und zu implementieren, wenn er lediglich die im frühstmöglichen Zeitpunkt während der Projektlaufzeit, d. h. im Zeitpunkt t=0, gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Da Vergleichbarkeit hinsichtlich des jeweils gesamten erwarteten Erfolgs der zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen zum Zeitpunkt ihrer Implementierung gewährleistet wird und der erwartete Erfolgsausweis zu allen anderen Zeitpunkten null beträgt, hat der Manager auch dann einen Anreiz, die aus Sicht des Shareholders beste vorteilhafte Investitionsalternative auszuwählen, wenn er beliebige weitere Zeitpunkte in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Somit kann im betrachteten Fall für beliebige Zeithorizonte die aus Sicht des Shareholders vorteilhafte Projektauswahl incentiviert werden.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

197

Der für beide Investitionsprojekte jeweils erwartete Erfolgsausweis wird der Anforderung der Glättung in Analogie zum Ein-ProjektFall jeweils nicht derart gerecht, dass in allen Zeitpunkten während der Projektlaufzeit ein positiver Anteil des jeweils erwarteten Kapitalwerts ausgewiesen wird. Stattdessen erfolgt zu allen der Implementierung einer Investitionsalternative nachfolgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit ( 1 t T ) im Erwartungswert ein Erfolgsausweis in Höhe von null. Somit wird im Erwartungswert in allen Zeitpunkten während der Projektlaufzeit für beide zur Auswahl stehende Investitionsalternativen der identische Anteil an deren jeweils erwarteten Kapitalwert ausgewiesen. Allerdings gewährleistet der erwartete Erfolgsausweis zu allen der Implementierung nachfolgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit keine Vergleichbarkeit hinsichtlich der jeweils erwarteten Kapitalwerte der Investitionsalternativen. Somit hat der Manager keinen Anreiz, eine aus Sicht des Shareholders vorteilhafte Auswahlentscheidung zu treffen, wenn er aufgrund extremer Präferenzen ausschließlich einen oder mehrere der Implementierung nachfolgende Zeitpunkte in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Für beliebige (ggf. extreme) Präferenzen wird im Allgemeinen die aus Sicht des Shareholders beste Investitionsentscheidung im betrachteten Fall somit letztlich nicht incentiviert. Dies ist lediglich für den Fall gewährleistet, dass der Manager (mindestens) den Zeitpunkt t=0 in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Wie vorangehend dargelegt, wird bei einer stringenten Bewertung der Investitionsalternativen zum Fair Value und übereinstimmenden Cashflow-Erwartungen zeitliche Entscheidungsverbundenheit in idealer Weise erreicht. Der Anforderung der Glättung wird hin-

198

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

gegen nicht derart entsprochen, dass in jedem Zeitpunkt ein projekteinheitlicher positiver Anteil des jeweils erwarteten Kapitalwerts der Investitionsalternativen ausgewiesen wird. Die in Lemma 2 konstatierte Bedingung wird letztlich nicht erfüllt. 7.3.2.2.2 Zugangsbewertung zu Anschaffungskosten In diesem Abschnitt steht die mit dem erwarteten Erfolgsausweis verbundene Anreizwirkung im Fokus, sofern der Fair Value gem. (72) als Wertansatz exklusiv im Rahmen der Folgewertung Berücksichtigung findet und im Zeitpunkt t=0 zunächst eine Zugangsbewertung zu Anschaffungskosten in Höhe der Investitionsauszahlung erfolgt. Vor dem Hintergrund unbekannter (ggf. extremer) Präferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des Managers findet die Anforderung der Vergleichbarkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit der Investitionsalternativen aus Sicht des Shareholders eingehende Berücksichtigung. Da der jeweils erwartete Erfolg der zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen in Form ihres (aufgezinsten) erwarteten Kapitalwerts zum Zeitpunkt t=1 im jeweils erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird, erfüllt letzterer die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit jeweils in gleichem Umfang. Zeitliche Entscheidungsverbundenheit wird aufgrund des Ausweises des gesamten erwarteten Erfolgs einer Investitionsalternative jeweils im Zeitpunkt t=1 nicht in idealer Weise erfüllt. Vergleichbarkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit aus Sicht des Shareholders wird erst zum Zeitpunkt t=1 gewährleistet, der die Implementierung einer Investitionsalternative folgt. Somit hat der Manager im Extremfall des kürzest möglichen Zeithorizonts keinen Anreiz, die an

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

199

ihn delegierte Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen. Berücksichtigt er jedoch die im Zeitpunkt t=1 gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül, wird er die Auswahlentscheidung i. S. d. Shareholders treffen: Da zum Zeitpunkt t=1 jeweils der gesamte erwartete Erfolg ausgewiesen wird, hat der Manager auch dann einen Anreiz, die aus Sicht des Shareholders wünschenswerte Auswahlentscheidung zu treffen, wenn er beliebige weitere Zeitpunkte in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Somit kann im betrachteten Fall für nahezu beliebige Zeithorizonte, die mindestens den Zeitpunkt t=1 beinhalten, eine Auswahlentscheidung i. S. d. Shareholders incentiviert werden. Aufgrund der jeweiligen Erfassung des gesamten erwarteten Erfolgs im zum Zeitpunkt t=1 erwarteten Erfolgsausweis wird die Anforderung der Glättung im betrachteten Fall für beide zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen nicht derart erfüllt, dass zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit ein positiver projekteinheitlicher Anteil des jeweils erwarteten Kapitalwerts im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird. Somit ist die Anforderung der Vergleichbarkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit der Investitionsalternativen aus Sicht des Shareholders nicht zu allen Zeitpunkten während der Projektlaufzeit gewährleistet. Bei unbekannten Präferenzen und einem unbekannten Zeithorizont des Managers ist somit im betrachteten Fall im Allgemeinen nicht sichergestellt, dass der Manager die Auswahlentscheidung bezüglich der zur Disposition stehenden Investitionsprojekte i. S. d. Shareholders trifft. Berücksichtigt er jedoch (mindestens) den Zeitpunkt t=1 in seinem Entscheidungskalkül, wird er die aus Sicht des Shareholders beste Investitionsentscheidung treffen.

200

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Festzuhalten bleibt, dass bei einer Zugangsbewertung der Investitionsalternativen zu Anschaffungskosten in Höhe der Investitionsauszahlung und einer ausschließlichen Berücksichtigung des Fair Value gem. (72) im Rahmen der Folgebewertung die in Lemma 2 konstatierte Bedingung nicht erfüllt wird. 7.3.3 Abweichende Cashflow-Erwartungen 7.3.3.1 Konkretisierung des Fair Value und erwarteter Erfolgsausweis Nachfolgend wird angenommen, dass die bei Durchführung einer der zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen i und j erwarteten Cashflows von jenen Cashflows abweichen, die ein repräsentativer Marktteilnehmer bei deren Durchführung erwarten würde. Die Notation der bei Durchführung eines Investitionsprojekts erwarteten Cashflows erfolgt hier deshalb analog zu (38) in Abschnitt 6.2.4. Konkret wird eine Aufspaltung der während der Projektlaufzeit erwarteten projektspezifischen Cashflows E c tm in einen von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten projektspezifiM schen Cashflow E ctm

und eine erwartete unternehmens- und

projektspezifische Cashflowkomponente E E ctm

E ctmM

.

E

U ctm

1 t

T mit m

U ctm

vorgenommen:

i, j und E

U ctm

0 t

(78)

In Analogie zum betrachteten Szenario abweichender Cashflow-Erwartungen im Ein-Projekt-Fall entspricht die erwartete Investitionsauszahlung E I0m eines Projekts per Annahme der auch

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

201

von einem repräsentativen Marktteilnehmer im Erwartungswert zu leistenden Investitionsauszahlung. Der Fair Value der zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen wird in Übereinstimmung mit der marktorientierten Bewertungsperspektive des IFRS 13 analog zu (40) festgelegt als:

FVtm

T t 1

E c Mm (1 r )

t

mit m

i, j

0 t T.

(79)

Da sich analog zum vorangehend betrachteten Szenario übereinstimmender Cashflow-Erwartungen sowohl die verwendeten Performancemaße als auch die Buchwerte und somit auch die jeweils verrechnete Wertänderung analog zum korrespondierenden Szenario abweichender Cashflow-Erwartungen im Ein-Projekt-Fall ergeben, ist auch der für jede der beiden Investitionsalternativen jeweils erwartete Erfolgsausweis analog zu dem erwarteten Erfolgsausweis im korrespondierenden Szenario abweichender CashflowErwartungen im Ein-Projekt-Fall. Erfolgt die Zugangsbewertung einer implementierten Investitionsalternative im Zeitpunkt t=0 bereits zum Fair Value gem. (79), entspricht das erwartete Performancemaß analog zu (43) dem durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Kapitalwert:

E

IFRS 0m

E KWmM

mit m

i, j .

(80)

Bei stringenter Folgebewertung zum Fair Value gem. (79) entspricht das erwartete Performancemaß in Analogie zu (46) dann in allen Zeitpunkten 1 t T gerade der erwarteten projekt- und unternehmensspezifischen Cashflowkomponente:

202

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

E

IFRS tm

E

U ctm mit m

i, j

1 t T.

(81)

Erfolgt die Zugangsbewertung einer Investitionsalternative im Zeitpunkt t=0 hingegen zur Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten, entspricht das erwartete Performancemaße in Analogie zu (48) gerade null: IFRS 0m

E

0 mit m

i, j .

(82)

Das erwartete Performancemaß bei einer erstmaligen Berücksichtigung des Fair Value im Zeitpunkt t=1 ergibt sich dann analog zu (51) als: IFRS 1m

E

(1 r ) E KWmM

c1Um mit m

i, j .

(83)

Bei stringenter Folgebewertung zum Fair Value gem. (79) entspricht das in allen nachfolgenden Zeitpunkten (2 t T ) erwartete Performancemaß analog zu (53) der unternehmens- und projektspezifischen Cashflowkomponente:

E

IFRS tm

E

U ctm mit m

i, j

2 t T.

(84)

Die Analyse der mit der Bewertung zum Fair Value gem. (79) einhergehenden Anreizwirkung im betrachteten Kontext erfolgt im Folgenden separat für die stringente Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz in jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit bereits ab dem Zugangszeitpunkt und dessen exklusiver Berücksichtigung im Rahmen der Folgebewertung. Im letztgenannten Fall erfolgt die Zugangsbewertung zur Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

203

7.3.3.2 Anreizwirkung 7.3.3.2.1 Zugangsbewertung zum Fair Value Im Fokus dieses Abschnitts steht die Analyse der mit dem erwarteten Erfolgsausweis vor dem Hintergrund unbekannter Präferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts einhergehende Anreizwirkung, sofern die Investitionsalternativen in allen Zeitpunkten während ihrer Laufzeit, d. h. auch im Zugangszeitpunkt, zum Fair Value gem. (79) bewertet werden. Besondere Berücksichtigung erfährt dabei, aufgrund der vorangehend bereits dargelegten besonderen Bedeutung, die Anforderung der Vergleichbarkeit. Da zum Zeitpunkt der Implementierung einer der zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen (t=0) im Erwartungswert jeweils gerade der Ausweis des durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten projektindividuellen Kapitalwerts erfolgt, wird der jeweils für die Investitionsalternativen erwartete Erfolgsausweis der Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit nicht per se in gleichem Umfang gerecht. Vergleichbarkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit der zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen aus Sicht des Shareholders durch den zum Zeitpunkt t=0 erwarteten Erfolgsausweis ist deshalb nicht zwingend erfüllt. Sie wird nur dann erreicht, wenn der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwartete Kapitalwert der aus Sicht des Shareholders besten Investitionsalternative den durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Kapitalwert der weiteren zur Auswahl stehenden Investitionsalternative dominiert und der durch den repräsentativen Marktteilnehmer jeweils erwartete Kapitalwert das gleiche Vorzeichen aufweist wie der erwartete Kapitalwert aus Sicht des Unternehmens. In diesem Spezialfall hat der Manager

204

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

auch dann einen Anreiz, das aus Sicht des Shareholders beste vorteilhafte Investitionsprojekt auszuwählen und durchzuführen, wenn er sich bspw. aufgrund eines kurzen Zeithorizonts ausschließlich am erwarteten Erfolgsausweis im Zeitpunkt t=0 orientiert. Für beliebige Investitionsprojekte hat der Manager jedoch bei einer ausschließlichen Berücksichtigung des Zeitpunkts t=0 in seinem Entscheidungskalkül keinen Anreiz, die Auswahlentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen. Erfolgt die Bewertung der zur Auswahl stehenden Investitionsprojekte in jedem Zeitpunkt während ihrer Laufzeit zum Fair Value bei abweichenden Cashflow-Erwartungen, kann in Analogie zum EinProjekt-Fall eine Glättung des jeweiligen Erfolgsausweises erreicht werden. Jedoch erfolgt nicht per se eine Glättung derart, dass zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit ein projekteinheitlicher (positiver) Anteil des jeweils erwarteten Kapitalwerts ausgewiesen wird und Vergleichbarkeit der Investitionsalternativen hinsichtlich ihrer Vorteilhaftigkeit aus Sicht des Shareholders zu jedem Zeitpunkt erreicht wird. Vergleichbarkeit zu jedem Zeitpunkt wird lediglich dann gewährleistet, wenn der erwartete Erfolgsausweis der aus Sicht des Shareholders besten Investitionsalternative den erwarteten Erfolgsausweis der weiteren zur Auswahl stehenden Investitionsalternative in jedem Zeitpunkt dominiert und der für ein Projekt jeweils erwartete Erfolgsausweis in jedem Zeitpunkt das gleiche Vorzeichen aufweist. Vergleichbarkeit der beiden zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit aus Sicht des Shareholders wird somit nur für im Spezialfall gewährleistet: Sowohl der zum Zeitpunkt t=0 ausgewiesene, durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwartete Kapitalwert als

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

205

auch die erwarteten Wettbewerbsvorteile gegenüber einem repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponenten der besten Investitionsalternative müssen jene des weiteren zur Auswahl stehenden Investitionsprojekts zu jedem Zeitpunkt dominieren und für ein Projekt jeweils das gleiche Vorzeichen aufweisen. Dann wird für beliebige im Entscheidungskalkül des Managers berücksichtigte Zeitpunkte die aus Sicht des Shareholders wünschenswerte Auswahl der Investitionsalternativen incentiviert, sodass die Auswahlentscheidung zwischen den Investitionsalternativen für beliebige Zeithorizonte und beliebige (ggf. extreme) Präferenzen i. S. d. Shareholders erfolgt. Im Allgemeinen ist dies für beliebige Investitionsprojekte jedoch nicht gewährleistet. Konstatiert werden kann an dieser Stelle, dass die in Lemma 2 festgehaltene Bedingung bei einer stringenten Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz und abweichenden CashflowErwartungen im Spezialfall erreicht wird. Für beliebige Projekte ist sie hingegen nicht gewährleistet. 7.3.3.2.2 Zugangsbewertung zu Anschaffungskosten Untersucht wird in diesem Abschnitt die mit dem erwarteten Erfolgsausweis einhergehende Anreizwirkung, sofern der Fair Value gem. (79) exklusiv im Rahmen der Folgebewertung berücksichtigt wird und die Zugangsbewertung zur Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten erfolgt. Im Fokus der Betrachtungen steht, inwiefern der Manager dann incentiviert wird, eine aus Sicht des Shareholders vorteilhafte Auswahlentscheidung zwischen den Investitionsalternativen zu treffen.

206

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

Da im Erwartungswert zum Zeitpunkt der Implementierung des ausgewählten Investitionsprojekts (t=0) für beide Investitionsalternativen ein Erfolgsausweis in Höhe von null erfolgt, wird die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit jeweils nicht in idealer Weise erfüllt. Dennoch kann der für jede Investitionsalternative erwartete Erfolgsausweis der Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit in Analogie zum Ein-Projekt-Fall insoweit gerecht werden, als zumindest zum unmittelbar auf den Zeitpunkt der Implementierung einer Investitionsalternative nachfolgenden Zeitpunkt (t=1) ein Anteil des jeweils aus Sicht des Unternehmens erwarteten Kapitalwerts ausgewiesen wird. Dies ist jedoch nur dann gewährleistet, wenn der jeweilige zum Zeitpunkt t=1 erwartete Erfolgsausweis als Summe des durch einen repräsentativen Marktteilnehmer für die jeweilige Investitionsalternative erwarteten aufgezinsten Kapitalwerts und der in diesem Zeitpunkt erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente das gleiche Vorzeichen aufweist wie der jeweils erwartete Kapitalwert einer Investitionsalternative aus Sicht des Unternehmens. Wenngleich somit für diesen Spezialfall jeweils partielle zeitliche Entscheidungsverbundenheit zum Zeitpunkt t=1 erreicht werden kann, ist diese nicht per se in gleichem Umfang gewährleistet. Vergleichbarkeit der Investitionsalternativen hinsichtlich deren Vorteilhaftigkeit aus Sicht des Shareholders ist somit für den zum Zeitpunkt t=1 erwarteten Erfolgsausweis ebenfalls nicht per se gewährleistet. Diese wird lediglich dann erreicht, wenn der zum Zeitpunkt t=1 erwartete Erfolgsausweis für die aus Sicht des Shareholders beste Investitionsalternative nicht nur das gleiche Vorzeichen aufweist wie ihr erwarteter Kapitalwert aus Sicht des Unternehmens, sondern auch den zum Zeitpunkt t=1 erwarteten Erfolgsausweis der

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Zeitpunkt. Inv.restriktion)

207

weiteren zur Auswahl stehenden Investitionsalternative dominiert. In diesem Spezialfall wird der Manager incentiviert, die Auswahlentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen, wenn er bspw. aufgrund eines kurzen Zeithorizontes ausschließlich die Zeitpunkte t=0 und t=1 in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Misst er hingegen ausschließlich dem Zeitpunkt der Implementierung einer Investitionsalternative (t=0) Bedeutung bei, hat er in Ermangelung der Vergleichbarkeit keinen Anreiz, die Auswahl der Investitionsalternative i. S. d. Shareholders vorzunehmen. Im Spezialfall kann somit für nahezu beliebige Zeithorizonte des Managers, die mindestens den Zeitpunkt t=1 umfassen, dessen Incentivierung i. S. d. Shareholders erreicht werden. Im Allgemeinen ist dies hingegen nicht gewährleistet. Da der jeweils gesamte erwartete Erfolg einer zur Auswahl stehenden Investitionsalternative nicht ausschließlich zu einem Zeitpunkt im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird, besteht die Möglichkeit, die Anforderung der Glättung zu einem gewissen Grad zu erfüllen. Dies ist – wie bereits im Ein-Projekt-Fall gezeigt – dann der Fall, wenn der erwartete Erfolgsausweis zu allen der Implementierung einer Investitionsalternative nachfolgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit das gleiche Vorzeichen aufweist wie der aus Sicht des Unternehmens erwartete Kapitalwert der jeweiligen Investitionsalternative. Wenngleich somit für jedes der zur Auswahl stehenden Investitionsprojekte eine Glättung des erwarteten Erfolgsausweises erreicht werden kann, gewährleistet diese nicht per se zu jedem der Implementierung der ausgewählten Investitionsalternative nachfolgenden Zeitpunkt Vergleichbarkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit der zur Auswahl stehenden Investiti-

208

Eignung Fair Value-basierter Performancemaße

onsalternativen aus Sicht des Shareholders. Diese wird nur dann gewährleistet, wenn der erwartete Erfolgsausweis der aus Sicht des Shareholders besten Investitionsalternative zusätzlich den erwarteten Erfolgsausweis der weiteren zur Auswahl stehenden Investitionsalternative in jedem dieser Zeitpunkte während der Projektlaufzeit dominiert. Bedeutsam sind auch in diesem Fall im Erwartungswert zeitdominante Wettbewerbsvorteile [-nachteile] zur Gewährleistung von Vergleichbarkeit. Im betrachteten Spezialfall hat der Manager für nahezu beliebige in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigte Zeitpunkte einen Anreiz, die Auswahlentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen. Somit wird in diesem Spezialfall für nahezu beliebige Zeithorizonte und nahezu beliebige (ggf. extreme) Präferenzen die aus Sicht des Shareholders vorteilhafte Projektauswahl incentiviert. Für beliebige Investitionsprojekte ist dies im Allgemeinen jedoch nicht sichergestellt. Im betrachteten Szenario wird im Spezialfall Glättung zumindest derart erreicht, dass in allen der Implementierung einer Investitionsalternative nachfolgenden Zeitpunkten ein positiver Anteil des erwarteten Kapitalwerts ausgewiesen wird. Partielle zeitliche Entscheidungsverbundenheit, d. h. der Ausweis eines positiven Anteils des erwarteten Kapitalwerts im zum Zeitpunkt t=0 erwarteten Erfolgsausweis, wird hingegen auch im Spezialfall nicht gewährleistet. Die in Lemma 2 festgehaltene Bedingung wird letztlich nicht erfüllt

8 Eignung der Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 im Rahmen der wertorientierten Investitionssteuerung bei Existenz einer intertemporalen Investitionsrestriktion 8.1 Vorbemerkungen und Anpassung des Modellrahmens In dem vorangehenden Kapitel wurde unterstellt, dass der mit der Investitionsentscheidung betraute Manager unter Berücksichtigung einer modellexogenen Investitionsrestriktion ausschließlich zum Zeitpunkt t=-1 eine Investitionsentscheidung i. S. e. Auswahl der aus Sicht des Shareholders vorteilhaftesten in t=0 zu implementierenden Investitionsalternative treffen soll. Im Folgenden wird berücksichtigt, dass zusätzlich zur in t=0 durchführbaren Investitionsalternative während ihrer Laufzeit eine weitere Investitionsmöglichkeit besteht. Es wird weiterhin von einer Existenz der exogenen Investitionsrestriktion, sprich hier von einer intertemporalen exogenen Investitionsrestriktion, ausgegangen. Diese bedingt, dass die weitere Investitionsmöglichkeit nicht ohne weiteres durchgeführt werden kann. Zu ihrer Durchführung bedarf es per Annahme zunächst der Veräußerung des in t=0 implementierten Investitionsprojekts. Die Annahme einer intertemporalen exogenen Investitionsrestriktion ist bedeutsam, da in der unternehmerischen Praxis zur Durchführung von zusätzlichen Investitionsprojekten regelmäßig nur in begrenztem Umfang Ressourcen, bspw. in Form von Fläche zur Installation der Investitionsprojekte,440 zur Verfügung

440

Prinzipiell denkbar ist auch, dass finanzielle Ressourcen nur in begrenztem Ausmaß zur Verfügung stehen, sodass zur Leistung der Investitionsauszahlung einer Alternativinvestition das ursprünglich implementierte Investitionsprojekt veräußert werden muss.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 A. Bantz, Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6_8

210

Vorbemerkungen und Anpassung des Modellrahmens

stehen, sodass zunächst bestehende Investitionsprojekte veräußert werden müssen. Angenommen wird zunächst, dass der Manager unter Berücksichtigung einer bindenden Investitionsrestriktion im Zeitpunkt t=-1 eine Investitionsentscheidung zu Gunsten eines im Zeitpunkt t=0 implementierten Projekts j getroffen hat. Im Zeitpunkt t= -1 (mit 0) kann der Manager eine Ja-Nein-Entscheidung darüber treffen, ob zum Zeitpunkt t= die Durchführung einer Alternativinvestition k erfolgen soll. Die Laufzeit der zur Auswahl stehenden Alternativinvestition k entspricht per Annahme der Restlaufzeit des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j. Der Endzeitpunkt Tk der Alternativinvestition k stimmt somit mit dem Endzeitpunkt T j des Investitionsprojekts j überein, d. h. Tk

Tj

T . Auf Grund der

intertemporalen Investitionsrestriktion ist die Durchführung der Alternativinvestition k im Zeitpunkt t= nur dann möglich, wenn gleichzeitig die Veräußerung des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j erfolgt, d. h. der Manager steht im Zeitpunkt t= -1 der Entscheidung über einen Projektwechsel bzw. die Fortführung des Investitionsprojekts j gegenüber. Entscheidet sich der Manager für die Durchführung des Projektwechsels zu Gunsten der Alternativinvestition k, erfolgt die Veräußerung des Investitionsprojekts j. Im Zeitpunkt t= fällt dann zum einen einhergehend mit der Übertragung des Investitionsprojekts j der im Folgenden noch zu spezifizierende Verkaufspreis VP j als (Anteil des) auf den Zeitpunkt t= bezogenen Barwert(s) der bei Fortführung des Investitionsprojekts j erwarteten künftigen Cash-

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

211

flows an. Zum anderen wird der Cashflow c j realisiert, der aus der Nutzung des Investitionsprojekts j bis zum Zeitpunkt t= resultiert und somit nicht im Zusammenhang mit dessen Veräußerung steht. In allen nachfolgenden Zeitpunkten ( 1 t T ) werden bei Veräußerung des Investitionsprojekts j aus diesem keine Cashflows mehr realisiert, d. h. ctj 0 1 t T. Die Implementierung der Alternativinvestition k erfolgt im Zeitpunkt t= . In diesem Zeitpunkt ist für die Alternativinvestition k per Annahme eine Investitionsauszahlung441 I k zu leisten. In allen nachfolgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit generiert die Alternativinvestition k Cashflows ctk . Abbildung fünf stellt die zeitliche Abfolge der Ereignisse dar:

441

In Analogie zum Grundmodell dient diese Bezeichnung alleine der sprachlichen Konkretisierung. Sie ist jedoch nicht i. S. e. Einschränkung des Vorzeichens des anfallenden Zahlungsstroms zu verstehen.

212

Vorbemerkungen und Anpassung des Modellrahmens

cj

Auswahl Investitionsprojekt j

-Ioj

c -1j

Implementierung Investitionsprojekt j

Entscheidung über Projektwechsel

c +1j

cTj

Fortführung des Projekts j

cj

Projektwechsel

VP j -I k

c +1k

cTk

t = +1

t=T

Veräußerung Projekt j und Implementierung Alternativinvestition k

t = -1

t=0

t = -1

t=

Abbildung 5: Abfolge der Ereignisse bei intermporaler Investitionsrestriktion

Die Notation der Investitionsauszahlung und der Cashflows der Alternativinvestition k erfolgt – unter Berücksichtigung des Projektindex und der Laufzeit der Alternativinvestition k – analog zur Notation in den vorangehend betrachteten Fällen. Die Investitionsauszahlung I k ist somit darstellbar als:

I

k

x k yk

mit x k

0.

(85)

Die Cashflows ctk der Alternativinvestition k können dargestellt werden als:

ctk

xtk yk

t

mit xtk

0

1 t T

(86)

Für alle in den Cashflows und der Investitionsauszahlung der Alternativinvestition k enthaltenen Störterme t wird nach wie vor

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion) ein Erwartungswert in Höhe von null angenommen, d. h. E . Die erwartete Investitionsauszahlung entspricht somit: E Ik x k yk .

213 t

0

(87)

Der Erwartungswert der in den nachfolgenden Zeitpunkten ( 1 t T ) anfallenden Cashflows aus der Alternativinvestition k ist folglich jeweils: (88) E ctk xtk y k 1 t T. Sowohl der Shareholder als auch der Manager kennen sämtliche Strukturparameter xtk der Alternativinvestition k bereits im Zeitpunkt t=-2, d. h. bevor die Entscheidung über einen Projektwechsel zu treffen ist. Der Niveauparameter yk ist dem Manager erst ab dem Zeitpunkt der Entscheidung über einen Projektwechsel (t= -1) bekannt. Der Shareholder kann den Niveauparameter yk nicht in Erfahrung bringen. Im Zeitpunkt der Entscheidung über einen Projektwechsel kennt der Manager die erwartete Investitionsauszahlung und die erwarteten Cashflows der Alternativinvestition k. Dem Shareholder sind sowohl die erwartete Investitionsauszahlung als auch die erwarteten Cashflows hingegen aufgrund der Unkenntnis des Niveauparameters yk verborgen. Der Nutzen des Shareholders ist – in Übereinstimmung mit den Annahmen des Grundmodells – abhängig von den mit den Investitionsprojekten verbundenen Zahlungen. Konkret orientiert sich der Shareholder am Barwert der erwarteten Zahlungen. Im betrachteten Fall ist der Projektwechsel für ihn genau dann vorteilhaft, wenn der Barwert der zu allen Zeitpunkten nach der Entscheidung zur

214

Vorbemerkungen und Anpassung des Modellrahmens

Durchführung eines Projektwechsels ( t T ) aufgrund des Projektwechsels erwarteten künftigen Zahlungen (d. h. die Summe aus Verkaufspreis des Investitionsprojekts j und Kapitalwert der Alternativinvestition k) den Barwert der durch den Projektwechsel entgangenen erwarteten künftigen Cashflows (d. h. den Barwert der erwarteten künftigen Cashflows bei Fortführung des Investitionsprojekts j) übertrifft:

E VP j

E ctj

T

E KWk

1

t

(1 r )t

E ctk

T

mit E KWk

E Ik t

1

(1 r)t

(89) (90)

Der mit der Entscheidung über einen Projektwechsel betraute Manager orientiert sich – in Übereinstimmung mit den Annahmen des Grundmodells – an der ihm gewährten finanziellen Entlohnung. Ihm wird genau dann ein finanzieller Anreiz gewährt, den Wechsel auf eine aus Sicht des Shareholders vorteilhafte [nachteilige] Alternativinvestition k vorzunehmen [zu unterlassen], wenn er dadurch die in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigte erwartete Entlohnung gegenüber der bei Beibehaltung des Investitionsprojekts j erwarteten Entlohnung steigert [verringert]. Für beliebige unbekannte Präferenzen und einen beliebigen Zeithorizont wird dies erreicht, wenn der Manger unter Berücksichtigung der in (7) festgelegten streng monoton steigenden Entlohnungsfunktion zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit der Alternativinvestition k den nach dem Projektwechsel erwarteten Erfolgsausweis E ˆ t gegenüber dem im jeweiligen Zeitpunkt bei Beibehaltung des In-

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion) vestitionsprojekts j erwarteten Erfolgsausweis E

t

215

erhöht [ver-

ringert], d. h.

E ˆt

E

für E VP j

t

E ctj

T

E KWk t

.

(1 r )t (91)

t T

1

Der Shareholder kann die in t= -1 getroffene Entscheidung über einen Projektwechsel beobachten. 442 Ferner können beide Akteure – in Übereinstimmung mit den Annahmen des Grundmodells – sämtliche Cashflows aus den Investitionsprojekten und die Investitionsauszahlung, aber auch den Verkaufspreis im Zeitpunkt des jeweiligen Anfalls beobachten. Es wird angenommen, dass bei einer Veräußerung des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j und der Aufnahme der in t= verfügbaren Alternativinvestition k eine Anpassung des verwendeten Performancemaßes vorgenommen wird. Das modifizierte Performancemaß, das per Annahme in allen Zeitpunkten während der Laufzeit der Alternativinvestition k Anwendung findet, wird als ˆ t bezeichnet. Hierbei handelt es sich um ein aggregiertes Performancemaß, das sich additiv aus einem projektspezifischen Performancemaß ˆ tj des im Zeitpunkt t=0 implementierten Investitionsprojekts j und einem projektspezifischen Performancemaß ˆ tk der im Zeitpunkt t= -1 verfügbaren Alternativinvestition k zusammensetzt:

ˆ 442

t

ˆ

tj

ˆ

tk

t T.

(92)

Per Annahme ist es dem Shareholder nicht möglich, den Handlungsspielraum des Managers derart zu beschränken, dass letzterer zur Veräußerung des Investitionsprojekts j gezwungen wird.

216

Vorbemerkungen und Anpassung des Modellrahmens

Für die jeweiligen projektspezifischen Performancemaße werden rechnungswesenbasierte Performancemaße unterstellt. In allen der Durchführung des Projektwechsels nachfolgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit der Alternativinvestition k ( 1 t T ) wird ein allgemeiner Residualgewinn als projektspezifisches Performancemaß ˆ tk unterstellt. Dieser hängt linear sowohl von dem im jeweiligen Zeitpunkt erzielten Cashflow ctk als auch von der in t= zu leistenden Investitionsauszahlung I k ab: ˆ

tk

tk

ctk

tk

I

1 t

k

T.

(93)

Im Zeitpunkt des Projektwechsels (t= ) wird für das projektspezifische Performancemaß ˆ k der Alternativinvestition k angenommen, dass dieses linear ausschließlich von der geleisteten Investitionsauszahlung I k abhängt:443 ˆ

k

k

I k.

(94)

Für das nach der Entscheidung zur Durchführung eines Projektwechsels verwendete projektspezifische Performancemaß ˆ

j

des

in t=0 implementierten Investitionsprojekts j wird angenommen, dass dieses im Zeitpunkt des Projektwechsels (t= ) jeweils linear vom in diesem Zeitpunkt realisierten Cashflow c j und der in t=0 geleisteten Investitionsauszahlung I 0 j abhängt:

ˆ 443

j

j

c

j

j

I0 j .

(95)

Wie bereits im Grundmodell erläutert, findet in diesem Zeitpunkt somit eine Spezialform des allgemeinen Residualgewinns Anwendung.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

217

In jedem nachfolgenden Zeitpunkt während der Laufzeit der Alternativinvestition k, d. h. 1 t T , hängt das Performancemaß

ˆ

tj

des Investitionsprojekts j per Annahme linear sowohl vom im

Zeitpunkt der Veräußerung (t= ) erzielten Verkaufspreis VP

j

als

auch von der in t=0 geleisteten Investitionsauszahlung I 0 j ab:

ˆ

tj

tj

VP j

tj

I0 j

1 t T.

(96)

Entscheidet sich der Manager im Zeitpunkt t= -1 an Stelle des Projektwechsels zur Beibehaltung des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j, bleibt das verwendete Performancemaß t unverändert, d. h.

t

tj

t

T , und entspricht somit auch in al-

len dem Zeitpunkt der Entscheidung über einen Projektwechsel nachfolgenden Zeitpunkten ( t T ) dem in (5) festgelegten Performancemaß. Die zeitliche Struktur eines geeigneten erwarteten Erfolgsausweises sowie geeignete Allokationsregeln für die anfallenden Zahlungen, um im Zeitpunkt t=-1 eine aus Sicht des Shareholders vorteilhafte Investitionsentscheidung zu incentivieren, wurden bereits in den vorherigen Teilen dieser Arbeit aufgezeigt und stehen deshalb nicht mehr im Fokus der nachfolgenden Analyse. Betrachtet wird in den folgenden Abschnitten daher die Herleitung der zeitlichen Struktur eines geeigneten erwarteten Erfolgsausweises sowie geeigneter Allokationsregeln für die anfallenden Zahlungen, um unter Beachtung der intertemporalen Investitionsrestriktion den Wechsel auf eine Alternativinvestition k genau dann zu incentivieren, wenn dieser aus Sicht des Shareholders vorteilhaft ist.

218

Wertneutrale Veräußerungsoption

8.2 Wertneutrale Veräußerungsoption 8.2.1 Konkretisierung des Verkaufspreises Die nachfolgenden Betrachtungen umfassen zunächst die Herleitung einer geeigneten zeitlichen Struktur des Erfolgsausweises, um beim Vorliegen einer intertemporal bindenden Investitionsrestriktion zu erreichen, dass der Manger die in t= -1 zu treffende Entscheidung über die Durchführung eines Projektwechsels i. S. d. Shareholders trifft. Angenommen wird dazu zunächst, dass der im Zeitpunkt t= erzielte Verkaufspreis für das im Zeitpunkt t=0 implementierte Investitionsprojekt j der Summe aus dem Barwert der bei Fortführung dieses Investitionsprojekts vom berichtenden Unternehmen erwarteten künftigen Cashflows und einem transaktionsspezifischen Störterm entspricht. Der Verkaufspreis des Investitionsprojekts j zum Zeitpunkt t= wird somit festgelegt als:

E ctj

T

VP j t

1

(1 r )t

.

(97)

Hinsichtlich des Störterms wird ein Erwartungswert von null angenommen, d. h. E 0 . Der erwartete Verkaufspreis zum Zeitpunkt t= entspricht somit gerade dem Barwert der aus der Fortführung der in t=0 implementierten Investitionsalternative j erwarteten künftigen Cashflows:

E ctj

T

E VP j t

1

(1 r )t

.

(98)

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

219

Somit ist die Veräußerung des Investitionsprojekts j im Erwartungswert wertneutral (im Vergleich zu dessen Fortführung). Unter Berücksichtigung der Darstellbarkeit der projektindividuellen Cashflows gem. (4) lässt sich der zum Zeitpunkt t= erwartete Verkaufspreis des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j darstellen als:

xtj

T

E VP j t

1

(1 r )t

yj .

(99)

Aufgrund der Unkenntnis des Niveauparameters y j ist dem Shareholder (auch) der erwartete Verkaufspreis des Investitionsprojekts j unbekannt. Dies sowie die Unkenntnis über die erwarteten Cashflows und die erwartete Investitionsauszahlung der Alternativinvestition k verhindern, dass der Shareholder die Entscheidung über den Projektwechsel selbst treffen kann. 8.2.2 Herleitung wertorientierter Performancemaße 8.2.2.1 Ermittlung des geeigneten erwarteten Erfolgsausweises In Analogie zu den in den vorangehenden Kapiteln betrachteten Fällen gewinnt die zeitliche Struktur des erwarteten Erfolgsausweises auch im Fall einer intertemporal bindenden Investitionsrestriktion an Bedeutung, sofern dem Shareholder die Präferenzen und der Zeithorizont des mit der Entscheidung über einen Projektwechsel betrauten Managers verborgen sind. Eine geeignete zeitliche Struktur des erwarteten Erfolgsausweises, um den Manager zu incentivieren, einen aus Sicht des Shareholders vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsel im betrachteten Szenario durchzuführen [zu unterlassen], steht im Fokus dieses Abschnitts.

220

Wertneutrale Veräußerungsoption

Der Shareholder orientiert sich annahmegemäß am Barwert der mit den Investitionsprojekten verbundenen Zahlungen. Da der erwartete Verkaufspreis des im Zeitpunkt t=0 implementierten Investitionsprojekts j im betrachteten Fall gem. (99) gerade dem Barwert der erwarteten Cashflows bei dessen Fortführung entspricht, ist die Veräußerung des Investitionsprojekts j aus Sicht des Shareholders isoliert betrachtet weder vor- noch nachteilig. Die Durchführung eines Projektwechsels, d. h. die Veräußerung des Investitionsprojekts j und die Implementierung der Alternativinvestition k, im Zeitpunkt t= ist für ihn somit immer dann vorteilhaft [nachteilig], wenn der erwartete Kapitalwert der Alternativinvestition k positiv [negativ] ist. Dies liegt darin begründet, dass der Barwert der künftig insgesamt erwarteten Cashflows durch die Veräußerung des Investitionsprojekts j und die Implementierung einer kapitalwertpositiven [kapitalwertnegativen] Alternativinvestition k gesteigert [reduziert] wird. Somit kann der Wechsel auf die Alternativinvestition k im betrachteten Fall aus Sicht des Shareholders auch dann vorteilhaft sein, wenn ihr erwarteter Kapitalwert geringer ist als der Barwert der aus der Fortführung des Investitionsprojekts j erwarteten künftigen Cashflows. Der Manager nimmt einen aus Sicht des Shareholders vorteilhaften Projektwechsel dann vor, wenn gem. (91) der erwartete Erfolgsausweis nach Durchführung des Projektwechsels den erwarteten Erfolgsausweis bei Fortführung des Investitionsprojekts j übertrifft. Eine Auswahl der aus Sicht des Shareholders vorteilhaften Alternativinvestition k wird also dann incentiviert, wenn sich der erwartete Kapitalwert dieser Alternativinvestition derart im nach der Entscheidung zur Durchführung des Projektwechsels erwarteten Er-

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

221

folgsausweis niederschlägt, dass dieser für eine beliebige kapitalwertpositive [kapitalwertnegative] Alternativinvestition k in jedem Zeitpunkt nach der Entscheidung zur Durchführung des Projektwechsels über [unter] dem im jeweiligen Zeitpunkt erwarteten Erfolgsausweis bei Beibehaltung des Investitionsprojekts j liegt. In dem Sinne, dass der erwartete Erfolgsausweis nach der Entscheidung zur Durchführung eines Projektwechsels dessen Vorteilhaftigkeit gegenüber der Beibehaltung der Investitionsalternative j aus Sicht des Shareholders reflektiert, müssen die erwarteten Performancemaße Vergleichbarkeit hinsichtlich der erwarteten künftigen Zahlungen dieser beiden Handlungsalternativen gewährleisten. Entscheidet sich der Manager für die Fortführung des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j, entspricht der in jedem Zeitpunkt während dessen Restlaufzeit erwartete Erfolgsausweis aufgrund der annahmegemäßen Beibehaltung des Performancemaßes jenem erwarteten Erfolgsausweis, der bereits zur Incentivierung der im Erwartungswert kapitalwertmaximalen Projektauswahl im Zeitpunkt t=0 etabliert wurde. Wie in Abschnitt 7.2.1 gezeigt, erfolgt im Erwartungswert der Ausweis eines (projektunabhängigen) positiven Anteils des im Zeitpunkt t=-1 erwarteten projektindividuellen Kapitalwerts des Investitionsprojekts j:

E

tj

t

E KW j

0 t T.

(100)

Dieser erwartete Erfolgsausweis bei Beibehaltung des Investitionsprojekts j gem. (100) wird für beliebige kapitalwertpositive [kapitalwertnegative] Alternativinvestitionen übertroffen [untertroffen], wenn bei Durchführung des Projektwechsels zu jedem Zeitpunkt der Laufzeit der Alternativinvestition k sowohl der bei Beibehal-

222

Wertneutrale Veräußerungsoption

tung des Investitionsprojekts j im Performancemaß reflektierte positive Anteil des in t=-1 erwarteten Kapitalwerts der Investitionsalternative j, als auch ein beliebiger positiver Anteil des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k ausgewiesen wird. Dann entspricht der erwartete Erfolgsausweis in allen Zeitpunkten t T nach der Entscheidung zur Durchführung des Projektwechsels gerade dem erwarteten Erfolgsausweis bei Beibehaltung des Investitionsprojekts j zuzüglich eines positiven Anteils des erwarteten Kapitalwerts der im Zeitpunkt t= an Stelle des Investitionsprojekts j implementierten Alternativinvestition k.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

223

Lemma 3 fasst die vorangehenden Ausführungen zusammen: Lemma 3 Bei unbekannten Präferenzen und einem unbekannten Zeithorizont des Managers wird die Durchführung [Unterlassung] eines aus Sicht des Shareholders vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsels bei Beibehaltung des zur Incentivierung einer Auswahlentscheidung in t=-1 verwendeten Performancemaßes des Investitionsprojekts j im Falle seiner Fortführung, d. h.:

E

tj

E KWj

t

t T,

(101)

bei einer wertneutralen Veräußerungsoption genau dann gewährleistet, wenn in allen Zeitpunkten nach der Entscheidung zur Durchführung des Projektwechsels ( t T ) im Erwartungswert zum einen der bei Fortführung des Investitionsprojekts j erwartete Erfolgsausweis und zum anderen der Ausweis eines beliebigen positiven Anteils t des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k erfolgt. Für den erwarteten Erfolgsausweis nach Durchführung eines Projektwechsels gilt dann: E ˆt

mit 0

t

1 und E

tj

E

tj

t

t

(102)

E KWk

E KW j mit 0

t

1

t T.

Wie gezeigt, wird die Vorteilhaftigkeit eines Projektwechsels aus Sicht des Shareholders im erwarteten Erfolgsausweis erfasst, wenn dieser im Falle eines Projektwechsels gem. (102) gerade der Summe aus dem erwarteten Erfolgsausweis bei Beibehaltung des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j und eines (beliebigen) positiven Anteils des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k entspricht. Ein solcher Erfolgsausweis kann erreicht werden,

224

Wertneutrale Veräußerungsoption

wenn für die jeweiligen Projekte derart projektspezifische Performancemaße etabliert werden, dass der erwartete projektspezifische Erfolgsausweis des Investitionsprojekts j nach Durchführung des Projektwechsels E ˆ tj

im Vergleich zum erwarteten projektspe-

zifischen Erfolgsausweis bei dessen Beibehaltung unverändert bleibt, d. h. E ˆ tj

E

tj

E KW j

t

mit 0

t

1

t

T ,(103)

und darüber hinaus für das erwartete projektspezifische Performancemaß der Alternativinvestition k gerade E ˆ tk eines positiven Anteils

t

der Ausweis

ihres erwarteten Kapitalwerts erfolgt

und somit gilt: E ˆ tk

t

E KWk mit 0

t

1

t

T.

(104)

Erfolgt im Falle eines Projektwechsels im Erwartungswert ein Erfolgsausweis gem. (102), ist unabhängig von der tatsächlichen Höhe des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k für beliebige im Erwartungswert kapitalwertpositive [kapitalwertnegative] Alternativinvestitionen sichergestellt, dass der zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit erwartete Erfolgsausweis bei Durchführung des Projektwechsels jenen bei Beibehaltung des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j überschreitet [unterschreitet]. Vergleichbarkeit hinsichtlich der erwarteten Vorteilhaftigkeit aus Sicht des Shareholders ist somit gewährleistet. Durch die ausschließliche Erfassung eines beliebigen positiven Anteils des erwarteten Kapitalwerts der im Zeitpunkt t= implementierten Alternativinvestition k im erwarteten Erfolgsausweis kann dies hingegen nicht sichergestellt werden. Sofern der erwartete Kapi-

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

225

talwert einer im Erwartungswert kapitalwertpositiven Alternativinvestition k unter dem ursprünglich erwarteten Kapitalwert des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j läge, könnte zwar prinzipiell durch eine geeignete Auswahl des Anteilsfaktors t ein Ausgleich zwischen der Höhe der in jedem Zeitpunkt erwarteten Performancemaße beider Projekte vorgenommen werden, sodass der erwartete Erfolgsausweis der Alternativinvestition k jenen des Investitionsprojekts j überschreitet. Ein solcher Ausgleich wäre jedoch nur genau dann möglich, wenn der Shareholder sowohl den ursprünglich erwarteten Kapitalwert des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j, als auch den erwarteten Kapitalwert der Alternativinvestition k kennen würde. Da er beide Kapitalwerte aufgrund der Unkenntnis über die jeweiligen projektspezifischen Niveauparameter der Investitionsprojekte per Annahme nicht kennt, kommt eine derartige Ausgestaltung des Performancemaßes der Alternativinvestition jedoch nicht in Betracht. Im Folgenden erfolgt die Beurteilung des jeweils erwarteten projektspezifischen Erfolgsausweises. Findet nach der Entscheidung für einen Projektwechsel im Erwartungswert in jedem Zeitpunkt während der Laufzeit der Alternativinvestition k für jedes der beiden Projekte ein Erfolgsausweis gem. (103) und (104) statt, ist die Anforderung der Glättung hinsichtlich des erwarteten projektspezifischen Erfolgsausweises beider Investitionsprojekte derart erfüllt, dass zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit im Erwartungswert ein positiver Anteil des jeweils erwarteten Kapitalwerts ausgewiesen wird. Da bei einem Projektwechsel der erwartete projektspezifische Erfolgsausweis für das Investitionsprojekt j gem. (103) gegenüber dem erwarteten Erfolgsausweis bei dessen Fort-

226

Wertneutrale Veräußerungsoption

führung unverändert bleibt, entspricht auch der Grad der Glättung des erwarteten projektspezifischen Erfolgsausweises nach Durchführung des Projektwechsels dem Grad der Glättung des erwarteten projektspezifischen Erfolgsausweises bei Fortführung des Investitionsprojekts j. Die Glättung des erwarteten projektspezifischen Erfolgsausweises der Alternativinvestition k kann in diesem Fall unabhängig von der Glättung des erwarteten Erfolgsausweises des Investitionsprojekts j erfolgen, da der im Erwartungswert ausgewiesene Anteil des erwarteten Kapitalwerts gem. (104) beliebig positiv ist. Somit wird auch dann Vergleichbarkeit beider Handlungsoptionen hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit aus Sicht des Shareholders erreicht, wenn eine projektspezifische Glättung des jeweils erwarteten Erfolgsausweises im Zeitablauf erfolgt. Durch t T kann eine projekteinheitliche Glätdie Wahl von t t tung erreicht werden. Erfolgt im Erwartungswert zu jedem Zeitpunkt nach der Entscheidung zur Durchführung eines Projektwechsel ein projektspezifischer Erfolgsausweis gem. (103) und (104), wird die Vorteilhaftigkeit eines Projektwechsels aus Sicht des Shareholders bereits zum Zeitpunkt seiner Durchführung, d. h. im Zeitpunkt t= , im erwarteten Erfolgsausweis erfasst und mithin die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit zumindest partiell erfüllt. Da nicht der gesamte mit der Entscheidung über einen Projektwechsel verbundene Erfolg im zum Zeitpunkt t= erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird, sondern aufgrund der Glättung des erwarteten Erfolgsausweises lediglich ein Teil des gesamten erwarteten Erfolgs im zu diesem Zeitpunkt erwarteten Erfolgsausweis erfasst wird, wird der Anforderung der zeitlichen Entscheidungs-

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

227

verbundenheit nicht in idealer Weise entsprochen. Stattdessen wird durch den Ausweis eines positiven Anteils des mit dem Projektwechsel verbundenen Erfolgs lediglich partielle zeitliche Entscheidungsverbundenheit gewährleistet. Die Anforderung der Barwertidentität wird für den Erfolgsausweis der Alternativinvestition k nicht per se erreicht, aber ihr kann bei der Ausgestaltung der projektindividuellen Performancemaße der Alternativinvestition k entsprochen werden, wenn die hinsichtlich der Festlegung der Anteilsfaktoren t bestehenden Freiheitsgrade adäquat genutzt werden. Barwertidentität wird genau dann erreicht, wenn gilt: T t

t

(1 r ) t

1.

(105)

Nachdem vorangehend gezeigt wurde, mit Hilfe welcher zeitlichen Struktur des erwarteten Erfolgsausweises bei unbekannten (ggf. extremen) Präferenzen und unbekanntem Zeithorizont des Managers ein Projektwechsel auf eine kapitalwertpositive Alternativinvestition k, bzw. die Beibehaltung des Investitionsprojekts j bei einer kapitalwertnegativen Alternativinvestition k, incentiviert wird, sollen nachfolgend die korrespondierenden Allokationsregeln für die während der Projektlaufzeit anfallenden Zahlungen bestimmt werden. 8.2.2.2 Gestaltung geeigneter Allokationsregeln Im Folgenden soll die konkrete Ausgestaltung von Performancemaßen aufgezeigt werden, die sich zur Incentivierung einer aus Sicht des Shareholders vorteilhaften Entscheidung hinsichtlich ei-

228

Wertneutrale Veräußerungsoption

nes Projektwechsels eignen. Diese Ausgestaltung erfolgt, indem unter Berücksichtigung der im vorherigen Abschnitt aufgezeigten zeitlichen Struktur des Erfolgsausweises für die im Modellrahmen festgelegten Performancemaße konkrete Allokationsregeln bestimmt werden, welche die Erfolgswirksamkeit der anfallenden Cashflows und der Investitionsauszahlung so determinieren, dass die erforderlichen Erfolgsausweise resultieren. Im Fokus der nachfolgenden Betrachtungen steht die Ausgestaltung jener Allokationsregeln, die die Erfolgswirksamkeit der nach der Entscheidung für die Durchführung eines Projektwechsels anfallenden Zahlungsströme bestimmen. Nicht betrachtet werden hingegen diejenigen Allokationsregeln, die zur Ausgestaltung der Performancemaße herangezogen werden, sofern der Manager das in t=0 implementierte Investitionsprojekt j fortführt und mithin keinen Projektwechsel vornimmt. Diese entsprechen dann aufgrund der annahmegemäßen Beibehaltung des Performancemaßes gerade den Allokationsregeln gem. (64) und (65), die zur Incentivierung einer aus Sicht des Shareholders wünschenswerten Auswahlentscheidung zwischen den im Zeitpunkt t=-1 zur Disposition stehenden Investitionsprojekten bestimmt wurden.444 Wie im Analyserahmen gem. (92) festgelegt, entspricht das aggregierte Performancemaß im Falle eines Projektwechsels in allen der Entscheidung für einen Projektwechsel nachfolgenden Zeitpunkten während der Laufzeit der Alternativinvestition k der Summe aus den projektspezifischen Performancemaßen des Investitionspro444

Zur Ausgestaltung der entsprechenden Allokationsregeln siehe Abschnitt 7.2.2 der vorliegenden Arbeit.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

229

jekts j und der Alternativinvestition k. Um gem. der Gleichung (103) und (104) zu allen Zeitpunkten während der Laufzeit der Alternativinvestition k im Erwartungswerten jeweils einen positiven Anteil der erwarteten projektspezifischen Kapitalwerte beider Investitionsprojekte auszuweisen, müssen die projektindividuellen Performancemaße beider betrachteter Investitionsprojekte spezifisch gestaltet werden. Da während der Laufzeit der Alternativinvestition k annahmegemäß Zahlungsströme anfallen, kann im Erwartungswert zu jedem Zeitpunkt während ihrer Laufzeit der Ausweis eines positiven Anteils ihres erwarteten Kapitalwerts gem. (104) erreicht werden, indem in Analogie zum Ein-Projekt-Fall bzw. zur zeitpunktbezogenen Investitionsrestriktion in jedem Zeitpunkt der Ausweis eines Anteils der projektspezifischen Cashflows bzw. der Investitionsauszahlung erfolgt. Zum Zeitpunkt t= kann im Erwartungswert ein entsprechender Erfolgsausweis erreicht werden, wenn für das in (94) festgelegte Performancemaß gilt: E I

k

! k

E KWk mit 0

1.

(106)

Durch Umformung kann unter Berücksichtigung von (87), (88) und (90) die Allokationsregel k ermittelt werden:445 T t k

445

xtk (1 r )t xk

mit 0

Zur Herleitung dieser Allokationsregel siehe Anhang 6.

1.

(107)

230

Wertneutrale Veräußerungsoption

In allen nachfolgenden Zeitpunkten während der Laufzeit der Alternativinvestition k ( 1 t T ) wird im Erwartungswert der Ausweis eines positiven Anteils des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k erreicht, wenn für das in (93) festgelegte Performancemaß gilt: tk

E ctk

E I

tk

! k

t

E KWk

0

1

1 t

T.

(108) Gleichung (108) wird unter Berücksichtigung der Darstellung der erwarteten Investitionsauszahlung bzw. der erwarteten Cashflows der Alternativinvestition k gem. (87) bzw. (88) für beliebige Niveauparameter yk erfüllt, wenn unter Berücksichtigung von (90) für die Allokationsregeln gilt, dass T

t tk

xtk

t

xtk t 1 (1 r )

mit 0

t

1

1 t T

(109)

und tk

446

t

mit 0

t

1

1 t T .446

Zur Herleitung dieser Allokationsregeln siehe Anhang 7.

(110)

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

231

Proposition 9 fasst die vorangehenden Erkenntnisse zusammen: Proposition 9 Der Ausweis eines positiven Anteils t des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k wird für das im Zeitpunkt t= verwendete Performancemaß der Form k k I k im Erwartungswert gewährleistet, wenn für die Allokationsregel T

xtk (1 r )t xk

t k

Ausweis eines positiven Anteils

t

gilt:

1.

mit 0

In allen nachfolgenden Zeitpunkten (

k

1 t T ) wird der

des erwarteten Kapitalwerts

der Alternativinvestition k für das verwendete Performancemaß der Form tk tk ctk tk I k gewährleistet, wenn für die Allokationsregeln

tk

und

T

t tk

jeweils mit 0

t

xtk 1

gilt:

tk

t

xtk t 1 (1 r )

1 t

tk

t

T.

Um im Erwartungswert bei Durchführung des Projektwechsels zusätzlich zum Ausweis eines positiven Anteils des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k auch den Ausweis eines positiven Anteils des erwarteten Kapitalwerts des Investitionsprojekts j sicherzustellen, gilt es, für die projektspezifischen Performancemaße des Investitionsprojekts j ebenfalls geeignete Allokationsregeln aufzustellen. Annahmegemäß fällt zum Zeitpunkt der Durchführung des Projektwechsels (t= ) ein letzter Cashflow c j aus dem

232

Wertneutrale Veräußerungsoption

Investitionsprojekt j an. Für das in t= verwendete Performancemaß gem. (95) wird der Ausweis eines positiven Anteils des erwarteten Kapitalwerts erreicht, wenn die Allokationsregeln so festgelegt werden, dass gilt: j

E c

j

E I0 j

j

!

E KW j

mit 0

t

1. (111)

Unter Berücksichtigung von (3), (4) und (8) wird die voranstehende Gleichung erfüllt, wenn hinsichtlich der Allokationsregeln gilt, dass T xtj mit 0 1 (112) j x j t 1 (1 r )t und j

m it 0

447

1.

(113)

In allen Zeitpunkten nach der Durchführung des Projektwechsels während der Laufzeit der Alternativinvestition k fallen für das veräußerte Investitionsprojekt j annahmegemäß keine Cashflows mehr an. Um dennoch im Erwartungswert zu diesen Zeitpunkten einen projektspezifischen erwarteten Erfolgsausweis gem. (103) zu ermöglichen, erfolgt neben der intertemporalen Allokation der in t=0 geleisteten Investitionsauszahlung auch eine intertemporale Allokation des in t= erzielten Verkaufspreises entsprechend des im Analyserahmen in (96) festgelegten Performancemaßes.448 Dazu gilt es 447 448

Die Herleitung der Allokationsregeln erfolgt analog zu Anhang 2. Eine intertemporale Alllokation des Verkaufspreises zur Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen wird auch von Dutta/Reichelstein vorgenommen. Diese betrachten in ihrer Analyse jedoch – im Gegensatz zum hier betrachteten Fall eines Projektwechsels – die Veräußerung eines implementier-

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

233

jeweils geeignete Allokationsregeln für den Verkaufspreis und die Investitionsauszahlung zu definieren, sodass die nachfolgende Bedingung erfüllt ist: tj

mit 0

E VP

1

t

1 t

j

tj

E I0 j

! t

E KW j

(114)

T.

Aus der in (114) formulierten Bedingung können unter Berücksichtigung der Darstellung des Verkaufspreises gem. (99), der Darstellung der Investitionsauszahlung gem. (4) und des erwarteten Kapitalwerts des Investitionsprojekts j gem. (8) geeignete Allokationsregeln bestimmt werden. Für diese gilt: T xtj tj

t 1 T

t t

1

(1 r )t xtj

mit 0

1

t

1 t T

(115)

449

(116)

(1 r )t

und tj

449

t

mit 0

t

1

1

t

T.

ten Investitionsprojekts mit im Zeitablauf sinkenden Cashflows. Vgl. Dutta/Reichelstein (2005), S. 538-540. Zur Herleitung dieser Allokationsregeln siehe Anhang 8.

234

Wertneutrale Veräußerungsoption

Proposition 10 fasst die vorangehenden Ergebnisse zusammen. Proposition 10 Der Ausweis eines positiven Anteils t des erwarteten Kapitalwerts des Investitionsprojekts j wird für das im Zeitpunkt t= verwendete Performancemaß der Form j j c j j I0 j im Erwartungswert gewährleistet, wenn für die Allokationsregeln und j gilt: j

xtj

T j

x

j t 1

, jeweils mit 0

j

(1 r )t

und hinsichtlich der Allokationsregeln

tj

bzw.

1, tj

des in allen

nachfolgenden Zeitpunkten ( 1 t T ) verwendeten Performancemaßes der Form tj gilt: tj VP j tj I 0 j

tj

t t

jeweils mit 0

t

1

T

xtj

t 1 T

(1 r )t xtj

1

tj

t

,

(1 r )t

1 t T.

Sämtliche vorangehend ermittelten Allokationsregeln für die Zahlungsströme sowohl der Alternativinvestition k als auch des Investitionsprojekts j sind in allen Zeitpunkten abhängig von den projektindividuellen Strukturparametern xtk bzw. x tj und den Anteilsfaktoren

t

bzw.

t

. Zu ihrer Ermittlung nicht benötigt werden die

jeweiligen Niveauparameter yk bzw. y j der betrachteten Investitionsprojekte, die ausschließlich dem Manager bekannt sind. Da die

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

235

jeweiligen Allokationsregeln somit ohne deren Kenntnis etabliert werden können, ist der Shareholder bei der Festlegung der Allokationsregeln nicht auf private Informationen des Managers angewiesen. 8.2.3 Eignung Fair Value-basierter Performancemaße 8.2.3.1 Einleitung und Anpassung des Modellrahmens Für die betrachtete Entscheidungssituation steht nachfolgend der erwartete Erfolgsausweis und die damit einhergehende Anreizwirkung im Fokus der Überlegungen, sofern das Investitionsprojekt j und die Alternativinvestition k entsprechend der Regelungen der IFRS zum Fair Value bewertet werden. Nach der Entscheidung zur Fortführung des Investitionsprojekts j bzw. zur Durchführung der Alternativinvestition k findet per Annahme für das fortgeführte Investitionsprojekt j oder die durchgeführte Alternativinvestition k in jedem Zeitpunkt ihrer jeweiligen (Rest)-Laufzeit t T ein spezifischer projektindividueller Residualgewinn der folgenden Form Anwendung: IFRS ctm d tm r Bt 1m mit m j, k t T . (117) tm Bei Veräußerung des Investitionsprojekts j entspricht das Performancemaß im Zeitpunkt der Veräußerung (t= ) gerade einem spezifischen Residualgewinn zuzüglich der im Einklang mit den Regelungen der IFRS (unabhängig von der Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz) zu erfassenden Differenz zwischen dem er-

236

Wertneutrale Veräußerungsoption

zielten Verkaufspreis und dem Buchwert im Veräußerungszeitpunkt.450 Das Performancemaß hat somit die Form IFRS (118) c j d j r B 1 j VP j B j . j In allen einer Ausbuchung nachfolgenden Zeitpunkten erfolgt kein Erfolgsausweis für das Investitionsprojekt j, d. h. IFRS (119) 0 1 t T. tj Die im jeweiligen Performancemaß zu erfassende Wertänderung dtm entspricht in allen betrachteten Zeitpunkten jeweils gerade der Differenz zwischen dem Buchwert des betrachteten Investitionsprojekts im vorangehenden Zeitpunkt und dessen Buchwert im aktuellen Zeitpunkt: (120) d tm Bt 1m Btm mit m j, k t T. In Übereinstimmung mit der in den vorangehenden Abschnitten getroffenen Annahmen wird im Folgenden weiterhin angenommen, dass sich der Verkaufspreis des Investitionsprojekts j – wie in Gleichung (97) festgelegt – im Zeitpunkt t= als Barwert der bei dessen Fortführung vom berichtenden Unternehmen erwarteten künftigen Cashflows zuzüglich eines transaktionsspezifischen Störterms ergibt. Zur Erinnerung sei darauf hingewiesen, dass der Fair Value gem. IFRS 13 als Verkaufspreis im Rahmen einer hypothetischen Transaktion am Bewertungsstichtag festgelegt wird (IFRS 13.9). Transaktionsspezifische Faktoren sind bei seiner Ermittlung nicht zu berücksichtigen (IFRS 13.25). Dies impliziert, dass der Fair Va450

Die Ausbuchung bei Veräußerung ist vereinbar mit den Regelungen der IFRS (s. bspw. IAS 40.66, IAS 16.67). Differenzen zwischen (Netto-)Veräußerungserlös und Buchwert sind dabei regelmäßig erfolgswirksam zu erfassen (IAS 40.69, IAS 16.68 und 16.71).

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

237

lue gem. IFRS 13 zum Zeitpunkt t= dem Barwert der bei Fortführung des Investitionsprojekts j vom berichtenden Unternehmen erwarteten künftigen Cashflows entspricht. Zur Komplexitätsreduktion wird zunächst angenommen, dass hinsichtlich der Cashflows des Investitionsprojekts j identische Erwartungen zwischen dem berichtenden Unternehmen und einem repräsentativen Marktteilnehmer bestehen.451 In allen Zeitpunkten während der Laufzeit des Investitionsprojekts j ist dessen Fair Value somit der Barwert der bei Fortführung des Investitionsprojekts j vom berichtenden Unternehmen erwarteten künftigen Cashflows. Hinsichtlich des Buchwerts des Investitionsprojekts j bei dessen Fortführung und per Annahme stringenter Bewertung zum Fair Value in jedem Zeitpunkt während dessen Laufzeit gilt:452

Btj

FVtj

T h t 1

E chj (1 r )

h t

mit E chj

E chjM

0 t T .(121)

Hinsichtlich der Alternativinvestition k wird bei deren Durchführung eine mit den Regelungen der IFRS vereinbare stringente Folgebewertung zum Fair Value angenommen. Der Buchwert in allen ihrer Implementierung nachfolgenden Zeitpunkten während 451

452

Die Annahme übereinstimmender Erwartungen hinsichtlich der Cashflows des Investitionsprojekts j wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit gelockert. Es sei an dieser Stelle explizit erwähnt, dass eine Festlegung des Fair Value zum Zeitpunkt t= in Höhe des Barwerts der durch das berichtende Unternehmen erwarteten künftigen Cashflows nicht zwingend identische Cashflow-Erwartungen impliziert. Stattdessen können bspw. in späteren Zeitpunkten unternehmensindividuelle Cashflowkomponenten erwartet werden, deren auf den Zeitpunkt t= bezogener Barwert genau null entspricht. Wie bereits in vorangehenden Abschnitten gezeigt, steht die stringente Folgebewertung zum Fair Value im Einklang mit den Regelungen der IFRS (s. bspw. IAS 41.12, IAS 40.33, IAS 16.31).

238

Wertneutrale Veräußerungsoption

ihrer Laufzeit ergibt sich somit als Fair Value, welcher der exit price-Orientierung folgend als Barwert der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer künftig noch erwarteten Cashflows festgelegt wird. Somit gilt für den Buchwert der Alternativinvestition k in allen ihrer Implementierung nachfolgenden Zeitpunkten ( 1 t T ) jeweils:

Btk

E chkM

T

FVtk

1 t T. (122) (1 r ) h t Im Zeitpunkt der Implementierung der Alternativinvestition k (t= ) entspricht ihr Buchwert in Abhängigkeit der Ausprägung der Fair Value-Bilanzierung entweder der als Anschaffungskosten festgelegten Investitionsauszahlung I k , d. h. h t 1

Bk

I

(123)

k

oder dem Fair Value als Barwert sämtlicher durch einen repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwarteten künftigen Cashflows, d. h.

Bk

E ctkM

T

FV k t

1

(1 r )t

.

(124)

Die bei Durchführung der Alternativinvestition k im Erwartungswert generierten Cashflows ergeben sich per Annahme als Summe der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Cashflows und ggf. einer erwarteten unternehmensspezifischen Cashflowkomponente:

E ctk

E ctkM

E

ctkU

1 t T.

(125)

Werden im Erwartungswert zu allen Zeitpunkten t während der Projektlaufzeit keine unternehmensspezifischen Cashflowkompo-

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion) nenten generiert, d. h. E

ctkU

0

239

1 t T , sind die bei

Durchführung der Alternativinvestition k vom berichtenden Unternehmen und von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Cashflows zu allen Zeitpunkten identisch. Der Fair Value gem. (122) entspricht dann dem Barwert der bei Durchführung der Alternativinvestition k vom berichtenden Unternehmen noch erwarteten künftigen Cashflows. Werden hingegen im Erwartungswert (in mindestens einem Zeitpunkt) unternehmensspezifische Cashflowkomponenten generiert, entspricht der Fair Value – wie in (122) festgelegt – gerade dem Barwert der von einem repräsentativen Marktteilnehmer bei Durchführung der Alternativinvestition k noch erwarteten künftigen Cashflows. Die erwartete Investitionsauszahlung E I k der Alternativinvestition k für das berichtende Unternehmen, entspricht per Annahme der von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Investitonsauszahlung. 8.2.3.2 Erwarteter Erfolgsausweis Im vorliegenden Abschnitt gilt es zunächst, jenen erwarteten Erfolgsausweis aufzuzeigen, der mit der Entscheidung für eine der zur Auswahl stehenden Handlungsoptionen, d. h. die Fortführung des Investitionsprojekts j oder die Durchführung eines Projektwechsels zu Gunsten der Alternativinvestition k, unter Berücksichtigung der vorangehend getroffenen Annahmen einhergeht. Fokussiert wird nachfolgend also der erwartete residualgewinnbasierte Erfolgsausweis beider Handlungsoptionen unter Berücksichtigung einer Fair Value-Bewertung der jeweiligen Investitionsprojekte.

240

Wertneutrale Veräußerungsoption

Da bei einer Fortführung des Investitionsprojekts j dessen Folgebewertung in Analogie zum Ein- bzw. Mehr-Projekt-Fall annahmegemäß stringent zum Fair Value als Barwert der bei dessen Durchführung erwarteten künftigen Cashflows gem. (121) in jedem Zeitpunkt seiner Restlaufzeit erfolgt und jeweils identische Performancemaße Anwendung finden, ergibt sich der zu jedem dieser Zeitpunkte erwartete Erfolgsausweis gerade identisch zu dem ermittelten erwarteten projektindividuellen Erfolgsausweis im Einbzw. Mehr-Projekt-Fall. Somit entspricht der erwartete Erfolgsausweis des Investitionsprojekts j bei dessen Fortführung zu allen Zeitpunkten seiner Restlaufzeigt gerade null. 453 Erfolgt aufgrund der Entscheidung für einen Projektwechsel die Veräußerung des Investitionsprojekts j und mithin dessen Ausbuchung im Zeitpunkt t= , findet das in (118) festgelegte Performancemaß Anwendung. Zusätzlich zu dem bei Fortführung erfassten Residualgewinn umfasst dieses die Differenz zwischen Verkaufspreis und Buchwert zum Zeitpunkt t= . Da der Residualgewinn – wie bereits gezeigt – im Erwartungswert gerade null entspricht, wird die Höhe des erwarteten projektindividuellen Erfolgsausweises durch die Differenz zwischen erwartetem Verkaufspreis und Buchwert zum Zeitpunkt t= determiniert. Gem. (121) entspricht der Buchwert des Investitionsprojekts j im Zeitpunkt t= gerade dem Barwert der bei dessen Fortführung künftig noch erwarteten Cashflows und stimmt mit dem erwarteten Verkaufspreis gem. (98) überein. Folglich entsprechen sowohl die Differenz zwischen erwartetem Verkaufspreis und Buchwert des Investitionspro453

Zur Herleitung dieses erwarteten Erfolgsausweises siehe Abschnitt 6.2.3.2.1 der vorliegenden Arbeit.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

241

jekts j als auch dessen erwarteter Erfolgsausweis im Zeitpunkt der Veräußerung gerade null, d. h. E

j

0.

Der bei Durchführung der Alternativinvestition k in jedem Zeitpunkt während ihrer Projektlaufzeit erwartete projektspezifische Erfolgsausweis ergibt sich im betrachteten Fall gerade analog zu dem erwarteten Fair Value-basierten Erfolgsausweis bei Implementierung eines Investitionsprojekts im Rahmen des Ein-Projekt-Falls. Dies liegt darin begründet, dass die Gestalt der verwendeten Performancemaße in beiden Fällen übereinstimmt sowie die Bestimmung des in jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit erfassten Buchwerts jeweils analog unter Berücksichtigung der Regelungen zur Fair Value-Bilanzierung nach IFRS erfolgt. Insofern ist der erwartete Erfolgsausweis der Alternativinvestition k zum einen davon abhängig, in welcher Ausprägung die Fair Value-Bilanzierung Anwendung findet, d. h. ob der Fair Value als Wertansatz stringent zu allen Zeitpunkten während ihrer Projektlaufzeit oder exklusiv im Rahmen der Folgebewertung Anwendung findet. Zum anderen ist der erwartete Erfolgsausweis davon abhängig, ob die bei Durchführung der Alternativinvestition k durch das berichtende Unternehmen erwarteten künftigen Cashflows mit den durch einen repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwarteten künftigen Cashflows übereinstimmen oder ob die jeweils erwarteten künftigen Cashflows abweichen. Erfolgt die Bewertung der Alternativinvestition k in jedem Zeitpunkt ihrer Laufzeit stringent zum Fair Value bei übereinstimmenden Cashflow-Erwartungen, ergibt sich bei Anwendung des festgelegten Performancemaßes der zu jedem Zeitpunkt erwartete Erfolg-

242

Wertneutrale Veräußerungsoption

sausweis gerade analog zu dem in Abschnitt 6.2.3.2.1 ermittelten erwarteten Erfolgsausweis. Mithin entspricht der erwartete projektspezifische Erfolgsausweis der Alternativinvestition k zum Zeitpunkt ihrer Implementierung gerade ihrem gesamten erwarteten Kapitalwert. In allen nachfolgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit entspricht der erwartete Erfolgsausweis gerade null. 454 Findet die stringente Fair Value-Bewertung der Alternativinvestition k während allen Zeitpunkten ihrer Projektlaufzeit hingegen bei abweichenden Cashflow-Erwartungen statt, ergibt sich der erwartete projektindividuelle Erfolgsausweis analog zu dem in Abschnitt 6.2.4.2.1 hergeleiteten erwarteten Erfolgsausweis. Im Erwartungswert erfolgt somit zum Zeitpunkt der Implementierung der Alternativinvestition k, d. h. zum Zeitpunkt t= , gerade der Ausweis des durch einen repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwarteten Kapitalwerts. In allen nachfolgenden Zeitpunkten während der Laufzeit der Alternativinvestition k entspricht der erwartete projektspezifische Erfolgsausweis jeweils gerade der im jeweiligen Zeitpunkt erwarteten unternehmensspezifischen Cashflowkomponente.455 Bei übereinstimmenden Cashflow-Erwartungen sowie exklusiver Berücksichtigung des Fair Value im Rahmen der Folgebewertung und einer Zugangsbewertung in Höhe der Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten ergibt sich der erwartete projektspezifische 454 455

Zur Herleitung dieses erwarteten Erfolgsausweises siehe Abschnitt 6.2.3.2.1 der vorliegenden Arbeit. Zur Herleitung dieses erwarteten Erfolgsausweises siehe Abschnitt 6.2.4.2.1 der vorliegenden Arbeit.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

243

Erfolgsausweis der Alternativinvestition k in Analogie zu dem in Abschnitt 6.2.3.3.1 hergeleiteten erwarteten Erfolgsausweis. Somit entspricht der zum Zeitpunkt t= +1 erwartete Erfolgsausweis gerade dem aufgezinsten erwarteten Kapitalwert der Alternativinvestition k. Der zu allen übrigen Zeitpunkten während ihrer Projektlaufzeit erwartete Erfolgsausweis entspricht gerade null. 456 Erfolgt bei abweichenden Cashflow-Erwartungen die Zugangsbewertung der Alternativinvestition k in Höhe der Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten und die Folgebewertung in jedem nachfolgenden Zeitpunkt exklusiv zum Fair Value, ergibt sich der erwartete Erfolgsausweis der Alternativinvestition k analog zu dem in Abschnitt 6.2.4.3.1 hergeleiteten erwarteten Erfolgsausweis. Somit erfolgt im auf die Implementierung der Alternativinvestition k nachfolgenden Zeitpunkt (t= +1) im Erwartungswert der Ausweis des durch einen repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwarteten Kapitalwerts zuzüglich der in diesem Zeitpunkt erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente. In allen folgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit ( 1 t T ) erfolgt im Erwartungswert der Ausweis der jeweils erwarteten unternehmensspezifischen Cashflowkomponenten. Im Zeitpunkt der Implementierung entspricht der erwartete Erfolgsausweis gerade null. 457

456 457

Zur Herleitung dieses erwarteten Erfolgsausweises siehe Abschnitt 6.2.3.3.1 der vorliegenden Arbeit. Zur Herleitung dieses erwarteten Erfolgsausweises siehe Abschnitt 6.2.4.3.1 der vorliegenden Arbeit.

244

Wertneutrale Veräußerungsoption

Da bei Durchführung eines Projektwechsels im betrachteten Fall in allen auf den Zeitpunkt der Durchführung des Projektwechsel folgenden Zeitpunkten gem. (119) kein Erfolgsausweis für das Investitionsprojekt j erfolgt und dessen zum Zeitpunkt des Projektwechsels erwarteter Erfolgsausweis – wie vorangehend dargelegt – gerade null entspricht, determiniert der erwartete Erfolgsausweis der Alternativinvestition k zu jedem Zeitpunkt während ihrer Projektlaufzeit den gesamten erwarteten Erfolgs-ausweis. Die damit im vorliegenden Modellrahmen einhergehende Anreizwirkung soll im nachfolgenden Abschnitt aufgezeigt werden. 8.2.3.3 Anreizwirkung Im vorliegenden Abschnitt gilt es zu beurteilen, welche Anreizwirkung mit dem jeweiligen vorangehend aufgezeigten erwarteten Erfolgsausweis einher geht, sofern an den Manager die betrachtete Entscheidung bezüglich der Durchführung eines Projektwechsels delegiert wird. Aufgrund der besonderen Bedeutung der Anforderung der Vergleichbarkeit des erwarteten Erfolgsausweises hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit der zur Auswahl stehenden Handlungsoptionen aus Sicht des Shareholders im betrachteten Kontext findet diese Anforderung nachfolgend eingehende Berücksichtigung. Vergleichbarkeit bedeutet hier, dass die erwarteten Performancemaße in allen Zeitpunkten t T die Vorteilhaftigkeit eines Projektwechsels aus Sicht des Shareholders (sprich die Änderung des Barwerts der künftig erwarteten Zahlungen) reflektieren. Maßgeblich für die Vorteilhaftigkeit eines Projektwechsels aus Sicht des Shareholders ist im betrachteten Fall aufgrund der erwarteten

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

245

Wertneutralität der Veräußerung – wie vorangehend erläutert – nur der erwartete Kapitalwert der Alternativinvestition k. Bei Fortführung des Investionsprojekts j entspricht der erwartete Erfolgsausweis – wie vorangehend gezeigt –in jedem Zeitpunkt gerade null. Mithin wird Vergleichbarkeit dann zu jedem Zeitpunkt gewährleistet, wenn der jeweilige gesamte erwartete Erfolgsausweis für eine im Erwartungswert kapitalwertpositive [kapitalwertnegative] Alternativinvestition k positiv [negativ] ist. Dies wird gerade dann erreicht, wenn der erwartete Erfolgsausweis einer im Erwartungswert kapitalwertpositiven [kapitalwertnegativen] Alternativinvestition k in jedem Zeitpunkt während ihrer Laufzeit positiv [negativ] ist, da der zu jedem Zeitpunkt während der Laufzeit der Alternativinvestition k erwartete Erfolgsausweis des Investitionsprojekts j bei Durchführung eines Projektwechsels gerade null entspricht. Mithin wird Vergleichbarkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit eines Projektwechsels durch den erwarteten Erfolgsausweis der Alternativinvestition k determiniert. Wird der Fair Value der Alternativinvestition k bei übereinstimmenden Cashflow-Erwartungen in jedem Zeitpunkt während ihrer Laufzeit als Barwert der künftig aus ihrer Nutzung erwarteten Cashflows ermittelt, erfolgt im Erwartungswert – wie im vorangehenden Abschnitt dargelegt – unabhängig von der ausschließlichen Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz im Rahmen der Folgebewertung oder dessen Berücksichtigung als Wertansatz auch im Rahmen der Zugangsbewertung der Ausweis des aufgezinsten erwarteten Kapitalwerts bzw. des erwarteten Kapitalwerts in gerade einem Zeitpunkt. In allen anderen Zeitpunkten während der Laufzeit der Alternativinvestition k ist der erwartete Erfolgsausweis

246

Wertneutrale Veräußerungsoption

hingegen null. Die Anforderung der Vergleichbarkeit hinsichtlich der erwarteten Vorteilhaftigkeit eines Projektwechsels aus Sicht des Shareholders wird dann jeweils in gerade einem Zeitpunkt erfüllt, da bei Durchführung eines vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsels zu Gunsten einer im Erwartungswert kapitalwertpositiven [kapitalwertnegativen] Alternativinvestition k jeweils in gerade einem Zeitpunkt ein im Erwartungswert positiver [negativer] Erfolg ausgewiesen wird. Da die Anforderung der Vergleichbarkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit eines Projektwechsels jeweils zu gerade einem Zeitpunkt erreicht wird, kann nicht für beliebige (ggf. extreme) Präferenzen des Managers die Incentivierung der Durchführung eines aus Sicht des Shareholders vorteilhaften Projektwechsels erfolgen. Berücksichtigt der Manager jedoch in seinem Entscheidungskalkül (mindestens) die im Zeitpunkt des erwarteten Erfolgsausweises gewährte Entlohnung, hat er einen Anreiz, die Entscheidung über den Projektwechsel i. S. d. Shareholders zu treffen. Für beliebige bzw. nahezu beliebige Zeithorizonte kann bei einer Bewertung der Alternativinvestition k zum Fair Value bei übereinstimmenden Cashflow-Erwartungen ein aus Sicht des Shareholders vorteilhafter Projektwechsel incentiviert werden, da ausschließlich zu einem frühzeitigen Zeitpunkt während der Projektlaufzeit Vergleichbarkeit gewährleistet wird. Vergleichbarkeit wird bei einer Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz im Rahmen der Zugangsbewertung bereits zum Zeitpunkt des Projektwechsels (t= ) erfüllt, sodass der Manager auch dann einen Anreiz hat, einen Projektwechsel i. S. d. Shareholdes durchzuführen, wenn er auf-

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

247

grund eines kurzen Zeithorizonts ausschließlich der in diesem Zeitpunkt gewährten Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül Bedeutung beimisst. Erfolgt die Berücksichtigung des Fair Value exklusiv im Rahmen der Folgebewertung, wird Vergleichbarkeit im unmittelbar auf die Implementierung der Alternativinvestition k nachfolgenden Zeitpunkt (t= +1) erreicht. Der Manager hat somit auch dann einen Anreiz, die Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen, wenn er aufgrund eines kurzen Zeithorizonts ausschließlich die im Zeitpunkt des Projektwechsels und im unmittelbar nachfolgenden Zeitpunkt gewährte Entlohnung in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigt. Erfolgt die Ermittlung des Fair Value der Alternativinvestition k bei abweichenden Cashflow-Erwartungen als Barwert der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 bei ihrer Durchführung noch erwarteten künftigen Cashflows, ist der erwartete Erfolgsausweis nicht ausschließlich auf einen Zeitpunkt beschränkt. Stattdessen kann dann – wie vorangehend gezeigt – bei stringenter Bewertung der Alternativinvestition k zum Fair Value in allen Zeitpunkten während ihrer Laufzeit im Erwartungswert ein Erfolgsausweis erreicht werden. Bei einer exklusiven Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz im Rahmen der Folgebewertung kann im Erwartungswert zumindest zu allen der Implementierung der Alternativinvestition k nachfolgenden Zeitpunkten ein entsprechender Erfolgsausweis erfolgen. Trotz des jeweils nicht auf einen Zeitpunkt beschränkten erwarteten Erfolgsausweises ist die Anforderung der Vergleichbarkeit jeweils nicht in jedem Zeitpunkt sichergestellt. Diese wird bei stringenter Bewertung einer kapitalwertpositiven [kapitalwertnegativen] Alternativinvestition k zum

248

Wertneutrale Veräußerungsoption

Fair Value zu jedem Zeitpunkt ihrer Laufzeit nur dann erreicht, wenn sowohl ihr von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteter Kapitalwert, als auch alle erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponenten positiv [negativ] sind, d. h. wenn im Erwartungswert zeitdominante Wettbewerbsvorteile [-nachteile] bestehen. Bei Aktivierung der Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten und einer exklusiven Berücksichtigung des Fair Value im Rahmen der Folgebewertung kann Vergleichbarkeit lediglich in allen der Implementierung einer kapitalwertpositiven [kapitalwertnegativen] Alternativinvestition k nachfolgenden Zeitpunkten erreicht werden. Vergleichbarkeit wird in diesem Fall immer dann gewährleistet, wenn sowohl der im Zeitpunkt t= +1 erwartete Erfolgsausweis (d. h. die Summe aus dem durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Kapitalwert und der in diesem Zeitpunkt erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente) positiv [negativ] ist, als auch im Erwartungswert zeitdominante Wettbewerbsvorteile [-nachteile] i. S. positiver [negativer] erwarteter unternehmensindividueller Cashflowkomponenten in allen Folgezeitpunkten existieren. Da die Anforderung der Vergleichbarkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit eines Projektwechsels aus Sicht des Shareholders sowohl bei einer stringenten Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz in jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit der Alternativinvestition k als auch bei dessen ausschließlicher Berücksichtigung im Rahmen der Folgebewertung nicht per se für beliebige Projekte zu jedem Zeitpunkt gewährleistet wird, ist für beliebige (ggf. extreme) Präferenzen und beliebige Zeithorizonte des Managers die Incentivierung eines aus Sicht des Shareholders vorteilhaf-

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

249

ten Projektwechsels nicht sichergestellt. Diese wird lediglich dann gewährleistet, wenn bei stringenter Bewertung der Alternativinvestition k in jedem Zeitpunkt ihrer Laufzeit zum Fair Value Vergleichbarkeit zu jedem Zeitpunkt erreicht wird. Erwarteten zeitdominanten Wettbewerbsvorteilen [-nachteilen] gegenüber einem repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 kommt dabei – wie dargelegt – besondere Bedeutung zu. Die Existenz erwarteter zeitdominanter Wettbewerbsvorteile oder -nachteile ist somit wesentlich, um im betrachteten Kontext eine Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholders zu incentivieren. Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass die Durchführung der betrachteten Wechselentscheidung i. S. d. Shareholders nur in Spezialfällen incentiviert wird. Im Allgemeinen ist diese bei Verwendung Fair Value-basierter Performancemaße jedoch nicht gewährleistet.

250

Wertmindernde Veräußerungsoption

8.3 Wertmindernde Veräußerungsoption 8.3.1 Konkretisierung des Verkaufspreises Im Folgenden wird angenommen, dass der Verkaufspreis des Investitionsprojekts j im Zeitpunkt t= vom Barwert der bei dessen Fortführung erwarteten künftigen Cashflows abweicht. Der VerVP kaufspreis sei ein (positiver) Anteil (1 ) dieser erwarteten künftigen Cashflows zuzüglich eines transaktionsspezifischen Störterms , wobei letzterer im Erwartungswert den Wert null annimmt:

VP j

(1

VP

E ctj

T

) t

1

(1 r )

VP

mit 0

t

1 und E

0 . (126)

Entsprechend gilt für den erwarteten Verkaufspreis:

E VP j

(1

VP

E ctj

T

) t

1

(1 r )

t

mit 0

VP

1.

(127)

Der erwartete Verkaufspreis des Investitionsprojekts j ergibt sich VP somit gerade als Anteil (1 ) des Barwerts der erwarteten Cashflows bei dessen Fortführung. Zur Gewährleistung von sprachlicher Eindeutigkeit wird angenommen, dass im Erwartungswert ein positiver Verkaufspreis erzielt wird. Der erwartete Verkaufspreis liegt unterhalb des Barwerts der bei Fortführung des Investitionsprojekts j erwarteten Cashflows. Somit erfolgt bei Veräußerung des Investitionsprojekts j im Erwartungswert eine Wertminderung im Vergleich zu dessen Fortführung. Unter Berücksichtigung der im Grundmodell gem. (4) festgelegten Struktur der erwarteten

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

251

Cashflows lässt sich der erwartete Verkaufspreis im vorliegenden Fall auch darstellen als:

E VP j

(1

VP

T

) t

xtj t 1 (1 r )

yj .

(128)

Es wird angenommen, dass der Manager den erwarteten Verkaufspreis kennt, der Shareholder jedoch nicht. Beide kennen die Höhe des Abschlagsfaktors VP zum Zeitpunkt der Entscheidung über den Projektwechsel, d. h. im Zeitpunkt t= -1, sowie die Strukturparameter der erwarteten Cashflows x tj . Im Gegensatz zum Manager hat der Shareholder jedoch keine Kenntnis über den Niveauparameter y j . Somit kann der Shareholder den erwarteten Verkaufspreis des Investitionsprojekts j auch nicht herleiten. Da der Manager den Niveauparameter yk der in t= verfügbaren Alternativinvestition k per Annahme erst zum Zeitpunkt der Entscheidung über den Projektwechsel (t= -1) in Erfahrung bringt, hat der erwartete Verkaufspreis des Investitionsprojekts j keinen Einfluss auf die in t=-1 zu treffende Investitionsentscheidung über die Durchführung des Investitionsprojekts j (oder ggf. einer anderen Investitionsalternative). 8.3.2 Herleitung wertorientierter Performancemaße 8.3.2.1 Ermittlung des geeigneten erwarteten Erfolgsausweises Nachfolgend soll aufgezeigt werden, auf Grundlage welches erwarteten Erfolgsausweises der Manager einen Anreiz hat, die an ihn delegierte Wechselentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen,

252

Wertmindernde Veräußerungsoption

sofern die verwendeten Performancemaße im festgelegten Anreizsystem Anwendung finden. Der Shareholder orientiert sich annahmegemäß am Barwert der mit den Investitionsprojekten verbundenen Zahlungen. Im betrachteten Fall wird im Erwartungswert durch die Veräußerung des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j isoliert betrachtet der Barwert der erwarteten künftigen Cashflows gegenüber dem Barwert der erwarteten künftigen Cashflows bei Fortführung des Investitionsprojekts j reduziert. Die Reduktion erfolgt in Höhe des im erwarteten Verkaufspreis gem. (127) reflektierten Abschlags auf den Barwert der bei Fortführung des Investitionsprojekts j erwarten künftigen Cashflows, d. h.

E ctj

T

VP t

1

(1 r )t

.

Die Reduktion impliziert, dass im betrachteten Fall die Durchführung eines Projektwechsels – im Gegensatz zum vorherigen Fall – auch wenn die Alternativinvestition k einen positiven erwarteten Kapitalwert aufweist, nachteilig sein kann. Aus Sicht des Shareholders ist die Durchführung eines Projektwechsels also nicht für beliebige kapitalwertpositive Alternativinvestitionen sinnvoll. Vielmehr ist die Vorteilhaftigkeit eines Projektwechsels im vorliegenden Fall durch einen Trade-off gekennzeichnet. Dieser besteht zwischen dem bei Veräußerung des Investitionsprojekts j erwarteten Abschlag auf den Barwert der bei dessen Fortführung erwarteten künftigen Cashflows und dem Kapitalwert der Alternativinvestition k. Vorteilhaftigkeit des Projektwechsels aus Sicht des Shareholders ist dann gegeben, wenn der Abschlag auf den Barwert der bei Fortführung des Investitionsprojekts j erwarteten künftigen Cashflows

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

253

geringer ist als der erwartete Kapitalwert der Alternativinvestition k, d. h.

E ctj

T

VP t

1

(1 r )

E ctk

T

t

t

1

E I

(1 r )t

k

.

(129)

E KWk

Um die Durchführung [Unterlassung] eines aus Sicht des Shareholders vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsels zu incentivieren, muss der erwartete Erfolgsausweis in jedem Zeitpunkt t T strikt größer [kleiner] sein als der erwartete Erfolgsausweis bei Fortführung des Investitionsprojekts j. Letzterer erfolgt zur Incentivierung der aus Sicht des Shareholders besten Investitionsentscheidung in t=-1 gerade jeweils in Höhe eines periodenspezifischen Anteils t des erwarteten Kapitalwerts des Investitionsprojekts j. Entscheidet sich der Manager gegen den Projektwechsel, wird dieser erwartete Erfolgsausweis E

tj

t

E KW j

beibehalten.

Somit muss für das erwartete Performancemaß E ˆ t

im Falle

eines Projektwechsels gelten:

E ˆt

t

E KW j für

t

E ˆt

t

E KW j für

E ctj

T

VP

1

E ctj

T

VP t

(1 r )t

1

(1 r )t

E KWk

t T.

E KWk

t T.

(130) Da die Vorteilhaftigkeit des Projektwechsels aus Sicht des Shareholders wie in (129) ersichtlich – im hier betrachteten Fall einer im

254

Wertmindernde Veräußerungsoption

Erwartungswert wertmindernden Veräußerungsoption – nicht mehr ausschließlich vom Kapitalwert der Alternativinvestition k abhängt, sondern darüber hinaus auch vom Abschlag beim Verkauf des Investitionsprojekts j, ist der im vorangehend betrachteten Fall hergeleitete erwartete Erfolgsausweis gem. (102) hier nicht mehr hinreichend, um die aus Sicht des Shareholders gewünschte Entscheidung über einen Projektwechsel zu incentivieren. Sprich das erwartete Gesamtperformancemaß nach Durchführung des Projektwechsels E ˆ t

kann sich hier nicht mehr einfach (additiv) aus zwei

projektspezifischen Performancemaßen zusammensetzen, die im Erwartungswert jeweils einen positiven Anteil ihres erwarteten Kapitalwerts ausweisen, d. h. E ˆ t

t

E KW j

t

E KWk ,

um die gewünschte Anreizwirkung zu entfalten. Im Folgenden sollen weiterhin Gesamtperformancemaße ˆ t verwendet werden, die sich additiv aus zwei Performancemaßen, welche weiterhin als ˆ tj und ˆ tk bezeichnet werden, zusammensetzen. Um den Manager zu incentivieren, die an ihn delegierte Entscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen, kann (mindestens) eines dieser beiden Performancemaße im Erwartungswert nun nicht mehr einfach einem Anteil seines (originären) Kapitalwerts entsprechen, sondern muss zusätzlich den mit dem Verkauf einhergehenden Abschlag berücksichtigen. Im Folgenden wird hierzu die Möglichkeit betrachtet, den erwarteten Erfolgsausweis des Investitionsprojekts j anzupassen. Somit wird der mit dem Verkauf verbundene Abschlag auf den Barwert der bei Fortführung des Investitionsprojekts j erwarteten Cashflows quasi dem Investitionsprojekt j zugeordnet, da

F air V al u e & w ert. I n v.st e u er u n g (I nt ert e m p. I n v.r estri kti o n)

255

er si c h i n d e ss e n er w art et e m Erf ol gs a us w eis ni e d ers c hl ä gt. Es s ei d ar a uf hi n g e wi es e n, d ass di es e Z u or d n u n g ar bitr är ist. Si e s c h ei nt j e d o c h l o gis c h, d a a u c h d er V er k a ufs pr eis l et ztli c h a us d e m I n v e stiti o ns pr oj e kt j r es ulti ert u n d d ess e n ( ori gi n är er) K a pit al w ert i m hi er b etr a c ht et e n F all ei n es Pr oj e kt w e c hs els ni c ht ( m e hr) r e alisi er b ar ist. Di e Z u or d n u n g d e s A bs c hl a gs z u m I n v e stiti o ns pr oj e kt j b z w. z u d ess e n ( er w art et e m) Erf ol g s a us w eis i m pli zi ert, d ass i m F all e ei n e s Pr oj e kt w e c hs els d as j e w eils er w art et e pr oj e kt s p e zifis c h e P erf orma nce ma ß

ˆ

tj

ei n e n p o siti v e n A nt eil d es ori gi n är e n K a pit al w ert s

a b z ü gli c h d es A bs c hl a gs, d er a us d e m V er k a uf r es ulti ert, a us w eis e n m uss. Di e s er u m d e n A bs c hl a g r e d u zi ert e er w art et e K a pit al w ert wir d i m F ol g e n d e n als m o difi zi ert er er w art et er K a pit al w ert E

K W

j

E

b e z ei c h n et:

K W

j

E I

T 0 j

t 1

E c tj (1 r)

E [K W j]

(1

K W

) E

t

t

1 K W

K W

E c tj

T

VP

( 1 r )t E K W

j

. ( 1 3 1)

j

D er m o difi zi ert e K a pit al w ert l ä sst si c h a u c h als Diff er e n z d es origi n är e n K a pit al w ert s u n d d es mitt els ei n es s p e zifis c h e n K a pit alK W w ert a bs c hl a gsf a kt ors r e d u zi ert e n ( ori gi n är e n) K a pit al w erts d arst ell e n, b z w. a n d ers a u s g e dr ü c kt als r e si d u al er A nt eil d e s ori gin är e n K a pit al w ert s u nt er B er ü c ksi c hti g u n g d es k a pit al w ert s p e zifiK W s c h e n A bs c hl a gsf a kt ors . D er k a pit al w ert s p e zifis c h e A bs c hl a gsf a kt or er gi bt si c h g e m. ( 1 3 1) d a b ei g er a d e als d as V er h ält nis d es a bs ol ut e n i m er w art et e n V er k a ufs pr eis r efl e kti ert e n A bs c hl a gs

256

W ert mi n d er n d e V er ä u ß er u n gs o pti o n

a uf d e n B ar w ert d er er w art et e n k ü nfti g e n C as hfl o ws z u m ori gi n är e n K a pit al w ert: K W

E c tj

T

VP t

E

( 1 r )t K W j 1

.

( 1 3 2)

A n St ell e d e s b ei F ortf ü hr u n g d es I n v estiti o ns pr oj e kt s j a us g e wi es e n e n A nt eils a m i m Z eit p u n kt t =- 1 er w art et e n K a pit al w ert

E

tj

E K W

t

m u ss i m F all e ei n e s Pr oj e kt w e c hs els n u n

j

ei n p o siti v er A nt eil d e s m o difi zi ert e n er w art et e n K a pit al w ert s i m er w art et e n Erf ol g s a us w eis r efl e kti ert w er d e n, d. h. ˆ

E

mit 0

t

tj

T

w o b ei d er A nt eil

t

t t

E

K W

j

t

(1

K W

) E

K W

( 1 3 3)

j

T ,

g er a d e d e m b ei F ortf ü hr u n g d es I n v estiti o ns-

pr oj e kt s j i m er w art et e n Erf ol g s a us w eis r efl e kti ert e n A nt eil d es ori gi n är e n K a pit al w ert s e nts pr e c h e n m u ss. D a d er m o difi zi ert e erw art et e K a pit al w ert wi e i n ( 1 3 1) ersi c htli c h, u nt er a n d er e m d e n ori gi n är e n er w art e n K a pit al w ert b ei n h alt et, wir d s o g e w ä hrl eist et, d ass l et zt er er i n g e n a u gl ei c h e m M a ß e wi e b ei F ortf ü hr u n g d es I n v estiti o ns pr oj e kt s j i m er w art et e n P erf or m a n c e m a ß E

ˆ

tj

er-

f asst wir d u n d d ar ü b er hi n a us a u c h d er mit d er V er ä u ß er u n g d es I n v estiti o ns pr oj e kt s j ass o zii ert e A bs c hl a g B er ü c k si c hti g u n g fi n d et. I m n a c h d er E nts c h ei d u n g z ur D ur c hf ü hr u n g ei n es Pr oj e kt w e c hs els er w art et e n Erf ol gs a us w eis d e s I n v estiti o ns pr oj e kt s j wir d s o mit d er is oli ert e Ei nfl uss s ei n er V er ä u ß er u n g a uf di e V ort eil h afti g k eit d es Pr oj e kt w e c hs els i m V er gl ei c h z u s ei n er F ortf ü hr u n g r efl e kti ert.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

257

Um den Trade-off aus Sicht des Shareholders adäquat im erwarteten Erfolgsausweis zu reflektieren, gilt es, neben dem mit der Veräußerung des Investitionsprojekts j erwarteten Abschlag gleichermaßen den Kapitalwert der Alternativinvestition k im erwarteten Erfolgsausweis zu erfassen. Dies wird erreicht, wenn der identische Anteil t ihres erwarteten Kapitalwerts im erwarteten projektspezifischen Erfolgsausweis reflektiert wird, d. h. E ˆ tk

t

E KWk mit 0

t

T

Das Erfordernis übereinstimmender Anteile

t

t

T.

(134)

folgt daraus, dass

die Höhe des insgesamt erwarteten Erfolgsausweises gem. (130) abhängig sein muss von der Erfüllung bzw. Nicht-Erfüllung der in (129) konstatierten Bedingung. Diese besteht aus zwei Komponenten, konkret dem mit der Veräußerung des Investitionsprojekts j einhergehenden Abschlag auf den Barwert der bei seiner Fortführung erwarteten künftigen Cashflows und dem Kapitalwert der Alternativinvestition k. Da die beiden Komponenten dieser Bedingung in den unterschiedlichen Performancemaßen des Investitionsprojekts j und der Alternativinvestition k reflektiert werden, ist eine gleich starke Reflexion der beiden Komponenten der Bedingung (129) in den jeweiligen Performancemaßen, und somit letztlich im insgesamt erwarteten Erfolgsausweis, zwingend erforderlich, um den Trade-off aus Sicht des Shareholders abzubilden.

258

Wertmindernde Veräußerungsoption

Lemma 4 fasst die Erkenntnisse zusammen: Lemma 4 Bei unbekannten Präferenzen und einem unbekannten Zeithorizont des Managers wird im Falle einer wertmindernden Veräußerungsoption ein aus Sicht des Shareholders vorteilhafter [nachteiliger] Projektwechsel immer dann erreicht [verhindert], wenn bei Durchführung des Projektwechsels zu jedem Zeitpunkt t T im Erwartungswert zum einen ein Anteil

t

des modifizierten

erwarteten Kapitalwerts des Investitionsprojekts j und zum anderen der Ausweis des Anteils t des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k erfolgt. Für den erwarteten Erfolgsausweis im Falle eines Projektwechsels gilt dann: KW ) E KW j E t t T. t (1 t E KWk E ˆ tj

E ˆ tk

(135) Der erwartete (Gesamt-)Erfolgsausweis bei Durchführung eines aus Sicht des Shareholder vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsels übertrifft [unterschreitet] in jedem Zeitpunkt den erwarteten Erfolgsausweis bei Fortführung des Investitionsprojekts j. Vergleichbarkeit der beiden Handlungsalternativen (Durchführung des Projektwechsels oder Fortführung des Investitionsprojekts j) hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit aus Sicht des Shareholders ist somit anhand der jeweils erwarteten Erfolgsausweise gewährleistet. Erfolgt hingegen im Erwartungswert ausschließlich der Ausweis eines positiven Anteils t des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k, kann Vergleichbarkeit nicht in jedem Fall sichergestellt

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

259

werden, da unter anderem der aus Sicht des Shareholders relevante Trade-Off nicht berücksichtigt wird. Ebenso führt auch der isolierte Ausweis eines positiven Anteils des Trade-Off, d. h. der Summe des durch die Veräußerung des Investitionsprojekts j erwarteten Abschlags auf den Barwert der bei dessen Fortführung erwarteten Cashflows und des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k, nicht per se zur Vergleichbarkeit der Vorteilhaftigkeit der Handlungsalternativen aus Sicht des Shareholders. Dies liegt darin begründet, dass so nicht gewährleistet wird, dass der erwartete Erfolgsausweis nach Durchführung eines aus Sicht des Shareholders vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsels jenen bei Beibehaltung des Investitionsprojekts j übersteigt [unterschreitet]. Wie bereits in den vorherigen Abschnitten erörtert, impliziert der zur richtigen Anreizsetzung erforderliche erwartete Erfolgsausweis auch eine gewisse Glättung sowie zeitliche Entscheidungsverbundenheit. Inwiefern diese auch für die im vorliegenden Fall hergeleiteten projektspezifischen Erfolgsausweise erfüllt werden, obwohl im erwarteten Erfolgsausweis des Investitionsprojekts j der Abschlag Berücksichtigung findet, wird nachfolgend dargelegt. Erfolgt im Erwartungswert nach der Entscheidung zur Durchführung eines Projektwechsels zu jedem Zeitpunkt während der Laufzeit die Erfassung eines projektspezifischen Erfolgsausweises gem. (133) und (134), ist die Anforderung der Glättung für den jeweils erwarteten projektspezifischen Erfolgsausweis zu einem gewissen Grad erfüllt. Der erwartete projektspezifische Erfolgsausweis des Investitionsprojekts j gem. (133) entspricht in jedem Zeitpunkt gerade einem Anteil des erwarteten Erfolgsausweises bei dessen Fortführung. Wenngleich somit aufgrund des mit der Veräußerung des

260

Wertmindernde Veräußerungsoption

Investitionsprojekts j erwarteten Abschlags auf den Barwert der bei seiner Fortführung erwarteten Cashflows die Höhe des erwarteten projektspezifischen Erfolgsausweises verändert wird, bleibt die zeitliche Struktur und mithin auch die Stärke der Glättung des erwarteten projektspezifischen Erfolgsausweises im Zeitablauf im Vergleich zur Fortführung des Investitionsprojekts j unverändert. Da ferner zu jedem Zeitpunkt der Projektlaufzeit der gem. (134) ausgewiesene Anteil t des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k dem ausgewiesenen Anteil

t

des modifizierten

Kapitalwerts des Investitionsprojekts j entspricht, entspricht auch die Glättung des erwarteten projektspezifischen Erfolgsausweises der Alternativinvestition k gerade der Glättung des nach der Entscheidung zur Durchführung eines Projektwechsels erwarteten Erfolgsausweises des Investitionsprojekts j. Im betrachteten Fall erfolgt somit zur Gewährleistung von Vergleichbarkeit eine projekteinheitliche Glättung des jeweils erwarteten projektspezifischen Erfolgsausweises des Investitionsprojekts j und der Alternativinvestition k. Erfolgt im Erwartungswert zu jedem Zeitpunkt während der Laufzeit ein projektspezifischer Erfolgsausweis gem. (133) und (134), wird auch im betrachteten Fall die Vorteilhaftigkeit eines Projektwechsels bereits in dem zum Zeitpunkt seiner Durchführung erwarteten Erfolgsausweis (t= ) reflektiert und die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit zumindest partiell erfüllt. Aufgrund der Glättung des Erfolgsausweises im Zeitablauf wird zum Zeitpunkt des Projektwechsels nicht dessen gesamte Vorteilhaftigkeit aus Sicht des Shareholdes im erwarteten Erfolgsausweis

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

261

erfasst, sodass die Anforderung der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit in Analogie zu dem vorangehend betrachteten Fall auch in diesem Fall nicht in idealer Weise entsprochen wird. Zumindest wird jedoch bereits zum Zeitpunkt des Projektwechsels dessen Vorteilhaftigkeit, unter anderem aufgrund der anteiligen Erfassung des Trade-off aus Sicht des Shareholders, im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert. Wie gezeigt, entspricht im betrachteten Fall der bei Durchführung eines Projektwechsels in jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit im Erfolgsausweis reflektierte positive Anteil des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k gerade jenem positiven Anteil des bei Fortführung des Investitionsprojekts j im erwarteten Erfolgsausweis erfassten Anteils dessen in t=-1 erwarteten Kapitalwerts. Trotz dieser Identität der Anteilsfaktoren kann für den erwarteten Erfolgsausweis der Alternativinvestition k die Anforderung der Barwertidentität erfüllt werden. Diese wird erreicht, wenn bereits bei der Festlegung des zu jedem Zeitpunkt während der Laufzeit des Investitionsprojekts j im erwarteten Erfolgsausweis reflektierten Anteils seines erwarteten Kapitalwerts eine geeignete Auswahl der Anteilsfaktoren t erfolgt, sodass gilt: T t

t

(1 r )

t

T

1

Für positive Anteilsfaktoren

t

t

t

(1 r )

t

1 . (1 r )

(136)

wird Barwertidentität sowohl für

den erwarteten Erfolgsausweis der Alternativinvestition k als auch für jenen des Investitionsprojekts j erreicht, wenn für die Anteilsfaktoren t vor dem Zeitpunkt des Projektwechsels gilt:

262

Wertmindernde Veräußerungsoption 1 t 0

t

(1 r )

t

1

1 . (1 r )

(137)

8.2.3.2 Gestaltung geeigneter Allokationsregeln Im vorangehenden Abschnitt wurde aufgezeigt, auf Grundlage welcher zeitlichen Struktur des erwarteten Erfolgsausweises der Manager einen Anreiz hat, einen aus Sicht des Shareholders vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsel vorzunehmen [zu unterlassen], sofern die Vorteilhaftigkeit dieses Projektwechsels aus Sicht des Shareholders durch einen Trade-off gekennzeichnet ist. Nachfolgend steht unter Berücksichtigung dieser zeitlichen Struktur des erwarteten Erfolgsausweises die Konkretisierung geeigneter Allokationsregeln im Fokus der Betrachtungen, um den Shareholder zu incentivieren, die betrachtete Wechselentscheidung i. S. d. Shareholders zu treffen. In Analogie zu Abschnitt 8.2.2.2 werden in diesem Abschnitt ausschließlich jene projektspezifischen Performancemaße betrachtet, die nach der Entscheidung für die Durchführung eines Projektwechsels auftreten. Nicht fokussiert werden hingegen jene durch Allokationsregeln konkretisierten Performancemaße, die bei einer Fortführung des in t=0 implementierten Investitionsprojekts j Anwendung finden. Da in letztgenanntem Fall annahmegemäß keine Anpassung des Performancemaßes vorgenommen wird, entsprechen die in jedem Zeitpunkt während der Restlaufzeit des Investitionsprojekts j verwendeten Performancemaße dann gerade den zur Incentivierung der aus Sicht des Shareholders vorteilhaften Auswahlentscheidung im Zeitpunkt t=-1 herangezogenen Performancemaßen.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

263

Damit für die Alternativinvestition k im Erwartungswert in jedem Zeitpunkt während ihrer Projektlaufzeit ein Erfolgsausweis gem. (134) erfolgt, kann eine Beteiligung an den während ihrer Projektlaufzeit erwarteten Zahlungen erfolgen. Der Ausweis eines positiven Anteils des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k gem. (134) wird zum Zeitpunkt der Durchführung des Projektwechsels (t= ) erreicht, wenn bereits, für das gem. (94) festgelegte Performancemaß gilt: k

E I

! k

E KWk .

(138)

Unter Berücksichtigung der Darstellung der erwarteten Investitionsauszahlung gem. (87), der erwarteten Cashflows gem. (88) und des erwarteten Kapitalwerts gem. (90) lässt sich die Allokationsregel k wie folgt ermitteln:458 T t k

xtk (1 r ) t xk

mit 0

1.

(139)

In allen auf die Durchführung eines Projektwechsels folgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit der Alternativinvestition k wird für den allgemeinen Residualgewinn gem. (93) als Performancemaß der in (134) festgelegte Erfolgsausweis erreicht, wenn gilt:

458

Die Herleitung der Allokationsregel erfolgt Analog zu Anhang 6. Statt des dort berücksichtigten Anteilsfaktors t findet hier der Anteilsfaktor t Anwendung.

264

Wertmindernde Veräußerungsoption

tk

mit 0

t

E ctk

1

tk

E I

! k

t

E KWk

.

(140)

T.

1 t

Unter Berücksichtigung der Darstellung der erwarteten Investitionsauszahlung gem. (87), der erwarteten Cashflows gem. (88) und des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k gem. (90) lassen sich die Allokationsregeln tk und tk ermitteln. Für sie muss gelten:459 T

t tk

und

tk

t

xtk

t

xtk t 1 (1 r )

, jeweils mit 0

t

1

(141)

1 t T.

(142)

Proposition 11 fasst die vorangehenden Erkenntnisse zusammen:

459

Die Herleitung der Allokationsregel erfolgt Analog zu Anhang 7. Statt des dort berücksichtigten Anteilsfaktors t findet hier der Anteilsfaktor t Anwendung.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion) Proposition 11 Der Ausweis eines positiven Anteils

265

des erwarteten Kapital-

werts der Alternativinvestition k wird für das im Zeitpunkt t= verwendete Performancemaß der Form k k I k im Erwartungswert gewährleistet, wenn für die Allokationsregel T

xtk (1 r ) t xk

t k

Ausweis eines positiven Anteils

t

gilt:

1.

mit 0

In allen nachfolgenden Zeitpunkten (

k

1 t T ) wird der

des erwarteten Kapitalwerts

der Alternativinvestition k für das verwendete Performancemaß der Form tk tk ctk tk I k gewährleistet, wenn für die Allokationsregeln

tk

und

tk

gilt: T

t tk

jeweils mit 0

t

1

xtk

t

xtk t 1 (1 r)

tk

t

,

1 t T.

Die gem. (139), (141) und (142) ermittelten Allokationsregeln sind zu den im vorangehenden Fall hergeleiteten Allokationsregeln analog, da sie auf gleiche Weise von den Strukturparametern xtk der Alternativinvestition k abhängen. Zu beachten ist jedoch, dass der verwendete projekteinheitliche Anteilsfaktor t jenem Anteilsfaktor entspricht, der vom Shareholder bereits zur Incentivierung der in t=-1 getroffenen Projektauswahl festgelegt wurde. Die hier anzuwendenden Allokationsregeln sind also ein Spezialfall der in

266

Wertmindernde Veräußerungsoption

Proposition 9 beschriebenen Allokationsregeln, nämlich mit der Eigenschaft t t T. t Zur Erzielung des geeigneten Erfolgsausweises des Investitionsprojekts j gilt es, ebenfalls geeignete Allokationsregeln festzulegen. Der Ausweis eines positiven Anteils des modifizierten erwarteten Kapitalwerts des Investitionsprojekts j gem. (133) kann im Erwartungswert zum Zeitpunkt t= erreicht werden, sofern die Allokationsregeln des allgemeinen Residualgewinns gem. (95) folgende Bedingung erfüllen: j

E c

j

j

E I0 j

!

KW

(1

) E KW j

mit 0

1,

(143) wobei sich der kapitalwertspezifische Abschlagsfaktor KW gem. (131) unter Berücksichtigung der Darstellung der erwarteten Investitionsauszahlung gem. (3), der erwarteten Cashflows gem. (4) und des erwarteten Kapitalwerts gem. (8) darstellen lässt als: T xtj KW

VP

t

1 T t 0

(1 r )t xtj

.

(144)

(1 r )t

Bedingung (143) wird unter Berücksichtigung von (3), (4) und (8) erfüllt, wenn gilt:460

460

Zur Herleitung der Allokationsregeln siehe Anhang 9.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

j

und

)

KW

(1

j

xtj

T

KW

(1

x

j

t 1

267 (145)

(1 r )t 1.

), jeweils mit 0

(146)

In allen der Veräußerung des Investitionsprojekts j nachfolgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit der Alternativinvestition k fallen für ersteres keine Cashflows mehr an. Dennoch kann in Analogie zum vorangehend betrachteten Fall ein geeigneter Erfolgsausweis gem. (133) für das Investitionsprojekt j erfolgen, wenn sowohl die intertemporale Allokation des in t= erzielten Verkaufspreises als auch der in t=0 geleisteten Investitionsauszahlung erfolgt. Ein Erfolgsausweis gem. (133) wird erreicht, wenn für das verwendete Performancemaß gem. (96) gilt: tj

mit 0

t

E VP

j

1

1 t T.

tj

E I0 j

! t

KW

(1

) E KW j .

(147)

Bedingung (147) wird erfüllt, wenn unter Berücksichtigung des erwarteten Verkaufspreises gem. (128), der Investitionsauszahlung gem. (3) und des erwarteten Kapitalwerts gem. (8) gilt: 461 T xtj tj

t

(1 (1

KW

) VP )

t 1 T t

und

461

tj

t

(1

KW

) jeweils mit 0

1 t

(1 r )t xtj

(148)

(1 r )t 1

Zur Herleitung der Allokationsregeln siehe Anhang 10.

1 t

T.

(149)

268

Wertmindernde Veräußerungsoption

Proposition 12 fasst die vorangehenden Ergebnisse zusammen: Proposition 12 Der Ausweis eines Anteils positiven t des zur Berücksichtigung des Abschlags modifizierten erwarteten Kapitalwerts des Investitionsprojekts j wird für das im Zeitpunkt t= verwendete Performancemaß der Form im Erwarj j c j j I0 j tungswert gewährleistet, wenn für die Allokationsregeln j

j

und

gilt: j

(1

KW

xtj

T

)

x

j t 1

(1 r )

jeweils mit 0

1 und

VP

t

1 T

(1 r )t xtj

t 0

und hinsichtlich der Allokationsregeln

)

,

xtj

T KW

KW

(1

j

t

,

(1 r )t bzw.

tj

tj

und des in

allen nachfolgenden Zeitpunkten ( 1 t T ) verwendeten Performancemaßes der Form tj gilt: tj VP j tj I 0 j

tj

t

T

xtj

t 1 T

(1 r )t xtj

KW

(1 (1

) VP ) t

1

tj

(1

KW

)

t

,

(1 r )t xtj t 1 (1 r ) T xtj r )t t 0 (1

T

jeweils mit 0

t

1 und

KW

VP

t

1 t

T.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

269

Wie in (145), (146), (148) und (149) ersichtlich, sind die Allokationsregeln für die Cashflows und die Investitionsauszahlung des Investitionsprojekts j den jeweiligen Allokationsregeln im vorangehend betrachteten Fall ähnlich. Zusätzlich ist im vorliegenden Fall jedoch in allen Allokationsregeln für das Investitionsprojekt j der mit dem Verkauf einhergehende Abschlag in Form des kapitalwertspezifischen Abschlagsfaktors KW bzw. des Abschlagsfaktors auf den Verkaufspreis VP zu berücksichtigen. Annahmegemäß ist dem Shareholder der Abschlagsfaktor

VP

bekannt. Nicht unmit-

telbar bekannt ist dem Shareholder hingegen der kapitalwertspezifische Abschlagsfaktor KW . Da letzterer jedoch gem. (144) vom Abschlagsfaktor VP und den Strukturparametern x tj abhängt und somit auf dem Shareholder bekannten Größen basiert, kann der Shareholder auch den kapitalwertspezifischen Abschlagsfaktor KW bestimmen. Die vorangehend ermittelten Allokationsregeln für die jeweiligen Cashflows und die Investitionsauszahlung sowohl des Investitionsprojekts j als auch der Alternativinvestition k lassen sich unabhängig von den Niveauparametern y j bzw. yk ermitteln. Zur Festlegung der Allokationsregeln für die Zahlungsströme der Alternativinvestition k benötigt der Shareholder lediglich Kenntnis der Strukturparameter xtk und der durch ihn wählbaren Anteilsfaktoren t

. Für die Bestimmung der Allokationsregeln für die Zahlungs-

ströme des Investitionsprojekts j bedarf es zusätzlich zur Kenntnis der Strukturparameter x tj und der Anteilsfaktoren t auch der Kenntnis des Abschlagsfaktors

VP

.

270

Wertmindernde Veräußerungsoption

8.3.3 Eignung Fair Value-basierter Performancemaße 8.3.3.1 Einleitung und Anpassung des Modellrahmens Nachfolgend soll aufgezeigt werden, welche zeitliche Struktur Fair Value-basierte Performancemaße aufweisen, sofern ein Projektwechsel erfolgt und im erwarteten Verkaufspreis ein Abschlag auf den Barwert der bei Fortführung des Investitionsprojekts j erwarteten Cashflows berücksichtigt werden muss. Die verwendeten Performancemaße entsprechen den in Abschnitt 8.2.3 verwendeten Performancemaßen und werden hier zur Vollständigkeit abgebildet. Nach der Entscheidung zur Beibehaltung des Investitionsprojekts j bzw. zur Durchführung der Alternativinvestition k hat deren jeweiliges projektindividuelles Performancemaß die Form: IFRS ctm d tm r Bt 1m mit m j, k t T . (150) tm Hinsichtlich des bei Veräußerung des Investitionsprojekts j im Zeitpunkt der Veräußerung (t= ) verwendeten Performancemaßes gilt: IFRS (151) c j d j r B 1 j VP j B j . j In allen Zeitpunkten nach der Veräußerung des Investitionsprojekts j ( 1 t T ) gilt für dessen Performancemaß: IFRS tj

0

1

t

T.

(152)

Ebenfalls in Analogie zu Abschnitt 8.2.3 entspricht die verrechnete Wertänderung der Differenz zwischen dem Buchwert des betrachteten Investitionsprojekts im vorangehenden Zeitpunkt und dessen Buchwert im aktuellen Zeitpunkt: (153) d tm Bt 1m Btm mit m j, k t T.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

271

Es wird im betrachteten Fall angenommen, dass sich die aus den jeweiligen Investitionsprojekten bei ihrer Durchführung im Erwartungswert zu jedem Zeitpunkt generierten Cashflows als Summe des jeweils durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Cashflows und ggf. einer unternehmensspezifischen Cashflowkomponente ergeben:

E ctm

E ctmM

E

U ctm mit m

j, k

t T . (154)

Die bei Implementierung der Alternativinvestition k im Zeitpunkt t= im Erwartungswert durch das berichtende Unternehmen zu leistende Investitionsauszahlung entspricht per Annahme der Investitionsauszahlung I k , die auch ein repräsentativer Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 im Erwartungswert zu entrichten hat. Konsistent mit der exit price-Orientierung des IFRS 13 wird der Fair Value des Investitionsprojekts j zum Zeitpunkt t= als hypothetischer Verkaufspreis i. S. d. Barwerts der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten künftigen Cashflows festgelegt, d. h.

FV

j

E ctjM

T

E VP j t

1

(1 r )t

.

(155)

Analog sei der Fair Value des Investitionsprojekts j auch in allen weiteren Zeitpunkten seiner Laufzeit gerade der Barwert der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Cashflows. Bei per Annahme stringenter Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz in allen Zeitpunkten seiner Laufzeit gilt:

272

Wertmindernde Veräußerungsoption

Btj

T

FVtj

h t 1

E chjM (1 r )h

t

1 t T.

(156)

Per Annahme stellt sich das berichtende Unternehmen in Bezug auf das Investitionsprojekts j isoliert betrachtet durch die Veräußerung im Vergleich zu dessen Fortführung im Erwartungswert schlechter. Es gilt:

E

T t

1

ctjU

0.

(1 r )t

(157)

Hinsichtlich des Fair Value der Alternativinvestition k wird in Analogie zu (155) und (156) festgelegt, dass dieser in jedem Zeitpunkt ihrer Laufzeit dem Barwert der von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten künftigen Cashflows entspricht:

FVtk

T h t 1

E chkM (1 r )h

t T.

t

(158)

Erfolgt die Zugangsbewertung der Alternativinvestition k in Höhe der Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten, gilt: Bk I k. (159) Bei einer Berücksichtigung des Fair Value der Alternativinvestition k als Wertansatz bereits in ihrem Zugangszeitpunkt gilt:

Bk

E ctkM

T

FV k

. (160) (1 r )t Per Annahme erfolgt eine stringente Folgebewertung der Alternativinvestition k zum Fair Value, d. h. t

1

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

Btk

FVtk

E chkM

T h t 1

(1 r ) h

t

1 t T.

273

(161)

8.3.3.2 Erwarteter Erfolgsausweis Im vorliegenden Abschnitt soll nun aufgezeigt werden, welche zeitliche Struktur der jeweils erwartete Erfolgsausweis bei einem Projektwechsel (bzw. Fortführung des Investitionsprojekts j) unter Berücksichtigung der vorangehend genannten Annahmen aufweist. Entscheidet sich der Manager im Zeitpunkt t= -1 zur Fortführung des Investitionsprojekts j, erfolgt in allen Zeitpunkten während dessen Restlaufzeit die Neubewertung zum Fair Value als Barwert der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer künftig erwarteten Cashflows gem. (156). Wie in Abschnitt 6.2.4 aufgezeigt, entspricht das erwartete Performancemaß gem. (150) in jedem Zeitpunkt während der Restlaufzeit des Investitionsprojekts j ( t T ) dann gerade der in diesem Zeitpunkt erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente, d. h.

E

IFRS tj

E

ctjU

t T.

(162)

Bei Veräußerung und damit einhergehender Ausbuchung des Investitionsprojekts j entspricht das erwartete projektindividuelle Performancemaß gem. (151) ebenfalls der erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente, da im Erwartungswert eine erfolgswirksam zu verbuchende Differenz zwischen dem erwarteten Verkaufspreis und dem Buchwert aufgrund der exit price-

274

Wertmindernde Veräußerungsoption

Orientierung des Fair Value auch im vorliegenden Fall nicht auftreten kann. Es gilt: E

IFRS j

E

cUj .

Bei Durchführung der Alternativinvestition k im Zeitpunkt t= ergibt sich deren erwarteter projektspezifischer Erfolgsausweis auch im vorliegenden Fall analog zum erwarten Erfolgsausweis in Abschnitt 8.2.3.2, da sowohl das verwendete Performancemaß als auch die jeweiligen Buchwerte übereinstimmen. Der erwartete Erfolgsausweis hängt davon ab, ob übereinstimmende oder abweichende Cashflow-Erwartungen bestehen und ab welchem Zeitpunkt der Fair Value als Wertansatz Berücksichtigung findet. Bei übereinstimmenden Cashflow-Erwartungen zwischen einem repräsentativen Marktteilnehmer und dem berichtenden Unternehmen und stringenter Bewertung der Alternativinvestition k zum Fair Value in jedem Zeitpunkt ihrer Laufzeit entspricht ihr erwarteter projektspezifischer Erfolgsausweis zum Zeitpunkt der Implementierung (t= ) gerade ihrem gesamten erwarteten Kapitalwert. Der erwartete Erfolgsausweis in allen folgenden Zeitpunkten entspricht gerade null. 462 Bei abweichenden Cashflow-Erwartungen und stringenter Bewertung der Alternativinvestition k zum Fair Value in jedem Zeitpunkt ihrer Laufzeit entspricht ihr erwarteter projektspezifischer Erfolgsausweis zum Zeitpunkt der Implementierung (t= ) gerade dem durch einen repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 er462

Zur Herleitung dieses erwarteten projektindividuellen Erfolgsausweises siehe Abschnitt 6.2.3.2.1 der vorliegenden Arbeit.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

275

warteten Kapitalwert. In allen nachfolgenden Zeitpunkten entspricht der jeweils erwartete projektspezifische Erfolgsausweis gerade der zum jeweiligen Zeitpunkt erwarteten unternehmensspezifischen Cashflowkomponente.463 Bei übereinstimmenden Cashflow-Erwartungen und ausschließlicher Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz im Rahmen der Folgebewertung sowie einer Zugangsbewertung in Höhe der Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten entspricht der zum Zeitpunkt t= +1 erwartete Erfolgsausweis gerade dem aufgezinsten erwarteten Kapitalwert der Alternativinvestition k. Der zu allen übrigen Zeitpunkten während ihrer Projektlaufzeit erwartete Erfolgsausweis entspricht gerade null. 464 Erfolgt bei abweichenden Cashflow-Erwartungen die Zugangsbewertung der Alternativinvestition k in Höhe der Investitionsauszahlung als Anschaffungskosten und die Folgebewertung in jedem nachfolgenden Zeitpunkt exklusiv zum Fair Value, entspricht der erwartete Erfolgsausweis im auf die Implementierung der Alternativinvestition k nachfolgenden Zeitpunkt (t= +1) dem durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Kapitalwert und der in diesem Zeitpunkt erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente. In allen folgenden Zeitpunkten während der Projektlaufzeit ( 1 t T ) erfolgt im Erwartungswert der Ausweis der jeweils erwarteten unternehmensspezifischen Cashflowkomponen463 464

Zur Herleitung dieses erwarteten projektindividuellen Erfolgsausweises siehe Abschnitt 6.2.4.2.1 der vorliegenden Arbeit. Zur Herleitung dieses erwarteten projektindividuellen Erfolgsausweises siehe Abschnitt 6.2.3.3.1 der vorliegenden Arbeit.

276

Wertmindernde Veräußerungsoption

ten. Im Zeitpunkt der Implementierung der Alternativinvestition k ist deren erwarteter Erfolgsausweis gerade null. 465 8.3.3.3 Anreizwirkung Im vorliegenden Abschnitt gilt es zu beurteilen, welche Anreizwirkung mit den jeweiligen vorangehend aufgezeigten erwarteten Erfolgsausweisen im betrachteten Kontext einher geht. Da auch im betrachteten Fall der Anforderung der Vergleichbarkeit des erwarteten Erfolgsausweises hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit der zur Auswahl stehenden Handlungsoptionen aus Sicht des Shareholders besondere Bedeutung zukommt, wird diese nachfolgend eingehend berücksichtigt. Da gem. (155) der erwartete Verkaufspreis des Investitionsprojekts j dem Barwert der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 bei dessen Durchführung erwarteten Cashflows entspricht und sich das berichtende Unternehmen annahmegemäß (isoliert betrachtet) durch die Veräußerung des Investitionsprojekts j gegenüber dessen Fortführung im Erwartungswert schlechter stellt, ist die Vorteilhaftigkeit eines Projektwechsels aus Sicht des Shareholders auch im betrachteten Fall durch einen Trade-off gekennzeichnet. Dieser besteht zwischen dem Barwert der bei Fortführung des Investitionsprojekts j erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponenten und dem erwarteten Kapitalwert der Alternativinvestition k. Vorteilhaft [nachteilig] ist die Durchführung eines Projektwechsels zu Gunsten der Alternativinvestition k aus Sicht des Shareholders, wenn ihr erwarteter Kapitalwert den Bar465

Zur Herleitung dieses erwarteten projektindividuellen Erfolgsausweises siehe Abschnitt 6.2.4.3.1 der vorliegenden Arbeit.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

277

wert der erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponenten des Investitionsprojekts j übersteigt [unterschreitet]. Vergleichbarkeit im betrachteten Kontext wird dann zu jedem Zeitpunkt erfüllt, wenn der nach der Entscheidung zur Durchführung eines aus Sicht des Shareholders vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsels zu jedem Zeitpunkt erwartete Erfolgsausweis den im jeweiligen Zeitpunkt bei Fortführung des Investitionsprojekts j erwarteten Erfolgsausweis übersteigt [unterschreitet]. Dies ist dann der Fall, wenn sich der Trade-off aus Sicht des Shareholders in jedem Zeitpunkt nach der Entscheidung zur Durchführung eines Projektwechsels ( t T ) derart im erwarteten Erfolgsausweis niederschlägt, dass zu jedem Zeitpunkt der gesamte erwartete Erfolgsausweis bei Durchführung eines vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsels den erwarteten Erfolgsausweis bei Fortführung des Investitionsprojekts j gem. (162) in Form von dessen unternehmensindividuellen Cashflowkomponenten übersteigt [unterschreitet]. Da bei einem Projektwechsel in den dem Projektwechsel nachfolgenden Zeitpunkten kein Erfolgsausweis für das Investitionsprojekt j erfolgt, ist Vergleichbarkeit zu diesen Zeitpunkten gerade dann erfüllt, wenn der jeweils erwartete Erfolgsausweis der Alternativinvestition k die unternehmensindividuellen Cashflowkomponenten des Investitionsprojekts j, die bei dessen Fortführung künftig jeweils zu erwarten wären, übertrifft [unterschreitet]. Da zum Zeitpunkt t= sowohl bei Veräußerung des Investitionsprojekts j als auch bei dessen Fortführung seine erwartete unternehmensindividuelle Cashflowkomponente im erwarteten projektindividuellen Erfolgsausweis reflektiert wird, ist zum Zeitpunkt t= Vergleichbarkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit [Nachteiligkeit] des Pro-

278

Wertmindernde Veräußerungsoption

jektwechsels gewährleistet, wenn der erwartete Erfolgsausweis der Alternativinvestition k positiv [negativ] ist. Da bei Ermittlung des Fair Value der Alternativinvestition k als Barwert der im Rahmen der Nutzung durch das berichtende Unternehmen erwarteten Cashflows, d. h. im Fall übereinstimmender Cashflow-Erwartungen, wie im vorangehenden Abschnitt gezeigt, im Erwartungswert unabhängig von der erstmaligen Berücksichtigung des Fair Value als Wertansatz ausschließlich in einem Zeitpunkt ein Erfolgsausweis erfolgt, kann Vergleichbarkeit nur im Spezialfall zu jedem Zeitpunkt erreicht werden. Vergleichbarkeit kann bei stringenter Bewertung der Alternativinvestition k zum Fair Value in jedem Zeitpunkt ihrer Laufzeit nur dann gewährleistet werden, wenn für einen im Erwartungswert vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsel der zum Zeitpunkt des Projektwechsels (t= ) erwartete Erfolgsausweis der Alternativinvestition k in Form ihres erwarteten Kapitalwerts positiv [negativ] ist. In allen nachfolgenden Zeitpunkten könnte Vergleichbarkeit nur für den Fall erreicht werden, dass alle erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponenten des Investitionsprojekts j negativ [positiv] wären. Von Bedeutung sind also zeitdominante Wettbewerbsnachteile [vorteile] des Investitionsprojekts j.466 Bei exklusiver Berücksichtigung des Fair Value im Rahmen der Folgebewertung ist Vergleichbarkeit für einen aus Sicht des Shareholders vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsel dann gewährleistet, wenn der im Zeitpunkt 466

Der Fall zeitdominanter Wettbewerbsnachteile würde implizieren, dass sich das berichtende Unternehmen durch die alleinige Veräußerung des Investitionsprojekts j zum Barwert der durch einen repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten Cashflows besser stellen könnte. In der vorliegenden Analyse wurde dieser aufgrund zur Fokussierung des Projektwechsels ausgeschlossen.

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

279

t= +1 im Erwartungswert ausgewiesene aufgezinste erwartete Kapitalwertwert der Alternativinvestition k die im Zeitpunkt t= +1 erwartete unternehmensindividuelle Cashflowkomponente des Investitionsprojekts j übertrifft [unterschreitet] und ferner die erwarteten projektindividuellen Cashflowkomponenten in allen folgenden Zeitpunkten während der Laufzeit des Investitionsprojekts j negativ [positiv] sind. Bedeutung haben auch hier zeitdominante Wettbewerbsnachteile [-vorteile] des Investitionsprojekts j. Vergleichbarkeit im Zeitpunkt des Projektwechsels (t= ) kann aufgrund der erfolgsneutralen Zugangsbewertung der Alternativinvestition k nicht erreicht werden. Wie dargelegt, kann Vergleichbarkeit bei übereinstimmenden Erwartungen hinsichtlich der Cashflows der Alternativinvestition k zu jedem Zeitpunkt somit nur im restriktiven Spezialfall erreicht werden. Sie ist bei übereinstimmenden Erwartungen hinsichtlich der Cashflows der Alternativinvestition k für Fair Value-basierte Performancemaße nicht sichergestellt. Da Vergleichbarkeit bei einer Bestimmung des Fair Value der Alternativinvestition k bei übereinstimmenden Cashflow-Erwartungen im Allgemeinen nicht in jedem Zeitpunkt gewährleistet ist, wird bei Anwendung der im vorangehenden Abschnitt aufgezeigten Performancemaße im Allgemeinen nicht für beliebige (ggf. extreme) Präferenzen die Auswahl der aus Sicht des Shareholders vorteilhaften Handlungsalternative incentiviert. Dies ist lediglich für den Spezialfall gewährleistet, dass Vergleichbarkeit in jedem Zeitpunkt während der (Rest-)Laufzeit beider Investitionsprojekte erfüllt wird. Wie dargelegt, erlangen dabei mit dem Investitionsprojekt j assoziierte zeitdominante Wettbewerbsnachteile [-vorteile] gegenüber einem repräsentativen Marktteilnehmer herausragende Bedeutung.

280

Wertmindernde Veräußerungsoption

Liegen hinsichtlich der Alternativinvestition k abweichende Cashflow-Erwartungen zwischen einem repräsentativen Marktteilnehmer und dem berichtenden Unternehmen vor, erfolgt bei einer Verwendung Fair Value-basierter Performancemaße, wie im vorangehenden Abschnitt gezeigt, für die Alternativinvestition k nicht mehr ausschließlich in einem Zeitpunkt im Erwartungswert ein Erfolgsausweis. Statt dessen werden während ihrer Laufzeit im Erwartungswert auch unternehmensindividuelle Cashflowkomponenten ausgewiesen. Bei stringenter Bewertung der Alternativinvestition k zum Fair Value wird Vergleichbarkeit erreicht, wenn sowohl ihr durch einen repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 erwarteter und im erwarteten Erfolgsausweis zum Zeitpunkt t= reflektierter Kapitalwert positiv [negativ] ist, als auch ihre erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponenten, die in den nachfolgenden Zeitpunkten im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert werden, über [unter] den im jeweiligen Zeitpunkt erwarteten Cashflowkomponenten des Investitionsprojekts j liegen. Bei exklusiver Berücksichtigung des Fair Value im Rahmen der Folgebewertung und abweichenden Cashflow-Erwartungen kann Vergleichbarkeit hinsichtlich eines vorteilhaften [nachteiligen] Projektwechsels nur zu jedem einem Projektwechsel nachfolgenden Zeitpunkt erreicht werden: Dies ist dann der Fall, wenn zum einen der zum Zeitpunkt t= +1 erwartete Erfolgsausweis (d. h. die Summe aus dem von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten aufgezinsten Kapitalwertwert der Alternativinvestition k und ihrer zu diesem Zeitpunkt erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponente) die zu diesem Zeitpunkt erwartete unternehmensindividuelle Cashflowkomponente des Investitionsprojekts j übertrifft [unterschreitet]. Zum anderen bedarf es zur Gewährleistung

Fair Value & wert. Inv.steuerung (Intertemp. Inv.restriktion)

281

von Vergleichbarkeit zu allen nachfolgenden Zeitpunkten, dass die zu diesen Zeitpunkten jeweils erwarteten unternehmensindividuellen Cashflowkomponenten der Alternativinvestition k jene des Investitionsprojekts j übertreffen [unterschreiten]. Vergleichbarkeit im Zeitpunkt des Projektwechsels (t= ) kann aufgrund der erfolgsneutralen Zugangsbewertung der Alternativinvestition k nicht erreicht werden, da der zum Zeitpunkt t= erwartete Erfolgsausweis der Alternativinvestition k gerade null ist. Wie dargelegt, kann Vergleichbarkeit zu jedem Zeitpunkt auch bei abweichenden Cashflow-Erwartungen nur im restriktiven Spezialfall erreicht werden. Sie ist für Fair Value-basierte Performancemaße nicht sichergestellt. Da Vergleichbarkeit auch bei abweichenden Erwartungen hinsichtlich der Cashflows nicht zu jedem Zeitpunkt sichergestellt ist, wird die Durchführung eines Projektwechsels i. S. d. Shareholders auch in diesem Fall nicht per se für beliebige (ggf. extreme) Präferenzen des Managers gewährleistet. Dennoch kann dieser Projektwechsel im Spezialfall, wenn Vergleichbarkeit zu jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit besteht, incentiviert werden. Erneut ist hier ersichtlich, dass erwartete zeitdominante Wettbewerbsvorteile [-nachteile], welche sich in den erwarteten Cashflowkomponenten der Investitionsprojekte manifestieren, von zentraler Bedeutung sind, um eine Investitionsentscheidung i. S. d. Shareholder zu incentivieren.

282

Wertmindernde Veräußerungsoption

Festzuhalten ist, dass Fair Value-basierte Performancemaße unabhängig von der Existenz abweichender oder übereinstimmender Erwartungen hinsichtlich der Cashflows im betrachteten Fall eines Trade-offs nur in Spezialfällen eine aus Sicht des Shareholders wünschenswerte Entscheidung über einen Projektwechsel incentivieren.

9 Kritische Würdigung 9.1 Spezifische Modellannahmen Im Folgenden wird zum einen das im Modell explizit erfasste Auseinanderfallen des Zeitpunkts der Investitionsentscheidung und der Investitionsdurchführung kritisch gewürdigt, da dieses Auseinanderfallen eine wesentliche Abweichung von den gängigen Annahmen in Modellen zur Investitionssteuerung darstellt. Zum anderen erfolgt eine kritische Betrachtung der vermeintlich restriktiven Annahme einer Beschränkung der Handlungsoptionen des Managers auf zwei Investitionsalternativen bzw. zwei Handlungsalternativen. In der vorliegenden Analyse wurde angenommen, dass der Zeitpunkt der Investitionsentscheidung der eigentlichen Durchführung des Investitionsprojekts zeitlich vorgelagert ist. Im Hinblick auf ihre Realitätsnähe erscheint diese Annahme plausibel. So ist in praxi regelmäßig zu beobachten, dass nach der Entscheidung zur Durchführung eines Investitionsprojekts zunächst die zu seiner Durchführung benötigen Ressourcen an den Ort der Investitionsdurchführung gebracht werden müssen. Die im betrachteten Modellrahmen getroffene Annahme trägt dem damit verbunden zeitlichen Auseinanderfallen der Entscheidung über ein Investitionsprojekt und dessen letztendlicher Implementierung Rechnung. Unrealistischer scheint hingegen die typischerweise im Rahmen der Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen getroffene Annahme einer zeitlichen Identität der Entscheidung zur Durchführung eines Investitionsprojekts und dessen eigentlicher Implementierung.467 Aus diesem Grund weicht die im vorliegenden Modell467

Stellvertretend für viele vgl. bspw. Mohnen/Bareket (2007), S. 4.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 A. Bantz, Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6_9

284

Spezifische Modellannahmen

rahmen getroffene Annahme von der Annahme einer zeitlichen Identität ab und stellt somit eine realistische Erweiterung gängiger Modellannahmen dar. Hinsichtlich der vom Manager zu treffenden Auswahlentscheidung wurde vorangehend angenommen, dass diese sowohl im Fall einer zeitpunktbezogenen als auch einer intertemporalen Investitionsrestriktion auf zwei Investitionsprojekte bzw. zwei Handlungsalternativen beschränkt ist. Wenngleich die Herleitung der jeweiligen Ergebnisse unter Berücksichtigung dieser Annahme erfolgte, lassen sich letztere auch auf den allgemeineren Fall mehrerer zur Auswahl stehender Alternativen und einer beliebigen Anzahl durchführbarer Investitionsprojekte übertragen: Die hergeleiteten Allokationsmechanismen für die bei Durchführung der zur Disposition stehenden Projekte anfallenden Zahlungen führen auch dann zur Auswahl der vom Shareholder präferierten Investitionsalternative(n), wenn der Manager eine beliebige Anzahl an Investitionsprojekten aus mehr als zwei Alternativen auswählen kann. Die aus Sicht des Shareholders präferierte Auswahl wird sichergestellt, da unabhängig von der Anzahl der zur Auswahl stehenden und durchführbaren Investitionsalternativen zu jedem Zeitpunkt im Erwartungswert nicht nur die Vorteilhaftigkeit einer Investition gegenüber einer Alternative, sondern stets auch das Ausmaß ihrer Vorteilhaftigkeit (aus Sicht des Shareholders) bei Durchführung im Vergleich zu ihrer Nichtdurchführung im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird. Somit limitiert die hinsichtlich der Anzahl der zur Disposition stehenden und durchführbaren Investitionsalternativen vorgenommene Einschränkung die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf weitere Fälle nicht. Auch die Beurteilung der Anreizwirkung Fair Value-

Kritische Würdigung

285

basierter Performancemaße wird durch diese vorgenommene Limitation hinsichtlich des Aktionsraums des Managers nicht eingeschränkt. Da die zeitliche Struktur des jeweils erwarteten Erfolgsausweises der zur Auswahl stehenden Alternativen unabhängig von der Anzahl der zur Auswahl stehenden Investitions- bzw. Handlungsalternativen ist, lassen sich die erzielten Erkenntnisse hinsichtlich der Anreizwirkung analog auf den Fall mehrerer zur Auswahl stehender Investitions- bzw. Handlungsalternativen übertragen. Die vermeintlich restriktive Betrachtung von ausschließlich zwei Investitionsprojekten bzw. Handlungsalternativen dient somit ausschließlich der Vereinfachung der Darstellung, ohne die Robustheit des betrachteten Modells einzuschränken.

286

Konvergenzpotenzial

9.2 Konvergenzpotenzial 9.2.1 Konvergenzpotenzial vor dem Hintergrund der Rechnungszwecke und Anforderungen Im Fokus der Ausführungen der vorliegenden Arbeit stehen Überlegungen zur Konvergenz zwischen wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung. Wenngleich Konvergenzentwicklungen im Allgemeinen nicht nur insb. von Vertretern der Praxis begrüßt werden,468 sondern tatsächlich auch, wie anhand empirischer Studien belegt,469 „ein in der Unternehmenspraxis geläufiges Vorgehen darstell[en]“470, sind solche im Rahmen dieser Arbeit aufgegriffene Konvergenzüberlegungen nicht frei von Kritik. In diesem Abschnitt sollen deshalb wesentliche Kritikpunkte im Zusammenhang mit Konvergenzüberlegungen aufgegriffen und unter anderem im Lichte der Erkenntnisse dieser Arbeit reflektiert werden. Als „Achillesferse“471 und somit wesentlicher Schwachpunkt von Konvergenzüberlegungen zwischen IFRS und intern verwendeten Größen gilt die Abhängigkeit der IFRS-Finanzberichterstattung von aus der fortlaufenden Überarbeitung der IFRS resultierenden künftigen Änderungen der Finanzberichterstattung. Diese Abhängigkeit 468 469

470 471

Positiv stehen einer Konvergenz bspw. Kerkhoff/Thun (2007) und Kley (2006) gegenüber. Vgl. Kerkhoff/Thun (2007), S. 460; Kley (2006), S. 157. Dass die Anwendung eines konvergenten Rechnungswesens in der unternehmerischen Praxis verbreitet ist, zeigen bpsw. die empirischen Untersuchungen von Engelen/Pelger (2014) und Weißenberger/Angelkort/Kleine (2011), welche sich im Wesentlichen mit den Determinanten eines konvergenten Rechnungswesens befassen. Vgl. Engelen/Pelger (2014); Weißenberger/Angelkort/Kleine (2011). Trapp (2016), S. 717. Vgl. Lorson/Schedler (2002), S. 277.

Kritische Würdigung

287

wird von Vertretern der Unternehmenspraxis,472 aber auch der Wissenschaft, kritisch beurteilt.473 Beanstandet wird, dass aufgrund der Abhängigkeit von den Regelungen der IFRS die Gefahr besteht, dass sich intern verwendete Kennzahlen lediglich aufgrund von Anpassungen der Bilanzierungsvorschriften verändern, 474 sodass bspw. die intertemporale Vergleichbarkeit eingeschränkt wird.475 Ferner wird als problematisch erachtet, dass aus Sicht des einzelnen Unternehmens lediglich geringe Einflussmöglichkeiten auf den externen Normensetzungsprozess und somit die angesprochenen Änderungen bestehen, wodurch die Möglichkeit einer freien Gestaltung der für interne Zwecke verwendeten Informationen letztlich verloren ginge.476 Weißenberger vermerkt in diesem Zusammenhang plakativ, dass sich Unternehmen im Bereich der internen Ergebnisrechnung zu einer „Geisel des IASB“477 machen würden. Wenngleich ein Einfluss von Änderungen der Regelungen der IFRS auf die intern verwendete Ergebnisrechnung und mithin die Ermittlung wertorientierter Kennzahlen vor dem Hintergrund von Konvergenzüberlegungen offensichtlich nicht negiert werden kann, vermögen die voranstehend skizzierten Befürchtungen zur Abhängigkeit der für interne Zwecke verwendeten Informationen von 472

473 474 475 476 477

Sowohl Müller als auch Haring/Prantner und Hoke zeigen in ihren jeweiligen empirischen Analysen, dass die Abhängigkeit eines konvergenten Rechnungswesens von dem externen Prozess der Standardsetzung von Vertretern der Praxis als zentraler Nachteil angesehen wird. Vgl. Müller (2006), S. 177; Haring/Prantner (2005), S. 152-153; Hoke (2001), S. 158-159. Vgl. Nobach/Zirkler (2006), S. 748; Wagenhofer (2006), S. 18; Günther/Zurwehme (2008), S. 119; Weide (2009), S. 8. Vgl. Weißenberger (2006b), S. 412; Wagenhofer (2006), S. 18. Vgl. Kerkhoff/Thun (2007), S. 459. Vgl. Hoke (2001), S. 158-159; Weide (2009), S. 8. Weißenberger (2006b), S. 412.

288

Konvergenzpotenzial

künftigen Änderungen der IFRS jedoch nicht zu überzeugen. So ist zum einen zu beachten, dass Änderungen in der Bilanzierungspraxis im Rahmen einer Konvergenz durch entsprechende interne Anpassungen der Ergebnisgrößen korrigiert werden können, 478 sodass sich aufgrund der Änderungen der Normen der IFRS nicht zwingend (negative) Implikationen für die resultierenden wertorientierten Kennzahlen ergeben. Ferner ist zu berücksichtigen, dass die im Rahmenkonzept des IASB aufgeführten Regelungen, die unter anderem die Rechnungszwecke und Anforderungen an Informationen im Rahmen der IFRS-Finanzberichterstattung enthalten, als Ausgangspunkt für die Etablierung neuer Standards bzw. Überarbeitung bestehender Standards dienen.479 Da diese, wie in Abschnitt 3.2 gezeigt, mit den durch wertorientierte Kennzahlen verfolgten Rechnungszwecken vereinbar sind, kann auch davon ausgegangen werden, dass der durch die Rechnungszwecke bedingte Rechnungsinhalt der IFRS-Finanzberichterstattung vereinbar mit dem zur Ermittlung von wertorientierten Kennzahlen benötigen Rechnungsinhalt ist. Im Einklang mit dieser Einschätzung stehen auch die Ergebnisse der empirischen Untersuchung von Müller, welche für die untersuchte Stichprobe darauf hindeuten, dass nach IFRS Bericht erstattende Unternehmen die Weiterentwicklung dieser Bilanzierungsnormen vor dem Hintergrund der Konvergenzeignung weniger kritisch beurteilen als Unternehmen, die im Rahmen der exter478

479

Vgl. Hasselmeyer/Reichertz/Dohrn (2005), S. 450-451. Erinnert sei an dieser Stelle daran, dass im Rahmen der Konvergenz eine Angleichung von Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung und wertorientierten Kennzahlen, jedoch nicht deren Identität angestrebt wird. Zur Begriffsabgrenzung der Konvergenz siehe Abschnitt 3.1.1 der vorliegenden Arbeit. Dies wird vom IASB explizit im Framework vermerkt. Vgl. Framework (2010), S. 6-7.

Kritische Würdigung

289

nen Finanzberichterstattung nationale Rechnungslegungsvorschriften in Form des HGB anwenden.480 Kritisch betrachtet wird im Zusammenhang mit Konvergenzüberlegungen regelmäßig auch der Verzicht auf spezifische kalkulatorische Elemente wie bspw. kalkulatorische Zinsen in der externen Finanzberichterstattung.481 Hinlänglich bekannt ist, dass sich Gewinngrößen ohne die Berücksichtigung kalkulatorischer Eigenkapitalzinsen nicht im Rahmen der wertorientierten Planung, Verhaltenssteuerung und Kontrolle eignen, da die von den Shareholdern geforderte Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals keine Berücksichtigung findet.482 Um diesen Mangel auszuräumen, bedarf es auch bei der Ausgestaltung IFRS-basierter wertorientierter Kennzahlen einer Verrechnung von im Rahmen der externen Finanzberichterstattung typischerweise nicht erfassten Eigenkapitalkosten,483 wenngleich damit eine Abweichung von den extern vorgegeben Regelungen erfolgt.484 Diese Forderung korrespondiert mit der gängigen Praxis bei der Ausgestaltung wertorientierter Kennzahlen, welche entsprechend auf Informationen der externen Finanzberichterstattung basieren und (unter anderem) um kalkulatori480 481 482

483 484

Vgl. Müller (2006), S. 250. Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 153; Beißel/Steinke (2004), S. 69; Currle/Fauth/Wangenheim (1998), S. 253-254. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 18-19, 28. Kommt es dennoch zur Verwendung von Gewinngrößen ohne eine adäquate Berücksichtigung von Eigenkapitalkosten, drohen nachteilige Implikationen insb. für die Shareholder des Unternehmens, da bspw. ein Anreiz zur Durchführung von wertvernichtenden Investitionsprojekten erfolgen kann oder die Performancemessung erschwert wird. Vgl. ebenda. Vgl. Beißel/Steinke (2004), S. 69; Dais/Watterott (2006), S. 466; Hebeler (2003), S. 276. Vgl. Reiners (2001), S. 23.

290

Konvergenzpotenzial

sche Eigenkapitalkosten ergänzt werden.485 Insofern zeigt sich, dass eine Konvergenz keinesfalls zwingend mit dem Verzicht auf kalkulatorische Elemente einher geht. Dies steht auch im Einklang mit den Ergebnissen der empirischen Untersuchung von Haring/Prantner, welche für die von ihnen untersuchte Stichprobe aufzeigen, dass eine vollständige Konvergenz vielfach zwar angestrebt wird,486 jedoch externes und intern verwendetes Ergebnis auch bei einer Basierung des letztgenannten auf Informationen der externen Finanzberichterstattung regelmäßig voneinander abweichen. 487 Wenngleich vor dem Hintergrund der Konvergenz von einem Rückgang der Bedeutung kalkulatorischer Kostenbestandteile ausgegangen werden kann,488 bleibt somit festzuhalten, dass die geäußerten Befürchtungen hinsichtlich des Verlusts der Vorteile eines kalkulatorischen Ansatzes bzw. eines „Flexibilitätsverlusts“489 aufgrund der Vernachlässigung kalkulatorischer Zinsen nicht überzeugen können.490 Eng verbunden mit der Kritik an der Vernachlässigung spezifischer kalkulatorischer Elemente ist auch die Befürchtung, dass Anforde485 486 487

488 489 490

Vgl. Velthuis/Wesner/Schabel (2006a), S. 876. Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 151. Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 152-153. Bereits in dem als Ausgangspunkt der Konvergenzdiskussion geltenden Beitrag von Ziegler aus dem Jahre 1994 zur praktischen Umsetzung der Konvergenz bei Siemens wird vermerkt, dass trotz Konvergenzbestrebungen weiterhin eine Verrechnung kalkulatorischer Zinsen erfolgt. Vgl. Ziegler (1994), S. 180. Vgl. Müller (2006), S. 259. Müller (2006), S. 46. Diese Einschätzung steht im Einklang mit der im Rahmen der Untersuchung von Haring/Prantner gewonnen Erkenntnis zu den tatsächlich eingetretenen Nachteilen eines vereinheitlichten Rechnungswesens. Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 153.

Kritische Würdigung

291

rungen an intern verwendete Informationen bei Verfolgung der Konvergenz schlechter erfüllt werden als bei strikter Trennung der für interne und für externe Zwecke verwendeten Informationen. Dieser Verdacht kommt zum einen in verschiedenen empirischen Untersuchungen zu den von Seiten der Unternehmenspraxis bei der Verfolgung der Konvergenz erwarteten Nachteilen zum Ausdruck.491 Zum anderen findet er auch in der theoretischen Auseinandersetzung mit der Ausgestaltung der Konvergenz Beachtung.492 Im Rahmen der wertorientierten Unternehmensführung werden Anforderungen zumeist an die verwendeten Kennzahlen gestellt,493 welchen als Instrument zur Umsetzung der Wertorientierung eine herausragende Bedeutung zukommt.494 Die an die verwendeten Kennzahlen gestellten Anforderungen dienen der Konkretisierung der Rechnungszwecke.495 Somit besteht letztlich die Gefahr, dass bei einer Nicht-Erfüllung ebendieser Anforderungen die verfolgten Rechnungszwecke nicht adäquat erfüllt werden können. Im Lichte der vorliegenden Analyseergebnisse lässt sich diese Gefahr und mithin auch die vorangehend dargestellte Kritik jedoch zumindest bei der Anwendung von Informationen der IFRSFinanzberichterstattung als Grundlage wertorientierter Kennzahlen entkräften: Wie in Abschnitt 3.3 aufgezeigt, stehen die an Kennzahlen im Rahmen der wertorientierten Unternehmensführung gestellten Anforderungen auf konzeptioneller Ebene nicht im Wider491 492 493 494 495

Vgl. Müller (2006), S. 177; Haring/Prantner (2005), S. 153; Horváth/Arnaout (1997), S. 262. Vgl. Wagenhofer (2006), S. 15. Zu Anforderungen an solche Kennzahlen siehe Abschnitt 2.2.4 der vorliegenden Arbeit. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 17. Vgl. Franz/Winkler (2006), S. 64.

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spruch zu den Regelungen der IFRS. Vielfach lässt sich sogar eine direkte Entsprechung der an die jeweiligen Informationen gestellten Anforderungen erkennen. Einschränkend ist an dieser Stelle jedoch festzuhalten, dass dennoch bei der Verwendung IFRSbasierter wertorientierter Kennzahlen nicht immer von einer gänzlichen Erfüllung der an diese gestellten Anforderungen ausgegangen werden kann. Dies liegt maßgeblich darin begründet, dass nicht alle Anforderungen innerhalb der jeweiligen Anforderungskataloge gleichzeitig erfüllt werden können,496 sodass das Ausmaß der Erfüllung der an Kennzahlen im Rahmen der wertorientierten Unternehmensführung gestellten Anforderungen vom Bedeutungsgewicht der jeweiligen Anforderungen innerhalb der Regelungen der IFRS abhängt. Trotz dieser Limitation scheint es jedoch nicht gerechtfertigt, pauschal von einer schlechteren Erfüllung der etablierten Anforderungen auszugehen, sodass die vorangehend umrissene Kritik vor dem Hintergrund der Konvergenz im Hinblick auf wertorientierte Kennzahlen nicht überzeugt. Im Zusammenhang mit der Erfüllung der an für interne Zwecke verwendeten Informationen gestellten Anforderungen wird auch die Befürchtung geäußert, dass die Informationen der IFRSFinanzberichterstattung aufgrund bilanzpolitischen Gestaltungspotenzials vornehmlich in Form von diversen Ermessensspielräumen, 496

Bspw. lassen sich die an Kennzahlen im Rahmen der wertorientierten Unternehmensführung gestellten Anforderungen der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit und der Manipulationsfreiheit nicht gleichzeitig bestmöglich erfüllen. Vgl. Hax (1989), S. 162-163. Auch hinsichtlich der Anforderungen an in der IFRS-Finanzberichterstattung verwendeten Informationen konstatiert das IASB, dass diese nicht immer in gleichem Maße erfüllt werden können (QC.34).

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die vor allem bei subjektiven prospektiven Schätzungen evident werden, 497 insb. der Anforderung der Manipulationsfreiheit nicht gerecht werden. 498 Eine eingeschränkte Manipulationsfreiheit läuft insb. den auch mit wertorientierten Kennzahlen verfolgten Rechnungszwecken der Verhaltenssteuerung und Kontrolle entgegen.499 Dem Kritikpunkt der Manipulationsanfälligkeit bei der Verfolgung der Konvergenz auf Grundlage der IFRS ist entgegenzuhalten, dass vielfach gerade in der Basierung von für interne Zwecke verwendeten Informationen auf Informationen der externen Finanzberichterstattung eine Beschränkung von Manipulationsmöglichkeiten erkannt wird.500 Diese Beschränkung resultiert zum einen aus der gesetzlichen Festlegung der Ermittlung der verwendeten Rechengrößen,501 welche zur weiteren Einschränkung von Manipulationsmöglichkeiten durch unternehmensspezifische Regelungen weitergehend konkretisiert werden können. 502 Zum anderen werden Manipulationsmöglichkeiten von Informationen der externen Finanzberichterstattung nicht zuletzt im Rahmen der externen Prüfung

497 498 499

500

501 502

Vgl. Baetge/Siefke (1999), S. 696; Kirsch/Steinhauer (2003), S. 426-427. Vgl. Weißenberger (2004), S. 75; Baetge/Siefke (1999), S. 696. Zur Bedeutung der Anforderung der Manipulationsfreiheit insb. im Rahmen der Verhaltenssteuerung und Kontrolle siehe Abschnitt 2.2.4.2 der vorliegenden Arbeit. Vgl. bspw. Velthuis/Wesner (2005), S. 127; Burger/Buchart (2001), S. 550; Mühlberger/Langecker (2010), S. 29; Bruns (1999), S. 594. Gerade im Vergleich zu der Anwendung einer gänzlich frei gestaltbaren internen Rechnung ist eine zunehmende Berücksichtigung der Anforderung der Manipulationsfreiheit erkennbar. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 126-127. Vgl. Burger/Buchart (2001), S. 550. Vgl. Altenburger/Busse von Colbe/Küpper/Loitlsberger/Siegwart (2001), S. 68; Nobach/Zirkler (2006), S. 739

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bspw. durch Wirtschaftsprüfer zumindest eingeschränkt.503 Somit kann letztlich auch dieser Kritikpunkt eines negativen Einflusses von Ermessensspielräumen innerhalb der IFRS-Finanzberichterstattung auf die – vor dem Hintergrund der betrachteten Konvergenz – resultierenden wertorientierten Kennzahlen entkräftet werden. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Einfluss bilanzpolitischer Maßnahmen im Allgemeinen, im Gegensatz zu der bei Günther/Zurwehme und Müller anklingenden Kritik,504 vor dem Hintergrund der Konvergenz nicht pauschal negativ zu bewerten ist. Stattdessen ist zu berücksichtigen, dass bei der Ausnutzung eines bilanzpolitischen Handlungsspielraum i. S. d. Zwecksetzung der IFRS aufgrund deren Kompatibilität mit den durch wertorientierte Kennzahlen verfolgten Rechnungszwecken gerade ein konvergentes Rechnungswesens begünstigt werden kann. 505 Beispielhaft verwiesen sei an dieser Stelle auf die Regelungen zur Aktivierung von Entwicklungskosten selbsterstellter immaterieller Vermögenswerte nach IAS 38, 506 welche aufgrund bestehender Ermessensspielräume nicht unerhebliches (faktisches) bilanzpolitisches Gestaltungspotenzial gewähren.507 Eine Ausnutzung der bilanzpoli503 504 505 506

507

Vgl. Mühlberger/Langecker (2010), S. 29; Hofmann/Arnegger/Kopitzke (2007), S. 129; Bruns (1999), S. 594; Küting/Lorson (1999b), S. 220. Vgl. Günther/Zurwehme (2008), S. 119; Müller (2006), S. 177. Ähnlich Burger/Buchart. Vgl. Burger/Buchart (2001), S. 550. Die Aktivierung von Entwicklungskosten ist nach IAS 38 vorgeschrieben, sofern die Kriterien des IAS 38.57 nachgewiesen werden können. Allgemein zu den Aktivierungsvoraussetzungen für selbsterstellte immaterielle Vermögenswerte nach IAS 38 siehe bspw. Haller/Froschhammer/Groß (2010), S. 681-682; Behrendt-Geisler/Weißenberger (2012), S. 57. Vgl. Burger/Ulbrich/Knoblauch (2006), S. 733-734.

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tischen Gestaltungsmöglichkeiten zur frühzeitigen Aktivierung solcher Entwicklungskosten, welche aus ökonomischer Sicht den Charakter von Investitionen haben, 508 kann aufgrund einer Glättung des Gewinnstroms im Zeitablauf sowohl im Rahmen der Kontrolle als auch der Verhaltenssteuerung vorteilhaft sein. 509 Somit zeigt sich, dass der Einfluss von im Rahmen der externen Finanzberichterstattung durchgeführten bilanzpolitischen Maßnahmen entgegen der genannten Kritik im Hinblick auf die Konvergenz nicht per se negativ zu beurteilen ist.510 Letztlich werden als Nachteil von Konvergenzbestrebungen auch die mit diesen einhergehenden zusätzlichen Kosten identifiziert.511 Diese entstehen unter anderem, da die Dynamik der IFRSÄnderungen, welche die Konvergenz aufgrund des entstehenden Anpassungsbedarfs erschwert,512 bei Verfolgung der Konvergenz auch von Controllern, die auf die Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung zurückgreifen, eine ständige Aktualisierung ihrer IFRS-Fachkenntnisse erfordert.513 Zudem wird neben der Änderungsdynamik auch die Komplexität der IFRSRegelungen im Hinblick auf die im Rahmen einer Konvergenz entstehenden Kosten kritisch beurteilt.514 Wenngleich zusätzliche Kos508 509 510

511 512 513 514

Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 132. Vgl. Velthuis/Wesner (2005), S. 130. So auch Küting/Lorson vor dem Hintergrund der Ausnutzung bilanzpolitischen Gestaltungspotenzials im nach den Regelungen des HGB erstellten Konzernabschluss. Vgl. Küting/Lorson (1998b), S. 2257-2258. Vgl. Müller (2006), S. 50; Wiederhold (2008), S. 165. Vgl. Hebeler (2003), S. 304. Vgl. Fleischer (2005), S. 195-196; Kley (2006), S. 156; Kirsch/Steinhauer (2003), S. 432. Vgl. Nobach/Zirkler (2006), S. 748; Kirsch/Steinhauer (2003), S. 432.

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Konvergenzpotenzial

ten entstehen können, ist jedoch zu beachten, dass eine Konvergenz ebenso die Möglichkeit der Realisierung von Kosteneinsparungen bspw. aufgrund des Verzichts auf redundante Tätigkeiten bietet.515 Es kann nicht per se davon ausgegangen werden, dass Kosteneinsparungen durch zusätzlich entstehende Kosten überkompensiert werden. Im Einklang mit dieser Einschätzung zeigen empirische Untersuchungen zu den aus Unternehmenssicht erwarteten Vorteilen der Konvergenz, dass Kosteneinsparungen eines der Konvergenzmotive in der unternehmerischen Praxis darstellen. 516 Diese Haltung kommt auch in den von Vertretern der Unternehmenspraxis verfassten Publikationen zum Ausdruck. 517 Da empirische Ergebnisse darüber hinaus darauf hindeuten, dass – trotz der skizzierten Problematik zusätzlicher Kosten – in der Unternehmenspraxis bei der Umsetzung der Konvergenz insgesamt tatsächlich Kosteneinsparungen resultieren, 518 kann letztlich konkludiert werden, dass die entstehenden Kosten im Allgemeinen nicht gegen die Verfolgung der Konvergenz sprechen. 519 Zusammenfassend lässt sich an dieser Stelle festhalten, dass wesentliche zu Konvergenzbestrebungen aus Wissenschaft und Praxis geäußerte Kritikpunkte unter anderem vor dem Hintergrund der in 515

516 517

518 519

Vgl. Menn (1999), S. 642. Kritisch zum Umfang des Einsparpotenzials im Rahmen der Konvergenz äußern sich auch Burger/Buchhart. Vgl. Burger/Buchart (2001), S. 550. Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 152; Horváth/Arnaout (1997), S. 262-263. Vgl. bspw. Currle/Fauth/Wangenheim (1998), S. 253; Menn (1999), S. 642. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass auch in von Vertretern der Theorie verfassten Beiträgen Kostenvorteile als ein Vorteil der Konvergenz identifiziert werden. Vgl. bspw. Kirsch/Steinhauer (2003), S. 432. Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 152. Ähnlich auch Kirsch/Steinhauer. Vgl. Kirsch/Steinhauer (2003), S. 432.

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der vorliegenden Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse entkräftet werden können. Diese positive Einschätzung steht auch im Einklang mit den empirischen Erkenntnissen von Haring/Prantner, welche feststellen, dass nahezu die Hälfte der in ihrer Stichprobe enthaltenen Unternehmen angibt, keine Nachteile mit der Umsetzung der Konvergenz erfahren zu haben. 520 9.2.2 Konvergenzpotenzial bei Fair Value-Bilanzierung In der in den vorangehenden Kapiteln vorgenommenen formaltheoretischen Analyse wurde der hinsichtlich der Wertorientierung wünschenswerte erwartete Erfolgsausweis und der erwartete Erfolgsausweis bei Verwendung Fair Value-basierter Performancemaße sowie die jeweilige Anreizwirkung aufgezeigt. Die Analyse hat einerseits ergeben, dass der erwartete Erfolgsausweis bei Verwendung Fair Value-basierter Performancemaße nicht grundsätzlich zur Erfüllung der vor dem Hintergrund unbekannter Präferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des Managers bedeutsamen Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen führt. Andererseits wurde auch deutlich, dass diese Anforderungen nicht per se verletzt werden. So kann zunächst die betrachtete Konvergenz vor dem Hintergrund der Fair Value-Bilanzierung weder pauschal abgelehnt werden, noch kann eine pauschale positive Einschätzung des Konvergenzpotenzials getroffen werden. Es bedarf stattdessen einer differenzierten Betrachtung des Konvergenzpotenzials von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRSFinanzberichterstattung vor dem Hintergrund der Fair ValueBilanzierung. 520

Vgl. Haring/Prantner (2005), S. 153.

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Konvergenzpotenzial

Wie im vorangehenden Modell gezeigt, hat die Existenz von erwarteten Wettbewerbsvorteilen [-nachteilen] gegenüber einem repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 entscheidende Bedeutung für das Konvergenzpotenzial zwischen Fair Values als Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung und wertorientierten Kennzahlen. Erwartete Wettbewerbsvorteile [-nachteile] können letztlich einen Beitrag zur Erfüllung der an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen leisten: Bei einem kapitalwertpositiven [kapitalwertnegativen] Investitionsprojekt können im Erwartungswert zeitdominante Wettbewerbsvorteile [-nachteile] gegenüber einem repräsentativen Marktteilnehmer ermöglichen, dass die Anforderung der Glättung erfüllt wird, in dem Sinne, dass die Vorteilhaftigkeit des Investitionsprojekts zu jedem Zeitpunkt im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird. Die Existenz erwarteter zeitdominanter Wettbewerbsvorteile [-nachteile] beeinflusst deshalb letztlich die Güte der Konvergenz bei der Verwendung Fair Value-basierter Performancemaße maßgeblich. Bestehen im Erwartungswert keine oder zumindest keine zeitdominanten Wettbewerbsvorteile [-nachteile] gegenüber einem repräsentativen Marktteilnehmer, wird bei der isolierten Verwendung der Fair Value-basierten Performancemaße als Kennzahlen im Rahmen einer Konvergenz die Vorteilhaftigkeit eines Investitionsprojekts im erwarteten Erfolgsausweis hingegen nicht zu jedem Zeitpunkt reflektiert. Dies kann bei ihrer Verwendung im Rahmen der Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen – wie beschrieben – problematisch sein. Eine Glättung kann in diesen Fällen jedoch erreicht werden, wenn bei der Berechnung der konvergenten Fair Value-basierten Kennzahlen Mehrjahresdurchschnitte

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herangezogen werden. Sofern die Bildung eines Mehrjahresdurchschnitts über die Performancemaße erfolgt, wird die Problematik der fehlenden Reflexion der Vorteilhaftigkeit [Nachteiligkeit] von Investitionsprojekten in jedem Zeitpunkt zumindest gemildert. Dies ist bspw. von Bedeutung, wenn das berichtende Unternehmen in frühen Zeitpunkten eines für das Unternehmen und einen repräsentativen Marktteilnehmer im Erwartungswert kapitalwertpositiven Projekts Wettbewerbsnachteile aufgrund von Anlaufkosten erwartet. Der erwartete Erfolgsausweis wird dann dem vor dem Hintergrund der Wertorientierung bei unbekannten Präferenzen und Zeithorizonten gewünschten Erfolgsausweis umso mehr angenähert, je mehr Zeitpunkte bei der Bildung des Mehrjahresdurschnitts berücksichtigt werden. Die vorliegende Analyse zeigt also, dass im Hinblick auf das Konvergenzpotenzial bei Verwendung Fair Valuebasierter Performancemaße und Abwesenheit von zeitdominanten Wettbewerbsvorteilen [-nachteilen] die Bildung von Mehrjahresdurchschnitten (über möglichst viele Zeitpunkte) an Bedeutung gewinnt. Ersichtlich ist aus der vorangehenden Analyse, dass die in IFRS 13 verankerte exit price-Orientierung, konkret Ermittlung des Fair Value aus der Perspektive eines repräsentativen Marktteilnehmers, insb. bei zeitdominanten Wettbewerbsvorteilen [-nachteilen] einen wesentlichen Beitrag zum Konvergenzpotenzial leisten kann. Vor diesem Hintergrund ist ein Rückgriff auf die in IFRS 13.29 verankerte, im Rahmen der Ermittlung des Fair Value widerlegbare Vermutung, dass die derzeitige Nutzung durch das berichtende Unternehmen der bestmöglichen Nutzung durch einen repräsentativen Marktteilnehmer entspricht, differenziert zu beurteilen. Wird

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Konvergenzpotenzial

entsprechend IFRS 13.29 unterstellt, dass die derzeitige Nutzung durch das berichtende Unternehmen der bestmöglichen Nutzung durch einen repräsentativen Marktteilnehmer entspricht, impliziert dies die Annahme identischer Cashflow-Erwartungen zwischen dem berichtenden Unternehmen und einem repräsentativen Marktteilnehmer. Es erfolgt dann im Erwartungswert kein separater Ausweis der erwarteten Wettbewerbsvorteile [-nachteile] im Zeitablauf. Sofern Vorzeichenidentität zwischen dem von einem repräsentativen Marktteilnehmer erwarteten und dem durch das berichtende Unternehmen erwarteten Kapitalwert erwartet wird, ist diese Reflexion der erwarteten zeitdominanten Wettbewerbsvorteile [-nachteile] jedoch zur Gewährleistung von Glättung erforderlich. Dies impliziert, dass im Falle von erwarteten zeitdominanten Wettbewerbsvorteilen [-nachteilen] und Vorzeichenidentität zwischen den jeweils erwarteten Kapitalwerten zur Erfüllung von Glättung die Ermittlung des Fair Value aus der Perspektive des repräsentativen Marktteilnehmers erfolgen sollte. Die Widerlegung der in IFRS 13.29 verankerten Vermutung ist dann zu begrüßen. Ist hingegen zu vermuten, dass keine Vorzeichenidentität zwischen dem von einem repräsentativen Marktteilnehmer und dem berichtenden Unternehmen erwarteten Kapitalwert besteht, ist die Inanspruchnahme der Vermutung nach IFRS 13.29 vor dem Hintergrund der Konvergenz vorteilhaft, da bei damit einhergehenden Ermittlung des Fair Value aus der Perspektive des berichtenden Unternehmens zumindest zeitliche Entscheidungsverbundenheit gewährleistet wird. Die vorliegende Analyse zeigt auch, dass vor dem Hintergrund der Konvergenz nicht nur die absolute Höhe der erwarteten Wettbewerbsvorteile von Relevanz ist. Vielmehr ist auch die zeitliche

Kritische Würdigung

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Struktur der erwarteten Wettbewerbsvorteile von entscheidender Bedeutung. Diese Bedeutung liegt darin begründet, dass durch die Existenz von zeitdominanten erwarteten Wettbewerbsvorteilen [nachteilen] – wie dargelegt – eine Konvergenz begünstigt wird. Die ex ante Beurteilung der Güte der Konvergenz vor dem Hintergrund der Fair Value-Bilanzierung setzt somit die Kenntnis der zeitlichen Struktur der erwarteten Wettbewerbsvorteile [-nachteile] voraus, um darauf aufbauend letztlich über die Verwendung Fair Valuebasierter Performancemaße als Kennzahlen zu entscheiden. Wie vorangehend aufgezeigt, ist für Fair Value-basierte Residualgewinne als Performancemaß unabhängig von der Existenz von erwarteten Wettbewerbsvorteilen [-nachteilen] gegenüber einem repräsentativen Marktteilnehmer stets die Anforderung der Barwertidentität erfüllt. Dies impliziert die Anwendbarkeit Fair Value-basierter Performancemaße im Rahmen der in dieser Arbeit nicht behandelten Investitionssteuerung bei bekannten Präferenzen. Um die im Rahmen der Barwertidentität bedeutsame Clean Surplus-Bedingung zu erfüllen, bedarf es dazu – analog zum Vorgehen im vorangehend betrachteten Modell – der Berücksichtigung der gesamten im Rahmen der Fair Value-Bewertung verrechneten Wertänderung, d. h. einer Orientierung am Comprehensive Income. Die Berücksichtigung des Comprehensive Income als Ergebnisgröße gewinnt somit an Bedeutung im Rahmen der Investitionssteuerung bei Verwendung von Fair Value-basierten Performancemaßen. In der formalen Analyse wurde auch aufgezeigt, dass mit der Verwendung Fair Value-basierter Performancemaße im Erwartungs-

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Konvergenzpotenzial

wert ein frühzeitiger Erfolgsausweis einhergehen kann. Dies gilt insb., wenn die Berücksichtigung des Fair Value, wie bspw. in IFRS 3 oder IAS 41 vorgeschrieben, bereits zum Zugangszeitpunkt erfolgt.521 Angenommen wurde im betrachteten Modellrahmen der allgemeine Fall extremer Präferenzen. Vor dem Hintergrund dieses Falls ist – wie in den vorangehenden Kapiteln dargelegt – die Fair Value-Bewertung immer dann problematisch, wenn im Entscheidungskalkül eines Managers ausschließlich späte Zeitpunkte berücksichtigt werden. Der in der praktischen Ausgestaltung von Erfolgsausweisen häufiger adressierte Fall entspricht hingegen der Berücksichtigung ausschließlich früher Zeitpunkte.522 Der aufgezeigte frühzeitige Erfolgsausweis bei Verwendung Fair Valuebasierter Performancemaße kommt der Anreizwirkung in diesem Fall zu Gute. Vor dem Hintergrund des Konvergenzpotenzials prinzipiell positiv zu werten ist deshalb eine frühzeitige Anwendung der Fair Value-Bewertung, sprich bestenfalls bereits im Zugangszeitpunkt. Festzuhalten ist, dass die Konvergenzbestrebungen vor dem Hintergrund der Fair Value-Bilanzierung nach IFRS 13 nicht per se negativ zu beurteilen sind. Trotz kritischer Stimmen zum Beitrag der Fair Value-Bilanzierung im Rahmen der Konvergenz konnte anhand der vorliegenden Analyse aufgezeigt werden, 523 dass gerade 521

522

523

Die Vorschriften für die Anwendung des Fair Value bei der Zugangsbewertung in diesen Fällen finden sich in IFRS 3.18, IAS 41.12, IAS 41.13 und IAS 41.30. So sind bei der Ermittlung von Kennzahlen im Rahmen der Konvergenz zahlreiche Modifikationen auf die Gewährleistung eines frühzeitigen Erfolgsausweises gerichtet. Vgl. Velthuis/Wes-ner/Schabel (2006a), S. 875. Vgl. bspw. Pelger (2008), S. 574; Kley (2006), S. 156.

Kritische Würdigung

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die in IFRS 13 zentrale exit price-Orientierung positive Auswirkungen auf das Konvergenzpotenzial hat, da die an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen zunehmend erfüllt werden können. Einschränkend ist jedoch festzuhalten, dass die Verwendung Fair Value-basierter Performancemaße im Allgemeinen nicht die Erfüllung aller an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen sicherstellt. Deshalb sind im Rahmen der Konvergenz ggf. weitere Anpassungen, bspw. konkret die Bildung von Mehrjahresdurschnitten, an Fair Value-basierten Performancemaßen vorzunehmen.

10 Fazit In der vorliegenden Arbeit wurde das Konvergenzpotenzial von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRSFinanzberichterstattung untersucht. Somit leistet sie einen Beitrag zur Diskussion um die Vereinheitlichung von externem und internem Rechnungswesen, welche seit spätestens Mitte der 1990erJahre sowohl von Vertretern der Unternehmenspraxis als auch der Wissenschaft geführt wird.524 Zur Prüfung des angesprochenen Konvergenzpotenzials wurden drei konkrete Forschungsfragen beantwortet. Zunächst erfolgte eine logisch-deduktive Analyse des Konvergenzpotenzials zwischen wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung. Es wurde überprüft, ob vor dem Hintergrund der mit wertorientierten Kennzahlen und mit Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung jeweils verfolgten Rechnungszwecke und der zur Operationalisierung der Rechnungszwecke an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen ein Konvergenzpotenzial besteht. Hinsichtlich der Rechnungszwecke konnte ein solches Konvergenzpotenzial identifiziert werden, da der im Framework des IASB konkretisierte Rechnungszweck der decision usefulness und die mit wertorientierten Kennzahlen verfolgten Rechnungszwecke der Planung, Verhaltenssteuerung und Kontrolle wesentliche Analogien bzw. enge Verknüpfungen aufweisen. Ferner konnte vor dem Hintergrund der an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen ein Konvergenzpotenzial identifiziert werden. Diese haben vielfach eine Entsprechung in den 524

Vgl. Beißel/Steinke (2004), S. 63; Haring/Prantner (2005), S. 147; Kajüter (2008), S. 341.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 A. Bantz, Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6_10

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Fazit

Qualitative Characteristics, die als Anforderungen an Informationen im Rahmen der IFRS-Finanzberichterstattung gestellt werden, oder werden durch die Grundsätze der IFRSFinanzberichterstattung gestützt. Die Erfüllung der an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen wird teilweise sogar durch die betrachtete Konvergenz selbst gefördert. Festzuhalten ist deshalb, dass vor dem Hintergrund der Rechnungszwecke und der diese konkretisierenden Anforderungen für wertorientierte Kennzahlen keine Rechnungsinhalte zu erwarten sind, die einer Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung entgegen stehen. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung des in IFRS 13 konkretisierten Fair Value als Wertansatz in der IFRSFinanzberichterstattung und seiner damit zunehmenden Bedeutung auch im Rahmen der Ausgestaltung wertorientierter Kennzahlen wurde im nächsten Schritt das Konvergenzpotenzial von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRSFinanzberichterstattung vor dem Hintergrund der Fair ValueBilanzierung geprüft. Fokussiert wurde dabei die Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen, da ihr vor dem Hintergrund der wertorientierten Unternehmensführung besondere Bedeutung zukommt. Zur Prüfung des Konvergenzpotenzials Fair Valuebasierter Performancemaße wurde eine formal-theoretische Analyse durchgeführt, in welcher der allgemeine Fall unbekannter (ggf. extremer) Zeitpräferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts eines mit einer Investitionsentscheidung betrauten Managers betrachtet wurde.

Fazit

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In einer normativen Analyse wurde zunächst gezeigt, wie Kennzahlen als Performancemaße gestaltet sein müssen, damit sich diese für eine wertorientierte Verhaltenssteuerung im Rahmen von Investitionsentscheidungen bei Existenz unbekannter (ggf. extremer) Zeitpräferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des mit einer Investitionsentscheidung betrauten Managers eignen. Bei Unkenntnis der Zeitpräferenzen und des Zeithorizonts des Managers kommt dem Erfolgsausweis in jedem Zeitpunkt während der Projektlaufzeit, d. h. auch im Zeitpunkt der Implementierung eines Investitionsprojekts, Bedeutung zu. So wurde zur Beantwortung der Forschungsfrage zunächst jener erwartete Erfolgsausweis identifiziert, auf dessen Grundlage im Ein-Projekt-Fall eine wertorientierte Investitionsentscheidung erfolgt (Kapitel 6). Es konnte ferner gezeigt werden, dass dieser erwartete Erfolgsausweis als positiver Anteil des projektindividuellen Kapitalwerts genau dann erreicht wird, wenn – neben der Allokation der Cashflows und der Investitionsauszahlung entsprechend dem erweiterten relativen Beitragsverfahren nach Mohnen/Bareket – im Zeitpunkt der Implementierung des Investitionsprojekts ein spezifischer Anteil der Investitionsauszahlung ausgewiesen wird. Anschließend konnte für den Fall einer zeitpunktbezogenen Investitionsrestriktion (Kapitel 7) aufgezeigt werden, dass eine wertorientierte Auswahlentscheidung sichergestellt wird, wenn zu jedem Zeitpunkt Vergleichbarkeit hinsichtlich der erwarteten Kapitalwerte der Investitionsalternativen erreicht wird. Diese Vergleichbarkeit wird genau dann gewährleistet, wenn durch die Anwendung des erweiterten relativen Beitragsverfahrens und den zusätzlichen Ausweis des genannten spezifischen Anteils der Investitionsauszahlung im Zeitpunkt der Projektdurchführung im Erwartungswert ein projekteinheitlicher positiver Anteil des

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Fazit

jeweils erwarteten Kapitalwerts im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird. Für eine intertemporale Investitionsrestriktion (Kapitel 8) konnte gezeigt werden, dass eine wertorientierte Wechselentscheidung dann getroffen wird, wenn zusätzlich zum erwarteten Erfolgsausweis bei Fortführung einer implementierten Investitionsalternative die (Netto-)Wertschaffung eines Projektwechsels (i. S. d. Kapitalwerts des neuen Projekts abzüglich eines ggf. mit dem Abbruch assoziierten Abschlags) im erwarteten Erfolgsausweis reflektiert wird. Eine solche zusätzliche Reflexion der Wertschaffung wird genau dann erreicht, wenn zusätzlich zu dem im Erwartungswert bei Fortführung einer implementierten Investitionsalternative ausgewiesenen Anteil an deren Kapitalwert die (Netto-)Wertschaffung des Projektwechsels im erwarteten Erfolgsausweis anteilig erfasst wird. Bei Verwendung projektindividueller Performancemaße wird dies erreicht, wenn die Performancemaße für das zu veräußernde bzw. das neue Projekt wie folgt festgelegt werden: Für das Performancemaß des zu veräußernden Projekts ist in allen dem Projektwechsel folgenden Zeitpunkten eine spezifische intertemporale Allokation des Verkaufspreises und der Investitionsauszahlung vorzunehmen. Diese hat derart zu erfolgen, dass zusätzlich zum erwarteten Erfolgsausweis bei Fortführung der veräußerten Investitionsalternative der isolierte Einfluss ihrer Veräußerung auf die Wertschaffung (sprich null bzw. der Abschlag) des Projektwechsels erfasst wird. Für das Performancemaß des neuen Projekts ist jeweils der isolierte Einfluss des neuen Projekts auf die Wertschaffung in ihrem erwarteten Performancemaß auszuweisen. Dabei gilt es zu beachten, dass letztlich im Gesamterfolgsausweis die (Netto-)

Fazit

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Wertschaffung (anteilig) reflektiert werden muss. Dies wird erreicht, wenn Vergleichbarkeit der projektindividuellen Performancemaße hinsichtlich der jeweiligen Wertschaffung der isolierten Verkaufsentscheidung und der isolierten Wertschaffung des neuen Projekts besteht. Für das Performancemaß des neuen Projekts ist dazu im Zeitpunkt des Projektwechsels ein spezifischer Anteil seiner Investitionsauszahlung im erwarteten Erfolgsausweis zu reflektieren und in allen folgenden Zeitpunkten eine intertemporale Allokation der Cashflows und der Investitionsauszahlung entsprechend dem erweiterten relativen Beitragsverfahren nach Mohnen/Bareket vorzunehmen. Zur Beantwortung der Frage, inwiefern sich Fair Value-basierte Performancemaße für die wertorientierte Verhaltenssteuerung im Rahmen von Investitionsentscheidungen bei der Existenz unbekannter (ggf. extremer) Zeitpräferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des mit einer Investitionsentscheidung betrauten Managers eignen, wurde die mit diesen Performancemaßen einhergehende Anreizwirkung analysiert. Um die in IFRS 13 verankerte exit price-Orientierung in der Analyse zu berücksichtigen, wurde jeweils zum einen der Fall identischer Cashflow-Erwartungen und zum anderen der Fall abweichender Cashflow-Erwartungen zwischen dem berichtenden Unternehmen und einem repräsentativen Marktteilnehmer i. S. d. IFRS 13 berücksichtigt. Ferner wurden die Fälle einer Erfassung des Fair Value bereits im Zeitpunkt der Implementierung eines Investitionsprojekts und einer ausschließlichen Berücksichtigung des Fair Value im Rahmen der Folgebewertung berücksichtigt. Angenommen wurde jeweils eine stringente Folgebewertung zum Fair Value.

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Fazit

In den Kapiteln sechs, sieben und acht wurde aufbauend auf der Herleitung des erwarteten projektindividuellen Erfolgsausweises bei der Verwendung Fair Value-basierter Performancemaße die mit diesem erwarteten Erfolgsausweis einhergehende Anreizwirkung in den betrachteten Fällen analysiert. Die Analyse ergab, dass im Ein-Projekt-Fall (Kapitel sechs) vor dem Hintergrund unbekannter (ggf. extremer) Präferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts sowohl bei identischen als auch bei abweichenden Cashflow-Erwartungen unabhängig vom Zeitpunkt der erstmaligen Berücksichtigung des Fair Value im Allgemeinen die Durchführung einer wertorientierten Investitionsentscheidung nicht gewährleistet wird. Darüberhinaus wurden jeweils auch Spezialfälle identifiziert, in denen eine wertorientierte Investitionsentscheidung erfolgt. So konnte bspw. gezeigt werden, dass für ein aus Sicht sowohl des berichtenden Unternehmens als auch eines repräsentativen Marktteilnehmers vorteilhaftes Projekt bei Existenz zeitdominanter Wettbewerbsvorteile des berichtenden Unternehmens für beliebige (ggf. extreme) Präferenzen und beliebige Zeithorizonte eine wertorientierte Investitionsentscheidung sichergestellt ist. Analog ergab die Analyse bei Berücksichtigung einer zeitpunktbezogenen Investitionsrestriktion (Kapitel sieben), dass ebenfalls weder bei identischen noch bei abweichenden Cashflow-Erwartungen, unabhängig vom Zeitpunkt der erstmaligen Berücksichtigung des Fair Value, im Allgemeinen eine wertorientierte Projektauswahl nicht sichergestellt wird. Insgesamt konnte gezeigt werden, dass sowohl für zeitpunkbezogene als auch für intertemporale Investitionsrestriktionen vor dem Hintergrund unbekannter (ggf. extremer) Präferenzen und eines unbekannten Zeithorizonts des Managers eine wertorientierte Investitionsentscheidung nur in äußerst restriktiven Fällen gewähr-

Fazit

311

leistet wird. In Anbetracht dieser Ergebnisse scheint das Konvergenzpotenzial bei Verwendung Fair Value-basierter Performancemaße im Rahmen der Investitionssteuerung eingeschränkt. In der kritischen Würdigung erfolgte neben der kritischen Betrachtung spezifischer Modellannahmen die Reflexion der Erkenntnisse der Arbeit im Hinblick auf das Konvergenzpotenzial. Diese ergab, dass vor dem Hintergrund der jeweils verfolgten Rechnungszwecke und der an wertorientierte Kennzahlen gestellten Anforderungen häufig in Bezug auf Konvergenzüberlegungen geäußerte Kritikpunkte zumindest abgeschwächt werden können. Zum anderen konnten Implikationen einer Fair Value-Bewertung für das Konvergenzpotenzial aufgezeigt werden. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass die Bildung von Mehrjahresdurchschnitten bei der Verwendung von Fair Value-basierten Performancemaßen an Bedeutung gewinnt. Wenngleich die vorliegende Arbeit wesentliche Erkenntnisse in Bezug auf das Konvergenzpotenzial zwischen wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung liefern konnte, existieren in Hinblick auf das Konvergenzpotenzial weitere Fragen für künftige Untersuchungen. Diese betreffen insb. das Konvergenzpotenzial neuer oder durch das IASB überarbeiteter Standards, bspw. die Leasing-Bilanzierung nach IFRS 16. Da die IFRS einer ständigen Überarbeitung und Erweiterung unterworfen sind, lässt sich hier in Zukunft weitreichendes Forschungspotenzial vermuten. Jedoch bietet die vorliegende Arbeit nicht nur im Hinblick auf Konvergenzüberlegungen Anknüpfungspunkte für weitere Forschung, sondern auch im Hinblick auf die (von Konvergenz-

312

Fazit

überlegungen losgelöste) Verhaltenssteuerung bei Investitionsentscheidungen. So könnte bspw. die Annahme der Risikoneutralität des Managers gelockert und die Implikationen einer intertemporalen Investitionsrestriktion unter Berücksichtigung von Risiko und unbekannten Zeit- und Risikopräferenzen des Managers untersucht werden.

Anhang Anhang 1: Herleitung der Allokationsregel

0

Die in Lemma 1 konstatierte Bedingung wird erfüllt, wenn Bedingung (12) erfüllt ist: T ! xt ( ) x y y. 0 0 0 t t 0 (1 r ) Durch Umformung kann die Allokationsregel

0

bestimmt wer-

den: 0

( x0 y )

T

! 0

t 0

0

xt y (1 r )t T

( x0 )

0 t 0

0

0

x0

T t 0

xt (1 r )t

(163)

xt . (1 r ) t

Anhang 2: Herleitung der Allokationsregeln

t

und

t

Die in Lemma 1 konstatierte Bedingung wird erfüllt, wenn nachfolgende Bedingung gem. (15) erfüllt ist: T ! x y x y ( x y ) . t t t t 0 0 (1 r ) Umformungen führen zu:

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 A. Bantz, Konvergenz von wertorientierten Kennzahlen und Informationen der IFRS-Finanzberichterstattung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24499-6

314

Anhang

t

xt y t

xt

( x0 y )

t

t

T

! t T

!

( x0 )

x

t

(1 r )

0

t

xt

t

!

( x0 )

x y 0 (1 r )

t

T

x0

t 1

t

xt

T

x

t 1

!

( x0 )

t

(1 r )

(164)

x (1 r ) t

x0 .

Die voranstehende Gleichung ist erfüllt, wenn beide Seiten den Wert null annehmen. Gleichsetzen der jeweiligen Seite mit null führt unter Umformungen zu folgenden Allokationsregeln: T x t . t t t xt 1 (1 r )

Anhang 3: Herleitung der verrechneten Wertänderung Entsprechend (26) gilt für die verrechnete Wertänderung: dt Bt 1 Bt FVt 1 FVt . Entsprechend (21) gilt für den Fair Value: T

FVt t 1

Ec (1 r)

t

.

Durch einsetzen von (21) in (26) und Umformung kann die verrechnete Wertänderung hergeleitet werden:

Anhang

315

E c

T

dt

t

(1 r ) FVt T

dt t

dt

( t 1)

t 1

FVt

t 1

E c t

(1 r )

t

E c (1 r )

t

E c (1 r )

T

dt T

dt

t

(1 r )

t 1

t 1

(1 r )

E ct

t

t

t

E c (1 r )

E c

T t 1

r t

(1 r ) (1 r )

E c 1 (1 r )

(1 r )

t

E c (1 r ) FVt

( t 1)

t

t 1

t 1

(1 r )

E ct (1 r )

E c

T t 1

(1 r )

t

E c

t 1

T t 1

E c 1 (1 r )

T

T

T

dt

T

(1 r ) (1 r ) (1 r )

E c

T

dt

t

(1 r )

1

E c (1 r )

T

E c

T

r t

(1 r )

t 1

E ct

.

1

(165)

Anhang 4: Herleitung des erwarteten Erfolgsausweises zum Zeitpunkt t=1 bei übereinstimmenden CashflowErwartungen Für das Performancemaß zum Zeitpunkt t=1 gilt gem. (18): IFRS c1 d 1 r B 0 . 1

316

Anhang

Für die zum Zeitpunkt t=1 verrechnete Wertänderung gilt gem. (33): d1 B0 B1 I 0 FV1 . Für den Buchwert zum Zeitpunkt t=0 gilt gem. (29): B0 I0 . Einsetzen von (33) und (29) in das Performancemaß gem. (18) ergibt: IFRS (166) c1 ( I 0 FV1 ) r I 0 . 1 Für das zum Zeitpunkt t=1 erwartete Performancemaß gilt:

E

IFRS 1

E c1

(E I0

FV1 ) r E I 0 .

(167)

Unter Berücksichtigung des Fair Value gem. (21) gilt für das erwartete Performancemaß: T E c E 1IFRS E c1 ( E I 0 ) r E I 0 . (168) r) 1 2 (1 Durch Umformung kann der erwartete Erfolgsausweis hergeleitet werden:

Anhang

317 IFRS 1

E

E c1

E c

T

(E I0

2

E

IFRS 1

E c

T

E c1 2

E

IFRS 1

E

IFRS 1

T

E c 1 (1 r ) T

(1 r )

(1 r )

(1 r )

1

1

) r E I0

(1 r ) E I 0

(1 r ) E I 0

1

E c 1 (1 r )

(1 r ) E I 0

FV0

E

IFRS 1

(1 r )

T

E c 1 (1 r ) E KW

E I0 . (169)

318

Anhang

Anhang 5: Herleitung des erwarteten Erfolgsausweises zum Zeitpunkt t=1 bei abweichenden Cashflow-Erwartungen Für das zum Zeitpunkt t=1 erwartete Performancemaß gilt analog zu (167):

E

IFRS 1

E c1

(E I0

FV1 ) r E I 0 .

Für den zum Zeitpunkt t=1 erwarteten Cashflow gilt gem. (38):

E c1

E c1M

E

c1U .

Unter Berücksichtigung des Fair Value gem. (40) und des erwarteten Cashflows gem. (38) gilt für das erwartete Performancemaß:

E

IFRS 1

M 1

E c

E

U 1

c

E I0

E cM

T 2

(1 r )

1

r E I0 .

(170) Durch Umformung kann der erwartete Erfolgsausweis hergeleitet werden:

Anhang

319

IFRS 1

E

M 1

E c

E

E cM

T

U 1

c

E I0 2

E

IFRS 1

E c1M

E I0 2

E

IFRS 1

E

E cM

T

U 1

c

1

E

IFRS 1

E

(1 r )

(1 r ) 1

E

IFRS 1

E

U 1

c

(1 r )

(1 r )

1

1

r E I0

(1 r ) E I 0

E cM

T

(1 r )

(1 r ) E I 0

E cM

T

c1U

1

r E I0

1

E cM

T

c1U

E

(1 r )

E I0 .

(1 r ) E KW M

(171)

Anhang 6: Herleitung der Allokationsregel

k

Ein Erfolgsausweis gem. (104) wird erreicht, wenn Bedingung (106) erfüllt wird: k

E I

! k

E KWk .

Unter Berücksichtigung der erwarteten Investitionsauszahlung gem. (87), der erwarteten Cashflows gem. (88) und des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k gem. (90) wird, kann die vorangehehende Bedinung dargestellt werden als

320

Anhang

k

( x k yk )

!

xtk yk t 1 (1 r )

T

x k yk t

Durch Umformung lässt sich die Allokationsregel k

( x k yk )

!

T

x k yk t

k

( x k)

!

T

xk t T

! k

xk

t

.

k

(172)

herleiten:

xtk yk t 1 (1 r )

xtk t 1 (1 r )

(173)

xtk . (1 r )t

Anhang 7: Herleitung der Allokationsregeln

tk

und

tk

Ein erwarteter Erfolgsausweis gem. (104) wird erreicht, wenn Bedingung (108) erfüllt wird: tk

E ctk

tk

!

E I

k

t

E KW k .

Unter Berücksichtigung der erwarteten Investitionsauszahlung gem. (87), der erwarteten Cashflows gem. (88) und des erwarteten Kapitalwerts der Alternativinvestition k gem. (90), kann die vorangehehende Bedinung dargestellt werden als tk

xtk yk

tk

( x k yk )

! t

T

x k yk t

Umformungen führen zu:

xtk yk t 1 (1 r )

.(174)

Anhang

321

tk

xtk yk

( x k yk )

tk

T

!

xtk yk t 1 (1 r )

x k yk

t

t

xtk

tk

( x k)

tk

T

! t

xk t

T

xtk

tk

t t

xtk t 1 (1 r )

!

xtk t 1 (1 r )

( x k)

tk

t

x k.

(175) Die voranstehende Gleichung ist erfüllt, wenn beide Seiten den Wert null annehmen. Gleichsetzen der jeweiligen Seite mit null führt unter Umformungen zu folgenden Allokationsregeln: T xtk t . (176) tk tk t xtk t 1 (1 r ) t

Anhang 8: Herleitung der Allokationsregeln

tj

und

tj

bei wert-

neutraler Veräußerungsoption Ein erwarteter Erfolgsausweis gem. (103) erfolgt, wenn Bedingung (114) erfüllt ist, d. h. tj

E VP

j

tj

E I0 j

! t

E KW j .

Unter Berücksichtigung der Darstellung des erwarteten Verkaufspreises gem. (98), der erwarteten Investitionsauszahlung gem. (3), dem erwarteten Kapitalwert gem. (8) und der erwarteten Casfhlows

322

Anhang

des Investitionsprojekts j gem. (4) lässt sich Bedingung (114) darstellen als: T T ! xtj y j xtj y j . (177) x y ( ) tj tj 0 j j t t t t 1 (1 r ) t 0 (1 r ) Umformungen führen zu: T xtj y j tj t

1

(1 r )

tj 1 T tj t

1

T

! t

t 0

xtj

T t

tj

t

( x0 j y j ) tj

(1 r )t xtj

( x0 j )

T

! t

t 0

xtj

T t

t

(1 r )

t 1

(1 r )

! t

tj

xtj y j (1 r )t xtj

(178)

(1 r )t ( x0 j )

t

x0 j .

Die voranstehende Gleichung ist erfüllt, wenn beide Seiten den Wert null annehmen. Gleichsetzen der jeweiligen Seite mit null führt unter Umformungen zu folgenden Allokationsregeln: T xtj tj

t 1 T

t t

1

(1 r )t xtj

tj

t

.

(179)

(1 r )t

Anhang 9: Herleitung der Allokationsregeln mindernder Ver-äußerungsoption

j

und

j

bei wert-

Anhang

323

Ein erwarteter Erfolgsausweis gem. (133) erfolgt zum Zeitpunkt t= , wenn Bedingung (143) erfüllt ist: j

E c

j

j

!

E I0 j

KW

(1

) E KW j .

Unter Berücksichtigung der Darstellung der erwarteten Casfhlows gem. (4), der erwarteten Investitionsauszahlung gem. (3) und dem erwarteten Kapitalwert gem. (8) des Investitionsprojekts j lässt sich Bedingung (143) darstellen als: T x ! tj y j KW . (180) x y ( x y ) (1 ) j j j j j 0j r )t t 0 (1 Umformungen führen zu:

j

x

j

yj

j

( x0 j y j )

!

KW

(1

t 0

j

x

j

j

( x0 j )

!

KW

(1

j

j

(1

KW

T

) t 1

xtj

)

(1 r )

! t

(1 r )t

xtj

T t 0

x

xtj y j

T

)

j

(1 r )t ( x0 j )

(1

KW

) x0 j .

(181) Die voranstehende Gleichung ist erfüllt, wenn beide Seiten den Wert null annehmen. Gleichsetzen der jeweiligen Seite mit null führt unter Umformungen zu folgenden Allokationsregeln: T xtj KW (1 ) (1 KW ) . (182) j j t xj t 1 (1 r )

324

Anhang

Anhang 10: Herleitung der Allokationsregeln

tj

und

bei wert-

tj

mindernder Ver-äußerungsoption Ein erwarteter Erfolgsausweis gem. (133) erfolgt in allen Zeitpunkten 1 t T wenn Bedingung (147) erfüllt ist: E VP

tj

j

tj

!

E I0 j

t

) E KW j .

KW

(1

Unter Berücksichtigung der Darstellung des erwarteten Verkaufspreises gem. (127), der erwarteten Investitionsauszahlung gem. (3), dem erwarteten Kapitalwert gem. (8) und der erwarteten Casfhlows des Investitionsprojekts j gem. (4) lässt sich Bedingung (147) darstellen als:

tj

VP

(1

xtj y j

T

) 1

t

(1 r )

tj

t

!

( x0 j y j )

t

tj

tj ! tj

(1

( x0 j )

1 T

)

( x0 j y j )

tj

t

1

t

(1

(1 r )t xtj

tj

(1 r )t

t

KW

!

KW

(1

t

T

) t 0

xtj

T

) t

VP

(1 r ) t

(183)

Umformungen führen zu: T xtj y j VP (1 ) tj t t 1 (1 r ) VP

xtj y j

T

) t 0

.

(1

KW

(1

( x0 j )

!

KW

(1

t

)

T t 0

(1

KW

)

xtj

T t 1

(1 r )t

) x0 j . (184)

xtj y j (1 r )t xtj

(1 r )t

Anhang

325

Die voranstehende Gleichung ist erfüllt, wenn beide Seiten den Wert null annehmen. Gleichsetzen der jeweiligen Seite mit null führt unter Umformungen zu folgenden Allokationsregeln: T xtj tj

t

(1 (1

KW

) VP )

t 1 T t

1

(1 r )t xtj (1 r )t

tj

t

(1

KW

) . (185)

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